Frage von MarissaMautner, 41

Wann ist man Ökostromanbieter?

Frage rein Interessenshalber, weil mich manche Werbungen dahingehend etwas stutzig gemacht haben:

Was macht nen "Ökostromanbieter" zu ebensolchen? Ich nehm mal stark an, dass die Ihre Energie irgendwie Umweltfreundlich bzw. Nachhaltig gewinnen und produzieren.

Aber gibts da irgendwelche konkreten Richtlinien? Finde dazu kaum was...

Wenn nicht könnte das ja jeder behaupten und damit hausieren gehen und so Kunden gewinnen, oder?

Danke für eine Erklärung!

LG

Antwort
von dompfeifer, 20

"Ökostromanbieter" kaufen Elektroenergie ein, deklarieren diese als "Ökostrom" und verkaufen sie teuer mit dieser fiktiven Veredelung. Das ist seit Jahrzehnten bekannt und gesetzlich geradeso vorgeschrieben. Die unter http://www.energieverbraucher.de/de/kennzeichnung__372/
auffindbare Nachricht halte ich da auch nur für ein neues Täuschungsmanöver.

Die Täuschung stützt sich auf einige verbreitete Missverständnisse: Zunächst lässt sich Elektroenergie in technischer Hinsicht nicht nach ihrer "Herkunft" sortieren, weil sie ja von allen Kraftwerken in das gemeinsame europäische Versorgungsnetz („UCTE-Verbundnetz“) eingespeist wird. Das ist so unmöglich wie z.B. die nachträgliche technische Sortierung der einem Wasserbehälter zugeführten Wärme nach den zur Aufheizung des Wassers eingesetzten Energiequellen (z.B. Kohle, Öl, Gas).

Deshalb wird die physikalisch nicht ermittelbare „Herkunft“ von gehandelten Energiemengen nach der Herkunft der Einkaufsbelege gesetzeskonform deklariert. Die jeweils gehandelte Energiemenge wurde über das
gemeinsame Versorgungsnetz nachweislich von einem Unternehmen eingekauft, das über „nachhaltige Energiequellen“ verfügt. Nun könnte man vertrauensvoll  zumindest theoretisch dafür sorgen, dass der „Ökostromproduzent“ genauso viel „Ökostrom“ in kWh verkauft, wie er selbst in kWh in das Versorgungsnetz einspeist. Aber erst damit wird die Täuschung des Stromkunden perfektioniert!

Das läuft dann in der Praxis z.B. so: Ein deutscher Stromhändler kauft in Frankreich 1 MWh Atomstrom ein und verkauft den an einen schwedischen Händler weiter. Der Schwede bezahlt diese 1 MWh Atomstrom nicht mit Geld, sondern mit 1 MWh Ökostrom aus schwedischen Wasserkraftwerken. Natürlich wird dabei kein realer Strom in Europa herumgeleitet. Es wird so nur kaufmännisch am Schreibtisch-Computer der billige Atomstrom zu teurem Ökostrom veredelt, und zwar ganz legal. Schweden gehört nicht dem UCTE-Verbund an. Deren Stromhandel prüft keine deutsche Behörde.

Antwort
von Mikkey, 30

dass die Ihre Energie irgendwie Umweltfreundlich bzw. Nachhaltig gewinnen und produzieren

Nein, ein Anbieter heißt so, weil er etwas anbietet, und das ist in diesem Fall ökologisch (i.e. nachhaltig) erzeugter Strom. Diesen kauft der Anbieter seinerseits ein.

Antwort
von Michel1307, 14

Ein Ökostromanbieter muss zu einem gewissen Teil nachhaltige Quellen für die Energieerzeugung verwenden, um als solcher zu gelten. Das Gegenteil wären übrigens Anbieter, die rein auf fossile Brennstoffe wie Kohle oder Gas zurückgreifen.

Doch so einfach wie ihr das darstellt ist das leider lange noch nicht, liebe Vorposter_innen!

In der Tat ist nämlich die Skepsis was die Werbeaktivitäten betrifft gerechtfertigt - ich zitiere von http://www.guenstige-stromanbieter-wechseln.de/was-sind-oekostromanbieter.html zum Thema Ökostromtarfie:
Doch Vorsicht! Wie so oft in der Werbung muss hier klar differenziert werden. Wenn ein herkömmlicher Anbieter zu 99 Prozent Strom aus fossilen Quellen herstellt und nur zu einem Prozent aus ökologischen Quellen, dann kann er in der Werbung dennoch davon sprechen, etwas für die Umwelt zu tun und Ökostrom anzubieten. "

Ergo: Da gibt es viel Lug und Trug. Am besten genau nachprüfen, woher genau der Strom aus deiner Steckdose kommt und zu welchem Anteil, wenn du auf das Thema Nachhaltigkeit wert legst und selbst dazu beitragen willst!

Kommentar von dompfeifer ,
woher genau der Strom aus deiner Steckdose kommt

Genau das ist der verbreiteste Irrtum! Der "Strom aus der Steckdose" kommt immer aus dem einzigen gleichen europäischen Verbundnetz, in das alle Kraftwerke ihre Energie einspeisen. An den Steckdosen gibt es überall nur "230 Volt, 50 Hertz" und keinen Kohle- Atom- oder Ökostrom!

Antwort
von fragenschleuder, 18

Ein Anbieter für Ökostrom, darf wie man am namen schon erkennen kann, nur "grünen" Strom verkaufen. Unter Ökostrom versteht man zb folgende:

Strom der durch Biogasanlagen produziert wird.

Strom durch Solaranlagen

Wasserkraftwerke

Windkraft

Nicht jeder Ökostromanbieter produziert seinen Strom selber, hier wird alles, oder ein teil an der Strombörse eingekauft, hier darf aber nur mit Ökostrom gehandelt werden. 

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