Frage von Tamer87, 60

Vollbeschäftigung und Wirtschaft?

Könnte Vollbeschäftigung negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben?

Antwort
von b962662, 27

Ich bin kein Wirtschaftler, aber negative Auswirkungen auf die Wirtschaft sind in meinen Augen relativ. Vollbeschäftigung ist das Eine, Produktivität das Andere.

Du kannst Sozialhilfeempfänger hinstellen, die die Arbeit von Ampeln übernehmen und damit quasi eine Vollbeschäftigung erzwingen. Steigt dadurch der Wohlstand der Bevölkerung? Du kannst die Bevölkerung zu Konsumzombies erziehen (wie es aktuell der Fall ist) und die Beschäftigung dadurch oben halten, da auch viel umgesetzt und benötigt wird. Du kannst die Löhne soweit senken, dass es sich nicht rentiert, extra Maschinen für eine Tätigkeit zu entwerfen oder die Jobs quasi ins Ausland auszulagern. Das alles sind aber meiner Laienmeinung nach keine Maßstäbe, ob die Wirschaftsentwicklung positiv oder negativ ist. Das Einzige, was für mich zählt, ist die gesunde Verteilung und der Wohlstand der breiten Masse. Das BIP kann hoch sein, aber was nützt es, wenn das Geld konzentriert in den Taschen der Reichen ist? Was bringt doppelt soviel Geld in der Tasche, wenn die Artikel auf einmal dreifach so teuer sind?

Kommentar von Snanifo ,

Du beschreibst eigentlich auf deine Weise ganz gut, wie irrational unsere Ökonomie ausgerichtet ist: Ampeln sind nicht zur Erleichterung für die Polizei da, sondern um weniger Geld für sinnige oder unsinnige Arbeitsplätze zahlen zu müssen; Konsum, nicht um den Leuten was Nützliches an die Hand zu geben, sondern um möglichst viel Geld zu verdienen mit Wegwerfprodukten; (übrigens, nicht, um die Beschäftigung "oben (zu) halten", sondern um möglichst viel Gewinn zu machen, dazu gehört auch die Produktion mit Automaten und möglichst wenig Beschäftigten). 

Für unsere Wirtschaftsweise findet übrigens eine "gesunde Verteilung" der Resultate dieser Wirtschaft statt: der Gewinn bekommen natürlich Unternehmer und Geldgeber, sonst würden sie erst gar nicht unternehmen bzw. investieren. Oder willst du etwa den Kapitalismus abschaffen?

Kommentar von b962662 ,

Gut, Ampeln sind nicht gemacht worden, um Geld zu sparen, sondern weil sie natürlich sicherer sind als Menschen, die fehlerhaft sind. Das Gleiche gilt für Schranken an Bahngleisen.

Im Endeffekt wird genau wie von dir beschrieben die Anzahl an Arbeitsplätze in der Zukunft stetig abnehmen und es wird sich der sogenannte quartiäre Sektor herauskristallisieren. Das ist meiner Ansicht nach eine hohe Zukunftsaufgabe, die man sinnvoll bewältigen muss. Da geht es dann um sinnvolle Verteilung der Erträge, da ja quasi 4 von 5 Menschen arbeitslos sein werden. Die werden sich aber nicht wie aktuell vorm Amt nackig machen wollen. Das wird zwangsläufig auf eine Art Grundeinkommen hinauslaufen. Bei anderer Meinung hätte ich da gerne mal einen alternativen Ansatz.

Die Frage, ob ich den Kapitalismus abschaffen möchte, halte ich für reichlich polemisch. Damit unterstellt man Leuten einen Hang zum Kommunismus/Sozialismus und man kommt eher in Rechtfertigungszwang, als dass es zu einer vernünftigen Diskussion führt. Aber ich will dennoch darauf eingehen: Ich will den Kapitalismus, bzw. die freie Marktwirtschaft deswegen nicht abschaffen, da sie trotz der sozialen Ungleichheit in der Bevölkerung dafür sorgt, dass unterm Strich jeder vergleichsweise gut situiert ist. Die typischen kommunistischen/sozialistischen Beispiele der Vergangenheit zeigen da genau das Gegenteil. Nun kann man argumentieren, dass die bisherigen kommunistischen Beispiele nie die Theorien von Marx widergespiegelt haben und deshalb nicht funktioniert haben. Auch wird gerne argumentiert, dass unser durch den Kapitalismus entstandene Wohlstand lediglich auf Kosten des Wohlstands anderer Nationen entstanden ist. Da bin ich aber nicht so ganz im Thema. Aber auch hier bin ich für Meinungen sehr dankbar.

Kommentar von Snanifo ,

Zweifellos sparen Ampeln Geld. Wenn du für jede Ampel einen Polizisten hinstellen wolltest, Tag und Nacht, wäre das viel teurer. Und außerdem für die Polizisten an vielbefahrenen Kreuzungen auch gesundheitsschädlich. Über die Sicherheit will ich nicht spekulieren.

Zu deiner "hohe(n) Zukunftsaufgabe, die man sinnvoll bewältigen muss", würde ich die These aufstellen, dass nicht ein "vierter Sektor" schon entstanden ist oder kommen wird, sondern dass sowohl im primären, sekundären und auch im tertiären Sektor Arbeitsplätze entstanden sind, von denen man nicht oder nur ganz schlecht  leben kann, obwohl 40 oder mehr Stunden Arbeit verlangt wird. Dies wird auch bei Einführung des Grundeinkommens und gleichzeitigem Weiterwirtschaften nach kapitalistischen Prinzipien sich nicht ändern. Der "wohlhabende" Mittelstand, der in gewisser Weise an der Entwicklung der Ökonomie beteiligt war, schrumpft bereits und wird weiteren prekären Arbeitsplätzen weichen, von der drohenden Altersarmut für ca. die Hälfte der Beschäftigten ganz zu schweigen.

Auf die von dir polemisch empfundenen Frage nach der Abschaffung des Kapitalismus komme ich wegen der "gesunden Verteilung und den Wohlstand der breiten Masse", die du als zu erstrebenswertes Ziel angibst. Dies wiederholst du in deinem 2. Beitrag mit "dass unterm Strich jeder vergleichsweise gut situiert ist". Ich denke, wenn ich mir die Entwicklung und die "Ströme" des Kapitals (im Klartext: Spekulation auf Gewinn) ansehe, dass dies nicht ohne grundlegende Änderung in der Zielrichtung der Produktion zu erreichen ist. Das habe ich gemeint mit "Abschaffung des Kapitalismus". Wenn ich dadurch einen Hang zum Sozialismus/Kommunismus habe, dann muss ich das halt hinnehmen. Wie der dann gestaltet werden kann, darüber kann man dann diskutieren, ev. sogar die negativen Erhahrungen des bisherigen Realsozialismus heranziehen.

Zum letzen Punkt: Ich denke, dass sowohl in "unserer" Nation als auch in Nationen der 3.Welt das gleiche System, die gleichen Prinzipien, aus Geld mehr Geld zu machen, genau die Problematiken bei uns hervorbringt, die ich oben beschrieben habe und in der 3. Welt noch viel krassere Verhältnisse. Wenn dann doch in den anderen Ländern ein bisschen weniger "Wohlstand" vorherrschen würde als bei uns, dann wäre es ja gar nicht so problematisch. Ich würde eher Armut und Existenznöte dazu sagen.

Antwort
von Snanifo, 19

Mir fallen dabei 2 Antworten ein: 

Zum einen, denke ich, ist Vollbeschäftigung das Ideal der Volkswirtschaft. Ob du dabei allerdings deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, wäre dabei eine ganz andere Frage. Ich erinnere nur an die bis zu ca 1,50 € Stundenlöhne bei Teilzeitbeschäftigten, die bei Vollbeschäftigung dann vielleicht so gegen 250 € pro Monat bringen würden. Deshalb auch die Einführung der Mindestlöhne, die bei 8,50 € so 1200 € minus Sozialversicherungen bzw. Krankenversicherung bringen würden. Von den Steuern noch gar nicht gesprochen. Liegt ungefähr in der Nähe von Hartz IV. 

Die zweite wäre, dass bei Vollbeschäftigung (und die hatten wir mal in den 60er und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, ca 250 000 Arbeitslose) die Beschäftigten sich tatsächlich die Stellen raussuchen konnten und Lohnerhöhungen bis 10 % erreicht haben. Da lohnt sich irgendwann für Unternehmer und Geldanleger die Investition nicht mehr. Und sie "wandern aus". 

Vielleicht solltest du mal einen genaueren Blick auf "die Wirtschaft" werfen, die du so als absolutes Subjekt einführst. 

Antwort
von Serenius, 37

Schau dir den (staatlichen) Beamtenapparat und deren überbezahlt und überbordende Stellen an, Beamte=Träger der Nation ... Einer träger als der andere! ;-)   Die Beamten arbeiten so wenig und verdienen so viel wie die Leutedamals  im OstblocK!

Kommentar von Snanifo ,

Du weißt ja schon, dass es Leute gibt, die noch mehr verdienen und noch weniger arbeiten? Aber Spaß beiseite, warum neidest du denn den Beamten ihren Lohn? Verdienst du weniger? Oder gar gar nichts? Das zumindest kannst du nicht den Beamten anlasten. 

Kommentar von b962662 ,

Es geht wie oben schon beschrieben um Produktivität. Ob über- oder unterbezahlt ist jetzt egal und ohnehin eine Sache des Maßstabs. Ein Topjurist freut sich nicht über eine Richterbesoldung. Ein Leiharbeiter auf der Baustelle wird sich über die Besoldung eines Polizisten vielleicht schon freuen.

Man kann einen Arbeitsplatz quasi auf drei Arbeitsplätze "strecken". Aber was bringt es dann, außer dass mehr Leute etwas zu tun haben? Das einzige Argument ist, dass der Einzelne entlastet wird. Aber man steht sich meist eher gegenseitig im Weg. Nun müsste man das Gleiche ja auf die freie Wirtschaft anwenden können. Heutzutage sieht es doch so aus, dass nahezu jeder Überstunden zu machen hat. Da stellt sich nicht die Frage, ob man einen Arbeitsplatz auf drei streckt. Einfach weil es die Produktivität mindert und betriebswirtschaftlich nicht so richtig Sinn macht.

Kommentar von Snanifo ,

Ja wenn es dann um "Produktivität" gehen soll - was bei Verwaltungstätigkeit eher schwierig zu bestimmen ist -, dann kann man ja mal fragen, wofür die Produktivität denn optimiert werden soll. Vielleicht ist die ja auch schon optimal für die Ziele, die sowohl ökonomisch als auch national verfolgt werden. Da kann es schon sein, dass sowohl bei der staatlichen Verwaltung als auch in der Ökonomie bei Konzernen die Verwaltung so gestaltet ist, dass sie funktional ist. In der Ökonomie, um möglichst viel aus der Produktion herauszuquetschen, beim Staat, um die Richtlinien, die erlassen werden, bis  ins Kleinste zu verfolgen und Widerstände bereits in der Bürokratie versickern zu lassen.

Die Entlastung des Einzelnen wäre ja mal ein vernünftiger Gedanke. Die Frage ist jedoch, wieso denn dies bisher nicht durchgeführt wurde. Schon vor mehr als 100 Jahren wurde die Begrenzung der Arbeit auf einen 8-Stunden-Tag erkämpft und heute ist von 6 bis 12 und mehr Stunden alles möglich. Teilweise sogar mit dem Segen von Gewerkschaften. Manche Leute brauchen auch bei uns 3 Arbeitsverhältnisse, um über die Runden zu kommen. Also ist eher das Umgekehrte der Fall: Arbeitsverdichtung bis zur Überlastung des Einzelnen und das nicht nur im produktiven Bereich. Als Beispiel: in den 70-er Jahren war der Herzinfarkt eine Managerkrankheit und heute bekommen sie vermehrt die normalen Arbeitnehmer. Genau auf dieses "betriebswirtschaftlich nicht so richtig Sinn macht", darauf will ich raus. Offensichtlich macht es "betriebswirtschaftlich... Sinn", die Beschäftigten so zu belasten, dass ihre Körper mit Krankheit reagieren, sie sich aber trotzdem zur Arbeitstelle schleppen, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben (müssen).

Antwort
von BigBen38, 31

Weil ??

Vernünftige Löhne vorrausgesetzt ...nö.

Aber die gibts nicht - darum bricht ja alles zusammen - die Gier der Megareichen.

Cum-Cum, Cum-Ex (ja gabs auch ...12 Jahre lang ...nie gehört ? Google mal Cum-ex Monitor) 

Antwort
von getname, 16

Ja dann gäbe es ja im Arbeitsamt nix mehr zu tun und das Arbeitsamt müsste schließen, wodurch es dann wieder neue Arbeitslose gäbe. Bäckerei en und Mensabetriebe hätten weniger Umsatz, was natürlich indirekt ein dritte Welt Problem auslöst da möglicherweise ein Koch gefeuert wird der auf qualitätsimporte gesetzt hat. Ganze Exportzweige z.B. aus Nigeria könnten so einbrechen im Umkehrschluss Vanessa Hudgens veranlassen könnte die Dreharbeiten für Highschool Musical 7 anzukündigen

Kommentar von b962662 ,

Diese Antwort habe ich echt null verstanden. Bitte mal etwas klarer.

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