Frage von CutKid, 103

Wäre eine psychosomatische Klinik besser für mich?

Hey ihr Lieben! Kurz zu meiner Person: Ich bin weiblich, 17 und leide seit 3 Jahren unter Depressionen und Selbstverletzung, eine Diagnose wurde noch nicht gestellt.

Ich bin seit 3 Wochen in der Erwachsenen Psychiatrie für Borderline-Persönlichkeitsstörung und muss noch 3 Wochen hier bleiben. Leider passiert hier nicht wirklich viel, außer ein bisschen malen in der Ergotherapie. Wir haben keine Psychologen und meiner Meinung nach ungeschultes Personal. Meine Mitbewohnerin hat mir geraten in eine psychosomatische Klinik zu gehen und mir da wirklich helfen zu lassen. Was genau ist der Unterschied und was wird da gemacht?

LG CutKid

Antwort
von Seanna, 40

Ich denke das Problem liegt woanders. Bzw hier werden Dinge verwechselt.

Eine Psychiatrie ist eine Akutversorgung. Also für Leute wo ganz schnell Betreuung her muss. Das macht man zur Stabilisierung, damit eine Psychotherapie überhaupt möglich wird. Oder zur Medikamenteneinstellung. Oder um die Leute aus psychosozial grauenvollen Situationen raus zu holen und erst mal "aufzupäppeln". Oder nach einem Zusammenbruch. Oder Zwangseinweisung. Oder um erst mal festzustellen was mit dem Patienten überhaupt los ist.

Viele Menschen sind in so ner Phase noch gar nicht in der Lage ein strafferes Programm zu absolvieren und viele brauchen auch erst mal Ruhe und Abstand und Zeit.

Da geht es um Sicherheit, geregelten Tagesablauf, sozialen Kontakt, Ansprechpartner. Oft auch Wohnsituation klären, Schulden und andere existenzielle Probleme die die Krankheit mitverschuldet hat.

Was du aber anscheinend erwartest, brauchst oder willst, ist eine (stationäre) Psychotherapie.

Das bekommt man in der Psychiatrie nicht.

Dafür gibt es spezielle Psychotherapie-Stationen. Meistens spezialisiert auf bestimmte Störungen, darauf abgestimmtes Konzept (zb DBT-Stationen für Borderliner) und mit viel viel mehr Programm und speziell auf die Problematik DIESER Patienten geschultem Personal. Mit Gruppentherapien mit Patienten mit gleicher Diagnose. Mit Therapien speziell für diese Art Krankheit bzw ohne welche die kontraindiziert sind. Ebenso hat man dort regelmäßig Einzeltherapie bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten. Man bleibt 8-12 Wochen in der Regel und das Tagesprogramm ist schon straff. Wochenenden sind Belastungserprobung Zuhause, kein Urlaub.

Also alles andere als das, was du jetzt hast.

Eine Psychosomatik ist ausschließlich dann nötig, wenn die Ursache körperlich ist oder die Krankheit auch massive Auswirkungen auf den Körper hat... bei einer Borderline-Störung ist dies aber idr nicht der Fall. Psychosomatik hat oft mehr Kurklinikcharakter... nicht das, was bei einer Borderline-Störung sinnvoll ist.

Da sind Borderline-Stationen mit entsprechenden Programmen viel viel besser.

Das kann man vollstationär oder auch tagesklinisch (also morgens hin gegen 7.30 und gegen 4 heim) machen.

Aber mach dich auf lange Wartezeiten - Monate - gefasst. Das ist völlig normal und überall so. Das wäre auch in der Psychosomatik nicht anders. Aber vielleicht hast du auch Glück oder jemand springt ab.

Falls du noch Fragen hast, frag einfach. Wenn du mir deinen Wohnort nennst, kann ich dir ggf eine empfehlen oder dir eine Website nennen, wo Betroffene im Forums diskutieren und da gibt's auch ne Sektion mit ner Klinik-Liste mit Erfahrungen. Ist ggf sowieso interessant für dich, dich mal auszutauschen mit anderen.

Zusätzlich dazu solltest du dich jetzt schon mal um einen ambulanten Psychotherapeuten (Therapie) UND Psychiater (Medikamente) bemühen. Die Wartelisten sind oft viele Monate lang. So kannst du nach der Klinik bald beginnen und musst nicht wieder Monate warten.

Falls du magst, kannst du mir auch ne PN schreiben.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Medizin, Psychologe, Psychologie, 37

Hallo CutKid,

'Schneidekind' - interessanter Nickname ;-) Nomen est Omen, gell? Ob eine psychosomatische unbedingt das Non-plus-Ultra ist, kann ich von hier aus leider nicht beurteilen. Was ich allerdings sehr schade finde, dass Du dort gerade die Hilfe, die Du jetzt brauchen würdest, offensichtlich nicht erhälst ;-(

Psychosomatisch bedeutet: Psycho - Seele, Soma - Körper. Psychiatrie - psychische Erkrankungen

Auch in einer Psychosom. Kl. würdest Du vermutlich Erwachsene um Dich haben. Liegt Deiner Meinung auch darin ein Problem oder sind es ausschließlich die anderen 'Missstände'?

Da Du noch nicht volljährig bist, kannst Du leider nicht selbst bestimmen. Was Du aber tun könntest: Deine/n bisherigen Behandler/in tel. kontaktieren und die Situation erläutern und dort um Alternativvorschläge bitten oder Deine Eltern einzuschalten.

Ich hoffe, dass Dir das weiterhilft, damit Du bald ein wirksame Behandlung bekommst :-)

LG und gute Besserung

Kommentar von CutKid ,

Ich stehe dazu ein "Ritzkind" zu sein. Ich werde Mitte August 18 und werde dann entlassen. mir gefällt es hier nicht, dass alle Patienten auf sich allein gestellt sind, keine psychologischen Gespräche geführt werden und bei jedem kleinsten Problem die Patienten mit Tavor ruhig gestellt werden....

Kommentar von Buddhishi ,

Das ist ja auch gut so, dass Du dazu stehst und somit die Krankheit annimmst. Ich meinte das auch überhaupt nicht negativ, im Gegenteil - Respekt :-)

Das, was Du gerade beschrieben hast, würde mir auch nicht gefallen, da es ja im Grunde auch überhaupt nichts zu Deiner Genesung beiträgt.

Kannst Du mit meinen Vorschlägen etwas anfangen? Dein/e Therapeut/in könnte sich z. B. für eine Verlegung einsetzen.

Antwort
von alexandramei, 8

Ich war bisher nur in psychiatrien. Ich weiß nur das in einer Psychiatrie eine geschlossene/ geschützte Station ist und in eine psychosomatischen klinik halt nicht! Soweit ich weiß werden auch nur in der Psychiatrie Medikamente angesetzt. Man hat in einer Psychiatrie Schwestern und Pfleger, aber in einer psychosomatischen Klinik nicht! Also es ist sozusagen für Patienten die die Suizid gefährdet sind zb. Gedacht. Einfach für Menschen die noch sehr viel Hilfe brauchen zb. Bei der Tagesstruktur! Eigentlich muss man Therapeuten haben! Das ist wirklich komisch das ihr da keine habt! Hab ich noch nie gehört! Ich würde sagen such dir eine andere Psychiatrie und wenn du im alltag auch ohne Pfleger und Schwestern zurecht kommst dann such dir wen  du magst vielleicht  einen Platz in einer psychosomatischen klinik. Ganz viel glück wünsche ich dir! 

Glg

Antwort
von Schokogirly, 29

Also ich war selber 8 Wochen in einer Psychosomatischen Krankenhausstation und habe es um vieles besser als die Psychiatrie empfunden!

Auf der psychosomatischen wird viel mehr auf einen eingegangen, während man auf der Psychiatrie meiner Meinung nach schnell als psychisch krank eingestuft wird. Ab diesem Zeitpunkt wird man zwar 1 Mal von einem Fachpsychiater untersucht, aber danach ist man dem Pflegepersonal "ausgeliefert". Und wie du schon richtig erwähnt hast, gibt es solches und solche Personal. Die einen kümmern sich mehr um dich, die anderen sehen dich als kaum zurechnungsfähig und dadurch reden sie nur das nötigste mit dir.

Nach meinem Empfinden wird man auf der Psychosomatik als Mensch behandelt. Als Mensch mit Ängsten, Sorgen und Bedürfnissen. Und genau auf diese 3 Punkte wird dort eingegangen. Vielleicht hatte ich aber auf der Psychosomatik auch nur Glück mit meinen Psychiatern, Psychologen und dem zuständigen Krankenhauspersonal!

Viel Glück!

Kommentar von CutKid ,

Dankeschön! (:

Kommentar von Seanna ,

Das hat nichts mit der Psychosomatik zu tun, sondern das eine ist Akutversorgung (Psychiatrie), das andere ist Psychotherapie (Psychosomatik und Psychotherapie-Station). Es sind einfach völlig unterschiedliche Konzepte für unterschiedliche Zwecke und Lebens- bzw Therapiephasen. Siehe meine Antwort.

Antwort
von Virginia47, 16

Ich war sowohl in einer psychosomatischen Klinik als auch viele Jahre später in einer Psychiatrie.

Die psychosomatische Klinik hat mir überhaupt nichts gebracht. Die Therapeutin, zu der ich aller paar Tage musste, war eine Katastrophe. Und ich war nicht gewillt, mit ihr über meine Probleme zu reden. So wurde ich dann auch ohne Erfolg entlassen.

In der Psychiatrie ging es mir wesentlich besser. Ich hatte gute Kontakte zu meinen Mitpatienten. Und auch viel gelernt. Und möchte die Zeit dort nicht missen. 

Antwort
von robi187, 35

einst waren die mal sehr gut wie es heute ist ?

http://www.helios-kliniken.de/klinik/bad-groenenbach-psychosomatik/fachabteilung...

aber mache was damit es nicht chronisch wird?

gute besserung

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