Frage von SamuelGol, 90

Wahlwerbung vom Klassenlehrer unserer Tochter per Email erlaubt?

Liebe Gute-Frage-Community,

ich würde an dieser Stelle gerne fragen, inwieweit Lehrer neutral sein müssen, wenn es um Wahlen und die Politik im Bundesland, in welchem sie angestellt sind, geht.

Meine Frau hat heute unsere private Familienmail geöffnet, um nach einer Rechnung für Gartenmöbel zu suchen, dabei ist ihr eine Email vom 02.09.2016 ins Auge gesprungen mit dem Namen "Wichtiger Hinweis zur kommenden LtWahl am Sonntag". Verwundert über diese Email, klickte sie auf diese und was wir beide dort lasen... erzürnt uns schon ein wenig. Der Absender ist der Klassenlehrer unserer Tochter, dieser hat sich auch einige Mühe gemacht und Wahlwerbung jener Parteien eingescannt als Anhang mitgeschickt, die er "in Krisenzeiten" für wählbar hält.

Jetzt würde mich interessieren, wie Ihr auf eine solche Email reagieren würdet, einfach in den Papierkorb oder hat der Lehrer hier eindeutig die Grenzen seines Verantwortungsbereiches überschritten, in dem er die Email, welche für Klassenfahrten, Schulveranstaltungen und schülerbezogene Vorfälle gedacht ist, für private Wahlempfehlungen verwendet (Wir gaben diese Email auf einer Liste zum elektronischen Schriftverkehr an, welche an einem der Elternabende herumgegeben worden ist.)?

Meine Frau meint, dass wir unserer Tochter nur Ärger bescheren würden, wenn wir uns an die Schule wenden würden. Auf der anderen Seite... finde ich es besorgniserregend, wenn der Lehrer unserer Tochter uns Eltern belehren möchte, was "wählbar" und was "nicht wählbar" sei.

Viele Grüße und Euch allen im Voraus vielen Dank und ein schönes Wochenende. Samuel

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 19
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Lass trotzdem gut sein

Hallo!

Ich stehe hier zwischen zwei Stühlen ---------> einerseits begrüße ich es, wenn ein Pädagoge seine Schüler zur Wahl motiviert & sie damit zur Teilnahme an der Demokratie mobilisiert.. andererseits halte ich es für überzeichnet, wenn er auch gleich im nächsten Satz Wahlempfehlungen ausspricht von Parteien, die er selber gut findet/denen er vllt. sogar angehört. Das hat mMn in der Tat ein seltsames "Nachgefühl".

Trotzdem würde ich hier keinen "Herbert" machen & das Ganze nicht zu hoch gewichten. Wer weiß, ob der Lehrer das vllt. einfach nur gutgemeint hat & den Schülern eine Art "Hilfestellung" geben wollte ----------> er muss ihnen ja nicht dadurch signalisieren dass nur diese und jene Partei gut ist. Vllt. wollte er ihnen nur eine Art "Wahl-O-Mat" geben & die Positionen der Parteien auflisten, die er aus aktueller Sicht für profund genug hält um die Situation 2017 in den Griff zu bekommen.

Ich würde das einfach abhaken.. da gäbe es mMn wichtigeres, als sich in solche Dinge einzumischen.

Wünsche euch 'nen schönen Sonntag :)

Kommentar von SamuelGol ,

Die Email ist an uns Eltern gerichtet, unsere Tochter ist 14
Jahre alt und selbst eine Wahlempfehlung an wahlberechtigte Schüler, die sich fast wie eine Wahlkampfrede liest, sollte meiner Auffassung nach... nicht ausgesprochen werden.

Zum ersten Teil Deiner Aussage stimme ich jedoch zu. Die
Kinder sollten das System schon verstehen, doch wenn man bedenkt, was der Klassenlehrer uns da schreibt, da möchte ich nicht wissen, was er so im Unterricht von sich gibt.

Kommentar von rotesand ,

Ja, das stimmt schon.. das hat wiegesagt einen eigentümlichen, beinahe bitteren Nachgeschmack!

Wir hatten damals selbst einen Lehrer, der bei uns im Stadtrat saß, sich für seine Partei sehr stark engagierte, im Kreistag aktiv war & auch im Kreisverband seiner Partei Flagge gezeigt hat (heute noch tut) ----------> er hat über seine Partei in der Schule nie gesprochen & ging auch auf Fragen zu dem Thema nie ein bzw. ging erst nach dem Unterricht drauf ein. Das empfand ich als vorbildlich.

Kommentar von SamuelGol ,

Genau einen solchen Lehrer würde ich mir für unsere Tochter auch wünschen, wenn die Person sich schon in den politischen Kampf wirft.

Was halt wirklich in den Fingern juckt, ist dieser ca. zwei Seiten lange Text und wie der Lehrer hier über Ecken und Kanten versucht... einem das Ohr abzukauen. Sowas ist mir im Leben noch nie verkommen, selbst ich als Arbeitgeber würde meine Angestellt nie auf politische Themen ansprechen, schon alleine das Arbeitsklimas wegen.

Man stelle sich nur vor, wie der Lehrer wohl in einer Diskussionsrunde über politische Parteien auf "nicht konforme" Meinungen reagieren würde, da er in seinem Text direkt von "antidemokratischen" Parteien spricht und dabei auch all jene Parteien mit einschließt, die hundertprozentig nicht die erforderlichen Stimmen zum Einzug erhalten werden, da diese dann den " konformen" Parteien die Basis entziehen würden. In einem anderen Kommentar habe ich bereits geschrieben, dass selbst eine Tierschutzpartei ordentliche Ansätze vertreten kann und wer so verallgemeinert und ausgrenzt, sollte seine Meinung dann lieber für sich behalten, wenn man ihn nicht fragt.

Kommentar von rotesand ,

Ich bin selbst Mitglied einer Partei (CDU), aber damit gehe ich nicht hausieren. Speziell da ich bei einer Tageszeitung arbeite, muss das gar nicht jeder wissen.

Über den Text des Lehrers würde ich hinwegsehen.. vllt. hat er es echt nur gutgemeint. Klar sollte man manches echt für sich behalten & gerade mit Parteiangehörigkeiten usw. muss man sehr stark aufpassen. Aber in diesem Fall würde ich es dabei belassen, den Mann freundlich anzusprechen (der Ton macht die Musik; wenn man ihn deswegen von der Seite her anschimpft, wird er wahrscheinlich nicht anders reagieren) um Klarschiff zu machen.

Antwort
von MarkusB1996, 13
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Lass trotzdem gut sein

Ich bin hier ehrlich gesagt auch zwiegespalten.

Als ich in der 6. oder 7. Klasse war, hat uns unser Klassenlehrer auch eine Broschüre für die Eltern mitgegeben, in welcher darauf hingewiesen wurde, dass man sich mit dem Wahlprogramm der Parteien auseinandersetzen sollte, vor allem auch in der Kategorie "Schulbildung" und "Schulwesen". Es war allerdings eine allgemeine Broschüre, die nicht von meinem Lehrer verfasst wurde.

In Zeiten, in denen die AfD lt. Umfrage zweitstärkste Partei werden soll, finde ich es von dem Lehrer schon richtig, dass er zu dem Thema nochmals eine E-mail schreibt und zum Wählen motiviert.

Was ich dagegen nicht so gut fand ist, dass er seine persönliche Meinung dazu abgegeben hat, welche Parteien in Krisenzeiten wählbar sind und welche es nicht sein sollten.

Der Leher überschreitet damit natürlich seine Befugnis. Über die Wahlen zu informieren ist meines Erachtens absolut legitim. Aber eine persönliche Empfehlung auszusprechen sollte nicht im Sinne eines Lehrers sein.

Trotzdem: Der Lehrer hat es sicherlich nur gut gemeint, deshalb würde ich auch davon abraten, eine Beschwerde einzulegen. Natürlich kann man in einem Vier-Augen-Gespräch, z.B. am Elternsprechtag mit dem Lehrer darüber reden, aber eine Beschwerde deswegen einzulegen finde ich ehrlich gesagt übertrieben und unnötig.

Ich hoffe, ich konnte euch helfen.

LG Markus

Kommentar von SamuelGol ,

Vielleicht hätte ich die Frage besser formulieren sollen, die Wahlempfehlung richtet sich an uns Eltern, unsere Tochter ist noch lange nicht 18 Jahre alt.

"Der Lehrer hat es sicherlich nur gut gemeint, deshalb würde ich auch davon abraten, eine Beschwerde einzulegen." Du kennst sicher das Zitat "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.", mir ist völlig gleich, welche Intention der Lehrer hat, ich finde jede politische Äußerung im und außerhalb des Unterrichtes für mehr als unangebracht, gerade gegenüber uns Eltern.

"In Zeiten, in denen die AfD lt. Umfrage zweitstärkste Partei werden soll, finde ich es von dem Lehrer schon richtig, dass er zu dem Thema nochmals eine E-mail schreibt und zum Wählen motiviert." Wenn der Lehrer sich für die von Dir genannte Partei eingesetzt hätte und nur Wahlinformationen zu dieser in den Anhang gepackt hätte, würdest Du dann immer noch so "locker" denken? In dem Fall war es jetzt nicht so, sondern wie Du schon "voraussehend" Erahnen konntest... das Gegenteil, dennoch hat er hierbei viele kleine Parteien... wie die Tierschutzpartei (als Beispiel) übergangen und als "undemokratisch" bezeichnet.

Ich wünsche Dir trotzdem einen schönen Samstag!

Kommentar von MarkusB1996 ,

Nein, ich habe dich schon richtig verstanden, dass diese Werbung an euch Eltern gerichtet ist. Aber wie gesagt: Ich habe damals auch ein Prospekt in der 6. oder 7. Klasse mitbekommen (also als ich auch noch nicht wählen durfte) und zwar für meine Eltern, in dem es wie oben beschrieben darum ging, für ein getrenntes Schulwesen anstatt eine Einheitsschule zu stimmen. Diese Broschüre an die Schüler auszugeben war vollkommen legitim, da sie nicht von einem Lehrer, sondern (soweit ich weiß) von einer Gemeinschaft verfasst wurde.

Es ist für mich ganz verständlich, dass du politische Äußerungen im Unterricht unangebracht findest. Es sollte auch nicht so sein, dass man von einem Lehrer im Unterricht dazu angestiftet wird, für eine bestimmte Partei zu stimmen. Aber: Außerhalb des Unterrichts darf der Lehrer ganz legal seine politischen Interessen vertreten. Natürlich nicht umbedingt in der Form, dass er den Eltern eine E-mail schreibt, aber viele Lehrer sind und dürfen außerhalb der Schule Mitglied einer Partei sein.

Doch nochmals zu der E-mail: Ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass es der Lehrer gut gemeint hat. Es ist ja zu begrüßen, dass er sich mit seinem "Anliegen" nicht an deine Tochter, sondern an die wahlberechtigten Eltern gewendet hat.

Ich verstehe deine Argumentation, dass er sich auch für die AfD hätte einsetzen können. Doch der Lehrer hat genau das Gegenteil gemacht, was ich mehr als richtig finde. Als die AfD bei der letzten Landtagswahl so viele Stimmen erhalten hat, gab es viele Youtuber, die darauf aufmerksam gemacht haben, dass die AfD nicht gerade eine Partei ist, die man Wählen sollte und auch im Fernsehen wurde aktiv Aufklärung betrieben (z.B. in der heute-show).

Ich glaube, dass es der Lehrer insofern gut gemeint hat, als er gehört hat, dass die AfD trotz der Aufklärungen zweitstärkste Partei lt. Umfrage sein soll. Und da sich Lehrer mit Politik beschäftigen und auch besorgt über so manche politischen Entwicklungen reagieren, ist es teilweise auch verständlich, dass sie sich an die Leute richten, die Wahlberechtigt sind.

Natürlich kann man darüber streiten, ob er seine Befugnis überschritten hat oder nicht. Aber eine Beschwerde über den Lehrer einzulegen, finde ich einfach falsch. In einem Vier-Augen-Gespräch dies dem Lehrer näher zu bringen ist kein Problem, aber sich über ihn zu beschweren, finde ich nicht angebracht.

Wünsche dir auch noch einen schönen Samstag.

LG Markus

Antwort
von huegelchen, 14
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Lass trotzdem gut sein

Würde ich auf dem nächsten Elternabend mal mit dem Lehrer besprechen, dass er das bei der nächsten Wahl doch unterlassen sollte.

Kommentar von SamuelGol ,

Danke für den Hinweis, würdest Du dich vorher mit anderen Eltern in Kontakt setzen, so dass diese Aufforderung nicht nur von unserer Familie ausgeht?

Wir wollen halt auch nicht, dass unsere Tochter danach Probleme mit dem Lehrer bekommt.

Kommentar von huegelchen ,

Das wäre auch eine Möglichkeit, um zu hören, was die anderen Eltern davon halten.

Expertenantwort
von Nadelwald75, Community-Experte für Schule, 11
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Lass trotzdem gut sein

persönlich den Lehrer gelegentlich ansprechen- nicht damatisieren.

Antwort
von Messkreisfehler, 15
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Beschwerde

Da wäre ich auch sauer, der Lehrer überschreitet hier ganz klar eine Grenze.

Ich würde das der zuständigen Schulbehörde melden. Der Lehrer hat hier keinem vorzuschreiben oder zu "empfehlen" was man wählen soll und was nicht. Das geht ihn einen feuchten Dreck an. Da muss man ja schon fast befürchten, dass er das im Unterricht genau so macht und versucht die Schüler zu beeinflussen.

Kommentar von SamuelGol ,

"dass er das im Unterricht genau so macht und versucht die Schüler zu beeinflussen." Dies ist auch meine Sorge, als Erwachsener sollte man über solchen Empfehlungen stehen. Doch Schüler schauen nicht selten zum Lehrer auf, so war es zumindest zu unserer Schulzeit, daher macht uns dies schon bedenklich.

Auch wenn die Email an uns Eltern gerichtet war, zu einem solchen Thema sollte er generell nur im Privaten sprechen und dies nicht gerade über eine Email, die für Schulzwecke an ihn überhändigt wurde.

Auf der anderen Seite... denke ich halt über eine Beschwerde nach, weil ich es nicht in Ordnung finde, dass mir hier jemand das "Denken" abnehmen will und wenn ich mir bereits eine Meinung gebildet habe, diese als "antidemokratisch" und "nicht hinnehmbar" bezeichnet, um ein paar Worte des Lehrers hier zu verwenden.

Antwort
von flaglich, 7
Persönliche Meinung des Lehrers - darf Empfehlung aussprechen

Nachdem ich jetzt deine Kommentare auf die anderen Anworten gelesen habe frage ich mich schon weshalb du dich so aufregst. Die Wahlwerbung (?) hat nichts mit der Arbeit/Rolle/Unterricht  des Lehrers zu tun. Damit gibt es auch keine Möglichkeit und auch keinen Anlass sich (dienstlich) zu beschweren.

Wenn der Inhalt der Mail dich stört, teile dies doch bitte nur dem Absender mit.

Antwort
von Zumverzweifeln, 12
Der Lehrer überschreitet seine Befugnis - Beschwerde

Der Lehrer muss politisch neutral sein. Er überschreitet seine Kompetenz massiv.

Dem würde ich Einhalt gebieten!

Ihr seid bestimmt nicht die einzigen Eltern, die das stört!

Kommentar von SamuelGol ,

Vielleicht kann ich meine Frau beruhigen, wenn wir mehrere Eltern ins Boot holen. Dann stellt sich nur die Frage... auf dem nächsten Elternabend den Lehrer ansprechen oder direkt an die Schule wenden.

Kommentar von Zumverzweifeln ,

Auf dem Elternabend- immer zuerst direkt!

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