Frage von RicVirchow, 96

Viele Interessensfelder - Wie entscheide ich mich für das Richtige nach dem Abitur?

Hey,

ich bin 17 und männlich und gehe nach den Sommerferien in die Qualifikationsphase 1 (also 12. Klasse) eines Gymnasiums. Im Einführungsjahr habe ich Biologie als Schwerpunktfach gewählt (4 Stunden die Woche ab 12. Klasse) und begleitend jeweils 3 Stunden Chemie und Physik. In allen drei Fächern hatte ich im Endjahreszeugnis der 11. Klasse eine eins, in Chemie / Physik 13 Punkte und in Biologie 14.

Seit mehreren Wochen beschäftige ich mich damit, was ich nach meinem Abitur, also in zwei Jahren machen soll. Ich habe bereits ein Medizinstudium in Erwägung gezogen, weil es eine Mischung aus Bio, Chemie und Physik darstellt, allerdings ist der NC sehr hoch und deshalb wollte ich für den Fall Alternativen finden. Was ich in der Biologie nicht mag ist Pflanzenphysiologie oder Physiologie von Tieren / Insekten.. Am meisten interessiert mich Genetik, Biochemie, Neurologie, Zytologie, Toxikologie, Epidemiologie

Ich mag Mathematik sehr, beschäftige mich also gerne damit und mag es neue, komplexe Inhalte zu lernen, es macht mir also z.B. viel mehr Spaß als Französisch Grammatik. Außerdem interessiere ich mich sehr für Astrophysik, Atomphysik und finde es spaßig Mathe mit Naturwissenschaft zu verknüpfen, auch wenn ich sagen muss, dass mir das praktische Arbeiten in Chemie besser gefällt, als in Physik, weil man in Chemie einfach schönere Ergebnisse hat.

Was mich auch interessiert ist Informatik. Obwohl ich Informatik nicht gelernt habe stelle ich es mir ziemlich unterhaltsam vor, denn mein Bruder macht es beruflich und ich sehe was für Programme oder Websiten er schreibt und was er verdient und es fasziniert mich schon. Ich habe es in der Oberstufe aber nicht gewählt, aber mein Bruder hat sich auch fast alles selbst beigebracht und mir gesagt, dass er sich selbst mehr beigebracht hat, als er in der Schule n Informatik gelernt hat, weshalb ich denke, dass ich mich schon damit beschäftigen kann, auch wenn ich es in der Oberstufe nicht belegt habe.

Jetzt habe ich diese Interessensfelder aber ich habe überhaupt keine Idee was ich davon nach der Oberstufe machen soll. Ich habe überlegt vielleicht Informatik zu lernen und später Physik + Informatik zu studieren. Danach könnte ich mir vorstellen vielleicht entweder auf Lehramt oder etwas mit Raumfahrttechnik oder eben als Softwareentwickler wie mein Bruder, obwohl mir das stundenlange Sitzen auch Sorgen bereitet ...

Ich weiß eben nicht, was ich mit Biologie machen könnte, habe es eher aus Leidenschaft gewählt, als aus Zukunfsorientierung. Hätte als Plan Medizin, weil es eben ein Weg ist diese Leidenschaft in die Realität umzusetzen, allerdings bereitet mir der Jahrelange Bildungsweg sorgen. Wie soll ich die ca. 12 Jahre lange Ausbildung finanzieren und wie hoch ist dann der Verdienst?

Hätte als Alterntive überlegt vielleicht Chemie Bio oder Physik auf Lehramt und dann vielelicht als Beamter an einem Gymnasium arbeiten...

Was denkt ihr?

Danke

Antwort
von abibremer, 5

Studienpläne OHNE JEGLICHE praktische Erfahrungen, die wenigstens ansatzweise mit dem Studienziel zu tun haben, halte ich für etwas leichtsinnig: Wer den Krankenhaus- und Arztpraxisbetrieb nur als Patient kennt, der weiß gar nicht WIRKLICH was später auf ihn zukommt.Egal in welchem Beruf, wie hoch später der Verdienst sein wird, lässt sich zehn Jahre im Voraus nicht sagen. Ob es auch in der Zukunft noch verbeamtete Lehrer oder Gymnasien geben wird, bleibt abzuwarten.... Vielen Bildungspolitikern und auch den Stammtischpolitikern gefällt ja die föderale Struktur des Bildungswesens überhaupt nicht.

Antwort
von Retrohure, 48

Hallo. Studiere selber Medizin. Bin anders als Du nicht sonderlich naturwissenschaftsaffin und komme damit gut klar. Das sind für die Medizin nur die Grundlagen, wirklich brauchen wirst du es später nicht. In der Medizin geht es um andere Dinge als Physik und Chemie. Vielleicht wäre dir das zu "unwissenschaftlich"? Außerdem ein großer Fehler deinerseits: Das Studium dauert keine 12 Jahre, sondern 12 Semester (= 6Jahre, lediglich ein Jahr länger als der Standardmasterabschluss. Da in der Medizin Doktorarbeiten sehr schnell gehen können, anders als in den naturwissenschaftlichen Kernfächern - dort wird ein Doktor mehr oder minder vorausgesetzt - wärst du sogar schneller fertig). Auf das Studium folgt die Assistenzarztzeit (ca. 5 Jahre). Da verdienst du aber schon gutes Geld. Der Tarif für Ärzte ist problemlos einzusehen, google mal.

Ich finde aber, du solltest dich vor allem fragen, was du später mal arbeiten willst. Du studierst 5 Jahre. Den Beruf ausüben musst du 40 Jahre. Sich für Physik und Bio zu interessieren ist bestimmt nicht schlecht fürs Medizinstudium. Viel wichtiger ist es aber, dass man sich den Job gut vorstellen kann, dass man gut mit Menschen kann. Leute die Medizin studieren, weil sie es rein fachlich interessant finden, werden nicht zwingend die besten Ärzte...


Nebenbei haben abgesehen von Bio alle MINT-Fächer hervorragende Berufs- und Gehaltsaussichten. Google mal think ing (für Ingenieure). Auch über Pharmazie würde ich mal nachdenken (sehr chemielastig). Oder einfach nur Physik, das ist sicher auch spannend. 

Wollte dir Medizin aber auch nicht madig machen! Ich würde an deiner Stelle in den Ferien mal freiwillige Praktika machen, um mir verschiedene Bereiche anzugucken.

Kommentar von phildoc ,

Ich kann Retrohure da nur zustimmen. Es ist wichtig, dass man am Ende Spaß am Job hat und nicht nur am Studium. Wie bereits erwähnt, denke ich, dass Pharmazie oder Biochemie sehr interessant für dich wären. 

Kommentar von Retrohure ,

Wo du Biochemie erwähnst: Es gibt ja auch so spannende Querschnittsfächer wie Medizinphysik, Medizintechnik, Bioingenieurswesen etc.

Expertenantwort
von Joshua18, Community-Experte für Abitur & Schule, 31

Schau Dich mal unter dem Begriff Biotechniker um.

Antwort
von Johannisbeergel, 33

Hi!

Zunächst einmal: Schulstoff hat relativ wenig mit Unistoff zu tun. Dinge, die man irgendwann mal an der Schule gelernt hat, werden an der Uni als "Basic" in zwei Stunden abgefrühstückt und dann geht's in gutem Tempo weiter. 

Wenn dir Mathematik gefällt, Spaß macht und leicht fällt, gehörst du schon zu denen, die während ihres Studiums weniger Frustration erleben werden wie andere. Viele lieben zB ihr Physik-Studium über alles...aber hassen trotzdem Mathematik. Das muss sich nicht einmal im Widerspruch stehen. 

Informatik bedeutet gerade in den ersten Semestern auch hauptsächlich Mathematik, nicht Programmierung. Du lernst da sowieso auch erstmal Algorithmen, damit man das Prinzip von jeder Programmiersprache versteht. Es kann zB sein, dass du dann mit 1-2 Programmiersprachen umgehst, aber im Kern eigentlich alle könntest, weil du jede lesen und verstehen kannst. 

Auch wenn du dich schon sehr spezialisiert für einige Bereiche interessierst, sei dir bewusst, dass du die ersten 1-2 Semester NUR den allgemeinen Kram behandelst. Das ist in wirklich jedem Fach so. Spannende Spezialthemen kommen dann immer erst später. 

Und das Positive ist: Wenn du dann zB irgendwo deine Prüfungen in Physik oder Mathematik bestehst, kannst du dir das anrechnen lassen im Falle eines Wechsels. Du verlierst also eigentlich kaum Zeit, wenn dir dann im 3.Semester auffällt, dass du lieber doch nochmal von Naturwissenschaft A zu Naturwissenschaft B wechseln möchtest. 



Antwort
von October2011, 50

Hi,

du hast dir dazu ja schon so einige Gedanken gemacht. Deine Berufsvorstellungen sind alle soweit in Ordnung.

Du solltest diese Frage deinen Freunden oder Lehrer stellen - "Kannst du mich eher als Bio/ Physik Lehrer, Informatiker oder Mediziner vorstellen? Und warum?". Setze dich dann mit den Antworten derjenigen Menschen, die du kennst, auseinander.

Warum bereitet dir der Bildungsweg bei der Medizin Sorgen? Als junger Mensch brauchst du nicht so viel und kannst in einer WG leben. Wirklich Geld braucht man erst, wenn man eine Familie gründen will und Kinder versorgt.

Wie sieht es denn bei dir mit Englisch aus? Denn bei fast allen Berufen, die du anstreben könntest, wird Englisch benötigt.

October

Antwort
von Jewiberg, 49

Studiere Pharmazie und gehe in die Forschung. Hier gibt es viele Möglichkeiten in der Industrie oder bei Institutionen.

Antwort
von Lumpazi77, 31

Du möchtest Medizin studieren und fragst nach den Einkommensmöglichkeiten ? Lass es sein, sonst wirst Du der 08/15 Mediziner der nur nach dem Geld schaut !

Studiere Physik und nehme Dir als Vorbild unsere Bundesmutti !

Kommentar von RicVirchow ,

Nichts zu ungut, aber hast du zufälligerweise die anderen 90% meiner Frage überlesen, in der ich meine Leidenschaft für Naturwissenschaften  erläutert habe im Bezug auf Medizin? Ich kann nichts dafür, wenn du nur das liest, was du lesen willst. Und sich über die finanzielle Seite seines zukünftigen Berufes zu informieren ist nicht gleich asozial und geizig, sondern realistisch und vorausplanend, damit man später nicht blöd dasteht.

Kommentar von Lumpazi77 ,

Ojeh natürlich habe ich alles gelesen und das bewog mich zu dieser Aussage !

Ein Hinweis:

Als AIPler hast Du über Jahre ca. 4000,- brutto bei geschätzten 250 Arbeitsstunden im Monat 

Kommentar von Retrohure ,

"AIP = Arzt im Praktikum" gibt es nicht mehr.

Antwort
von slolu, 31

Test beim Arbeitsamt, in die Forschung gehen, aufs Amt gehen.

Was heißt denn Qualifikationsphase 2 bei euch? Das 2. Halbjahr der 12. oder gehts bei euch noch bis zur 13. Klasse?

Kommentar von RicVirchow ,

An unserer Schule gibt es auch G8, 

die Oberstufe besteht aus Einführungsjahr (10. ) Qualifikationsphase 1 (11.) und Quali.phase 2 (12) 

aber ich habe es um Verwirrung zu vermeiden einfach auf G9 übertragen

Kommentar von slolu ,

Ja, achso. Ich komme mit dem G9 Konzept nur nicht klar. War sehr überrascht als ich gehört habe dass manche 13 Jahre in die Schule müssen 😀

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community