Frage von linlin9090, 90

Wann sind Eilmeldungen wirklich Eilmeldungen?

Ein Gedanke der mir aufgefallen ist:

Gerade als Deutschland das Spiel gegen Frankreich verloren hat, wird es in roter Überschrift als Eilmeldung bei der SZ deklariert. Hin und wieder sehe ich andere Eilmeldungen, zum Beispiel wenn irgendein Mensch gestorben ist oder wenn irgendein Politiker zurücktritt.

Menschen sterben jede Sekunde, Politik ist eh Schauspielerei, und ich denke auf der Erde gibt es dringendere Probleme, als Fußball. Was ist mit den ganzen Massenmorden an Tieren, die sowohl quantitativ als auch vom Ausmaß her öfters und verherrender geschehen als der Tod eines bloßen Menschen oder die Niederlage einer Fußballmannschaft? Wie steht es mit den ganzen Armuts- und Hungersproblemen in Entwicklungsländern?

Ist das nur eine Verkaufsstrategie der Medien oder hat die Menschheit wirklich kein Interesse, über Dinge zu lesen, die sie selbst "eh nicht verändern können"?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Q33NY, 21

Das Ergebnis eines Fussballspiels als Eilmeldung zu platzieren zeigt welches Niveau die heutige Presse besitzt.

Das Spiel wurde von Millionen am TV verfolgt

Unter Eilmeldung versteht man in der Regel was anderes, nämlich es ist etwas passiert und so gut wie niemand hats mitgekriegt.   

Kommentar von earnest ,

Eine Eilmeldung erfolgt - wie eine"normale" Meldung - unabhängig davon, ob das schon vorher jemand mitgekriegt hat.

Antwort
von Rosenblad, 13

Im Grunde sind mehrere Themen zu beschreiben:

Was sind die Triebkräfte dieser ökonomischen Wachstumsgesellschaft und in welchen Maße können sich die Medien als betriebswirtschaftliches Privatunternehmen  (auch unter der Maßgabe "wem" die einzelnen Print- und Webmedien gehören) oder öffentlich-rechtliche Anstalten (mit nicht immer klar getrennten politischen Einflussfaktoren) eine (in diesem Fall ökonomisch) freien Berichterstattung "leisten" - derlange Schachtelsatz sei mir unbenommen.

Oder wie es der Sozialphilosoph Oskar negt einmal formulierte: „In einer bisher kaum denkbaren Dimension hat heute betriebswirtschaftliche Rationalität alles aufgezehrt, was einst unter Volkswohlstand, unter Volkswirtschaft verstanden wurde, gleichsam die "Ökonomie des Ganzen Hauses". In dem Maße, wie Betriebswirtschaft die bilanzierende Gesamtrechnung der ganzen Gesellschaft aufzehrt, werden immer mehr Bereiche unter die Ideologie gestellt, als ob die Gesellschaft sich aus einzelnen Betrieben zusammensetzt, ja aus der Summe einzelner Individuen besteht, und diese Ideologie führt dazu, daß das, was mit Kultur bei Schiller und in der Tradition der dialektischen Kulturkritik verknüpft ist - nämlich die Sorge um das Wohl und Wehe des Gemeinwesens - völlig ausgegliedert ist."

Dieser ökonomisch-determinierten Ideologie (als "Schlagzeilenideologie" im kapitalisierbaren Mantel) kann sich natürlich auch ein Medienunternehmen nicht entziehen. Der zweite Aspekt wäre dann der Primingfaktor von Medien - ein Bereich, auf den ich genausowenig eingehen möchte (siehe dazu vertiefend: Michael Schenk „Medienwirkungsforschung“) wie auf den dritten Ansatzpunkt, den der psychologischen Elizitation des Menschen - beides würde hier den Rahmen sprengen.

Antwort
von 2Fragensteller0, 59

Es bringt nicht jeden Tag über hungernde Kinder oder Tierqälerei zu reden, weil sonst kommt jeden Tag dasselbe. Die Medien müssen andere Stories finden damit die nicht bankrott gehen

Kommentar von linlin9090 ,

Wenn jeden Tag dasselbe käme, wird eventuell auch eine Veränderung eingeleitet oder hervorgerufen. Aber der zweite Teil Ihres Satzes ist verständlich, es geht immer nur ums Geld.

Antwort
von earnest, 33

Bei  mir in der Küche war heute eine Spitzmaus in den gelben Müllsack eingedrungen, raschelte dortselbst süß herum und schaute mich mit ihren süßen Knopfaugen an - frech wie Oskar. Sie war satt, und der Hunger in der Welt war für sie kein Thema.

DAS wäre doch eine tolle Eilmeldung, die die ganze Republik interessiert, oder etwa nicht?

Was ich damit sagen möchte: Mach mal halblang. Gönn den Menschen ihre Interessen. Gönne den Menschen ihr Vergnügen. Gönne es ihnen, dass sie nicht den ganzen Tag Trübsal blasen und über den Zustand der Welt lamentieren.

Entspanne dich. Morgen früh bekommst du auch wieder andere Eilmeldungen serviert. Vielleicht über den nächsten Terroranschlag in Istanbul. Vielleicht auch die schlimme Nachricht, dass vor Lampedusa 198 Menschen ertrunken sind.

Kommentar von earnest ,

Du solltest tolerant genug sein, um akzeptieren zu können, das unterschiedliche Menschen Unterschiedliches interessiert und dass die Medien selbstverständlich diese unterschiedlichen Bedürfnisse bedienen.

Das ist einfach so. 

Da bedarf es weder einer Verschwörungstheorie - wie man sie von rechts hört, Stichwort: "Lügenpresse" - noch des Moralisierens, wie man es oft von links hört.

Kommentar von linlin9090 ,

Ihre Sichtweise ist nachvollziehbar, aber wenn dem Menschen der Massenmord an Tieren nicht interessiert und sie einfach wegschauen, weil ihnen vielleicht Fußball mehr interessiert, dann könnte man genauso sagen, dass das Wegschauen von öffentlichen Fehlverhalten, zum Beispiel wenn ein Mädchen von anderen Jungs in der S-Bahn belästigt wird, genauso gerechtfertigt wäre, weil man vielleicht einfach kein Interesse hat einzugreifen, und das hat weder was mit ,,Zivilcourage" noch mit ,,politischer Korrektheit" zu tun. Da wäre jegliche Kritik genauso unangemessen.

Kommentar von earnest ,

Diese Schein-Analogie ist mir zu billig.

Kommentar von linlin9090 ,

Gönne es ihnen, dass sie nicht den ganzen Tag Trübsal blasen und über den Zustand der Welt lamentieren.

Genau das würde ich mir jeden Menschen wünschen, denn nur dadurch sieht man die eigentlichen Probleme auf der Welt, und dass Regenbogen und Sonnenschein nur im eigenen Kopf existieren.

Ich frage mich zum Beispiel auch, wie man glücklich auf Partys und Clubs feiern kann, währenddessen abertausende von Leben zerstört werden. Einfach zum Kopfschütteln....

Antwort
von soissesPDF, 20

Nichts ist älter als eine Nachrichtig von gestern.

Heute gilt, es schlagen nicht mehr die Großen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.

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