Wandervogel- Romantische Natutverbundenheit oder völkische Gesinnung?

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5 Antworten

Meine Meinung dazu:

Wandervogel entstand zu einer Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) als sich diese "völkische Gesinnung" noch gar nicht entwickelt hatte.

Heute im Rückblick erkennen wir deutlich die Elemente im Wandervogel, die danach in das völkische Gedankengut des Nationalsozialismus übernommen wurden. Darum kann man die Tradition des Wandervogel heute m.E. auch nicht mehr als unschuldig oder neutral pflegen - sie ist sozusagen "verschmutzt" worden. Aber ich kenn den heutigen Wandervogel gar nicht, ich wär da halt vorsichtig. Das ist ähnlich wie mit "Turnvater Jahn" - war gut gemeint, ist missbraucht worden, gibts heute noch und man kann da ruhig Sport machen, sollte aber nicht politisch auftreten ...

Aber wenn man das in der damaligen Zeit betrachtet, dann war der Wandervogel eine Reformbewegung, die Eigeninitiative und Befreiung fördern wollte und Fehlentwicklungen des Bürgertums und der Industrialisierung korrigieren wollte, und war grundsätzlich sehr begrüssenswert. Sie führte zu einer romantischen Naturverbundenheit, der man eine gewisse Naivität und Rückwärtsgewandtheit vorwerfen muss.

Man kann es wohl so sehen:  Jede politische Gruppe (gut oder schlecht) wird immer versuchen, attraktive Ideen an sich zu ziehen und sich damit zu schmücken und selbst besser aussehen zu lassen. Der Wandervogel war eine solche attraktive Idee, und die Nazis haben sich damit geschmückt.   Die attraktive Idee wird dadurch nicht falsch oder schlecht - aber sie wird zu einen Warnsignal, dass man aufpassen muss in welchem Umfeld man darauf trifft.

Anderes Bespiel:  Fackel-Umzüge - Fackel und ihr Licht sind sehr romantisch, und ich würde eine Ski-Abfahrt im Dunkeln mit Fackeln jederzeit mitmachen, und auch eine Gartenparty oder Strandparty mit Fackeln ausleuchten usw.  Aber einen politischen Umzug mit Fackeln würd ich nie mitmachen - den würd ich ablehnen egal wofür er inhaltlich steht, weil es als Symbol zu nazi-affin ist.

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Kommentar von impressimo
23.11.2016, 19:01

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Die Wandervogel Bewegung wurde von Teilen der bürgerlichen Jugend ins Leben gerufen und stellte so was wie eine Kulturflucht da, wozu auch allgemeine Kritik am kulturellen Len des Industriezeitalters gehörte. Die Idealisierung der Natur und die Hinwendung zu ihr, hatte eine Flucht aus der Gesellschaft zur Folge, ein naives Streben nach Einfachheit und Natürlichkeit, was immer man darunter verstand. In etwa könnte man die Wandervögel als eine Anlehnung an die Pfadfinder-Bewegung betrachten, flankiert von Karl May Romantik, wo das Abenteuer um seiner Selbst im Vordergrund steht und man sich in diesem beweisen soll.

Die Wandervogel Bewegung war weitestgehend unpolitisch, erschöpfte sich meist in einer Kritik an "die Erwachsene", denen man zu viel Anpassung nachsagte. Dabei waren diese Jugendliche selbst in so Vielem angepasst, recht bieder, sexualfeindlich bzw. asexuell und tief durchtränkt von einer bloßen abstrakten Moral, in der Reinheit und Tugendhaftigkeit allgemeiner Art postuliert wurden. In ihrer kindlichen Unschuld ließen sich die Wandervögel von den Nazis vereinnahmen. Wer es nicht tat, was zuweilen auch vorkam, der wurde dann von diesen verfolgt.

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Ich würde den Wandervogel nicht in die Nähe der nationalsozialistischen Ideologie bringen. Historisierend-nationalromatisch, das ja, wie so vieles in der wilhelminischen Zeit. Aber nicht eigentlich politisch oder gar militaristisch. Mit der Zustimmung zur Meißner-Formel auf dem Freideutschen Jugendtag 1913 setzte der Wandervogel zusammen mit anderen Jugendbünden ein Gegengewicht gegen eine Vereinnahmung der bündischen Bewegung durch den Staat, wie er 20 Jahre später von den Nazis mit unterschiedlichem Erfolg angestrebt wurde.

Von den Nazis wurde die Wandervogel-Mentalität als altbacken und rückwärtsgewandt abgelehnt.


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Als Wandervogel wird eine 1896 in Steglitz (heute Berlin) entstandene Bewegung hauptsächlich von Schülern und Studenten bürgerlicher Herkunft bezeichnet, die in einer Phase fortschreitender Industrialisierung der Städte und angeregt durch Ideale der Romantik sich von den engen Vorgaben des schulischen und gesellschaftlichen Umfelds lösten, um in freier Natur eine eigene Lebensart zu entwickeln. Damit stellte der Wandervogel den Beginn der Jugendbewegung dar, die auch für Reformpädagogik, Freikörperkultur und Lebensreformbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse setzte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wandervogel

Ich glaube nicht, daß es eine "Meinungsfrage" ist. Du findest noch mer Info im Netz. 

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