Frage von YoshiMizu, 104

Vor Kamera Straftaten zugeben?

Wenn z.B. bei einer Doku, die nicht gestellt ist, z.B. Einbrecher offen über ihre Einbrüche reden und Straftaten zugeben. Es gibt Aufnahmen, wo sich echte Kriminelle nur mit einem Halstuch vermummen und somit leicht von szenekundigen Beamten o.Ä. identifziert werden könnten. Ist sowas in irgendeiner Art strafrechtlich relvant oder stellt einen Ermittlungsgrund dar? Eig. darf doch nur das wirklich verwertet werden, was unter Eid ausgesagt wurde, oder täusche ich mich da? LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, Community-Experte für Polizei, 37

Hallo YoshiMizu,

völlig unabhängig auf welche Art und Weise die Polizei Kenntnis von einer Straftat erlangt, so ist die Polizei verpflichtet tätig zu werden.

Geregelt ist das in den beiden folgenden Gesetzen:

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§ 163 StPO - Aufgaben der Polizei im Ermittlungsverfahren

(1) Die Behörden und Beamten des Polizeidienstes haben Straftaten zu erforschen und alle keinen Aufschub gestattenden Anordnungen zu treffen, um die Verdunkelung der Sache zu verhüten. Zu diesem Zweck sind sie befugt, alle Behörden um Auskunft zu ersuchen, bei Gefahr im Verzug auch, die Auskunft zu verlangen, sowie Ermittlungen jeder Art vorzunehmen, soweit nicht andere gesetzliche Vorschriften ihre Befugnisse besonders regeln.

(2) Die Behörden und Beamten des Polizeidienstes übersenden ihre Verhandlungen ohne Verzug der Staatsanwaltschaft. Erscheint die schleunige Vornahme richterlicher Untersuchungshandlungen erforderlich, so kann die Übersendung unmittelbar an das Amtsgericht erfolgen.

(3) Bei der Vernehmung eines Zeugen durch Beamte des Polizeidienstes sind § 48 Absatz 3, § 52 Absatz 3, § 55 Absatz 2, § 57 Satz 1 und die §§ 58, 58a, 58b, 68 bis 69 entsprechend anzuwenden. Über eine Gestattung nach § 68 Absatz 3 Satz 1 und über die Beiordnung eines Zeugenbeistands entscheidet die Staatsanwaltschaft; im Übrigen trifft die erforderlichen Entscheidungen die die Vernehmung leitende Person. Bei Entscheidungen durch Beamte des Polizeidienstes nach § 68b Absatz 1 Satz 3 gilt § 161a Absatz 3 Satz 2 bis 4 entsprechend. Für die Belehrung des Sachverständigen durch Beamte des Polizeidienstes gelten § 52 Absatz 3 und § 55 Absatz 2 entsprechend. In den Fällen des § 81c Absatz 3 Satz 1 und 2 gilt § 52 Absatz 3 auch bei Untersuchungen durch Beamte des Polizeidienstes sinngemäß. § 185 Absatz 1 und 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes gilt entsprechend.

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Kommen die Polizisten dieser Pflicht nicht nach, machen sie sich selber nach folgender Rechtsgrundlage strafbar:

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§ 258a StGB - Strafvereitelung im Amt

(1) Ist in den Fällen des § 258 Abs. 1 der Täter als Amtsträger zur Mitwirkung bei dem Strafverfahren oder dem Verfahren zur Anordnung der Maßnahme (§ 11 Abs. 1 Nr. 8) oder ist er in den Fällen des § 258 Abs. 2 als Amtsträger zur Mitwirkung bei der Vollstreckung der Strafe oder Maßnahme berufen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) § 258 Abs. 3 und 6 ist nicht anzuwenden.

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Und im Bezug auf Deine Frage gilt, dass natürlich auch eine Reportage als Beweismittel oder zumindest als Indiz für die Tatbeteiligung vom Richter zugelassen werden kann.

Eine Verurteilung ist immer dann möglich, wenn der Richter keine Zweifel an der Tatbegehung hat.

Nur wenn Zweifel an der Tatbegehung vorliegen, gilt der juristische Grundsatz: "In dubio pro reo" - "Im Zweifel für den Angeklagten" und der Angeklagte ist freizusprechen.  

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Es gibt nur eine Ausnahme. Bei Straftaten die nur verfolgt werden können, wenn ein Antrag gestellt wurde, muss die Polizei nicht zwingend ermitteln.

Das gilt aber nur für die reinen Antragsdelikte, welche das sind ist im Artikel von WIKI unter https://de.wikipedia.org/wiki/Antragsdelikt beschrieben.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von arllllind ,

Ok die Cops wissen aber nicht wer das genau ist sie können ihn nicht identifizieren was dann ? Passiert nichts

Kommentar von TheGrow ,

Wenn die Polizei Kenntnis von einer Straftat hat, fertigt sie eine Strafanzeige und leitet somit ein Strafverfahren/Ermittlungsverfahren ein.

In der Strafanzeige gibt es ein Feld, in dem der Beschuldigte angeführt wird.

Ist der Täter bekannt, werden dessen Daten dort eingetragen.

Ist der Täter namentlich nicht bekannt, wird im Feld Beschuldigter ein Kreuz bei "Unbekannt" gemacht.

In beiden Fällen wird durch die Anzeige ein Strafverfahren/Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zu den Ermittlungen gehört natürlich auch, dass bei unbekannten Tätern versucht wird den Täter zu ermitteln.

Kann der Täter nicht ermittelt werden, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Unbekannt ein. Der Geschädigte der Straftat erhält in der Regel von der Staatsanwaltschaft ein Schriftstück mit dem Text:

Das Strafverfahren wegen "Nennung der Straftat und des Paragraphen" gegen Unbekannt wurde eingestellt, da der Täter nicht ermittelt werden konnte

 Dieses Schriftstück muss dann meist der Versicherung vorgelegt werden, wenn man gegenüber der Versicherung Ansprüche geltend machen will.

Antwort
von implying, 51

einbruch müsste meines wissens nach ein offizialdelikt sein. demnach müsste die staatsanwaltschaft ermittlungen einleiten sobald sie davon erfahren würde.

wenn aus dem interview allerdings nicht hervorgeht wo genau eingebrochen wurde, wer geschädigter ist und die identität des täters nicht klar ersichtlich ist wird das zu nichts führen. denn bei einer vernehmung wird er sich dann garantiert nicht mehr selbst belasten ^^ und ohne geschädigten kann man ihm dann auch nichts nachweisen.

Kommentar von YoshiMizu ,

http://noisey.vice.com/de/noisey-raps/noisey-raps-ak-ausserkontrolle-382 falls es dich interessiert oder du dich vllt mit der materie auskennst, könntest du vllt da mal reinschauen und deine Meinung dazu nochmal mitzuteilen, ich hab mich nämlich sehr gewundert. Es handelt sich dort hauptsächlich um große Elektronikmärkte etc. und das wird auch relativ ausführlich besprochen.

Kommentar von arllllind ,

Ak ausserkontrolle sind Brüder von mir die sind das was die sagen die Jungs machen kein Spaß

Antwort
von Hichaos1991, 15

So ganz kurz mal, Bei dokus etc. bzw. allgemein im Fernsehen kann man nicht immer alles glauben was gesagt wird.

Zu dem rechtlichem werde ich nichts sagen den das wurde schon ausgeführt.

Identifizieren sagt sich so leicht erstmals muss man wissen was wann wo und wer eventuell auch noch wie.

Allerdings wird bei dokus meist wenig davon was wirklich relevant ist für eine verfolgung preis gegeben oder am ehersten ist die tat schon verjährt oder schon bestraft.

Antwort
von axoni, 42

Etwas im TV was nicht gestellt ist? Ich glaube ehr weniger, besonders wenn man noch erkennbar ist. Und wenn man eine Straftat zugibt ist das bestimmt belastend, selbst wenn man es nur aus Spaß sagt wird das konsequenzen haben.

Kommentar von YoshiMizu ,

Ich rede nicht nur vom TV, z.B. gibt es ein Interview von Vice, wo sie mit jemandem über medienwirksame Einbrüche sprechen. Diese Person gibt die Straftaten offen zu und verrät zusätzlich auch Details. Ich meine nicht diese typischen Dkus ausm TV wo unfassbare Drogendeals angeblich vor Kamera ablaufen.

Antwort
von exxonvaldez, 25

Die werden schon darauf achten, dass sie nicht zu identifizieren sind.

Antwort
von rokenisdodelig, 20

oft wird es schnell zensiert in Internetportalen wie YouTube z.B.

von Organisationen wie etwa "German Marshall Fund"

oder  "Anti-Defamation League",

bevor es überhaupt zu Strafverfolgungen kommen kann

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