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Vom Kaiserreich zur Weimarer Verfassung

gefragt von whitestboyalivewhitestboyalive am 13.05.2009 um 18:55 Uhr

Ich würde gerne wissen wie es vom Obrigkeitsstaat zur Weimarer Verfassung kam. Wer hat dort alles mitgeschrieben, warum wurde sie geschrieben? Wieso wurden Gewerkschaften erlaubt? Klar gab es Aufstände seitens der Arbeiter, aber anscheinend waren die Kaiser mächtig genug um diese zu ignorieren oder? Ich habe keine Ahnung :<

gruß

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anonym
beantwortet von Albrecht am 13. Mai 2009 21:00
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Die Gewerkschaften waren im Deutschen Kaiserreich nicht ständig und völlig verboten. Das „Sozialistengesetz“ (1878 – 1890) verbot eine Aktivität von Organisationen, die der Sozialistischen Arbeiterpartei nahestanden, wodurch entsprechende Gewerkschaften nicht mehr legal in dieser Form tätig sein konnten. Allerdings gab es auch später gesetzliche Behinderungen der Gewerkschaftarbeit.

In der Endphase des 1.Weltkriegs wurde die Opposition stärker (schlechte Kriegslage, Hunger aufgrund schlechter Nahrungsmittelversorgung). Es kam zu Massenstreiks gegen schlechte Lebensbedingungen.

Die Oberste Heeresleitung forderte plötzlich eine Regierung auf parlamentarischer Grundlage, um günstige Bedingungen für einen Friedensvertrag zu bekommen und nicht selbst die Verantwortung für den verlorenen Krieg übernehmen zu müssen. Der Präsident der USA, Woodrow Wilson, hatte als Waffenstillstandsbedingung eine Abdankung des Monarchen oder eine bedingungslose Kapitulation verlangt. Zum Reichskanzler, der mit dem Parlament zusammenarbeiten sollte, wurde Max von Baden ernannt.

Ein Matrosenaufstand löste die Novemberrevolution 1918 aus. Protestierende Soldaten und Arbeiter stürzten die Monarchien in Deutschland. Die Regierung forderte Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung auf, der allerdings zögerte. Max von Baden verkündete die Abdankung am 9. November 1918, bevor sie tatsächlich offiziell ausgeführt war (28. November 1918). Die Autorität des Kaisers hatte in den letzen Jahren abgenommen, auch weil er keine guten Führungsleistungen zeigte.

Max von Baden übertrug die Regierung an den SPD-Politiker Friedrich Ebert. Je drei Mitgliedern der Mehrheitssozialdemokratie (MSPD) und der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) bildeten einen „Rat der Volksbeauftragten“ als provisorische Regierung.

Am 11. Januar fanden Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, die dann in Weimar tagte. Über die Verfassungen gab es Beratungen und Debatten. Ach in Zeitungen und Zeitschriften erschienen Vorschläge. Am 31. Juli 1919 wurde die neue Verfassung beschlossen.

Die Verfassung wurde wesentlich von dem liberalen Staatsrechtler Hugo Preuß ausgearbeitet. Er wurde am 15. November zum Staatssekretär im Reichsamt des Innern berufen (ab Februar 1919 Reichsinnenminister) und erhielt den Auftrag, einen Entwurf für die Verfassung auszuarbeiten. Die Ministerpräsidenten der Länder lehnten einen zunächst enthaltenen dezentralisierten Einheitsstaat (große Kompetenzen des Reiches und starke Selbstverwaltung der Gemeinden) und setzten mehr Föderalismus durch (viele Befugnisse für die Länder). Hugo Preuß hat sich auch mit anderen beraten, z. B. dem Soziologen Max Weber, dem Historiker Friedrich Meinecke und dem Juristen Gerhard Anschütz. Die Verfassung entstand vor allem durch Übereinstimmungen oder Kompromisse zwischen SPD, Deutscher Demokratischer Partei (DDP; liberal) und Zentrum (politischer Katholizismus; in Bayern Bayerische Volkspartei). Sie berührte auf Zusammenarbeit von Arbeiterbewegung und Bürgertum.

In der Weimarer Verfassung wurde die Tätigkeit der Gewerkschaften in den Grundrechten verankert:

Artikel 159 „Die Vereinigungsfreiheit zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Alle Abreden und Maßnahmen, welche diese Freiheit einzuschränken oder zu behindern suchen, sind rechtswidrig.“

Artikel 165 (Anfang) „Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken. Die beiderseitigen Organisationen und ihre Vereinbarungen werden anerkannt.“

Zum dem Thema gibt es viele Geschichtsdarstellungen. Im Internet gibt z. B. http://geschichtsverein-koengen.de/Kriegsende1918.htm einen Überblick.


anonym
beantwortet von Faultier am 13. Mai 2009 18:56
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Sie Siegermächte des 1. Weltkrieges wollten nicht mit einem Kaiser verhandeln. SO musste dieser Abdanken.

Kommentar von 43efcf73a0a2b344e9fa2f709c92f5aasmallwhitestboyalive am 13. Mai 2009 19:06

Speziell in Deutschland meinte ich.



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