Frage von Meli240193, 215

Wann lohnt sich eine Steuererklärung?

Hallo, ich war gestern in der Niederlassung meines Arbeitgebers und eine Kollegin dort sprach mit ihrer Vorgesetzten über Steuererklärung schreiben, 3 Jahre rückwirkend über ein Steuerbüro, wie viel sie aufgrund ihres Arbeitsweges verschenkt hat und dass sie jetzt anfangen wird, jedes Jahr ihre Steuererklärungen zu schreiben, da sie bisher keinen Gedanken daran verschwendet hat. Da bin ich ins Nachdenken gekommen, denn ich habe auch noch nie eine Steuererklärung geschrieben und somit eventuell auch Geld verschenkt, was ich hätte zurück bekommen können.

Kann mir da jemand weiterhelfen oder mir ein paar Ratschläge geben? Ab wann lohnt sich eine Steuererklärung überhaupt? Nach meiner Ausbildung, als ich in meine Vollzeitstelle ging, sagte mir die Steuerberaterin meiner Eltern, dass man mit Lohnsteuerklasse I besser keine Steuererklärung schreiben sollte, da man sonst eventuell sogar noch draufzahlen könnte. Ist dem wirklich so?

Danke im Voraus für eure Antworten und LG! :-)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gerolsteiner06, 109

Wenn man davon ausgeht, daß der Arbeitgeber die Lohnsteuer korrekt abführt, dann braucht man eigentlich keine Angst haben, daß man noch nachzahlen muß.

Eine Steuererklärung lohnt sich nur, wenn man Kosten hatte, die man von der Steuer absetzen kann. Also z.B. einen langen Weg zur Arbeit, so daß die ansetzbaren Werbungskosten über dem Pauschalbetrag liegen. Oder Aufwände für zusätzliche Ausbildung, oder Arbeitskleidung, die der AG nicht stellt. Da gibt es noch vieles, was möglich ist.

Dazu reicht hier GF nicht aus, dazu sollte man sich mal informieren.

Steuerberater wäre auch ein Tipp, aber der kostet Geld und das auch, wenn nichts zurück kommt. Das wäre also ein Risiko, Geld zu investieren und nix raus zu bekommen.

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Ich gebe Dir noch einen Tipp:

Du kannst Dir eine Steuererklärungs-Software kaufen, die kostet nicht viel. Da wirst Du durch alle wesentlichen Punkte der Steuererklärung geführt und mußt Deine Detaildaten eingeben. Dann siehst Du recht schnell ob Du Chancen hast etwas raus zu bekommen.

Du kannst leicht bei E-Bay eine gebrauchte für zurück liegende Jahre kaufen die werden dort für wenige Euronen angeboten.

z.B. Steuer-Sparbuch von WISO (Buhl-Data) oder etliche vergleichbar gute.

Kommentar von daCypher ,

Ehrlichgesagt fand ich die Steuererklärungs Software die ich mal hatte, nicht besser als die Elster-Formulare im Internet. Für mich hat sich das nicht gelohnt, dafür Geld auszugeben.

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Ja, inzwischen sind die Elster-Formulare auch schon so gut, daß es ausreichen kann.

Aber der Vorteil der Steuer-SW ist, daß man durch die Formulare geführt wird und Erklärungen bekommt. Wenn man gar keine Ahnung hat, dann kann das sehr helfen in das Thema rein zu kommen.

Ich weiß nicht was Du hattest, es gibt auch echt schlechte SW - ich fahre mit dem WISO-Sparbuch recht gut.

Kommentar von RudiRatlos67 ,


Aber der Vorteil der Steuer-SW ist, daß man durch die Formulare geführt wird und Erklärungen bekommt

Auch das macht ELSTER mittlerweile.

Ich erstelle meine Bilanz über ein gekauftes Programm, da mir die Einkommenststeuersoftware aber nach der letzen Neuerung nicht mehr gefällt habe ich für 2015 ELSTER für alle Steuerarten benutzt und bin damit sehr gut zufrieden.

Kommentar von Meli240193 ,

Danke euch :-) das mit der Software klingt gut

Antwort
von kevin1905, 87

Ab wann lohnt sich eine Steuererklärung überhaupt?

Wenn du Lohnsteuerabzüge hast, aber auf der anderen Seite auch über die Pauschale von 1.000,- € hinausgehende Werbungskosten.

Sonderausgaben können auch interessant sein, wenn sie beim Lohnsteuerabzug noch nicht berücksichtigt sind (z.B. Beiträge zur Riester oder Rürup-Rente).

Es gibt allerdings auch Fälle in denen die Abgabe verpflichtend ist (z.B.:)

  • Ehegatten bei Steuerklassen III/V
  • Nebenjob, der kein pauschal besteuerter Minijob ist (und dann über Klasse VI läuft)
  • Bezug von Entgeltersatzleistung im gleichen Jahr, wenn auch Arbeitslohn bezogen wurde (ALG I, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, etc.)
  • Nebeneinkünfte, die keinem Quellensteuerabzug unterliegen (selbständige Arbeit, Gewerbebetrieb, Vermietung, etc.)
Antwort
von daCypher, 87

Bei mir ist hauptsächlich der Arbeitsweg von 25km in der Steuererklärung. Die eine oder andere Versicherung kann ich auch angeben. Das reicht schon, damit ich jährlich auf etwa 350€ Rückzahlung komme.

Wenn du dir Dinge kaufen musstest, die du nur für die Arbeit brauchst, kannst du das angeben. Wenn du z.B. Geld für eine pflegebedürftige Person zahlst oder für Kinder oder wenn du was gespendet hast, kannst du das alles angeben.

Guck mal, ob in deiner Nähe eine Lohnsteuerhilfe ist. Die helfen dir für eine geringe Gebühr, deine erste Steuererklärung zu schreiben. Für die Jahre danach kannst du dann das meiste einfach aus der letztjährigen Steuererklärung übernehmen.

Antwort
von Interesierter, 88

Bei Steuerklasse 1 ist draufzahlen nur dann möglich, wenn du noch anderweitige Einkünfte hast, die du auch sonst nicht angegeben hast.

In aller Regel lohnt es sich, eine Steuererklärung abzugeben. Spezeill dann, wenn der Werbungskosten-Pauschbetrag überschritten wird, wenn du haushaltsnahe Aufwendungen hattest oder wenn du Vorsorgeaufwendungen wie z.B. Lebensversicherungen, Riester-Rente etc. am Laufen hast.

Ich mache meine Steuererklärung selbst mit einer Software von Buhl. Das geht fix und kostet nicht viel. Alles ist schön erklärt und selbst Leute, die sich nicht besonders auskennen, kommen problemlos damit zurecht.

Antwort
von RudiRatlos67, 113

Eine Steuerklärung lohnt sich IMMER ! ! ! wenn man Einkommenststeuer bezahlt hat.

Der Arbeitgeber überweist pauschal nach Steuerklasse berechnete Einkommenststeuern für seine Arbeitnehmer an das Finanzamt.
Es gibt einige Pauschalen, die dabei nicht berücksichtigt werden zb. Werbungskosten (alle Aufwändungen die man für seine Arbeit benötigt wie z. Anfahrt zur Areitsstätte, Kontoführungsgebühren, Arbeitsmittel Werkzeuge / Kleidung, Büromaterial, usw.usw) und falls die Pauschalen überschritten werden, auch noch kosten die Nachgewiesen werden müssen. (Pauschale Werbungskosten 1.000 Euro, wer zb. einen täglichen Arbeitsweg von 100 KM einfache Fahrt an 200 Tagen mit dem eigenen PKW zurücklegen muss, hat eine Belastung von 20.000 Km die mit 0,30 Eur berechnet werden. 20.000 * 0,3 sind 6.000 Euro Aufwand statt der Pauschale von 1.000 Euro, als Nachweis genügt die Adresse und das zuletzt benutzte Kfz Kennzeichen, auch öffentliche Verkehrsmittel werden berücksichtigt)

Darüber hinaus sind Teilweise Versicherungen absetzbar (Haftpflicht- Unfall- u. Lebensversicherungen)

Grundsätzlich ist es so, das durch die ermittelte Pauschale zuviel Steuern durch den Arbeitgeber abgeführt werden. Mit der Steuererklärung wird das zu versteuernde Einkommen genau ermittelt und es ergibt bei einem Arbeitnehmer der nur ein Einkommen hat grundsätzlich eine überzahlte Einkommenssteuer die es gilt erstatten zu lassen.

Kommentar von grubenschmalz ,

Lohnt sich nicht immer. Wer gesetzlich versichert ist und einen Arbeitsweg von 5-10km hat und sonst keine ansetzbaren Ausgaben (zB haushaltsnahe Dienstleistungen) oder zB Riester-Rente, der wird nichts wiederbekommen. Und draufzahlen bei SK1 ist nur bei zusätzlichem Einkommen.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Das sehe ich anders, da mindestens die Pauschalen absetzbar sind.

Im überigen sieht man bei den heutigen Steuerprogrammen einschl. Elster, ob man etwas nachzahlen muss oder etwas zurück bekommt.

Kommentar von MenschMitPlan ,

Es gibt einige Pauschalen, die dabei nicht berücksichtigt werden zb. Werbungskosten

Die Werbungskostenpauschale i. H. von 1.000 € wie auch die Vorsorgepauschale ist im Lohnsteuerabzug bereits berücksichtigt.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Ich bin zwar kein Steuerberater aber soweit mir bekannt ist, müssen die 1.000 EUR Werbungskosten als Freibetrag auf der Steuerkarte / Elektronischen Steuerkarte auch eingetragen sein um berücksichtigt werden zu können.
Das ist längst nicht immer der Fall

Kommentar von MenschMitPlan ,

aber soweit mir bekannt ist,

Dann frische dein Wissen mal mit einem Blick ins Gesetz auf!

Kommentar von tt290 ,

Das ist nicht richtig, wie ein Blick ins Gesetz (§ 39b Abs. 2 Satz 5 Nr. 1 EStG) zeigt.

Ansonsten würde die Formulierung des § 39a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG dem auch zuwider laufen, wonach nur der den Wk-Pb übersteigende Teil als Lohnsteuerabzugsmerkmal in den ELStAM eingetragen werden darf. Und dann auch nur, wenn dieser Betrag 600,- EUR übersteigt.

Antwort
von passaufdichauf, 60
 sagte mir die Steuerberaterin meiner Eltern, dass man mit Lohnsteuerklasse I besser keine Steuererklärung schreiben sollte, da man sonst eventuell sogar noch draufzahlen könnte.

Deine Eltern haben eine seltsame Steuerberaterin! Wenn du keine Freibeträge eingetragen hast, warum solltest du dann nachzahlen müssen?

Du wirst vom Einkommen versteuert und kannst eigentlich nur eine Rückzahlung raus bekommen durch höhere Werbungskosten (oder eben nichts, weil keine Werbungskosten angesetzt werden können), aber nachzahlen - nee.

Antwort
von petrapetra64, 35

bei der Klasse 1 zahlt man normalerweise nicht drauf, weil bereits korrekt abgerechnet wird.

Es lohnt sich, wenn man was abzusetzen hat, was vorher nicht berücksichtigt wurde. Das wären Fahrtkosten zur Arbeit, Weiterbildungen, hohe Gesundheitskosten, Mietnebenkosten oder Reparaturen zu Hause.

Ob und was du abzusetzen hast, wissen wir nicht. Dazu bräuchte an Angaben.

Wer nichts abzusetzen hat, bei dem geht es mehr oder weniger Null auf Null auf.

Antwort
von Steuerberaterin, 20

Sehr geehrter Fragesteller,

Die Abgabe einer Steuererklärung lohnt sich immer, wenn Sie höhere Kosten als 1000 € haben und im Angestelltenverhältnis sind.

Allerdings ist erst mal zu prüfen ob Sie gegebenenfalls zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Dies kann sein, wenn sie beispielsweise Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, etc. bekommen.

Wenn dies kann aber beispielsweise auch der Fall sein, wenn sie verheiratet sind und sich für die Steuerklassenwahl 3/5 entschieden haben. Ebenfalls zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind Sie, wenn sie Einkünfte aus Einkunftsarten erzielt haben aus denen keine Steuer einbehalten wurde. Dies ist zum Beispiel Vermietung und Verpachtung, Gewerbebetrieb oder sonstige Einkünfte wie Renten.

Bitte beachten Sie, dass die Aufzählungen nicht vollzählig sind.


Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass sie nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können Sie eine so genannte Antragsveranlagung beim Finanzamt durchführen lassen. Hier können Sie in die Steuererklärung für vier Jahre rückwirkend beantragen. Im Jahr 2016 somit für die Jahre 2012-2015.

Da im Rahmen der Berechnung der Nettobeträge bei ihrem Arbeitgeber bereits der so genannte Werbungskostenpauschbetrag von derzeit Euro 1000 berücksichtigt ist, lohnt sich die Einreichung der Steuererklärung nur wenn zum Beispiel dieser Betrag überschritten wird. Werbungskosten sind alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Ihrer Tätigkeit entstanden sind.

Es kann sich aber auch beispielsweise lohnen eine Steuererklärung abzugeben, wenn eine Behinderung vorliegt, oder beispielsweise einen Vertrag über eine Riester-Rente abgeschlossen wurde.

Auch die Verausgabung auch von haushaltsnahen Dienstleistungen in gemäß Paragraph 35 a EStG kann einen enormen steuerlichen Vorteil ausmachen. 

[+++ durch Support editiert +++]


Antwort
von FooBar1, 60

Sobald du Geld verdienst

Kommentar von Meli240193 ,

Krass - das hätte ich ja nun garnicht erwartet^^

Kommentar von FooBar1 ,

Ja. Viele andere auch nicht. Deswegen machen sie es ja nicht

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community