Frage von dilliargon, 25

Wann sind Menschenrechtsverletzungen moralisch vertretbar?

Hallo zusammen!

Ich bin in der 11 Klasse und habe den Projektkurs als Wahlfach belegt. Das Thema der Projekte die wir erstellen müssen ist Menschenrechte. Mich persönlich würde es hierbei sehr interessieren wann welche Gruppen von Menschen glauben, dass man Menschenrechte aussetzten dürfte und welche das wären.

Es wäre toll wenn ihr mir eure Meinung dazu sagen könntet und evtl. alternative Themenvorschläge machen könntet.

Vielen Dank!

Antwort
von Dxmklvw, 5

Sie sind immer dann moralisch vertretbar, wenn die Erhaltung der Rechte einer Gruppe die Erhaltung dieser Rechte für eine andere Gruppe ausschließt und es nur noch darum geht, welche Entscheidung den geringeren Schaden anrichtet.

Treffendes Beispiel: Terroristen kapern ein Passagierflugzeug, und es ist offensichtlich, daß dieses Flugzeug in ein vollbesetztes Fußballstadion gestürzt werden soll.

Die zu treffende Entscheidung wäre dann, ob das Flugzeug rechtzeitig abgeschossen werden soll (alle Passagiere sind dann tot), oder ob man es riskieren will, daß durch einen hingenommenen Absturz noch viel mehr Menschen sterben.

So etwas wäre dann einer der Fälle, von denen ich meine, daß da immer eine reine Gewissensentscheidung erfolgen muß, die auch späterhin nicht in einem Gerichtsverfahren abgehandelt werden darf.

Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man Menschrechte als zwingenden Schutz für jeden Einzelnen sehen will, der ein rechtzeitiges abwägendes Verhalten ohne Rücksicht auf die Folgen verhindert, oder ob man Menschenrechte auch abwägend in bezug auf geringstmöglichen Schaden sehen will.

Bei solchen Überlegungen kommen bei mir im Hinterkopf auch immer wieder Nebengedanken auf wie z. B. die Unterschiede zwischen echter Hilfe und einem Helfersyndrom, das in entsprechenden Fällen anstatt Nutzen nur jede Menge Zusatzschaden bringt.

Genau genommen geht es z. B. bei Verkehrsunfällen für die Rettungssanitäter auch stets um Menschenrechte. In komplizierten Situationen ist dann manchmal auch die Entscheidung zu treffen, welchem Unfallopfer zuerst geholfen werden soll und welchem möglicherweise infolge von zu wenigen Helfern nicht geholfen werden soll, damit andere gerettet werden können.

Auch in solchen Fällen wäre es fatal, wenn Sanitäter ein Helfersyndrom hätten, das sich so auswirkt, daß allen Unfallopfern nur ein wenig geholfen wird und alle dadurch dauerhafte Schäden behalten oder auch sterben.

Antwort
von LordFantleroy, 10

Ein Beispiel:

"Nachdem Gäfgen in der polizeilichen Vernehmung den Verbleib und Zustand seines Opfers verschleiert und zwei unbeteiligte Bekannte als Mittäter beschuldigt hatte, ordnete der damalige Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner an, durch Gewaltandrohung die aus seiner Sicht möglicherweise lebensrettende Aussage zum Aufenthaltsort des Elfjährigen zu erzwingen. Gäfgen machte daraufhin zutreffende Angaben, sodass die Polizei die Leiche des Entführungsopfers finden konnte. Für diese Gewaltandrohung musste sich Daschner später im Daschner-Prozess strafrechtlich verantworten"

https://de.wikipedia.org/wiki/Magnus_Gäfgen

"Unter dem Namen Daschner-Prozess ist ein Strafprozess vor der 27. Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts bekannt geworden, der gegen den ehemaligen stellvertretenden Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner wegen des Verdachts auf Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat sowie gegen den mitangeklagten Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen des Verdachts auf Nötigung im Amt geführt wurde. 

Das Verfahren endete am 20. Dezember 2004 mit einem Schuldspruch gegen die beiden Angeklagten.[1] Das Gericht setzte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 120 Euro (insgesamt 10.800 Euro) gegen Daschner und eine von 60 Tagessätzen zu je 60 Euro (insgesamt 3.600 Euro) gegen Ennigkeit fest, verwarnte beide und setzte eine Bewährungszeit von einem Jahr fest. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel gegen das Urteil, so dass es nach Verkündung rechtskräftig wurde.

Der Fall Daschner hat in der deutschen Öffentlichkeit zu Debatten über die Zulässigkeit von staatlicher Gewaltandrohung und -anwendung zur Aussageerzwingung in Strafverfahren bei bestimmten Dilemmata (die sogenannte Rettungsfolter[2]) geführt."

https://de.wikipedia.org/wiki/Daschner-Prozess

Antwort
von archibaldesel, 4

Am Montag gab es dazu bei der ARD einen Film. Thema: Ist es moralisch vertretbar, ein entführtes Flugzeug mit 169 Fluggästen abzuschießen, wenn man dadurch verhindert, dass das Flugzeug in ein vollbesetztes Stadion gesteuert wird und dort wahrscheinlich 70.000 Menschen tötet?

Die Menschenrechte der Fluggäste werden dadurch eindeutig verletzt....

Antwort
von Suboptimierer, 8

Auch unter den Menschenrechten gibt es Hierarchien. Zum Beispiel wäre es doch wohl hinnehmbar, die Würde von jemandem zu verletzen, z. B. durch Beleidigung, wenn man dadurch ein Menschenleben retten könnte.

Antwort
von JanfoxDE, 1

Eine simple Lösung;

Wenn der Staat es erlaubt.

Sonst hätten wir ja heutzutage nicht die Schulpflicht.

Antwort
von exxonvaldez, 2

Überhaupt nicht!

Menschenrechte sind absolut und lassen sich nicht gegeneinander abwägen.

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