Frage von 2002chris, 61

Wäre das strafbar(Notwehr)?

Hallo Liebe Gutefrage-Comunity,

Ich hätte da mal eine Frage und die ist besonders an (Straf)Anwälte und Richter gerichtet, weil die mir glaube ich in dem Fall am besten helfen könnten.

Also meine Frage wäre, dass wenn man z.b. Von einer Schusswaffe bedroht wird (gehen wir mal von einer 9mm Pistole aus, oder eigentlich ist es ja egal) und sich erfolgreich befreit und die Waffe dann selbst hat und dem Angreifer nichts geschehen ist. Ich richte nun die Waffe auf ihn und sage ihm, dass er sich nicht bewegen solle, ansonsten schieße ich. Wer er nun nicht auf mich hört, oder was auch immer, und ich ihm ins Bein schieße wäre ja immer noch Notwehr, da er mich ja angreift und ich mich gegenwärtig wehre,aber ganz rechtswidrig wäre es ja auch nicht, aber man könnte ja auch damit argumentieren, dass das die sicherste Möglichkeit wär um ihn außer Gefecht zu setzen, und ohne dass mir etwas passiert, oder könnte man das auch als Notwehrexzess auslegen?

Und nun mal einen Schritt weiter und ich würde ihm nicht ins Bein schießen, sondern z.b. Im den Kopf und er stirbt sofort wäre es ja auch wieder nicht rechtswidrig, aber das Argument von oben könnte man ja nicht verwenden, oder doch? Und könnte man dies auch als Notwehrexzess auslegen, da ich ja auch noch ein Kind (14 Jahre alt) bin und ich zur Zeit der Tat traumatisiert war bzw. unter Schock stand oder ist das dann auf jeden Fall strafbar?

Schon mal Danke im Voraus für die Antworten

Christian

Antwort
von uni1234, 7

Notwehr setzt gem. § 32 StGB keine verhältnismäßige Reaktion voraus. Hier kommt es im Prinzip nur darauf an, dass ein gegenwärtiger Angriff vorliegt (bzw. man sich diesen auch nur vorstellst). Beide Szenarien sind geeignet den Angriff zu beenden.

Im Ergebnis wäre man auch bei dem Kopfschuss straflos. Man muss sich nämlich nicht auf Mittel einlassen, die zu einem ungewissen Ausgang führen. Das Notwehrrecht erlaubt nämlich gerade das Mittel zu benutzen, das einen Angriff sicher beendet. Soweit man durch den Kopfschuss dennoch auf die Grenzen des Zulässigen überschreitet, dann kann man sich auf den sog. Notwehrexzess nach § 33 StGB berufen, mit der Folge, dass man ohne Schuld handelt und auch straflos bleibt.

Antwort
von mrsinister154, 28

Ins-Bein-schießen ist weder besonders sicher, noch besonders realistisch: es ist ein verhältnismäßig kleines Ziel, das sich zumeist bewegt; in die Brust zu schießen ist sicheret und wahrscheinlicher, da diese zum einen größer ist, aber auch zentraler, und sie sich bei einem Angriff "gerade" auf einen zu bewegt

Kommentar von 2002chris ,

War nur ein ausgedachtes Szenario mir ging's nur einmal darum den Täter nicht tödlich zu verletzen und einmal wirklich tödlich

Tut mir leid, dass ich nicht weiter über die Logik dieses Szenarios nachgedacht habe aber trotzdem danke für die Antwort:D

Ich würd ja im Fälle auch eher auf die Körpermitte schießen ist ja auch logischer und ich glaub man denkt da dann auch nicht groß nach und schießt einfach auf das größtmögliche Ziel

Antwort
von Vanelle, 7
 besonders an (Straf)Anwälte und Richter gerichtet

Die wirst Du hier massenhaft finden und ganz sicher haben die auch nichts besseres zu tun, als zu der Fiktion eine Rechtsberatung zu liefern :-(

Eine Notwehr gilt nur als solche, wenn sie angemessen und verhältnismäßig ist, das ist bei deinem Konstrukt eher nicht ersichtlich.

Kommentar von uni1234 ,

Mit Verhältnismäßigkeit hat Notwehr nichts zu tun.

Kommentar von Nitarius ,

Weder kommt die Angemessenheit, noch die Verhältnismäßigkeit in der Notwehr zum tragen.

Antwort
von Wischkraft1, 13

Das sehr Seltsame ist, dass du dich derart intensiv mit diesen Fragen auseinanderstzt.

Ohne genau Kenntnis vom Recht in deinem Land, denke ich, dass Notwehr nur in der Not geschieht. Wirst du auf offener Srtrasse bedroht, ist das nicht dasselbe wie wenn du in deinem Haus bedroht wirst. Auf der Strasse könntest du wegrennen, um Hilfe rufen etc. Im Haus ebenso, jedoch, weil der Angreifer bereits widerrechtlich eingedrungen ist, ist da mehr Spielraum.

Deine Abwehr darf nur zu deinem Schutz erfolgen und nicht darauf abzielen, den anderen zu töten. Keine Überreaktion. Schuss in den Kopf müsstest du da schon gut erklären können, wie es dazu kam.

Kinder unter 14 Jahre sind nicht strafmündig.

Kommentar von 2002chris ,

Tut mir leid falls ich dich verstört habe oder so :D

Also es ist rein erfunden deshalb auch diese "überreaktion" und ich werde auch nicht versuchen jemanden gezielt zu töten war nur ein ausgedachtes Szenario um nochmal sicherzugehen wie weit Notwehr geht oder was man noch als Notwehr(-Exzess) auslegen kann

Mit dieser Bemerkung mit den 14 Jahren wollte ich nicht auf die Straf(un)Mündigkeit  sondern auf den Notwehrexzess da man ja unter Schock oder ähnlichem stehen könnte und des einem als "Kind" glaubwürdiger ist als wenn dass z.b. Ein Bodybuilder oder so behauptet

Und ich weiß so gut darüber bescheid da ich auch etwas was in Selbstverteidigung geht (krav maga) trainiere und es dann auch dazugehört zu wissen was man darf und was nicht

Vorallem ist es auch im normalen Alltag ganz nützlich zu wissen was man z.b. Bei einer Pöbelei machen darf deshalb bin ich nur gut informiert und da gehören eben auch solche Szenarien auch dazu wie weit das eben gehen kann

Jedenfalls danke für die Antwort!

Kommentar von Wischkraft1 ,

Danke für die Aufklärung.

Es ist wahrlich gut, vorbereitet zu sein, selbst auf das Unmögliche.
Dennoch sähe ich es lieber, wenn du dir 'schönere' Dinge visualisieren würdest.

Als Anhänger von Émile Coué weiss ich um die Macht der Vorstellung, weshalb ich selber mich auf für mich Erstrebenswertes konzentriere.
Das wäre dann auch meine 'Waffe'.

Ist jetzt zu kompliziert, zu erklären.

Antwort
von Daemonenkoenig, 30

einzelfallentscheid

Kommentar von 2002chris ,

Danke für die Antwort!

Antwort
von Sabsi69, 21

Es gibt den Begriff der Verhältnismäßigkeit, da scheiden sich die Geister. Da der Angreifer keine Waffe mehr hat iat das ein großer Nachteil für dich. Denn du musst versuchen klar zu machen das du dich um dein Leben bedroht gefühlt hast. Schwierig wenn der Gegner keine Waffe mehr hat! Du bist 14 also strafmündig!!

Ich bin Laie 

Kommentar von 2002chris ,

Ich meinte wegen dem Alter dass ich unter Schock stehen könnte und dann der Notwehrexzess in Kraft treten würde wäre ja bei nem 2 Meter Riesen mit Arnold Schwarzenegger Maßen nicht unbedingt glaubwürdig, aber trotzdem danke für die Antwort!

Kommentar von 2002chris ,

Außerdem die Verhältnismäßigkeit ist so eine Sache solange es die mildeste und gleichzeitig sicherste Möglichkeit für mich ohne Schaden aus dem Angriff herauszukommen ist alles im grünen Bereich, wenn ich nicht falsch liege sollte so ungefähr auch im StGB §32 oder BGB §227 wenn ich mich nicht irre

Kommentar von uni1234 ,

Notwehr muss gerade nicht verhältnismäßig sein. Ausreichend ist, dass man den Angriff mit einem geeigneten und erforderlichen Mittel abwehr. Soweit es keine andere Verteidigungsmöglichkeit außer der Schusswaffe gab, dann ist auch der Kopfschuss gerechtfertigt.

Antwort
von elagtric, 11

Schusswaffengebrauch ist in DE nur ganz wenigen erlaubt, und auch dann nur in sehr engem Rahmen.

Du würdest Dich auf jeden Fall strafbar machen !

Kommentar von 2002chris ,

Naja, wenn ich von einer Person mit einer Schusswaffe angegriffen werde und sie beim entwaffnen losgeht und den Täter tötet ist es immer noch Notwehr und ich kann ja nichts dafür, dass die Waffe losgeht und ich von einer bedroht werde also in dem Fall wäre ich soweit ich weiß im grünen Bereich

Trotzdem danke für die Antwort!

Kommentar von elagtric ,

Negativ ! Du hattest eine Schusswaffe in der Hand und sie verwendet. In welcher Form, zu welchem Zweck oder was auch immer interessiert den Gesetzgeber nicht.

Sonst könnte sich ja auch jeder Brandstifter damit herausreden, dass ihm eine plötzliche Windböe das Feuerzeug aus der Hand riss und auf einmal alles in Flammen stand.

Letztlich müsstest Du noch ganz abseits des Gesetzgebers damit klarkommen, einen Menschen getötet zu haben. Auch kein leichtes Schicksal, selbst wenn Du es Dir mit Notwehr zurechtlegst.

Schusswaffen sind irgendwie schlimmer als Krebs. Denn Krebs kann mensch heilen ...

Kommentar von uni1234 ,

Das stimmt nicht! Es wurde zwar ein Verstoß gegen das WaffenG vorliegen, jedoch wäre dieser ebenfalls aus Notwehr gerechtfertigt.

Kommentar von FloTheBrain ,

Und warum hat das höchste deutsche Strafgericht, der BGH, schon Opfer freigesprochen die Angreifer erschossen oder erstochen haben?

Schusswaffengebrauch bei Notwehr kann in Deutschland ebenso straffrei bleiben wie in den USA. Denn da haben beide Länder starke gesetzliche Übereinstimmungen.

Und zum Thema Schusswaffen:

Was bringt ein Verbot? Kriminelle haben Schusswaffen und werden sie auch immer haben. Auch in Deutschland. In Berlin gibt es alle paar Tage eine Schießerei zwischen Kriminellen.

Mit Verboten erreicht man nur die Menschen, die sich an Verbote halten. Nicht die Kriminellen. Das kannst du doch logisch nachvollziehen, oder?

Antwort
von ThommyGunn, 8

Ich würde sagen, ab dem Moment wo Gefahr besteht, dass er sich die Waffe zurückholt ist auch tödliche Gewalt durch Notwehr gerechtfertigt. Wenn er davon rennen würde, anstatt stehen zu bleiben, dann natürlich nicht.

Für dich dürfte der Fall interessant sein, wo der Gastwirt den Schutzgelderpresser mit dessen Waffe erschossen und eingemauert hat, er wurde freigesprochen - kann aber auch anders ausgehen, gibt in Notwehr nie Rechtssicherheit, was Notwehr war, entscheidet am Ende der Richter. Aber besser vor Gericht als im Leichenhaus.


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