Verweigerungsrecht eines Arzt bei einer Abtreibung (Gewissensfrage)?

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9 Antworten


Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

Zur Ausübung des Rechts, die Mitwirkung an einem Schwangerschaftsabbruch zu verweigern (§ 12 SchKG)


1. Die gesetzliche Grundlage

  1. Niemand ist verpflichtet, an einem Schwangerschaftsabbruch mitzuwirken.
  2. Absatz 1 gilt nicht, wenn die Mitwirkung notwendig ist, um von der Frau eineanders nicht abwendbare Gefahr desTodes oder einer schweren Gesundheitsschädigung abzuwenden.


5. Ausübung des Weigerungsrechts


Das Weigerungsrecht kann formlos und jeder zeit ausgeübt werden. Es kann generell, für bestimmte Fallkonstellationen oder auch nur bezogen auf einen Einzelfall erklärt werden. Die ursprüngliche Absicht, es von Gewissensgründen abhängig zu machen, hat der Gesetzgeber bewusst aufgegeben. Die Motive brauchen also nicht mitgeteilt werden. Auch eine Weigerung, mit der sich jemand in Widerspruch zu seinem früheren Verhalten setzt, ist zu beachten.

http://www.dggg.de/fileadmin/public\_docs/Dokumente/Leitlinien/015-034-S1-Abbruch-verweigern-2010.pdf

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Kommentar von isebise50
13.06.2016, 11:05

Vielen Dank für deine Auszeichnung b2011!

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Wie im Link von isebise50 erläutert, kann abgesehen von akuten medizinischen Notfällen die Mitwirkung an Abtreibungen ohne Angaben von Gründen verweigert werden. Formalrechtlich ist das also problemlos möglich.

In der Praxis natürlich aus verschiedenen Gründen nicht, da es z.b. sowohl bei Einstellung aber auch später zur Kenntnis genommen wird, wenn jemand Aufgaben, die vermeintlich von ihm auszuführen wären, verweigert. Nichteinstellung, Unverständnis, etc. sind dann natürlich Folgen.

Es gibt auch indirekten Druck, z.b.:

http://www.zeit.de/2013/44/abtreibung-aerztin-moralische-bedenken

"Nach drei Jahren an der Klinik fehlen
ihr immer noch 70 Operationen. Sie kennt den Grund: Hamburg ist eine
Stadt der Ambulatorien, das sind Praxiskliniken, die extrem effizient
arbeiten und Routineoperationen ohne Komplikationsrisiko vornehmen. Die
großen Kliniken dagegen – solche wie die, in der Beck arbeitet – sind
auf anspruchsvolle Eingriffe spezialisiert. Dort werden kaum noch
gewöhnliche Operationen übernommen, die ein Arzt in Ausbildung allein
durchführen könnte – wodurch er dazulernen und einen weiteren OP-Bericht
abheften könnte.

Beck kennt die Lösung
für ihr Problem, doch sie hat den Gedanken daran an den äußersten
Winkel ihres Gehirns geschoben. Um ihre Facharztprüfung ablegen zu
können, muss sie von ihrem Krankenhaus für ein paar Monate an eine
Praxisklinik ausgeliehen werden. Praxisklinik bedeutet:
Schwangerschaftsabbrüche. Täglich. Wie am Fließband. Ein einfacher
Eingriff, der nur wenige Minuten dauert und für die Praxisklinik
kostendeckend ist."

berichtet von einer, die ohne Abtreibungen viel, viel länger gebraucht hätte, um die für den Facharzt notwendige Zahl an Eingriffen zu kommen. Denn da Abtreibungen der häufigste gynäkologische "Eingriff" sind, ist es viel schwieriger genug Eingriffe durchzuführen, wenn man keine Abtreibungen macht.

Und dazu kommt natürlich noch den allgemeinen Druck, den moderne und aufgeklärte Menschen und Kollegen auf einen ausüben, wenn man beim Töten von unschuldigen und wehrlosen Menschen auf irgendwelchen verschrobenen Gründen nicht mitmachen will.

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Servus,

ich habe bewusst das Wort Kind gewählt

Dann hast du den falschen Begriff gewählt - ein Kind bezeichnet nämlich rechtlich nämlich nur eine Person, welche das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat; ein Embryo und ein Fötus sind keine Person.

Daher:

Die Abtreibung eines lebenden Kindes ist ja heutzutage leider Standart.

Eine Abtreibung eines lebenden Kinds ist unmöglich, das das bereits geboren wird.

Ein Schwangerschaftsabbruch eines Embryos ist möglich - bei uns bis zur Ende der 14. SSW; ein Schwangerschaftsabbruch eines Fötus ist nur aufgrund einer psychologischen / medizinischen Indikation der Mutter möglich.

Von "Standard" kann man hier nicht reden, es ist aber de facto so, dass jede Frau eine Schwangerschaft abbrechen kann, wenn sie möchte.

Hat ein Arzt, und dabei interessiere ich mich eher für Ärzte, die in einem Ausbildungsverhältnis bzw. Angestelltenverhältnis stehen, ein konsequenzenloses Recht auf die Verweigerung dieses Eingriffs aus Gewissensgründen, oder muss er damit rechnen, dass er nach einer Verweigerung rausgeschmissen wird.

Das kommt darauf an.

Ich bin mir relativ sicher, dass dich - wenn du dich als Facharzt für Gynäkologie an einer Klinik bewirbst - diese Klinik vorher etwas unterzeichnen lässt, wo du versicherst, auch Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen, wenn diese dort gemacht werden.

Für eine Facharztausbildung zum Facharzt für Gynäkologie gibt es einen OP-Katalog - dort sind zwar Ausschabungen nicht konkret aufgeführt, werden aber denke ich auch gelehrt und sind Teil der "vaginalen und abdominellen Operationen".

Ob ein Verweigern möglich ist, dürfte sich auch wieder von Klinik zu Klinik unterscheiden - es gibt auch hier einen Arbeitsvertrag.

Wenn jemand während seiner Facharztausbildung mit so etwas nicht konfrontiert werden möchte, kann er ja eine Klinik wählen, bei der keine solchen Eingriffe durchgeführt werden...

Als Arzt im praktischen Jahr (wenn du das mit "Ausbildungsverhältnis" meinst) wirst du vermutlich keine Ausschabung o.ä. erleben, da du nicht nur in der Gynäkologie arbeiten wirst.

Als Arzt, der seinen Facharzttitel erlangt und sich niedergelassen hat, kannst du natürlich - bis auf Notfälle - alles ablehnen, was du mit deinem Gewissen nicht vereinbaren kannst.

Ich finde allerdings dass du als Facharzt für Gynäkologie den falschen Beruf gewählt hast, wenn du keine Ausschabungen oder chemische Abtreibungen vornehmen willst...

Lg

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Kommentar von CalicoSkies
04.06.2016, 01:59

Teil der Weiterbildungsinhalte ist unter anderem

– der Beratung bei Schwangerschaftskonflikten sowie der Indikationsstellung zum Schwangerschaftsabbruch unter Berücksichtigung der gesundheitlichen einschließlich psychischen Risiken

http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/MWBO_07122011.pdf (S. 52)

Daher gehe ich mal stark davon aus, dass - wenn nicht der Abbruch selbst - zumindest die Beratung und die Indikationsstellung Teil der Ausbildung sind.

Ein Verstoß gegen § 12 Abs. 1 SchKG dürfte das nicht sein, wenn du vor einer Einstellung darauf hingewiesen wirst - denn "verpflichtet" bist du dazu ja nicht, du wirst einfach nicht geingestellt.

Am Besten solltest du mal Leute fragen, die gerade eine Facharztausbildung zum Facharzt für Gynäkologie machen - die können dir das denke ich besser beantworten.

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Hallo,

in jedem fall hat ein Arzt das recht diesen Eingriff zu verweigern. Schon aus ethischen Gründen und dem geleisteten Hypokratischem Eid.

Es ist für den betreffenden Arzt eine absolute Gewissens Frage, die aber vorab der Ausbildung zum Facharzt geklärt sein sollte, selbstverständlich in Form einer zusätzlichen Arbeitsrechtlichen Vereinbarung.

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Kommentar von Barbdoc
04.06.2016, 13:00

Der Eid des Hippokrates wird in Deutschland schon lange nicht mehr geschworen.

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Was meinst du mit "Ärzte, die in einem Ausbildungsverhältnis stehen" ? Entweder man ist Arzt oder nicht.

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Kommentar von b2011
04.06.2016, 01:12

Assistenzarzt während der Facharztausbildung, hab' den Verbesserungsvorschlag schon verschickt.

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Ich denke das sind normalerweise spezielle Ärzte die das machen, es wird nicht einfach so jemand zu einer Abtreibung "abkommandiert" der sowas sonst nicht tut.

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Kommentar von Pangaea
04.06.2016, 13:06

Das muss jeder Gynäkologe können.

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Guten Abend,

Ein Arzt kann eine Abtreibung ablehnen und kann deswegen nicht strafrechtlich verfolgt werden Denn es gibt kein Recht auf Abtreibung, sie ist lediglich unter bestimmten Bedingungen straffrei, siehe den Schwangerschaftsabbruch. Daher kann ein Arzt die Abtreibung ablehnen.

https://dejure.org/gesetze/StGB/218a.html

Ich hoffe ich konnte dir helfen.

KaterKarlo2018

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Kommentar von b2011
04.06.2016, 01:20

Ich hatte eher die arbeitsrechtliche Konsequenzen im Sinn.

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Jeder Gynäkologe muss  Schwangerschaftsabbrüche durchführen, wenn er seinen Facharzttitel haben will. 

Alle Ärzte machen Eingriffe jeglicher Art  auch jenseits von Gut und Böse wenn es darum geht einen Titel zu erwerben. Da kann sich keiner raus halten.

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Siehe hierzu diverse katholische Einrichtungen.

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