Frage von Phoenixx120788, 194

Wäre es möglich, das Geld als direkte Leistung auszutauschen?

Also das Geld komplett abzuschaffen. Stattdessen würde ich z.B. tagsüber 20 Kinder betreuen, dafür erwarte ich aber von einem der Eltern, dass die mir jeden Morgen 2 frische Brötchen und ein Brot mitbringen, von anderen, dass sie mir meine frisch gewaschene Wäsche mitbringen, von den nächsten, dass sie Nudeln mitbringen, dann wieder von anderen, dass sie mal nach meinem Auto schauen, ob da alles ok ist, dann wieder bei anderen, dass ich am Abend etwas zu trinken abholen kann...usw....

Wenn jetzt meinetwegen 4 Leute ein neues Haus bauen (was ja schon etwas mehr Leistung ist) könnten diese dann jeweils ein neues Auto als Gegenleistung dafür verlangen....

Wäre das in unserer heutigen Welt möglich??? Was meint ihr???

Antwort
von Grautvornix16, 72

Hi,- das Problem ist nicht das Geld. Geld ist im Idealfall und seiner eigentlichen Bestimmung nach ein Speichermedium für den volkswirtschaftlich ermittelten Wert eines Produktes oder einer Dienst- / Arbeitsleistung. Dies bietet den Vorteil einer Entkoppelung des direkten Austausches von Leistung und Gegenleistung (z.B.: mit Butter für die Produktion eines Schrankes entlohnt zu werden zwingt mich, Interessenten für größere Mengen Butter zu finden, die dann wiederum etwas produzieren was ich benötige - und für einen Hausbau kann ich nur schwerlich mit Butter oder einem sonstigen Warensammelsurium über 15 Jahre Eigenkapital ansparen). Auf niedrigem volkswirtschaftlichen Niveau ist eine Tauschwirtschaft möglich - und das geschieht ja auch. Aber auch die Tauschwirtschaft ist in hohem Maße anfällig gegen "Preissteigerungen" weil sich der "Preis" ja auch dort nach dem Bedarf, respektive der Knappheit eines Gutes richten wird - so gesehen auch kein Vorteil und Schutz gegen Marktmacht oder Marktmanipulation. --

Das Problem heute ist:

a) das die sog. Finanzwirtschaft die Produktionswirtschaft dominiert. D.h., dass aus mittlerweile um ein Vielfaches mehr mit Geld und nicht mit der Produktion Geld erwirtschaftet wird. Das stellt alle Lehrbuch-Gesetzmäßigkeiten einer klassischen Wirtschaftssystematik auf den Kopf - der Hund wackelt also quasi mit dem Schwanz (Zitat eines Wirtschaftsexperten).

b) hieraus entsteht ein unfaßbar beschleunigter Akkumulationsprozeß, der über die Investitionsmacht verfügt, nationale Politik zu entmachten (Stichwort Globalisierung - 800 Personen und Personengruppen verfügen über ca. 2/3 des weltweiten Bar- und Produktivvermögens - das ist eine wissenschaftlich akzeptierte Schätzung)

c) Die Wertschöpfungsprozesse sind also nicht mehr idealtypisch in einem kartellfreien idealtypisch diversifizierten Wirtschaftsraum verteilt - Globalisierung ist ein Kartell.

Das Geld ist also nicht das Problem sondern die Konzentration der Verfügungsmacht über seine Verwendung.

Gruß

Antwort
von DinoSauriA1984, 84

Und wie willst Du Deine Steuern bezahlen? Frondienste für den Staat? Und wie sollen Richter entlohnt werden? Soll der den Prozess gewinnen, der die größte Gegenleistung bringt? Und was macht der Kinobetreiber, der jeden Abend 500 Karten verkauft mit dem ganzen Plunder, den ihm seine "Gäste" jeden Abend als Eintritt mitbringen? 

Und wer zahlt führ Straßen? Internet? Radio und Fernsehen?

Antwort
von kim294, 66

Wo sollen denn die Brötchen herkommen, die sie dir mitbringen?
Das wäre viel zu umständlich.
So gibt es eine einheitliche Währung.

Antwort
von berkersheim, 32

Oh je - zurück in die Steinzeit. Geld wurde bereits von den ersten Hochkulturen "erfunden", weil bei zunehmender Tauschmenge der direkte Tausch auf den Märkten zu kompliziert wurde. Geld ist nur ein Hilfsmittel, Werte zu vergleichen und zu transportieren. Werte setzen und evtl. horten oder auch missbrauchen ist allein Sache des Menschen. Da musst Du die Menschen abschaffen und nicht das Geld.

Antwort
von Manusoptus, 6

Genau diesen Zweck erfüllt Geld doch eigentlich. Du hast was gearbeitet und bekommst dafür Geld das du dann wieder in Leistungen eintauschen kannst die du möchtest. Wenn du einem Milchbauern hilfst könnte der dich natürlich z.B. auch direkt mit seiner Milch bezahlen, aber was machst du wenn du z.B. eine Laktoseintoleranz hast und vielleicht gar keine Milch willst? Du verstehst was ich meine. Also ist es doch besser er bezahlt dich in Geld das du gegen alles eintauchen kannst was du willst.

Jemand hatte Tauschringe als Beispiele genannt und es gibt durchaus Tauschringe die sehr gut funktionieren und das würde dir sicherlich auch gut gefallen. Allerdings benutzen Tauschringe auch Geld. Es ist zwar in den meisten Fällen eine Währung die sie selbst erfunden haben, aber trotzdem ist es genauso eine Form von Geld.

Antwort
von profiwisser, 88

Früher ganz früher gab es mal eben so etwas den Tauschhandel. Um diese Sache aber zu vereinfachen hat man eine einheitliche Tausch Einheit eingeführt: das Geld. Manche Sachen können heutzutage auch gegen Tausch erworben werden. Das Geld vereinfacht das tägliche Leben und die Geschäfte jedoch immens und wird deshalb nicht mehr wegzudenken sein. Das Geld ist im Grunde ja auch nichts weiteres wie eine sache die du zum tauschen benutzt.

Antwort
von Samika68, 127

Es gibt schon verschiedene Tauschringe, die ähnlich, wie Du es beschreibst vorgehen.

http://www.tauschring.de/hyperlinks.php

Allerdings stößt man schnell an seine Grenzen, wenn da nicht jeder mitspielt.

Wenn der Vermieter z. B. darauf besteht, die Miete in Euros zu bekommen, nützen all die durch Eigenleitsung verdienten Brote und Eier wenig...

Kommentar von ThommyGunn ,

Eier halten eben nicht ewig, deswegen hat man ja Geld erfunden.

Antwort
von ArminSchmitz, 55

Wenn die 4 Leute ein neues Haus bauen müssen sie auch Umsatzsteuer auf ihren Werklohn zahlen. Wie soll das ohne Geld gehen? Sollen sie die mit Brötchen bezahlen? Oder dem Auto den Motor ausbauen und dem Finanzamt vor die Tür stellen?

Antwort
von Hardware02, 90

Das würde nicht funktionieren. Der Grund ist, dass du nicht alle Leistungen finden würdest. Vielleicht wären von den 20 Eltern 15 bereit, dir frische Brötchen zu bringen, und 5, dir die Wäsche zu machen, aber zufällig wäre kein Automechaniker dabei. Und dann? Soll dann eine Hausfrau mal an deinem Auto herumschrauben?

Manche Leute versuchen allerdings, so zu leben, wie du es gesagt hast. Es ist mit sehr großem Aufwand verbunden. Du kannst ja mal nach "Sterntalerexperiment" googeln, ich denke, die Idee wird dir gefallen. 

Aber ich denke mir, Geld ist schon nicht schlechtes. Man gibt die Leistungen, die man geben kann (z.B. Auto reparieren), bekommt dafür Geld, das man dann für etwas anderes eintauschen kann.

Antwort
von teutonix1, 126

Dann wären wir wieder beim Tauschhandel angekommen. Der Zug ist abgefahren.

Antwort
von M1603, 110

Und was gibt das eine Elternteil dann dem Baecker fuer seine zwei Broetchen und das Brot? Was geben die anderen dem Ladenbesitzer fuer das Waschmittel und die Nudeln? Und was ist, wenn diese anderen das Gut, das verlangt wird, nicht haben oder dafuer dann 1000km weit fahren muessten, weil dort zufaellig jemand wohnt, der zu einem Tausch gegen vorhandene Gueter bereit ist?

Geld als Zwischenmittel ist schon ganz gut so, denn Geld kann man gegen alles tauschen. Dein Vorschlag loest keine Probleme sondern verkompliziert alles bloss noch viel mehr, da immer etwas vorhanden sein muss, was der Tauschpartner gerade haben moechte.

Klingt toll fuer ein laengeres Quest bei einem RPG-Videospiel, fuer die Realitaet aber total unbrauchbar.

Kommentar von Phoenixx120788 ,

Na es gäbe ja noch etliche andere Gegenleistungen. Die anderen Eltern sind dann vielleicht Landwirte und können dem Bäcker dann halt das Mehl usw bringen. Der Fernsehhändler könnte sagen, für diesen Fernseher möchte ich dann ein Jahr Brötchen und Brot....

Kommentar von M1603 ,

Und was ist, wenn jemand, von dem die Landwirte etwas haben moechten, kein Mehl moechte? Reisen die Landwirte, die ja dann regenlmaessig eigentlich nur Mehl anbieten koennen, quer durch die Weltgeschichte, um zu einem Friseur zu gehen, der zufaellig nen Kuchen backen will und Mehl braucht, oder wie machen die das?

Und was ist, wenn der Fernsehhaendler mal nen Tag oder zwei keine Lust auf Broetchen hat? Die lassen sich nicht sparen oder auf ein Konto einzahlen. Und wo bekommt der Fernsehhaendler seine Fernseher her? Wer transportiert die fuer was? Und wo bekommen die Fernsehbauer die Rohstoffe her und gegen was tauschen sie die?

Sowas geht in einem ueberschaubaren Rahmen ohne moderne Einfluesse, aber nicht im 21. Jahrhundert.

Kommentar von ThommyGunn ,

nur etwa 3% der Bevölkerung oder noch weniger sind Landwirte, was macht der Fernsehhändler, wenn ihm sein Kunde vorher wegstirbt?

Antwort
von piepsmausi26, 84

Und woher willst du das Auto nehmen für die die dein Haus bauen?
Bzw die Leute, die dir Brötchen bringen, woher sollen sie das nehmen? Was soll man dem Bäcker geben? Kugelschreiber? Äpfel?
Das ist schwierig, weil du alles materielle, was du normal kaufen kannst, eintauschen musst um es wieder einzutauchen

Kommentar von Phoenixx120788 ,

Der Autohändler könnte z.B. sagen, für dieses Auto möchte ich aber für die nächsten 3 Jahre Brötchen und Brot haben....

Kommentar von M1603 ,

Das waere dann aber ein sehr guenstiges Auto. Ich wuerde mindestens 30-40 Jahre Broetchen verlangen.

Antwort
von bronkhorst, 41

Klar wäre das möglich.

Es brächte völlig das Prinzip von Arbeitsteiligkeit, Besteuerung und Bewertungen zum Zusammenbrechen, würde für jede einfache Transaktion einen enormen Informationsaustausch über angemessene Gegenleistungen erfordern und würde die städtische Bevölkerung innerhalb von Tagen in eine Hungersnot stürzen.

Es wäre ähnlich lustig, wie plötzlich auf die Nutzung des Rades zu verzichten und eine völlig bescheuerte Idee - aber machen kann man ja alles...

Antwort
von ThommyGunn, 52

Nicht ohnne Grund ist man vom Tauschhandel abgekommen, in der modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft wäre ein Tauschhandel garnicht realisierbar, die Menschen würden viel zu viel Zeit aufwenden, einen Tauschpartner mit dem passenden Tauschgegenstand zu finden. Was sollte ein Angestellter z.B. zum tauschen haben? Jeder müsste wieder der Landwirtschaft, dem Handwerk oder der Jagd nachgehen um überhaupt wieder etwas zum Tauschen zu haben.

Kommentar von Phoenixx120788 ,

was wäre der nachteil wenn wieder landwirtschaft, jagd, handwerk etc zustande kommt?? es wird z.b. nichtmehr lange dauern, bis sämtliche autos ohne fahrer von a nach b fahren. demzufolge haben sämtliche lkw-fahrer, taxifahrer, logistiken usw keinen job mehr. und so geht es ja auch in vielen anderen branchen weiter. etliches, was mal personell getan wurde, wird heute maschinell erledigt. und so müssen dann die, die noch arbeiten immer mehr abgaben zahlen, damit die arbeitslosen noch leben können. bis sie sich dann irgendwann sagen "nö, dann arbeite ich eben auch nichtmehr".

Kommentar von ThommyGunn ,

Man kann die heutige Weltbevölkerung nur mit industrieller Landwirtschaft ernähren, wer soll denn die Autos bauen wenn jeder wie in der Steinzeit vor sich herwurschtelt?

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