Frage von bagdader, 44

Wäre der Staat Israel auch ohne die Katastrophe des Holocaust entstanden?

Lange hieß es, es wäre nie zur Gründung des Judenstaates gekommen, ohne den sechsmillionenfachen deutschen Judenmord. Nur weil das Gewissen der Völkergemeinschaft so schlecht war, erlaubte diese die Gründung Israels.

Immer lauter erheben sich seit einigen Jahren die Stimmen derer, die sagen, dass die Vorarbeiten der Zionisten auf dem Territorium Palästinas derart weit fortgeschritten waren, dass es den Judenstaat in jedem Fall gegeben hätte.

Welche Partei hat recht? Welche hat die besseren Argumente? Welche neuen Erkenntnisse zu diesem Thema haben sich möglicherweise in letzter Zeit ergeben ?

Bitte nur ernst gemeinte Antworten, danke.

Antwort
von SplitterFX, 19

Zionismus ist älter als Der Holocaust, es hat schon lange Bestrebungen nach einem eigenen Staat in Palästina gegeben, siehe Theodor Herzl.
Antisemitismus gabs ja schon immer

Kommentar von bagdader ,

Ja, so weit bin ich auch, aber gibt es nicht noch weitere Argumente?

Von Interesse ist z.B. diese Frage:

Hätten die Briten ihr Mandatsgebiet nicht ohne den Zweiten Weltkrieg noch länger verteidigt, sagen wir bis in die 1960er Jahre? Der Kolonialismus der Briten und Franzosen war immerhin ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Antisemitismus gibt es erst seit dem dritten Drittel des 19. Jh., davor war es ein katholisch, evangelisch oder ostkirchlich befeuerter Antijudaismus. Das Resultat freilich war das gleiche.

Antwort
von Gabi983, 5

Die Absicht einen eigenen 'jüdischen Staat' zu gründen, um Verfolgungen aus dem Weg zu gehen, hat sich 1880 konkretisiert. Es begannen sich die 'Zionisten' zu treffen - meistens in Bern/Schweiz.

Von den Juden selbst sind die jüd. Zionisten (Ideologie) eigentlich ignoriert worden; zwischen 1880-1920 sind 4,1 Mio. Juden aus Europa/Südosteuropa ausgewandert --- aber nach USA (zum Leidwesen der Zionisten). Man schätzt dass etwa 2% der verfolgten europäischen Juden dem Zionismus hold waren.

(Details siehe Amazon bei 'Antisemit!' oder youtube von Moshe Zuckermann)

1905 haben die Engländer die jüd. Einwanderung gestoppt; 1924 die Amerikaner fast gänzlich gestoppt. Trotz Konferenzen haben sich immer mehr Staaten geweigert, große Mengen an Flüchtlingen immigrieren zu lassen.

Die Zionisten (Ben Gurion, Weizmann), die nur (!) Palästina (ein Land ohne Volk!  lol) aus Auswanderungsland akzeptierten (für andere war Argentinien, Uganda, .. auch o.k.) haben alles unternommen, damit die Flüchtlinge nach Palästina gehen. Sogar Abkommen mit den Nazis (Haavara) haben sie dazu geschlossen.

Der Holocaust war dann ab 1944/1945 für die Zionisten ein weiteres, sehr starkes Argument, die südeuropäischen Flüchtlingsströme nach Israel umzuleiten und zu leiten.

Die Teilung Palästinas (die Pal. und Nachbarstaaten wollten keine Teilung) hat die UNO 29.11.1947 beschlossen und sich damit (letztlich) auf die zionistische Seite geschlagen. Der Holocaust hat beim 'Lobbying' in der UNO vor allem beim US-Präsidenten offenbar eine Rolle gespielt.

Übrigens: England hat sich enthalten und NICHT für die Teilung Pal. gestimmt. Für die (und andere Staaten) hat der Holocaust für die Teilung keine große Rolle gespielt. (amazon: Simha Flapan oder John Rose, ..)

Der Einfluss der amerikanischen Zionisten auf die US-Präsidentenfamilie (Quelle: http://ifamericansknew.org/) dürfte eine wichtige Rolle gespielt haben.

Antwort
von Accountowner08, 14

ja, sicher, der 2. Weltkrieg hat es einfach verzögert.

Antwort
von LordFantleroy, 16

Ja, denn Teilungspläne gab es schon lange vor dem Holocaust.

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