Frage von UnderTheSkin, 133

Wäre eine Ausbildung zur Physiotherapeutin das Richtige?

Ich muss mich bald entscheiden, was ich nach der Schule machen möchte und da ist mir die Physiotherapie eingefallen. Ich selbst war als Kind oft Patientin bei Physiotherapeuten und fand diesen Beruf ziemlich spannend. Ist jemand hier in diesem Beruf und kann mir einige Vor- und Nachteile nennen, auf was man achten muss etc. Nach der Ausbildung würde ich auch gerne eine eigene Praxis aufmachen. Vielen Dank !

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Skoph, 78

Alles, was Siraa Dir geschrieben hat, halte ich für vollkommen richtig und ehrlich! - Durch die derzeitige Berufspolitik und Gesundheitspolitik sehe ich als Gipfel dieses weiten Berufsfeldes der Physiotherapie nur Folgendes: 1) Du wirst eines Tages angestellte oder selbstständige (Einzelunternehmerin) Spezialistin weniger Methoden oder gegen bestimmte Erkrankungen - behandelst teuer möglichst nur Selbstzahler... 2) Du wirst eines Tages Abteilungsleiterin in einer stationären Einrichtung (Krankenhaus, REHA-Klinik) und "kämpfst" in alle Richtungen... 3) Du beschreitest den "normalen" Weg zur Selbstständigkeit mit "gutem" Verdienst: 3 Jahre Berufsfachschule - derzeit ca. 15´000 € Kosten, krankenkassenvergütungsfähige, meist teure Fortbildungen - ca. 15´000 €, ein paar Jahre Angestellte (mit Schwangerschaft/en), ein paar Jahre Osteopathie-Ausbildung - ca. 6´000 €, ein paar Monate Prüfung zur allgemeinen Heilpraktikerin - Kosten sehr verschieden, z. B. längerjährige Übernahme einer abzugebenden Praxis - Preis sehr verschieden, dann endlich Inhaberin mit mind. fünf Festangestellten, später dann eine Fachliche Leiterin einstellen - selbst nur noch Privatpatienten und Selbstzahler mit Deiner speziellen Methode behandeln, dann evtl. eine weitere Praxis eröffnen oder Lehrtätigkeiten ausüben oder ... wenn Du Dir Zeit dafür lässt, bist Du nun ca. 40 Jahre alt, hast sehr viel gearbeitet, sehr viel Erfolg gehabt, bist sehr selbstständig geworden, kannst die hohe Verantwortung tragen, verdienst angemessen Geld - auch für die Rücklagen für Dein Alter -, kannst vielleicht auch ´mal ein paar Wochen Urlaub machen oder krank sein... 4) Du versuchst den Bachelor zu erreichen oder Master und gehst in die Lehrtätigkeit oder ins Ausland.... WENN Du das alles nicht leisten möchtest (kannst), dann mache evtl. sofort die allg. Heilpraktiker-Ausbildung mit besonderen Methoden, die zu Deinem "Heiler-Wesen" passen... DENN die Krankenkassen werden weiterhin versuchen, möglichst viele physiotherapeutischen Methoden sehr gering oder gar nicht mehr bezahlen zu müssen... WENN Du diese Problematik nicht bestehen möchtest, kannst Du auch im Wellnessbereich tätig werden - hart arbeiten musst Du überall, erst in irgendwie leitender Stellung wirst Du ähnliches Geld verdienen wie z. B. eine Bankkauffrau...  RAT: Versuche in physiotherapeutischen Einrichtungen möglichst ehrliche Beratungen zu erfahren... nicht erst in den physiotherapieschulbegleitenden Praktika, denn da ist der "Praxisschock" oft sehr hoch! Viel Erfolg!

Antwort
von Siraaa, 87

Ich bin selbst Physiotherapeutin...

Es ist ein wirklich schöner Beruf, da du dich ja auch in verschiedenen Bereichen spezialisieren kannst. Hier fangen aber auch die Nachteile an, denn jede Fortbildung kostet Geld...und zwar oftmals nicht wenig Geld. Um mit der Kasse z.B. neurologische Krankengymnastik abrechnen zu können, ist eine Fortbildung in diesem Bereich dann auch Pflicht, es reicht nicht aus, dass Fach in der Ausbildung gehabt zu haben.

Auch die Ausbildung ist in den meisten Fällen kostenpflichtig, sofern du nicht einen der wenigen Plätze an staatlichen kostenlosen Schulen ergatterst. Verdienen tust du aber in keinem Fall etwas.

Der Verdienst nach der Ausbildung ist auch nicht der allerbeste, in den neuen Bundesländern sind Löhne um 1600€ Brutto keine Seltenheit und auch in den alten Bundesländern verdienen längst nicht alle 2000€ Brutto. Auch mit Berufserfahrung sind die Verdienstchancen limitiert, denn Fortbildungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass damit mehr Geld zu verdienen ist. (Die Krankenkasse zahlt z.B. für eine Manuelle Therapie nur ein kleines bissl mehr als für eine Krankengymnastik und für eine Manuelle Lymphdrainage sogar weniger). (Ich rede hier von den Preisen auf 1 Minute runtergerechnet). Für Manuelle Therapie und Manuelle Lymphdrainage bräuchtest du aber Fortbildungen.

Ich bereue den Beruf nicht (auch wenn ich möglicherweise Berufsunfähig bin), aber man muss sich relativ genau überlegen, ob einem später der Verdienst wichtig ist (dann eher Finger weg)  oder ob einen der Beruf trotz gewisser Nachteile reizt. Ich mag ihn def. und mir macht die Arbeit und die Flexibilität Spaß. Auch bin ich relativ unabhängig von einer Chefin, selbst wenn ich in einer Praxis angestellt bin.
Wenn du Interesse an Selbstständigkeit hast, dann würde ich aber trotzdem ein paar Jaher angestellt arbeiten und noch die ein oder andere Fobi machen um die Praxis attraktiv für Patienten zu machen und auch selbst Berufserfahrung zu sammeln.

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