Frage von EStarOne, 170

Verwirrendes Erbrecht?

Hallo, es geht bei meiner Frage um den Fall der Fälle.

Ich blicke leider überhaupt nicht durch...

Fall ist wie folgt.

Ich bin verheiratet, und wir erwarten ein Kind.

Leider habe ich noch ein Kind aus einer alten "Beziehung" damals war ich 19 und habe das Kind angehängt bekommen... Möchte nicht näher darauf eingehen, habe aber weder mit dem Kind noch mit der Mutter etwas zutun und möchte das auch nicht.

Natürlich möchte ich vermeiden das das 1. Kind etwas erbt.

Wir wollten das nach der Geburt so Regeln:

Unser Haus gehört meiner Frau, das haben wir aus diesem Grund beim kauf so beschlossen. Meine Frau möchte mir nach der Geburt ein Lebenslanges Wohnrecht einräumen sollte ihr etwas passieren, und der eigentliche Erbe wäre unser Sohn.

So haben wir es auch mit Auto und so ziemlich jeder Größeren Investition getätigt.

Ist das ganze legitim und funktioniert, oder machen wir da doch einen Fehler?

Vielen Dank im voraus.

Und mir jetzt bitte keine Moral Fragen stellen.

Ich möchte nicht mit dem Wissen leben das unser gemeinsamer Sohn, ein ungewolltes Kind von früher in diesem Fall aus bezahlen müsste, denn wie ich finde habe ich und meine Frau das ganze geleistet.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 57

Dein "Kind aus einer alten Beziehung" ist gleichberechtigt zu eurem gemeinsamen Wunschkind gesetzl. Erbe deines Nachlasses, § 1924 I BGB.

Natürlich kann man es von seiner gesetzlichen Erbfolge ausschliessen, womit es auf seinen dazu hälftigen Pflichtteil in Geld gesetzt wäre.

Nur nicht den PT-Anspruch durch böswillige lebzeitige Schenkungen unerfüllbar stellen, da hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben: Den Pflichtteilsergänzungsanspruch.

Meint: Dein Nießbrauch- bzw. Wohnrecht am Immobilienbesitz deiner Ehefrau valutiert mit (ortsüblicher Jahresmiete x deiner statistischen Lebenserwartung) ebenso wie Schenklungen oder Zuwendungen außerhalb einer sittlichen Pflicht, etwa ein Ausbildungssparbuch eures gemeinsamen Kindes, in deiner Vermögensaufstellung und bildet zu dieser erhöhten, fiktiven Reinnachlass Bemessungsgrundlage jeglicher Pflichtteilforderungen gegen die einbgestzten Erben.

Schenkungen unter Eheleuten unterlägen dabei weder der 10-Jahres-Frist noch einer Abschmelzung gem. § 2325 BGB :-O

Ich würde da ja zu einer anderen Taktik raten, zumal du gerade eine Familie und Vermögen aufbaust, dein Nachlass sich also steigern dürfte: Nimm Kontakt zu der Kindsmutter (dies wäre zwingend, wenn eurer gemeinsames Kind minderjährig wäre) oder deinem Kind auf und unterbreite ihm einen Angebot, gegen eine Abstandsumme, die seinem Pflichtteilsrecht an deinem derzeitigen Vermögen entspräche oder leicht darüber läge, einen notariellen Erb- und Pflichtteilsverzicht zu unterschreiben. Frei nach dem Motto: Nimm was du jetzt noch kriegen kannst, ob du je mehr bekommst, weißt du nicht, aber ich, es zu verhindern.
Falls du deinem Kind nicht mal in die Augen sehen kannst, kann man damit auch einen Notar beauftragen und die Beurkundung zweigeteilt durchführen.

G imager761



Kommentar von HARtH0USE ,

Ja, das wäre eben jene feine Art, an die ich dachte. Aber die unfeine Art sollte er doch privat besprechen.;-/

Antwort
von peterobm, 79

habe das Kind angehängt bekommen...

warum hat man da die Vaterschaft nicht angefochten?

sollte deine Frau vor dir versterben, so bist du Erbe, bei deinem Tod erben beide Kinder je zur Hälfte. 

Das Haus habt ihr beide aber erwirtschaftet?

Antwort
von Ronox, 84

Natürlich geht das, wenn ihr das testamentarisch so vereinbart. Allerdings hat dein erstes leibliches Kind einen Pflichtteilsanspruch, den es geltend machen kann. Dieser besteht in der Hälfte des gesetzlichen Erbteils in Geld. Bei einer Frau und 2 Kindern also 1/8. Vielleicht solltest du dich noch bzgl. des Pflichtteilsergänzungsanspruches und dessen Funktionsweise informieren. Wenn du die Vermögensverfügungen jedoch in jungen Jahren vornimmst, sollte das kein Problem sein.

Antwort
von oppenriederhaus, 75

sorry- aber mir fehlen hier die Worte.

Ob "angehängt" oder nicht - es ist Dein Kind !

Nichtehelichen Kindern steht grundsätzlich ein Pflichteilsrecht zu, wenn sie in Erbvertrag oder Testament nicht bedacht wurden.

Hoffe, Du bist bisher Deinen gesetzlichen Unterhaltspflichten nachgekommen.

Den Rest verkneife ich mit lieber sonst werde ich beleidigend

Kommentar von dafee01 ,

Auch mir fehlen hier die Worte! Wenn ich sagen dürfte, was ich denke, würde ich sicher hier gesperrt!

Antwort
von HARtH0USE, 66

Hallo!

Eines vorweg an die Community: Es steht hier niemandem zu,ein moralisches Urteil zu fällen. Er wird seine Gründe haben.

Also deine Kinder gehören alle zu Erben der 1.Ordnung. Das heisst, das wenn kein Testament vorliegt alle zu gleichen Teilen erben. Bei zwei Kindern bekommt demnach jeder die Hälfte.

Liegt ein Testament vor, das eines der Kinder im Erbe nicht bedacht, quasi enterbt, dann steht demjenigen Kind immer noch 1/4 des Erbes zu. Das nennt man Pflichtteil. Allerdings muss das Kind diesen Pflichtteil selbsttätig gerichtlich einfordern. Tut es das nicht und verpasst die Einklagefrist, geht es leer aus.

Mit gewissen Klauseln und Erbrechtsauflagen kann man den Pflichtteil derart entkräften, dass es zum Verlust des Erbrechts führt, sobald eine gewisse Auflage vom Kind nicht erfüllt wird oder zuwidergehandelt wird.

Das ist aber nicht unbedingt die feine Art. Kontaktiere einen Anwalt für Erbrecht und verfasse mit ihm ein entsprechendes Testament.

Kommentar von Ronox ,

Ein Pflichtteil ist kein Erbrecht und fordern kann er nicht etwa einen Anteil vom Erbe, sondern Geld, da der Pflichtteil ein Geldanspruch ist. Weiter ist eine Klageerhebung, wie bei jedem Anspruch, nur erforderlich, wenn nicht freiwillig gezahlt wird. Übrigens ist auch die Ehefrau gesetzliche Erbin.

Kommentar von HARtH0USE ,

Ach...die Ehefrau ist auch gesetzliche Erbin? Echt? Hm..falls du so belesen wärest, wie du hier angibst zu sein würdest du wissen, was ein Erbe 1.Ordnung ist, wie ich es schon schrieb. Zumal es hier überhaupt nicht um seine Frau geht.

Und: Echt ??? Sein Sohn muss erst dann klagen, wenn nicht freiwillig gezahlt wurde? Na...mach Sachen.

Und ja, er hat Anspruch auf 1/4 des Erbes, welches in 1/8 des Geldwertes ausgezahlt wird. Weiss ich auch...

Und nein: Erbrecht bedeutet das Recht auf das Erbe zu haben. Ein Verlust dessen ist Verlust jedweden Anspruches.

Kommentar von SaVer79 ,

Deine pflichtteilsberechnung im Ausgangsbeitrag ist falsch: der gesetzliche Erbteil des Kindes   Beträgt 1/4, der Pflichtteilsanspruch damit nur 1/8.

Deine Ausführungen zu irgendwelchen Klauseln bezüglich des Pflichtteils im Testament oder bezüglich einer möglichen Entziehung des Pflichtteils sind falsch. Irgendwelche Gründe für die Entziehung sind hier überhaupt Licht ersichtlich, oder liest dinierendes irgendwas davon, dass das Kind seinem Vater nach dem Leben getrachtet hätte oder etwas in der Art??

Antwort
von Lilimo, 10

Wie kann man ein Kind angehãgt kriegen? Da gehören immer zwei dazu.Und es ist ein Teil von Dir. Ich fass es nicht

Antwort
von webya, 18

ja, dass haben wir genau so gemacht.

Antwort
von dafee01, 67

Leider habe ich noch ein Kind aus einer alten "Beziehung"

Ziemlich traurig, was du da von dir gibst! Es ist dein Kind! Es wird immer Anspruch auf dein Erbe haben! Das Kind kann schließlich nichts dafür!

Antwort
von NameInUse, 69

Wenn Du nix hast, dann kannst Du auch nix vererben. Außerdem müsste dann ja auch erst das andere Kind ausfindig gemacht werden oder irgendwie von Deinem Tot erfahren.

Kommentar von oppenriederhaus ,

das erledigt dann das Nachlassgericht - "ungeschoren" kommt er nicht davon

Kommentar von NameInUse ,

Wenn nix da ist kann auch nur nix vererbt werden.

Kommentar von EStarOne ,

Ja genau darauf will ich ja hinaus... Der Pflichtteil von nichts ist nichts... Testamentarisch soll es beim Notar nach der Geburt so ausgelegt werden, das sollte meine Frau vor mir sterben "ihr" Haus an unseren Sohn vererbt wird "Haus wurde vor der Eheschließung gekauft" und ich quasi ein Niesbrauchsrecht eingeräumt bekomme das ich bis zu meinem Tote in diesem Wohnen darf. 

Klar das irgendetwas sicher an Erbe da sein wird, was dann auch Pflicht gerecht geteilt werden muss, aber möchte diesen Teil so gering wie möglich halten. 

Und nochmals an die anderen... Steckt euch euren Moral sonst wohin. 

Schlimm genug das es mir nicht frei gestellt ist wer meinen Besitz nach meinem tot übernimmt... 

Kommentar von oppenriederhaus ,

Tod

Kommentar von HARtH0USE ,

Clever...bin begeistert.

Kommentar von peterobm ,

es ist freigestellt, doch nur per Testament. Trotzdem haben nahe Angehörige (in deinem Fall, das uneheliche Kind) ihren Pflichtteilsanspruch. Das ist im BGB verankert.

Kommentar von HARtH0USE ,

Ok..wenn du sicher sein willst, dass dein Erstgeborener so wenig wie möglich bekommt dann gibt es unter anderem folgende Möglichkeiten: Die Pflichtteilsschmälerung, Erbunwürdigkeit oder Pflichtteislunwürdigkeit.

Kommentar von EStarOne ,

Und so wie wir es vorhaben ist es dann quasi unmöglich? Also die Sache mit dem Nießbrauch, und quasi meinen Besitz so gering wie möglich halten? 

Also der Gang zum Anwalt/Notar bleibt nicht aus, wollte mich wie beschreiben nur vorher schon mal Informieren. 

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