Frage von grubenhirn, 207

Wäre es nicht eigentlich angemessen, den bekannten Satz: "bewegte Uhren gehen langsamer" in "bewegte Uhren haben eine kürzere Geschichte" abzuändern?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von grtgrt, 129

Es ist gar nicht so, dass bewegte Uhren langsamer gehen.

Jeder Beobachter, relativ zu dem sich die Uhr bewegt, hat lediglich diesen Eindruck.

Genau deswegen muss auch das Ausmaß, in dem bewegte Uhren aus Sicht unterschiedlicher Beobachter langsamer zu gehen scheinen, keineswegs für all diese Beobachter gleich groß sein.

Lies auch http://greiterweb.de/zfo/Relativ.htm#msgnr0-144 .

Kommentar von grubenhirn ,

Leuchtet mir ja ein.

Kann man nun sagen, ein System hat im Vergleich zu einem anderen System eine kürzere Geschichte?

P.S.: eine gute Seite übrigens!

Kommentar von grtgrt ,

Objektiv quantifizierte Zeitabstände sind genau (d.h. ausschließlich) die in Eigenzeit der jeweiligen Objekte ausgedrückten.

Wenn also ein Objekt O1 physikalisch gesehen jünger ist als ein Objekt O2, so könnte man sagen, es habe eine kürzere Geschichte.

Bitte lies dazu

Kommentar von Astroknoedel ,

Du hast Recht, du vergisst nur eine Sache:

Wenn ein sog. Bezugssystemwechsel vorliegt, dann gilt deine Aussage nicht mehr, denn dann sind die Uhren tatsächlich verschoben.

Wenn du zum Beispiel das berühmte Zugbeispiel nimmst. Der Zug und der Bahngleis.

Der Bahnsteig scheint aus sicht des Zuges verkürzt und der Zug scheint aus Sicht des Bahnsteiges verkürzt usw.
Für beide ist das jeweils andere System um den Lorentzfaktor vom Eigensystem verschieden.

Wenn jetzt aber der zug anhält und beide Leute aussteigen und ihre Uhren vergleichen, dann würde man sagen, dass ein Paradoxon vorliege, da ja jede Uhr gegenüber der anderen Nachgehen müsse.

Aber da der Zugreisende einen sein Bezugssystem gewechselt hat, ist seine Uhr die, die nachgeht.

Veranschaulichen kann man dies mithilfe eines Minkovski-Diagrammes, welches diesen Wechsel mittels einer "rhomboedrischen Drehung" beschreibt.

Ich wollte eigentlich noch eine Skizze von wikipedia einfügen, aber irgendwie klappt das nicht. Guck dir einfach beim Artikel "SRt" die Skizzen an.

Grüße, Astroknoedel


Kommentar von grtgrt ,

Ich vergesse das keineswegs. Meine Aussage ist ja:

Das Alter eines Objekts (im Sinne der Physik, nicht etwa im Sinne der Biologie oder Medizin) kann nur objektiv beurteilt werden, wenn man in einem Bezugssystem argumentiert, dessen Ursprung stets im Objekt selbst liegt.

Antwort
von Astroknoedel, 98

Hm, sicherlich führen einige populärwissenschaftliche Aussagen zu falschen Vorstellungen von der SRT.

Wie zum Beispiel der Satz:

"In einem beschleunigten Bezugssystem vergeht die Zeit langsamer"

Falscher könnte dieser Satz gar nicht sein, denn 

1. gibt es nur relativ zueinander bewegte Bezugssysteme (in diesem Fall Inertialsysteme),wobei beide ihre Eigenzeit als die normale und die Zeit, die in der Aussenwelt vergeht, als verlangsamt wahrnehmen. Aufgrund des Relativitätsprinzips sind beide Beschreibungen in ihrer Richtigkeit äquivalent.

Demnach müsste man deinen Satz:

"Bewegte Uhren gehen langsamer" 

umformen zu 

"Uhren, die sich relativ zu ihrer Umgebung bewegen, werden diese als zeitlich dilitiert wahrnehmen"

oder cooler

"Wenn man zwei Inertialsysteme w und w' hat, und sie sich relativ zueinander mit der Geschwindigkeit v bewegen, so werden sich lorentzinvariante Grössen um den Lorentzfaktor in w und w' unterscheiden"

Ist aber ein bisschen lang.

Mit der" kürzesten Geschichte" würde ich hier aufpassen. Vielleicht könntest du das ja ein wenig näher ausführen ? 

Beziehst du dich hier auf Minkowski-Diagramme ? 

LG, Astroknoedel

Kommentar von grubenhirn ,

Mit "kürzere Geschichte" meine ich, dass ein System z.B.: ein Astronaut, der sich im Vergleich zu einem anderen Astronauten schneller bewegt, die Teilchen durch die Massenzunahme sich langsamer bewegen. (Man könnte doch aber auch sagen: die Teilchen haben kürzere Weglängen zurückgelegt und damit hat das System Mensch eine kürzere Geschichte).

Ich hab mir überlegt, dass es Regionen im Universum geben könnte, die solch hohe relative Geschwindigkeiten haben, dass sie sich seit dem Urknall nicht großartig verändert haben können, in Vergleich zu unserer Region im All.

Ist da was dran?

Kommentar von Astroknoedel ,

Nein, denn du vergisst, dass es sich bei relativistischer Masse nicht um normale Masse handelt, sondern um eine "rein rechnerische", die sich aus der Impulserhaltung ergibt.

Beide Astronauten können als in ihrem Eigensystem ruhend betrachtet werden, sodass die jeweilige Umgebung zeitlich verlangsamt erscheint.

Mit teilchen hat das aber gerade nichts zu tun. Die relativistische Masse wirkt sich  nicht auf die Zeitdilatation aus, sondern resultiert (indirekt) aus ihr.

Also ist an deiner Hypothese leider nichts dran.

Grüße

Antwort
von danacos, 130

Nein, wie kommst du darauf? Die zweite Formulierung ist m.E. falsch.

Kommentar von grubenhirn ,

Dadurch, dass in einem System, welches eine höhere relative Geschwindigkeit hat, die Teilchen vergleichsweise kürzere Strecken zurücklegen.

Kommentar von danacos ,

Es geht doch in der Aussage gar nicht um Teilchen oder Strecken, sondern lediglich um die Zeit.

Kommentar von grubenhirn ,

Aber von Zeit kann man doch nur in Verbindung mit Teilchen sprechen.

Kommentar von Astroknoedel ,

Beide Formulierungen sind falsch.

Kommentar von grubenhirn ,

Der erste Satz wird auch häufig von Harald Lesch gesagt!

Antwort
von Reggid, 118

nein, überhaupt nicht.

(auch der erste satz ist schon nicht sehr gut, da er vielfach zu missverständnissen führt)

Kommentar von grubenhirn ,

Was stimmt denn nicht?

Antwort
von Spock1701, 127

Doch absolut.

Mit freundlichen Grüßen

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