Frage von fred123123, 227

Vorfahrt genommen ja, aber Distanz war noch wortwörtlich riesig?

Ich hatte letztens einen Unfall zu dem ich nun Post bekommen habe und komplett als schuldiger festgelegt bin. 240m ca 11 sek. Ich habe um eine getrennte Fahrbahnmitte die Fahrtrichtung gewechselt. Umkehren und so war da erlaubt. Soweit kein Problem. Als ich angefahren bin sah ich (später nachgeguckt wieviel m das waren) ca. 240m entfernt ein Taxi kommen. Erlaubt sind da 60km/h. Das war noch ein ganzes Stück, also bin ich rasch um die Ecke. Gerade wo ich drum rum bin höre ich nur quietschende Reifen und merke wie mir der Taxifahrer reingefahren ist. Jetzt habe ich mal gerechnet. bei 240m hat er, wenn er erlaubte Geschwindigkeit gefahren ist (!), 14 Sekunden Zeit gehabt haben müssen um zu sehen, dass da jemand in Entfernung gerade auf seine Spur wechselt. Geben wir ihm noch ein wenig Toleranz auf 70km/h sind das immernoch um die 10 Sekunden Zeit. Und dennoch ist er erst im allerletzten Moment mit quietschenden Reifen abgebremst. Komme mir verarscht vor. Sicher bin ich auf seine Spur gewechselt, aber es kann nicht sein, dass er das erst im letzten Moment gesehen hat. Ich gehe stark von aus, dass er entweder abgelenkt war oder mir halt extra reingefahren ist. Kann man da gar nichts machen? Jemand, dem 14 Sekunden Reaktionszeit nicht ausreichen um zu sehen, was vor ihm passiert, der kann doch wohl nicht im Recht sein...

Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Auto, 82

"Gerade wo ich drum rum bin höre ich nur quietschende Reifen und merke wie mir der Taxifahrer reingefahren ist. Jetzt habe ich mal gerechnet. bei 240m hat er, wenn er erlaubte Geschwindigkeit gefahren ist (!), 14 Sekunden Zeit gehabt haben müssen um zu sehen, dass da jemand in Entfernung gerade auf seine Spur wechselt."

Das kann man auch anders rechnen:
Wie weit bist du gekommen, nachdem du auf der Spur warst und beschleunigt hast? Bei einer mäßigen Beschleunigung von 20s auf 100km entspricht dies etwa 2 m/s^2

Laut s = a/2 * t^2 müsstest du also innerhalb von 14 s einen Weg von
s = a/2 * t^2 = 1 m/s^2 * 196 s^2 =  196 m zurückgelegt haben.

Diese Rechnung wird dir jeder Gutachter entgegenhalten und daraus schließen, dass deine Angaben nicht stimmen können. Wenn du unmittelbar nach dem Befahren der Spur getroffen wurdest, war der Taxifahrer deutlich näher dran als 240 m.

Kommentar von fred123123 ,

Außer er war deutlich zu schnell.. Und schon ist die Rechnung widerlegt.

Kommentar von claushilbig ,

Das müsste dann aber nicht nur "deutlich zu schnell", sondern (siehe Berechnung von Crack im Kommentar zu bronkhorst) mindestens 100 km/h (!) über der erlaubten Geschwindigkeit gewesen sein.

Das wiederum hätte der FS deutlich erkennen können und hätte dann sein Wendemanöver absolut überhaupt nicht ausführen dürfen ...

Antwort
von Loroth, 93

Hallo,

bevor man sich zum vorliegenden Sachverhalt einigermaßen definitiv äußern kann, sind m.A.n. noch einige offene Fragen zu klären:

  • Von wem kommt die Post und wer hat darin die Schuld festgelegt?
  • Mit welcher genauen Begründung?
  • Die Berechnung der Reaktionszeit (14 oder 10 Sekunden) - wie hier vorgenommen - ist rein theoretischer Natur und hat für die Beurteilung nur eine untergeordnete Bedeutung. Viel entscheidender als die Frage, wie schnell man dort fahren darf, ist die TASÄCHLICH vom Taxi gefahrene Geschwindigkeit. Diese kann für die weitere Beurteilung von erhöhter Bedeutung sein. Also: Wie schnell war das Taxi (schätzungsweise)?
  • Wie lange war die Zeit zwischen dem Spurwechsel und dem Unfall?
  • Wie schnell war das eigene Fahrzeug zum Zeitpunkt des Aufpralls?

Viele Grüße

Loroth

Expertenantwort
von machhehniker, Community-Experte für Auto, 103

Naja, ich sag ja immer:

Wenn man mit Fahren sein Lebensunterhalt verdienen möchte aber gar nicht Fahren kann soll man in die Personenbeförderung gehen, unter Taxi- und Busfahrern fällt man dann nicht auf weil die fast alle nicht fahren können.

Nun sagst Du dass dieses Taxi theoretisch mindestens 10 Sekunden entfernt war als dem hätte auffallen müssen dass Du seinen Fahrweg kreuzt. Da muss die Gegenfrage erlaubt sein Was Du denn diese 10 Sekunden gemacht hast. Innerhalb 10 Sekunden dürfte selbst aus dem Stand heraus sogar ein 40-Tonner einen U-Turn hinkriegen.

Dann sollte der also Dir nicht seitlich reingefahren sein sondern von hinten aufgefahren sein und dann wird dies wohl gerichtlich geklärt werden müssen wer zu vieviel Schuld daran hat.

Dir empfehlen würde ich zu einem Rechtsanwalt zu gehen der auf Verkehrsrecht spezialisiert ist um Dich da genau beraten zu lassen. Der kann auch einschätzen ob es lont gerichtlich vorzugehen (das wird dann teuer).

Die Post die Du bekommen hast kam wohl von der Bußgeldstelle und Du sollst ein Bußgeld wegen Verursachen eines Unfalls zahlen?

Dem kannst Du auch widersprechen wenn Du meinst nicht den Unfall verursacht zu haben. Allerdings bist Du scheinbar schon der Unfallverursacher, nur diesem Taxifahrer könnte wahrscheinlich eine gewisse Teilschuld angelastet werden.

Antwort
von Alexander Schwarz, 84

Kann ich nicht verstehen! Einem Menschen vorsätzlich den Leib und das Leben in Gefahr zu bringen und hier einen auf Unschuldig zu tun. Stell dir vor, der Fahrer hätte das Steuer verrissen und hätte einen schweren Unfall mit unschuldigen Dritten verursacht. Du wärst doch einfach weitergefahren als Unfallverursacher. Sei ein Mann und stell dich deiner Verantwortung.

Kommentar von fred123123 ,

Ähm, wenn ich das ganze vorsätzlich gemacht hätte würde ich hier bestimmt nicht schreiben und das Urteil bestreiten wollen.

Und dann auch unterstellen, dass ich Fahrerflucht begangen hätte, wenn ich ohne Scahden davon gekommen wäre... Was ist denn mit dir falsch? Schlechten Tag gehabt?

Kommentar von Alien0127 ,

Bei Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr musst du meist auch nicht vorsätzlich handeln, um sie zu begehen.

Antwort
von Pudelwohl3, 148

Wenn Du da mit solch einer Argumentation etwas bewirken willst, müsstest Du meiner Meinung nach einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten.

Antwort
von wiedermalich, 98

da du weder die entfernung zum fahrzeug, noch dessen geschwindigkeit genau nachweisen kannst (sondern nur schätzen und das zählt nunmal vor gericht 0), hast du auch nichts in der hand. zumal, wenn du wirklich schon so genau gesehen hast, wo das fahrzeug ist, hast du ihm vorsätzlich die vorfahrt genommen und d.h. die strafe fällt für dich im doppeltem maß aus.

die polizei hätte an ort und stelle die bremsspuren vermessen mpssen und so in etwa die gefahrene geschwindigkeit ausrechnen können. ist das nicht passiert, hast du pech und bist nunmal der schuldige.

an deiner stelle würde ich so argumentieren, dass das fahrzeug noch sehr weit entfernt war. so weit, dass du den abstand nicht mal richtig einschätzen konntest. es muss also extrem schnell auf dich zugekommen sein, sodass der abstand, der aus deiner sicht bei einer angemessenen geschwindigkeit absolut ausreichend gewesen wäre, tatsächlich zu knapp war.

das sind nur mal so ein paar stichworte, die dir den allerwertesten retten können ;)

Kommentar von fred123123 ,

"zumal, wenn du wirklich schon so genau gesehen hast, wo das fahrzeug ist, hast du ihm vorsätzlich die vorfahrt genommen und d.h. die strafe fällt für dich im doppeltem maß aus."

Mit was für einem Motiv sollte man mit einer Teilkasko Versicherung jemanden vorsätzlich die Vorfahrt nehmen?

Die Entfernung, die ich dort gesehen habe, hat mir gesagt, dass da noch bei weiten genug Zeit ist. In meinen Augen ist das eher ein Zeichen dafür, dass er weitaus schneller als zugelassen gefahren sein muss. (Was bei Taxifahrern ja auch keine Seltenheit ist.)

Kommentar von Maximilian0296 ,

Die Entfernung, die ich dort gesehen habe, hat mir gesagt, dass da noch bei weiten genug Zeit ist. In meinen Augen ist das eher ein Zeichen dafür, dass er weitaus schneller als zugelassen gefahren sein muss.

Man schätzt übrigens nicht nur die Entfernung sondern auch die Geschwindigkeit des herannahenden Autos, bevor man solche Manöver wagt. Du hast dich verschätzt und deswegen hat es geknallt.

Expertenantwort
von ronnyarmin, Community-Experte für Auto, 49

Wie bereits Andere geschrieben haben:

Wenn das Taxi Deiner Meinung nach rund 14 Sekunden von dir entfernt war, musst du dir die Frage gefallen lassen, wieso du diese Zeit brauchst, um einen halben Kreis zu fahren, zumal die gesehen hast, dass sich ein Fahrzeug nähert? Der Unfall kann sich nicht so zugtragen haben, wie du ihn empfunden hast.

Aus einem deiner Kommentare:

Und nun bekomme ich ohne dass mir die Möglichkeit gegeben wurde mich zu verteidigen, die Schuld zugewiesen

Die Polizei weist Niemandem eine Schuld zu. Folglich brauchst du dich vor ihr auch nicht zu verteidigen.

Die Schuldzuweisung erfolgt vor Gericht, sofern es zu einer Verhandlung kommen sollte. Und dort hast du selbstverständlich die Möglichkeit, dich zu verteidigen.

Expertenantwort
von bronkhorst, Community-Experte für Auto, 105

Wenn ich Deine Schilderung so lese, frage ich mich, wie es sein kann, dass Du den Kollisionsbereich nicht schon innnerhalb von 3-4 Sekunden verlassen hast.

Mir fehlt da due rechte Vorstellung.

Du kannst versuchen, dem Taxifahrer eine Teilschuld (mehr würde es nicht werden) wegen überhöhter Geschwindigkeit anzulasten.

Ob sich das lohnt, deswegen vor Gericht zu gehen, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem davon, ob Du eine Rechtsschutzversicherung für Straßenverkehrsthemen hast; denn bei Teilschuld werden in der Regel auch Verfahrenskosten anteilig fällig.

Kommentar von Crack ,

Wenn ich Deine Schilderung so lese, frage ich mich, wie es sein kann, dass Du den Kollisionsbereich nicht schon innnerhalb von 3-4 Sekunden verlassen hast.

Das war auch mein erster Gedanke.

Hier scheint eine Fehleinschätzung der Lage vorzuliegen.

Kommentar von fred123123 ,

Wenn er die erlaubte Geschwindigkeit gefahren wäre, DANN wären es um die 10 Sekunden gewesen.

Was ihr nicht berücksichtigt habt ist die Möglichkeit, dass er halt viel zu schnell gefahren ist.

Kommentar von Crack ,

Es ist natürlich als Unbeteiligter der die Örtlichkeit nicht kennt immer schwer so etwas zu beurteilen.
Deshalb halte ich mich oft auch bei Fragen wie Deiner zurück - auch deshalb weil meine Antwort wohl kaum dazu taugen würde einen Stern von Dir zu bekommen...

Du sagst es waren 240m [diese Angabe ist ja sicher]?
Ich unterstelle das ein Wendemanöver vielleicht 3, max.5sek dauert [was aber schon sehr hoch gegriffen ist].
Dann müsste der Taxifahrer, wenn er Dich kurz nach dem Abschluss des Wendemanövers [also nach den 5 sek] getroffen hat, mit mindestens 175km/h unterwegs gewesen sein.
Sollte das Wendemanöver nur 4 oder 3 sek gedauert haben [was eher unter "rasch" zu verstehen ist] dann kommt man sogar auf Mindestgeschwindigkeiten des Taxis von bis zu 290km/h.

Verstehst Du jetzt warum ich Deine Ausführung als unglaubwürdig einschätze?

Antwort
von Artus01, 95

Bezahl das Bußgeld und fertig.

Da Du es aber nicht einsiehst solltest Du eine vorher Rechtsberatung bei einem Fachanwalt für Verkehrsrecht einholen, vielleicht siehst Du es dann ein. Eine einfache Rechtsberatung ist nicht sehr teuer.


Antwort
von Maximilian0296, 94

Du hast also einen U-Turn gemacht und konntest keine 5 Sekunden warten bis das Taxi vorbei ist. Du hast wohl einfach nur die Entfernung falsch eingeschätzt und deswegen hat es gerummst. Du hast dich hier ganz klar falsch verhalten. Der Taxifahrer hat vermutlich einfach nicht damit gerechnet, dass du ihm so dreist die Vorfahrt nehmen würdest. Das man da nicht mehr schnell genug reagiert ist ja wohl klar, zumal im Winter die Bremswege immer etwas länger sind! 

Mein Rat an dich: Nimm dir einen Anwalt. Eventuell kann er dem Taxifahrer eine Teilschuld anhängen, aber das ist aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich. Und für die Zukunft bitte die Vorfahrtsregeln beachten, die gibts schließlich nicht nur aus Jux!

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