Vor anderen religiös, ansonsten Atheist?

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18 Antworten

Ja, es ist heuchlerisch, aber du musst dich deswegen nicht schlecht fühlen.
Viele Menschen geben vor gläubig zu sein, weil sie befürchten sonst ausgegrenzt oder nicht gleichwertig behandelt zu werden. Je religiöser das Umfeld ist, desto öfter kommt das vor.
So gibt es nur ganz wenige Politiker, die sich offen zu ihrem Atheismus bekennen, weil sie sonst um die Wählerstimmen religiöser Menschen fürchten müssten, die Atheisten immer noch ganz klischeehaft als unmoralisch, fehlgeleitet oder von Satan beeinflusst ansehen.
Deswegen tun viele Atheisten nach außen so, als wären sie gläubig.

Ich finde aber, man sollte seinen Unglauben nicht verstecken. Dann merkt auch der Letzte, dass Gläubigkeit immer mehr zu einer Randerscheinung wird, zumindest hier in Europa.
Offen für den Atheismus und Rationalität einzustehen bedeutet auch dafür einzustehen, sich nicht länger von religiösen Wirrköpfen Regeln diktieren zu lassen, die erheblichen Einfluss in Politik und Gesellschaft haben.

Ich selbst kann eigentlich sowohl unter meinen Freunden als auch in meiner Familie - jedenfalls mit denen, die sich für so was interessieren - sehr offen (und manchmal geradezu lebhaft) über religiöse Themen diskutieren - und ich bin sehr froh, dass das so ist.

Religion ist für mich auf jeden Fall ein Thema, das in die Öffentlichkeit gehört. Aber die Auseinandersetzung darüber sollte immer in gegenseitigem Respekt statt finden.

Du sagst, dass Du "Stress" bekommst, wenn Du Dich in Deiner Familie als Atheist outest? Bist du sicher? Hast Du es zumindest mal mit einer vorsichtigen Andeutung versucht?

Ich finde es eigentlich sehr schade, wenn man sich in seinem engsten Umfeld nicht entspannt über so ein wichtiges Thema austauschen kann. "Intim" ist es doch eigentlich nur, weil man eigentlich bei jeder Sichtweise zum Thema Religion auf Beleidigungen oder Ähnliches gefasst sein muss - das Zeigen ja zum Beispiel schon die Diskussionen zu religiösen Fragen hier auf GF. Wenn gegenseitige Achtung und Respekt die Diskussionen bestimmen würden, müsste sich auch niemand für seine_/_ihre Sichtweise verstecken.

Fehlt dieser Respekt - speziell für atheistische Sichtweisen - in Deiner Familie? Oder kommt es Dir nur so vor? Es wäre vielleicht interessant, das mal herauszufinden. Denn ich glaube, Deiner Familie da ein Leben lang etwas vorzuspielen ist nicht die beste Lösung - es sei denn, sie sind wirklich extrem intolerant und fundamentalistisch. Nein: eigentlich selbst dann nicht.

Die ganze Religion ist ein Theater, da kommts dann auch nicht mehr drauf an.

Zumindest ist es nicht ehrlich. Es geht nicht um die Anderen, aber Du kannst nichts mit Religion anfangen. Dann steh dazu.

Ich war früher Atheist und bin heute überzeugte Christin. Ohne viel darüber zu reden. Es ist einfach das Richtige für mich. 

Naja ich würde sagen wie ich darüber denke, du kannst ja sagen, dass du das ganze zwar respektierst, selbst aber diesen Glauben nicht teilst. Etwas vormachen ist halt immer blöd.

Kommentar von LuzifersBae2
22.09.2016, 23:35

Meine Familie ist streng religiös. Das würde die zutiefst verletzen und außerdem würde es wie gesagt Stress geben.

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Kommentar von LuzifersBae2
22.09.2016, 23:50

Das weiß ich leider nicht. Aber meine Familie ist allgemein sehr intolerant, die würden es nicht verstehen ...

Ich bin Exmuslima und ich weiß selbst wie meine Familie unreligiöse Menschen betrachtet. Ich will nicht zu diesen Menschen gehören, die sie nicht verstehen können und über die sie halt schlecht reden.

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Kommentar von LuzifersBae2
22.09.2016, 23:58

Mh stimmt ...

Danke für deine Hilfe .. :)

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Ich finde das schon heuchlerisch, denn deine eigene Meinung darfst du haben. Die kannst du wenn dich jemand fragt auch sagen. Das ist dein Recht. 

Du musst ja nicht die Religion deiner Mitmenschen deswegen schlecht machen, jeder darf seinen Glauben haben, der ihn glücklich macht. 

Kommentar von LuzifersBae2
22.09.2016, 23:33

Lol ich mach doch nicht andere Religionen schlecht xD  

Ich sage vor meiner Familie nie dass ich Muslim oder so bin, ich sag auch meistens "jaja" oder sowas wenn die über ihre Religion sprechen. Ich spreche natürlich nicht mit als würde es mich krass interessieren, bin aber auch nicht dagegen, dass ich mit denen über ihre Religion diskutieren würde. Bin dann halt einfach still.

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Grundsätzlich finde ich es falsch jemanden etwas vorzuspielen. In deinem Fall verstehe ich es. Aber frage dich auch mal wie lange du dieses Theater spielen willst, kaum dein Leben lang oder? Dann musst du irgendwann dazu stehen und deiner Familie schonend beibringen dass du deine eigenen Entscheidungen triffst und lebst wie du es willst, auch was den Glauben angeht... 

ich finde so ein verhalten ist eher schlau. wenn du genau weißt es gibt stress ansonsten, und du darauf keinen bock hast, machst du genau das richtige. und vermutlich könntest du bei deiner familie auch eh nichts bewirken, indem du dazu stehst.

völlig ok. Religion ist privatsache, und ich bin deiner Meinung, dass man vorsichtig sein muss, bevor man wegen Religion einen Dauerstreit mit der Familie beginnt. Besser nicht...

Hallo LuzifersBae2,

genau, es ist privat und nur Deine Sache. Und Du bist niemanden gegenüber verpflichtet, darüber irgendwelche Statements abzugeben. 'Die Gedanken sind frei'

Allerdings würde ich dann dazu raten, auch nicht allzu sehr auf reli. zu machen ;-)

LG

Dann tu doch einfach so,wie Du glaubst und rede nicht drüber! Es ist Dein Glaube oder auch nicht Glaube,geht doch niemanden was an! Du musst auch vor der Familie nicht auf religiös machen,nur weil die das erwarten,verhalte Dich einfach neutral,soll jeder denken was Er/Sie will!

Wieso sollte es heuchlerisch sein?

In bestimmten Kulturkreisen reagieren die Menschen erstaunlich agressiv wenn man ihre Religion auf, welche Weise auch immer, angreift oder beleidigt. Eine Abkehr vom Islam wird in bestimmten Regionen dieser Erde mit dem Tod bestraft. Selbst in Deutschland reagieren viele Muslime immer noch äußerst verstimmt wenn sie von so einem Vorhaben erfahren. Wenn du dir nun den ganzen Ärger sparen willst, dann ist dein Verhalten beinahe das Einzige was dir zu deinem Selbstschutz übrig bleibt.

Eine andere Möglichkeit wäre es, den Kontakt zu deiner Familie und deinem Bekanntenkreis komplett abzubrechen und in eine andere Gegend zu ziehen. Da die zweite Möglichkeit aber eine ziemlich massive Änderung deines Lebens darstellt ist es absolut okay wenn du es zuerst mit der einfacheren Möglichkeit versuchst.

Solange du einen Teil deiner selbst unterdrücken musst wirst du niemals vollständig glücklich sein. Wenn also deine Familie dich aber auf lange Sicht hin nicht akzeptiert wird das Unterdrücken deiner Einstellung wahrscheinlich zu negativen psychischen Folgen führen und du solltest über eine tlw. Trennung nachdenken.

Das musst du für dich selbst klären würde ich sagen. 
Niemand befiehlt dir "im Namen des Atheismus" offen denselben zur Schau zu stellen (oder die (Un-)Ungläubigen zu schlachten ;)) Andererseits kann es bös enden, obwohl deine Familie dich auch so akzeptiert. Das ist für dich abzuwägen.
Tu was dir beliebt, solange es niemandem schadet oder wehtut!

Was verstehst du unter "auf religiös machen"?

Wenn man andauernd zur Gebetsstätte (Kirche, Moschee o.a.) läuft, dort an den Gottesdiensten teilnimmt, niederkniet oder sich niederwirft und betet, Glaubensbekenntnisse ablegt etc. pp., aber das ganze ein reines Theater ist, nur um Kritik von Seiten der Familie zu vermeiden, dann ist das schon heuchlerisch.

Kommentar von LuzifersBae2
22.09.2016, 23:44

So natürlich nicht.

Ich feiere zB opferfest undso mit.
Oder wenn die über ihre Religion sprechen, versuche ich mich so gut wie möglich zurückzuhalten um nicht zu diskutieren. Ich respektiere halt deren Ansichten (obwohl ich deren Ansichten nicht mal ansatzweise teile) ... Und außerdem verzichte ich zB immer noch auf Schweinefleisch (bin eh Vegan) oder ich bin halt noch Jungfrau und lege auch darauf Wert, dass das nicht mit irgendwem passieren sollte ...

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Es ist tatsächlich heuchlerisch, wenn du die religiösen Praktiken ohne innere Überzeugung mitmachst. Tischgebet, Kirchenbesuch, gemeinsam beten, usw.

Da ich aber deine Situation verstehe (Stress mit dem Elternhaus) gebe ich dir folgenden Rat: Warte, bis du auf eigenen Füßen stehst, einen eigenen Job und eine Wohnung hast und tritt einfach aus der Kirche aus.

Das müssen deine Eltern nicht einmal sofort erfahren. Sag es ihnen irgendwann, wenn z.B. gefragt wird: "Und, Schatz, wie oft gehst du in die Kirche in ...?" (Ort, in dem du dann lebst.)

Möglicherweise gibt es dann Tumult, aber du bist dann erwachsen und hast jedes Recht, deine eigenen Entscheidungen zu fällen.

ist heuchlerisch, aber wer weiß schon, ob das nicht gut für dich ist

Bei Juden nennt man so etwas:

Er trägt einen Bart, aber darunter ist er glatt rasiert.

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