Frage von Pokeboster, 103

Vertritt die Bibel den Utilitarismus?

Kommende Woche werde ich meine Präsentationsprüfung halten dabei stellt sich mir folgende Frage: Vertritt die Bibel den Utilitarismus? Folgendes Beispiel soll meine Frage verdeutlichen: Bei dem Fall Daschner hat eine Gewaltdrohung eines Polizisten gegenüber des Töters geholfen, den Standort des entführten Kindes zu erfahren. Dabei wurde die Würde des Täters verletzt, jedoch das (zwar tote) Kind gefunden. Wie würde man als Christ, der nach der Bibel lebt, auf solch ein Dilemma reagieren?

Antwort
von Rosenblad, 54

Die gestellte Frage in ihrer extremen, situativen Konfliktverdichtung verweist nur in eine Richtung – die der utilitaristische Betrachtungsweise – um aber eine ethische (und christliche) Balance in dieser zu interpolierenden Frage herzustellen – ist ebenso eine deontologische Betrachtungsweise heranzuziehen (Folter als ethisch verwerfliche Menschenentwürdigung)
Hierbei müssen beide Standortweisen äquivalent gewürdigt werden - zumal die christliche resp. jesuforme Valenzeinfassung ohne klare Aussagen sich ausweist- , womit nur der ethische und die sanktionsrechtliche Dispositionsvergabe bleibt. Die Letztgenannte, möchte ich wegen der validen Rechtskautelen (z.B. StGB § 34,35) und im Kontext zur Fragestellung beiseite stellen.
Allerdings soll aus der Jurisprudenz der Rechtsbegriff des „Notstandes“ herausisoliert werden um auf diese Weise zu einem annehmbaren und entkrampfbaren Öffnungsschritt in ethischer Hinsicht zu gelangen. Einer Öffnung, die aber einer zentrale Voraussetzungsdisposition bedarf: der vollständigen und zirkelfreien Antwort auf die Frage ob er Beschuldigte – und damit physisch zu misshandelnde Mensch – auch hundertprozentig der Täter ist (und z.B. nicht eine psychisch gestörte Person, die vorgibt der Täter zu sein) und wie weit der Ausfragende bereit ist zu gehen, denn Folter kann auch mit dem Tod des Gefolterten enden.
Der übriggebliebe ethische Handlungsmoment entzieht sich damit der utilitaristischen, wie der deontologischen Perspektive, durch eine ethisch gesetzte, aber extrem präzis fundierte (da wissensgestützte) Position der Nothilfe.

Antwort
von Aleqasina, 52

Eine problematische Frage, zumal die Bibel kein einheitliches Gebilde ist und erst recht keine "Person" mit einer Meinung.

Speziell zu deiner Frage solltest du 1. Kön 3, 16 - 28 lesen. Wobei es bei dieser fiktiven(!) Erzählung vom Urteil des Salomo nicht um eine Handlungsanweisung für Gerichtsverfahren geht, sondern um die Bedeutung der Liebe, die für eine Eltern-Kind-Beziehung entscheidend ist. Und darum, was diese Liebe ausmacht: hier nämlich Opferbereitschaft (die Frau ist bereit, um des Lebens des Kindes wegen auf das Kind und, das die Szene im Altertum spielt, auf ihre Alterversorgung zu verzichten).


Kommentar von Viktor1 ,
auf ihre Alterversorgung zu verzichten).

Ist wohl ziemlicher Quatsch. Kinder hatte man damals zu hauf und die sind gestorben wie die Fliegen.
Außerdem berührt deine Antwort nicht im Geringsten die Frage sondern ist einfach so raus gehauen ohne Sinn und Verstand.

Antwort
von arevo, 34

Eine schon sehr erstaunliche Fragestellung.Einmal ist von Gewaltandrohung seitens des Staates, vertreten durch die Polizei, die Rede, die nur dabei half, das tote Kind zu finden.

Also einmal Mord an dem Kind vor der Gewaltandrohung, was die Polizei aber nicht wußte, dann die Gewaltandrohung, die aber nicht das gewünschte Resultat brachte.Gewaltandrohung ohne dem erwünschten Erfolg. Der erwünschte Erfolg war das Kind lebend zu finden.

Der Utilitarismus beschäftigt sich aber mit anderen Fragen, auf keinen Fall mit der Würde des Menschen.Der moralische Teil des Utilitarismus besagt, der in keinem logischen Zusammenhang mit dem psychologischen Teil steht : Gut sind Wünsche und Handlungen, die tatsächlich das allgemeine Glück fördern.Das braucht nicht der Zweck einer Handlung sein, wenn es nur ihre Wirkung ist.

Das Gute ist das Glück schlechthin und  jedes Individuum hat nur immer das im Auge , was es für sein eigenes Glück hält.Aufgabe des Gesetzgebers ist es daher, einen Ausgleich zwischen öffentlichen und privaten Interessen herzustellen.Das Strafgesetz stellt die Mehode her, Übereinstimmung zwischen den Interessen der einzelnen und den Interessen der Allgemeinheit herbeizuführen.Die Menschen sollen durch das Strafrecht bestraft werden, damit Verbrechen ungeschehen bleiben, d.h., gar nicht erst begangen werden.Es ist wichtig für den Täter zu wissen, dass die Strafe gewiß ist.

Der Mord war ja keine Handlung, die das Glück des Täters förderte, denn er wußte um die Strafwürdigkeit seiner Tat.Zudem hat er aus Habgier( Erpressung ) gehandelt.

Ich finde es heute noch richtig, dass Gewalt angedroht wurde, denn es war nur eine Drohung, die  beim Täter den Anschein erwecken erwecken sollte, dass die Polizei, ausgestattet mit dem Gewaltmonopol, doch noch Gewalt anwenden würde, um ein Menschenleben zu retten.

Antwort
von Viktor1, 37
Wie würde man als Christ, der nach der Bibel lebt, 
auf solch ein Dilemma reagieren?

Als Christ lebt man nicht nach der Bibel, das sind die Bibelgläubigen.
Christen orientieren sich nach der Botschaft Jesu.
Ich sehe hier kein Dilemma.
Wenn ein Entführer einen Menschen gefangen hält der dadurch in Gefahr ist Schaden an Gesundheit und Leben zu nehmen, dann befindet sich der Täter nicht in einem passiven Zustand (mit allen "Rechten") sondern ist praktisch aktiv bei der Schädigung des Opferes, wenn er die Angabe des Ortes der Gefangennahme verweigert.
Aktive Geiselnehmer werden ja auch gegebenenfalls mit Gewalt daran gehindert ihren Opfern zu schaden.
Die Rechtslage mag anderes sein - mein Rechtsempfinden ist so.

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