Frage von LottaLaubach, 79

Wahlsituation in Österreich - wodurch ist der Anstieg der rechten Partei zu begründen?

Die Wahlergebisse in Österreich haben gezeigt dass die rechte Partei doch ziemlich stark war. Könnte jemand die Wahlergebnisse analysieren und begründen? Danke!

Antwort
von OhneRelevanz, 35

Also ich interessiere mich für Politik und mache momentan mein Abitur in diesem Fach (als Leistungskurs), trotzdem aber ist das Folgende meine Einschätzung, ich bin kein (Wahl-)Experte! Zudem bin ich Deutscher, würde aber behaupten, dass sich die momentane Entwicklung in Deutschland und Österreich in etwa vergleichen lässt.

Ich persönlich denke, dass die gegenwärtige Situation durch sehr viele Faktoren zustande kommen konnte - alle Aspekte zu nennen wäre wohl zu viel, ich denke aber die beiden Hauptursachen kann ich kurz ausführen:

1.) Verlust des Vertrauens in etablierte "Altparteien" und bisherige Regierungen. Politik- und Politikerverdrossenheit.

Ich bin mir hier nicht ganz sicher, wie sich das exakt begründen lässt, deswegen muss ich - auch weil ich eben noch etwas jung bin (habe den kompletten Prozess nicht mitbekommen) - spekulieren.

Ich denke, dass viele Bürger das Gefühl haben, dass die Regierenden (in den letzten Jahren meist SPD o. CDU in Koalition mit Grünen o. FDP) immer weniger nach dem "Volkswillen" regieren. So werden beispielsweise im Falle Deutschlands gegen den Willen der Mehrheit Auslandseinsätze beschlossen (Afghanistan, Kosovo, Syrien). Zudem kamen haufenweise Gesetzgebungen, in Deutschland umfasst das bspw. die Hartz-Gesetze, die auch keinen positiven Eindruck gemacht haben. Ich denke aber, dass all diese Entscheidungen gar nicht so tragisch ausgewirkt hätten, hätten sich die Regierenden mehr Mühe gegeben, dem Volk halbwegs ehrlich zu erklären, weswegen welche Entscheidungen warum getroffen wurden. Darüber hinaus hat man wohl mehr als einmal zu oft Entscheidungen einfach durchgebracht, die bspw. bei einer Volksabstimmung mehrheitlich abgelehnt worden wären (-> Vorratsdatenspeicherung wurde meines Wissens nach mitten während eines internationalen Fußballspiels beschlossen). Weder links noch rechts gefällt diese Entwicklung, gerade im Hinblick auf das kommende TTIP-Abkommen - trotzdem schafft es rechts eindeutig mehr an Zustimmung zu gewinnen.

2.) Das führt uns zum zweiten Punkt: In Zeiten der Krise ist es für Populisten sehr leicht, Teile der Bevölkerung an sich zu binden. Das wird vor allem durch das propagieren einfacher Lösungen ermöglicht.

Es gibt eine Flüchtlingskrise? Dann lassen wir keine Flüchtlinge mehr rein.

Es gibt Probleme mit Ausländern? Dann lassen wir keine Ausländer mehr rein.

Es gibt Probleme innerhalb der Europäischen Union? Dann verlassen wir diese oder lösen diese. 

Es gibt Probleme mit einem Euro-Partner? Wir werfen ihn aus dem Euroraum raus oder verlassen ihn selbst.

Die Welt befindet sich im Wandel. Wir sehen, dass uns die Globalisierung der Wirtschaft im selben Atemzug mit der Industrialisierung vor allem der Dritten Welt mit allen Teilen verbunden hat. Zudem kommt das Internet: Sich Informationen zu schaffen - egal woher wird einfacher. Sich (ungewollt) Desinformieren zu lassen, wird ebenfalls erleichtert. So oder so: Wenn irgendwo Probleme auftreten werden sie uns, obwohl wir weit davon entfernt wohnen, wegen der Vernetzung der Welt früher oder später erreichen. 

Hierzu kommt noch ein weiteres Problem: Das viele Menschen keine Übersicht über die gesamtpolitische Lage der Welt haben. Entweder durch mangelnde Bildung oder aus einer Zwangslage, wie Zeitmangel heraus - trotzdem will natürlich jeder seine Meinung sagen. Das führt allerdings dazu, dass ein noch größeres Unverständnis dafür herrscht, dass bspw. die Bundesregierung dem Druck der Ölnationen oder der USA nachgibt. Jemand, der grob gesagt keine Ahnung von Politik hat, führt dies lediglich auf Korruption und sog. "Volksverrat" zurück, allerdings sind die Zusammenhänge viel, viel größer (wobei das nicht die Handlungen der beispielhaft genannten BRD rechtfertigen soll).

In jedem Fall suggerieren die populistischen Parteien einfache Lösungen - einfachere Lösungen, als das sie noch irgendwie realistisch oder moralisch richtig wären, aber das interessiert den gemeinen "besorgten Bürger" zumeist nicht mehr.

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Ich denke diese beiden Ausgangspunkte sind die Hauptelemente aus denen sich bspw. auch der sich steigernde Glaube in bestimmte Verschwörungstheorien, in rassistische/sexistische/homophobe, allg. reaktionäre Tendenzen und eben letztendlich die Wahlergebnisse zusammensetzen. Man könnte noch wesentlich mehr schreiben, besonders wenn man sich noch mehr mit dem geschichtlichen Hintergrund beider Staaten auseinandersetzt, aber als Abriss sollte das hier genügen.

Kommentar von Siebot ,

Wer wird es schaffen? Hofer oder Vdb?

Kommentar von OhneRelevanz ,

Ich würde Van der Bellen präferieren, aber ich habe das leider Gefühl, dass Hofer es schaffen könnte.

Antwort
von tstelian, 13

Weil immer mehr Leute erkennen das die FPÖ recht hatte. zB war die FPÖ die einzige Partei die gegen den EU Beitritt war. Alle anderen Parteien behaupteten 1995 das durch den EU Beitritt der Schilling bleibt, das anonyme Sparbuch bleibt, der Arbeitsmarkt geschützt bleibt, es wird Milch und Honig fließen etc. Die FPÖ behauptete das Gegenteil und sie hatte in allen Punkten recht.

Letzten Sommer zB warnte die FPÖ vor der "Flüchtlings"misere und forderte die Grenzen zu schließen, alle "Flüchtlinge" zu kontrollieren und registrieren etc. Die anderen Parteien haben sie dafür kritisiert aber Anfang des Jahres als es 5 vor 12 war haben sie ihre Meinung um 180° gedreht und setzen jetz großteils das durch was die FPÖ schon längst gefordert hatte. Immer mehr Wählern fällt das auf.

Antwort
von barfussjim, 21

Die FPÖ ist meiner Ansicht nach - anders als die AfD - keine bloße Protestpartei mehr. Vielmehr ist sie ein Sammelbecken für Menschen mit völkisch-nationalistischen, rassistischen und ausländerfeindlichen Gesinnungen. Diese gibt es in Österreich seit jeher vorallem im Kleinbürgertum und bei der Kleinstadt- und Landbevölkerung. 

Lange Zeit konnte dieser Wählerkreis von den etablierten Volksparteien absorbiert werden. Mit dem Aufkommen charismatischer Hetzer und in Zeiten von Zuwanderung und Flüchtlingskrise sind viele Wähler auch politisch zum rechten Rand abgedriftet.

Ich muss ehrlich gestehen, dass mir das Land immer unsympathischer wird. Die Gefahr wieder im Faschismus zu enden ist in Österreich weitaus größer als in Deutschland.

Kommentar von ReverserK ,

das Stimmt sogar. Die FPÖ ist Schimmer als die AFD und das Will schon was heißen!!

Kommentar von elch77 ,

Die FPÖ ist alles andere als eine ländliche oder kleinstädtische Partei, wie kommt man auf so eine blödsinnige Aussage? Den größten Zulauf hat sie in den Gegenden mit hohem Ausländeranteil und niedrigem Bildungsniveau - also in den größeren Städten!

Kommentar von barfussjim ,

Die Spitzenergebnisse erzielt sie in Kärnten, da gibt es keine großen Städte.

Antwort
von beroud, 45

mal davon abgesehen, daß auch den österreichern, genau wie uns deutschen, nun mal die alternativen für ein votum gegen die diktatorische allianz der volksparteien fehlen, sagte ein österreichischer politikwissenschaftler im deutschlandfunk heute, wie ich finde völlig zu recht, daß eine fpö, die von 30% der wähler angenommen wird, schon längst nicht mehr rechts, sondern in der mitte angekommen ist

man darf außerdem nicht vergessen, daß das hysterische nazi-geschrei in der regel von etablierten machtparteien kommt, die sich damit unliebsame konkurrenz wirksam auf abstand halten :)

Antwort
von elch77, 13

Als Österreicher darf ich meinen Senf hier abgeben und muss auch auf einige Antworten reagieren. 1) Ja, es ist schlimm, sehr schlimm sogar! 2) Nein, die FPÖ ist nicht schlimmer als die AfD, im Gegenteil! Die FPÖ hat den Nachteil (bzw. für sich selbst den Vorteil), dass sie alle Protestwähler anzieht, nicht nur die Ewiggestrigen und die Ausländerfeindlichen. Der harte Kern der FPÖ ist prozentuell sicher nicht größer als bei der AfD! 3) Die FPÖ ist alles andere als eine ländliche oder kleinstädtische Partei, wie kommt man auf so eine blödsinnige Aussage? Den größten Zulauf hat sie in den Gegenden mit hohem Ausländeranteil und niedrigem Bildungsniveau - also in den größeren Städten!

Antwort
von Kapfenberger, 39

Die FPÖ ist mit 35% schon zur einer Volkspartei rangewachsen.

Antwort
von xPetelot, 48

Weil die Menschen es nicht aushalten mit dem Flüchtlingszustrom. Siehe Deutschland

Antwort
von ThomasAral, 10

na ist doch klar ---- die wollen die flüchtlinge nicht aufnehmen und bereits aufgenommene wieder rausschmeissen

Kommentar von ThomasAral ,

natürlich mit allen konsequenzen aber so weit schauen die leute nicht
... also austritt aus EU, schließen des Schengen-Raums, einführung des ÖS ... usw.

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