gioia am 05.10.2007 um 23:55 Uhr
Ein mir bekannter Arzt meinte, Alkoholiker sei man, wenn man täglich sein Glas Wein benötigt oder sein Glas Bier. Nicht die Menge macht es aus, sondern die Regelmäßigkeit. Stimmt das?

Ein sogenannter "Quartalssäufer" ist genau so alkoholabhängig wie ein "Spiegeltrinker". Bei dem Einen ist es die Menge, auch wenn er zwischendurch immer mal wieder pausieren kann, bei dem anderen ist es die Regelmäßigkeit, um den Alkoholspiegel immer auf einem bestimmten Level zu halten. Hier spielt nicht unbedingt die Menge eine Rolle, da kann schon 1 Bier täglich ausreichen.
Die Alkoholkrankheit ist eine schleichende Krankheit, die erst bemerkt wird, wenn man schon tief drinnen steckt. Wer regelmäßig das Bedürfnis nach Alkohol hat, steckt zumindest schon in der Anfangsphase und sollte sich Gedanken machen.

Nur am Wochenende? Nur abens einen zum einschlafen? Brauchst du den Alkohol zu besonderen Anlässen?? Egal wie oft oder wie viel (oder wenig) man trinkt, in dem Moment wo du ihn brauchst bist du ein Alkoholiker. Sei ehrlich zu dir selbst !

Ich halte das für ein wenig übertrieben. Wenn man alle als Alkoholiker, i.e. krank, bezeichnen würde, die täglich ein Bier oder ein Viertele trinken, wären die Deutschen ein Volk von Säufern. Und wenn man diese Menge statistisch ansetzen würde, träfe diese "Dosis" mit Sicherheit auch auf jedes Baby und jeden Greis zu.

Mein Arzt meinte einmal auf die gleiche Frage: "Wenn Sie am Morgen nach einem Besäufniss einen richtigen Kater haben und es Ihnen so richtig schlecht geht, dann ist alles in Ordnung. Wenn Sie aufwachen und es geht Ihnen gut, dann solten Sie sich Sorgen machen!"
Komisch. Aber meine Frau erzählt immer, dass es ihr während ihrer aktiven Trinkzeit von Morgen zu Morgen schlechter ging. Es ist ein Märchen, dass ein Alkoholiker viel vertragen kann und deshalb auch keinen Kater bekommt. Es ist auch nicht der Kater der es dem Alkoholiker morgens schlecht gehen lässt, sondern z.B. die Gewissensbisse bzgl. des letzten Tages. Dass er sich und andere doch wieder nur belogen hat. Aber vor allen Dingen ist es der morgendliche Drang, sich erst einmal einen "hinter die Binde zu kippen", damit man funktionieren kann. Denn von einem bestimmten Stadium der Alkoholkrankheit an braucht man den "ersten Schluck". Ohne ihn zittert man wie Espenlaub und man fällt seinem Gegenüber schon auf, weil man die Kaffeetasse nicht mal mehr fehlerfrei zum Mund bekommt. - Ich glaube daher eher meiner Frau, den ca. 30 Mitgliedern unserer Kreuzbundgruppe und vor allen Dingen meinen eigenen Erfahrungen. - Übrigens. Auch ich kann manchmal gut "zulangen" und bin am nächsten Morgen topfit. Bin ich jetzt gefährdert??
Wenn du ohne den Alkohol nicht mehr auskommen kannst, dann denke ich ist man Alkohol süchtig/Alkoholiker --> ist wie beim Rauchen.
YuLy42 am 6. Oktober 2007 00:06 und was ist z.b. mit quartalssäufern? so einfach lässt sich die frage nicht beantworten. bitte bei einem so sensiblen thema keine schnellschüsse, liebe leute.
Dann sag doch, was Du weisst und meinst ! Schnellkritisierer.
die Regelmäßigkeit ist aber doch auch oder gerade bei einem Quartalssäufer der Punkt, oder?!
YuLy42 am 6. Oktober 2007 00:12 ich verweise auf meine antwort. quartalssäufer ist im übrigen auch ein name für leute, die abstürze in unregelmäßigen abständen haben.

Das Benötigen ist es, das aus Genuss Sucht macht. Wenn dazu auch noch der Alkohol als Lösung für Probleme dient, kann man von Abhängigkeit sprechen: "Auf die Nachricht hin brauche ich erst mal einen Schnaps!"
..dann zum Wohlsein ;-)

Aus vielen der Antworten hier kann man zusammenfassend wohl sagen, dass es wichtig ist, immer die Gesamtsituation zu betrachten. Weder ist es "normal" jeden Tag (wirklich jeden) "nur" ein Bier zu trinken, aber eben nicht darauf verzichten zu können, noch ist es gleich Alkoholismus, wenn man sich zu einem unbestimmten Anlass aus der Gelegenheit heraus bis zum Umfallen volllaufen läßt. Viele entscheidende Aspekte sind aber schon aufgetaucht: Regelmäßigkeit und Menge sind wichtig, aber eben nicht allein; die Funktion des Alkohols, Dosissteigerung, heimliches Trinken und Schuldgefühle, Entzugserscheinungen (auch in Form von Verhalten, z.B. Aggressivität, Nervosität, wenn der Alkohol den Tagesablauf bestimmt - all das sind wichtige Indizien, die aber trotzdem nicht bei jedem Alkoholiker in derselben Ausprägung vorhanden sein müssen.
DocRoc am 6. Oktober 2007 10:20 Beste Antwort bisher. Dem ist meienr Ansicht nach nichts hinzuzufügen.
Also wenn man regelmäßig also täglich ein Glas Bier oder Wein trinkt da ist man angeblich schon Alkoholiker und trinkt man soviel das man ohne gar nicht mehr auskommt und Endzugserscheinungen bekommt wenn man keinen Alkohol bekommt dann gilt man dann als Alkoholkrank aber laß dich nicht verrück machen in Maßen ein Glas Rotwein z.B. am Tag ist sogar sehr sehr gesund für Herz usw. und soll sogar das leben verlängern na denn prost :-)

Diese Woche habe ich einen Bericht gelesen aus den USA. Darin stand, wer täglich 0,75 l Bier trinkt gehört schon zu den Alkoholikern. Ich selbst trinke so gut wie keinen Alkohol und finde trotzdem diese Einteilung etwas hart.

Mein Arzt sagte auf diese Frage: 2 Einheiten am Tag sind ok¨Damit meinte er zwei Glas Wein oder 2 Bier oder 2 Schnäpse.
Ich fand das ziemlich grosszügig ausgelegt, aber ein echter Alki geht tatsächlich über diese Grenze hinaus.
Ein echter Alki kommt auch keine 4 Wochen ohne aus.
darkmaiden am 6. Oktober 2007 10:00 das ist ja auch nicht ganz richtig, wenn man bedenkt, dass auch ein "echter Alki" der trocken ist, noch ein "echter Alki" ist. Die Menge von 2 Einheiten generell als unbedenklich einzustufen ist Unsinn. Und ein "Alki" geht auch nicht jedesmal über diese Grenze hinaus. Grundsätzlich ist es problematisch, bei Suchtproblemen zu verallgemeinern.
Wenn man im 17. Stock wohnt und das Bier zum Abendbrot ist im Keller,geht man es holen, auch wenn der Aufzug kaputt ist - als Abhängiger. Läßt man das Bier für den Abend mal sein, dann ist man wohl nicht alkoholkrank.

die frage kann man sich selbst beantworten:
YuLy42 am 6. Oktober 2007 00:08 wichtig ist bei einem solchen test natürlich, absolut ehrlich zu sich selbst zu sein...
Die Antwort des Arztes ist nicht ganz falsch und nicht ganz richtig. Es ist sowohl die Menge wie die Regelmaessigkeit. Pruefe Dich selbst. Wenn Du drei Tage, oder auch laenger ohne sein kannst, ohne Problemme, dann hast Du kein wirklich problem.
Raimund1 am 6. Oktober 2007 02:51 drei Tage ist zu wenig

Ja, es stimmt schon, was der Arzt sagt. Wenn deine Physis oder deine Psyche den Alkohol braucht, bist du abhängig. "Abhängig sein" bedeutet ja, dass dein eigener Wille reduziert ist (du brauchst den Stoff). Und das hängt nicht ursächlich von der Menge ab; "Spiegel"-Trinker brauchen auch kein grosses Quantum Alkohol, jedoch "ihr" Level ständig; sonst bekommen sie Entzugs-Erscheinungen.
Ich bin selbst trockener Alkoholiker und weiß, wovon ich spreche! Die Antwort von darkmaiden ist genau richtig und der Kernpunkt ist: Gibt es zu einem bestimmten Zeitpunkt nichts Wichtigeres als Alkohol zu konsumieren, dann hat man ein Suchtproblem! Alle Mengenangaben sind unwichtig, der wiederkehrende Wunsch, jetzt zu trinken, macht den Unterschied. Und es ist unverantwortlich von Ärzten, bei regelmäßigem Trinken eine "noch akzeptable Mengenangabe" zu machen!! Den Arzt würde ich schnellstens wechseln, der hat seinen Beruf verfehlt!!
Ich denke auch, dass der Arzt Recht hat. Ich bin aber auch der Meinung, dass ein täglich genossenes Bier oder ein entsprechender Wein keine Abhängigkeit bedeuten. Ich selbst bin seit über zehn Jahren "offiziell" Co-Alkoholiker. Offiziell deshalb, weil meine Frau seit gut zehn Jahren trocken ist und mir seit dieser Zeit erst klar ist, dass ich auch krank bin und es für immer bleibe. Aber ich selbst trinke Alkohol, wenn mir danach ist und wenn er mir auch schmeckt. Aus keinem anderen Grund!! Es ist nach meiner Erfahrung - die aus vielen Gesprächen in mehr als zehn Jahren Kreuzbundzugehörigkeit hervorgeht - wohl der Drang, etwas trinken zu MÜSSEN. Kein Genuß, kein Geschmack, sondern der unnachgiebige Drang. Ich selbst kenne Menschen, die täglich 3-5 Falschen Bier trinken und die ich nicht für abhängig halte. - Aber ich halte ihr Trinkverhalten für durchaus "auffällig", wie man in meinen Kreisen so sagt.