Frage von SaraWarHier, 89

Wäre es physikalisch möglich, Anlauf zu nehmen und ausschließlich in die Höhe zu springen?

Hallo!

Sportunterricht - der Schauplatz ständiger Diskussionen und Beschimpfungen. Heutiges Thema: Ist es tatsächlich möglich, Anlauf zu nehmen, zu springen und ausschließlich in die Höhe zu springen und nicht nach vorne? Genau das ist es nämlich, was unsere Lehrerin im Rahmen des Unterrichts in Handball von uns verlangt.

Sowohl meine Freundinnen als auch ich sind der festen Überzeugung, dass das nicht geht. Zum einen haben wir das ausprobiert - klappt nicht. Zum anderen ist das doch physikalisch gar nicht möglich, oder? Wenn doch - wie um alles in der Welt funktioniert das ohne irgendwelche Hilfsmittel oder sonstige Beeinflussungen? Einfach nur springen und hoch.

Danke für Antworten!

LG

Expertenantwort
von PWolff, Community-Experte für Physik, 22

Dazu muss man den Impuls der Vorwärtsbewegung nach oben umleiten.

Man braucht hierfür keine neue Energie aufzubringen, aber man braucht eine entsprechend große Kraft in den Beinen.

Tiere, die gewohnheitsmäßig schnell laufen, haben Beine, die darauf ausgelegt sind, Energie zwischenzuspeichern. Wie gut das bei Menschen funktioniert, weiß ich nicht, es sollte sich aber in einem gewissen Maß trainieren lassen.

Expertenantwort
von Peppie85, Community-Experte für Energie, 22

nein, das ist physikalisch unmöglich. das widerspricht dem gesetz der trägheit. in dem moment, wo du beim sprung den boden verlässt, gibt es keine reibung mehr die dich bremst. dem entsprechend fliegst du nach vorne, bis z.B. die wand der Turnhalle deine Vorwärtsbewegung stoppt. aus der verbindung zwischen auf- und vorwärtsbewegung ergibt sich ein Bogen.

sofern man es anlauf nehmen kann, bleibt dir also um gerade nach oben zu springen nur in die hocke zu gehen und dann nach oben zu schnellen...

es gäbe noch die möglichkeit, am ende einer anlaufstrecke einen viertelbogen aufzubauen, du würdest zwar senkerecht nach oben fliegen, aber dabei waagrecht zum boden liegen. und springen kann man das schlecht nennen.

lg, Anna

Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Physik, 12

Rein physikalisch gesehen hat die Lehrerin absolut Recht.

Der Sprung stellt eine Wurfparabel dar und setzt sich aus einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung vertikal (freier Fall) und einer gleichförmigen Bewegung horizontal zusammen.

Ich betrachte aber lieber den Weitsprung, da wird das klarer. Das kann man dann sicher auf den Handball übertragen.

Die Weite des Sprungs (horizontal) berechnet sich nach der Formel:
s = v * t
Die Weite des Sprungs ist also gleichermaßen von der Geschwindigkeit beim Absprung als auch von der Flugzeit abhängig.
Die Flugzeit wird aber wiederum vom freien Fall bestimmt:
t = Wurzel aus (2h / g)
d.h., je höher der Absprung, umso länger dauert der Flug und umso länger kann man sich horizontal mit der Absprunggeschwindigkeit vorwärts bewegen.

Beim Absprung kommt es also darauf an, möglichst viel Höhe zu gewinnen, um möglichst lange in der Luft zu bleiben, ohne dass dies auf Kosten der Absprunggeschwindigkeit geht.

Technisch bedeutet dies in der Tat genau das, was die Lehrerin fordert: es geht nicht darum, die Anlaufgeschwindigkeit in Höhe umzuwandeln, weil man dann zwar t etwas erhöht, dafür aber an v verliert und das Produkt
s = v * t kleiner wird.
Man muss also so abspringen, dass man keine Geschwidigkeit verliert und dass bedeutet praktisch, dass man einfach nur senkrecht nach oben springt und dann die Anlaufgeschwindigkeit wirken lässt. Das mit den Beinen hinzukriegen, ist Übungssache.

Antwort
von BirdyViolin, 40

Hey! 

Ich bin zwar kein Experte in Sachen Physik aber die Grundlagen habe ich noch drauf :D

Also wenn ich das richtig verstanden habe soll aus vollem Lauf der Sprung nach oben gemacht werden. Das müsste physikalisch jedoch unmöglich sein, weil die Kraft einen ja nach vorne treibt. Außerdem rollen ja die meisten über die Zehen ab, was eine "unebene" Absprungfläche geben würde. Quasi wie Licht, das in einem Eintrittswinkel auf den Spiegel fällt und dann einen Austrittswinkel desselben Umfangs hat (ich hoffe du versteht wie ich das meine ansonsten einfach mal googeln). 

Vielleicht meint eure Sportlehrerin ja auch, dass ihr kurz abbremst und dann hochspringt. Das müsste dann physikalisch schon gehen würde aber nicht der gestellten Aufgabe im Wortsinn entsprechen...

Am besten versucht ihr mal mehrere Möglichkeiten wie zB Trippelschritte kurz vorm Absprung oder leichtes unauffälliges Abbremsen.

LG Birdy :)

Antwort
von dompfeifer, 11

Was Euch da körperlich abverlangt wird, ist physikalisch durchaus möglich. Da braucht man nur die Energie der Horizontalbewegung in eine Energie zur Vertikalbewegung umzulenken. Du ahnst es schon mit Deiner Bemerkung "ohne irgendwelche Hilfsmittel": Da hast Du vermutlich den Stabhochspringer im Kopf. Der kann  seine Bewegungsenergie nicht nur nach oben umlenken, sondern mit etwas Missgeschick auch zur Seite oder nach hinten, also praktisch in alle Richtungen. Physikalisch spricht nichts dagegen, dass diese Umlenkung auch ohne Stab, nur mit dem vergleichsweise elastischen menschlichen Körper gelingt. Ähnliche Effekte hast Du, wenn Du den Handball an die Torlatte wirfst, der kann seine Bewegungsrichtung dabei gründlich ändern durch den elastischen Stoß.

Ich selbst verweigere mich persönlich dem Versuch als außerordentliche Sportniete im 8. Lebensjahrzehnt.

Antwort
von Capone87er, 36

Also wenn du dich nach vorne bewegst, musst du diese Bewegung entweder umlenken (geht nicht in diesem Fall) oder aber die Bewegung erst stoppen bevor einen neuen Impuls nach oben gibst (Springen in dem Fall).

Trägheit und Impulserhaltung erlauben diesen Vorgang einfach nicht.^^

Vielleicht sollte deine Sportlehrerin mal ein Wörtchen mit dem Physiklehrer wechseln. : P

MfG Capone87er

Antwort
von Markusalem, 13

Ich glaube da hat sich eure Lehrerin etwas undeutlich ausgedrückt. Ihr sollt nicht aus vollem Anlauf direkt abspringen, sondern vorher den Anlauf abfangen. Damit ihr hoch nach oben springen könnt geschieht dies in Form einer Gegenbewegung - sprich ihr geht in die Knie. Dadurch könnt ihr höher springen. 

Kannst du ja mal ausprobieren: spring einmal mit gestrecken Beinen aus dem aufrechten Stand ab und einmal aus der Hocke, der Unterschied ist enorm.

Der Anlauf dient dazu die Anfangsenergie noch zu steigern. Um wirklich nur gerade nach oben zu springen, wirken enorme Kräfte auf die Beinmuskulatur ein. Vergleichbar ist das mit dem Stemmschritt im Volleyball - schau dir den doch vielleicht mal an.

Aber egal wie es auch ist, ist die Aussage von deiner Sportlehrerin ohnehin schwachsinnig, da ich noch nie einen Handballspieler gesehen habe, der nur nach oben springt :D

Antwort
von GTA5USER, 28

Dann hat dein Lehrer das netwonsche Trägheitsgesetz nicht verstanden! Nur mit einer Umlenkung wäre das möglich!

Viele Grüße,

ein Ingenieur.

Kommentar von SaraWarHier ,

Super, mit dem Trägheitsgesetz wollte ich auch argumentieren, war mir aber nicht ganz so sicher ;)

Kommentar von GTA5USER ,

Er meint das sicher anders. Aber durch Anlauf auf einem ebenen Boden in die Höhe zu springen geht sogar ÜBERHAUPT nicht. Beim Stabhochsprung kann das ausgenutzt werden. Man springt lediglich weiter.

Kommentar von Comment0815 ,

Du kannst aber auch gewissermaßen dein Bein als "Stab" wie beim Stabhochsprung einsetzen. Dadurch kann schon eine gewisse Umlenkung erzielt werden.

Kommentar von GTA5USER ,

Die Höhenenergie beim Stabspringen kommt ja teils aus der kinetischen Energie. Ein wenig könnte es gehen aber ich denke der Vorteil wäre marginal.

Antwort
von Xx0000xX, 43

Das kann auch physikalisch nicht funktionieren
Vllt habt ihr sie falsch verstanden
Spricht doch nochmal mit ihr/ihm und zieht evtl einen Physiklehrer hinzu;)

Kommentar von SaraWarHier ,

Nee, ganz im Ernst - sie hat ständig betont, NUR nach oben zu springen. Ich hab ihr gesagt, dass das nicht geht, sie hat mich ignoriert - aber da haben wir Schüler auch mal was zu lachen ;)

Kommentar von Xx0000xX ,

frag sie doch mal ob sie Suppe mit ner Gabel essen kann vllt versteht sie es dann ;)

Antwort
von flash97, 35

wenn da wo du hoch springst eine wand ist dann ja ;-)

und beim handball ist es so gemeint möglichst hoch zu springen ich meine solange du denn ball wirfsat bevor du auf dem boden kommst ist alles gut


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