Frage von Devrim34, 43

Wann genau spricht man von einem Völkermord?

Ich weiß, dass ein Völkermord sich gegen eine Ethnie samt Identität und Kultur richtet.

Wenn ich in die UN-Liste der Völkermorde schaue, so sehe ich nur sehr wenige Völkermorde.

Warum genau bezeichnet man den Vietnam-Krieg nicht auch als Völkermord? Japan? Irak?

Ich meine, in diesen Ländern wurden unzählige Zivilisten durch ausländische Soldaten umgebracht, kann mir jemand erklären, warum hier der Begriff Völkermord nicht verwendet wird?

Weil nach offiziellen Stellungnahmen seitens der Täter die genaue Begründetheit der Interventionen nicht als Angriff gegenüber der Ethnie des jeweiligen Landes ist?

Antwort
von Gilgaesch, 23

Bei einem Völkermord geht es darum, also ist die Intention des Krieges die komplette Rasse auszulöschen. Was du aufgreifst sind Kriege in denen es nicht in erster Linie darum ging.

Allerdings gibt es immer mehrere Aspekte und die UN Liste spiegelt nur eine Sichtweise da, die der UN und ist nicht eine objektive Betrachtung. Im Grunde genommen ist jeder Krieg ein Völkermord.

Kommentar von Devrim34 ,

Danke, genau das bringt mich halt zum nachdenken, denn ich sehe zwar oft Begründungen, die von einem Völkermord total abweichen, aber in ihrer Durchführung in erster Linie gegen die Bevölkerung im Sinne der Zivilisten wirken.

Kommentar von claushilbig ,

Im Grunde genommen ist jeder Krieg ein Völkermord.

Nein, weil es in einem Krieg (zumindest meistens) "nur" darum geht, ein Volk zu besiegen, nicht es komplett zu vernichten.

Au0erdem geht es in vielen Kriegen (zumindest angeblich) um Überzeugungen o. ä., nicht um das Volk (die Ethnie) an sich.

Antwort
von Mojoi, 18

Von Täterseite muss die Auslöschung einer Ethnie - zumindest in einer bestimmten Region - beabsichtigt sein.

Das haben die Täter aber meistens gar nicht vor, weil es auch gar nicht so einfach ist, eine ygruppe wirklich restlos auszulöschen. Meist haben Täter anderes vor und kommen ohne Auslöschung zum beabsichtigten Ziel.

Meistens geht es vorrangig darum, eine Region von einer Ethnie zu "säubern. Dazu reicht es - und ist auch meistens einfacher - sie zu vertreiben. Dazu benötigt es Gräueltaten, die die Überlebenden dazu nötigt, zu fliehen.

Oder es geht um kurzfristige Racheakte, um sich das Mütchen zu kühlen.

Alles nicht minder grauenvoll, immer mit Massenmorden begleitet, aber erfüllt nicht den Tatbestand des Völkermordes.

Antwort
von LaQuica, 13

Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“

Der Vietnam Krieg begann nach Vietnams Teilung (1954) als Bürgerkrieg in Südvietnam (1955–1964). Dabei wollten die Việt Minh, aus denen später die NLF; („Vietcong“) hervorging, die antikommunistische Regierung Südvietnams stürzen und das Land wiedervereinigen. Ein Bürgerkrieg ist kein Völkermord. 

Japan, ich denke mal du meinst den Japanisch - Amerikanischen Krieg wo Japan Pearl Habor bombardiert hat und darauf hin mit den USA im Krieg standen? Auch sicherlich kein Völkermord. 

Im Irak Krieg? Er begann am 20. März 2003 mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad und führte zur Eroberung der Hauptstadt und zum Sturz des irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein. Am 1. Mai 2003 erklärte US-Präsident George W. Bush den Krieg für siegreich beendet. Der eigentliche Grund für diese Einschreiten waren ja angeblich Massenvernichtungswaffen die aber nie gefunden wurden. Der Irak Krieg verstieße zwar gegen das Verbot eines Angriffskrieges in der UN-Charta aber es wurde nie verurteilt. Aber ein Völkermord war auch dies nicht. 

Um es kurz zusagen. Es muss von vorne rein das Ziel gewesen sein wie beim Holocaust oder dem Genozid an den Armeniern. Durch Zivile Todesopfer die in einem Kriegsgebiet fallen wird kein Krieg zum Völkermord. Ich hoffe ich konnte soweit helfen. 

Antwort
von Thomas19841984, 27

die ABSICHT ist für die Definiton entscheidend:
Handlungen müssen in der Absicht begangen werden, die Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.

Kommentar von Devrim34 ,

Also könnte man theoretisch eine diesbezüglich legitime Absicht einbringen - "wir wollen denen helfen" - die Bevölkerung massakrieren und das wäre dann kein Völkermord? 

Kommentar von Thomas19841984 ,

genau. siehe Irak, Vietnam, Osttimor, Korea, Kambodscha, Laos, Panama, Grenada etc

Antwort
von 60cent, 25

Vietnamkrieg war nur ein Krieg, also ohne das vietnamesische Volk ausrotten zu wollen, denn die Südvietnamesen waren doch Freunde.


Kommentar von Devrim34 ,

Und trotzdem sind soweit ich weiß unzählige Zivilisten teils auch bewusst und willentlich ermordet worden, wenn man sich das Zeitgeschehen anschaut. 

Kommentar von 60cent ,

Auch wenn man alle Zivilisten umbringen würde - aber nicht mit dem Vorsatz sie als Volk umzubringen, sondern nur im Zuge des Krieges, könnte man nicht von einem (absichtlichen) Völkermord sprechen.

Kommentar von Thomas19841984 ,

was ein Völkermord ist und was nicht, entscheiden USA, Klaus Cleber und BILD

Kommentar von earnest ,

@Thomas:

Quatsch.

Der Herr heißt übrigens Kleber.

Kommentar von Mojoi ,

Richtig, leider.

Ich persönlich finde die Gewichtung des Begriffes arg überbewertet  und in der Anwendung irreführend.

Macht einen die Nichtfeststellung des Völkermordes irgendwie besser als den des Völkermordes Schuldigen? Ist es ein nicht ganz so schlimmes Verbrechen, Millionen der eigenen Bevölkerung durch Zwangsarbeit und Hunger kaltblütig zugrundezurichten, im Vergleich zu der Ermordung von beispielsweise allen Isländern?

Beispiel Verfolgung der Armenier im Osmanischem Reich. Völkermord oder nicht, spielt es eine Rolle? Es wurden aus niederen Gründen Hunderttausende ermordet, DAS zählt.

Kommentar von Mojoi ,

Kriegsverbrechem, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Gräueltaten, ja.

Aber kein Völkermord.

Kommentar von Devrim34 ,

Ja, aber genau da hakt es bei mir gerade.

Ich stelle mir ein Szenario vor, in dem Leute offiziell eine andere Begründung liefern, aber inoffiziell eben einen Völkermord anstreben.

Dann kann doch jeder sagen, er wolle eben dies nicht und könne dann in dem Rahmen handeln, der ihm zu Verfügung steht.

Ist diese Definition, die nur auf Vorsatz im Sinne offizieller Angaben begründet, zu schwach? 

Kommentar von Mojoi ,

Es geht hier um die tatsächliche Absicht, nicht die von den Tätern vorgeblich definierte.

Nochmal das Beispiel Osmanisches Reich. Die offizielle Begründung seitens der Täter war die "Verlegung" bzw. "Evakuierung" der Armenier, teilweise vorgeblich zu deren eigenen Schutz.

Historiker haben ungeachtet der offiziellen Begründung festgestellt, Art und Umfang sowie Vorbereitung deuten explizit darauf hin, dass die Auslöschung der armenischen Volksgruppe beabsichtigt gewesen sein muss.

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