Frage von Yasmin2015, 533

Volle EU-Rente bei GdB 70%?

Ich bitte um Hilfe!

Mein Bruder ist seit über einem Jahr krank, hat einen SB-Ausweis mit 70%. Er leidet an Depressionen und Panikattacken. Keine Besserung ist in Sicht. Er ist jetzt 54 Jahre alt.

Besteht da Aussicht auf die volle EU-Rente? WIe lange wird diese gewährt? WIe ist der Weg dahin, wie muss man vorgehen?

Man liest immer es wird nur die halbe EU-Rente gewährt, doch davon kann er niemals leben.

Vielen vielen Dank für Hilfe und Ratschläge!!

Antwort
von Turbomann, 420

Zuerst mal würde ich dir raten, dein Bruder soll beim VdK Mitglied werden, der Jahresbeitrag ist für jeden erschwinglich.

Dort wird ihm weitergeholfen und er wird beraten. Wenn jemand keine Ahnung hat, dann muss er sich einen Beistand holen, alleine kommen da die wenigstens Kranken zurecht, wenn es um eine Rente geht.

Die Rente wird nicht von den 70%  vom SB-Ausweis berechnet und wielange sie gewährt wird, kommt auf mehrere Faktoren an.

Es gibt ganz sicher auch bei euch eine Beratungsstelle von seinem Versicherungsträger, dort kann er sich auch mal erkundigen. Das kostet schon mal nichts.

Dann braucht er alle Ärtzlichen Befunde und zwar die neuesten die er hat, die er dann zusammen mit dem Antrag auf Erwerbsminderung - Rente an den Rententräger schickt.

Er soll mit seinem Hausarzt reden, wie alt die Befunde sind in seiner Krankenakte und evtl. sollte er noch zu einem Neurologen, Psychologen, für neue Befunde.

Wenn er von allen Ärzten die ihn behandeln die neuesten Berichte gleich mitschickt, dann verkürzt er die Zeit und der Versicherungsträger muss nicht erst alle seine Ärzte anschreiben.

Noch ein kleiner Tipp: sich von allem eine Kopie machen, auch vom Antrag auf Rentengewährung den er ausfüllen muss. Man kann sich nicht alles behalten und falls Rückfragen kommen, dann weis man, was man vorher geschrieben hat.

Aber das alles würde jetzt zu weit führen, dir alles haarklein zu erklären.


Antwort
von Konrad Huber, 243

Hallo Yasmin2015,

Sie schreiben:

Volle EU-Rente bei GdB 70%?

Antwort:

Die Schwerbehinderung wird auf gar keinen Fall in Prozent, sondern ausschließlich in Grad der Behinderung ausgewiesen, das ist ein großer Unterschied!

"GDB70!"

Schwerbehinderung beginnt ab GDB 50 bis maximal GDB 100!

Die Bewilligung der vollen Erwerbsminderungsrente hat mit der Schwerbehinderung in der Regel nichts zu tun, denn bei der Erwerbsminderungsrente geht es in erster Linie um den glasklaren Nachweis in der eigenen Krankenakte, daß die Leistungsfähigkeit dauerhaft auf unter 3 Stunden pro Arbeitstag, auch für leichte Tätigkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt, abgesunken ist! 

http://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Themen/Soziales/Renten/Erwerbsminderungs...

Auszug:

Auch die Feststellungen des Versorgungsamtes zu einer bestehenden Schwerbehinderung sind hier unerheblich. 

Denn dass Versicherte schwerbehindert sind, bedeutet noch längst nicht, dass sie auch erwerbsgemindert im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung sind.

-------
"Mein Bruder ist seit über einem Jahr krank, hat einen SB-Ausweis mit 70%. Er leidet an Depressionen und Panikattacken. Keine Besserung ist in SIcht. Er ist jetzt 54 Jahre alt"
-------
Antwort:

2016 - 54 = ca. 1962 geboren!

Wer nach dem 1.1.1961 geboren ist, hat in der gesetzlichen Rentenversicherung keinen Vertrauensschutz wegen Berufsunfähigkeit und muß nachweisen, daß auch leichte Tätigkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt dauerhaft nur noch unter 3 Stunden ausgeübt werden können!

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232616/publica...

Laut DRV sind leichte Tätigkeiten: Pförtner, Museumswärter, Nachtportier und viele weitere....!

Besteht da Aussicht auf die volle EU-Rente? WIe lange wird diese gewährt

Antwort:

Die meisten Antragsverfahren, Begutachtungen, Verfahren vor den Sozialgerichten werden überwiegend nach Aktenlage entschieden!

Deshalb kommt dem Inhalt der eigenen Krankenakte eine sehr große Bedeutung zu!

http://www.erwerbsminderungsrente.biz/ihre-hausaufgaben/fruehrente-beantragen-un...

Ob eine Aussicht auf Bewilligung besteht, sollten Sie also auf der Basis der eigenen Krankenakte zusammen mit Ihrem Rechtsbeistand erörtern!

In der Regel werden die Erwerbsminderungsrenten, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, zeitlich befristet bewilligt! Meist bis zu 3 Jahren und dann muß rechtzeitig vor Ablauf bei der DRV ein Antrag auf Weitergewährung eingereicht werden!

Man liest immer es wird nur die halbe EU-Rente gewährt, doch davon kann er niemals leben.

Antwort:

Ob eine teilweise oder eine volle Erwerbsminderungsrente bewilligt wird, hängt nicht zuletzt von Ihrer medizinischen Beweisführung ab!

Ob man von der Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente leben kann, das ist eine andere Sache! 

Es ist seit Jahren kein Geheimnis, das man ergänzend zur gesetzlichen Vorsorge auch rechtzeitig privat Vorsorge treffen sollte! (Private Berufsunfähigkeitsversicherung).

Im Endeffekt bleibt dann ggf. ergänzend ein Antrag auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderungsrente, sofern bestimmte Freibeträge beim Haushaltsgesamteinkommen nicht überschritten werden!

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232620/publica...

https://www.youtube.com/user/hubkon/videos

Rechtsschutzversicherung sicherstellen, aber Mindest-Wartezeit 3 Monate beachten!

VDK-Mitgliedschaft!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von Yasmin2015 ,

Vielen Dank für diese genauen Ausführungen!

"Deshalb kommt dem Inhalt der eigenen Krankenakte eine sehr große Bedeutung zu!"

Ist damit die jeweilige Akte, welche beim behandelten Arzt geführt wird gemeint? Es ist also wichtig von Ihm ein entsprechendes Gutachten zu bekommen??

Kommentar von Konrad Huber ,

Ist damit die jeweilige Akte, welche beim behandelten Arzt geführt wird gemeint? ??

Antwort:

Nein, es geht grundsätzlich um die eigene Krankenakte!

Geben Sie auf gar keinen Fall Originalunterlagen aus der Hand!

Wer sich auf "Andere" verläßt, der ist oft verlassen!

Ärzte wechseln, Arztpraxen werden geschlossen, Archive werden aufgelöst oder durch Feuer und  Wasser vernichtet!

Es kommt nicht selten vor, daß Akten bei den Sozialversicherungsträgern sowie bei Ärzten und Kliniken nicht vollständig sind oder Teile davon sich im Nirwana auflösen!

Nur wenn die eigene Krankenakte regelmäßig aktualisiert wird und die Originalunterlagen an einen sicheren Ort verwahrt werden haben Sie die Gewähr, daß immer alles komplett und auf dem neuesten Stand ist!

Beachten Sie auch, daß Ärzte und Kliniken diese Unterlagen nicht für ewige Zeiten vorhalten, in der Regel ist da nach 10 Jahren Ende der Fahnenstange!

Es ist im ureigenen Interesse jedes Einzelnen, daß die eigene Krankenakte stets auf Vordermann ist!

https://de.wikipedia.org/wiki/Patientenrecht

Auszug:

Das Behandlungs- und Arzthaftungsrecht ist in Deutschland im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) durch das Patientenrechtegesetz in den §§ 630a bis 630h BGB kodifiziert worden. 

Ein Behandlungsvertrag entsteht mit der Behandlung durch Ärzte, Zahnärzte oder Behandelnde anderer Gesundheitsberufe, wie Psychotherapeuten, Hebammen und Physiotherapeuten.

Der Behandelnde hat den Patienten in mehrfacher Hinsicht über die Behandlung, ihre Risiken und Folgen zu informieren und aufzuklären(§§ 630c und 630e BGB). Über die voraussichtlichen Kosten ist in Textform zu informieren.

Untersuchungen, Befunde, Diagnosen und Therapien sind zu dokumentieren (§ 630f BGB). 

Dem Patienten ist auf Verlangen unverzüglich Einsicht in die Patientenakte zu gewähren; er kann Kopien oder elektronische Abschriften gegen Kostenerstattung verlangen (§ 630g BGB).


Es ist also wichtig von Ihm ein entsprechendes Gutachten zu bekommen

Antwort:

Nein, denn die behandelnden Ärzte stellen in der Regel keine Gutachten, sondern Atteste und Arztberichte aus!

Atteste eignen sich für die Dokumentation der eigenen Krankengeschichte und sind meist sehr kurz gehalten!

Als Grundlage für Begutachtungen werden aber meist ausführliche, sehr detaillierte und sehr aussagefähige, glasklare Arzt- und Entlassungeberichte benötigt!

Leider wird den Ärzten von den Sozialversicherungsträgern dieser erhebliche Verwaltungs- und Zeitaufwand nicht vergütet, so daß es in den meisten Krankenakten an diesen unverzichtbaren, ausführlichen Arztberichten mangelt!

Der Hausarzt als Partner, siehe Video!

https://youtu.be/PpFNQezydfc

https://de.wikipedia.org/wiki/Krankengeschichte

http://www.gfhev.de/de/qualitaetsmanagement/aufwahrungsfristen.pdf

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community