Frage von Implord, 24

Vertrauensübungen für ehemalige Mobbingopfer?

Bevor ich zu meiner heutigen Frage über meine düstere und verdrehte und hochgradig aufmerksamkeitsbedürfige Psyche komme, möchte ich allen von euch danken, die mir bisher auf meine Fragen geantwortet haben. Ich weiß durch Feedback im meinem sozialen Umfeld, dass meine Anfälle von Selbstmitleid anstengend sind, aber an diesem Punkt kann ich eben nicht sehr viel mehr tun, als zu versuchen, langsam davon wegzukommen. Und durch eure Anregungen und durch eure Unterstützung und dadurch, dass ich einfach mal mit euch reden und meine Probleme schildern konnte, habt ihr mir bereits so viel geholfen. Und ich habe manchmal das Gefühl, ich sage nicht häufig genug Danke. Also.. . Danke.

Mein psychisches Problem des Tages ist Vertrauen. Ich habe irgendwie immer Angst verlassen und verraten zu werden, ich denke mein Hausarzt will mich heimlich töten, traue mich aber nicht, eine zweite Meinung einzuholen, weil ich auch anderen Ärzten nicht vertraue. Ich denke oft darüber nach, ob meine Freunde nur seit Jahren so tun, als würden sie mich mögen... Und irgendetwas sagt mir, dass diese Denkweise gründsätzlich nicht der beste Ansatz für soziale Bindungen ist.

Ich denke, Ursprung von all dem waren die Jahre, in denen ich gemobbt wurde. Ich weiß nicht, ob es klischeehaft oder irgendetwas ist, aber vom Kindergarten bis in die achte Klasse war ich ein extremes Mobbingopfer ohne wirkliche Freunde. Und es war wirklich oft so, dass Leute Interesse an meinen Problemen vorgetäuscht haben und mich dann reingelegt, oder meine Geheimnisse und Gedanken an andere weitererzählt haben, um mich zu kränken. Und wenn ich mal einen Freund gefunden habe, hat er nur allzu häufig den Kontakt abgebrochen, weil er entweder um seinen eigenen sozialen Status besorgt war, oder weil ihm meine depressive, selbstmitleidige Art auf den Sack ging. Keines von beidem nehme ich ihnen heute übel, aber damals ist für mich jedesmal ein Teil von mir gestorben.

Kann ich Vertrauen zu anderen irgendwie trainieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Chronocide, 24

Was bedeutet Vertrauen überhaupt? Hast du dich jemals damit auseinandergesetzt was Vertrauen - für dich - heisst? Was definiert vertrauen?

Wenn du dich mit einem Freund um 8 Uhr verabredest und er steht dann um 8 Uhr da, hat das etwas damit zu tun, dass du ihm trauen kannst? Was ist wenn er 10 Minuten zu spät kommt? Oder was passiert, wenn dieser Freund gar nicht auftaucht?

Mir fällt auch noch etwas anderes auf: Du sagst, jeder hasst dich. Dein Arzt will dich töten. Jeder spricht schlecht über dich. Irgendwie geht es oft immer um dich. Vielleicht solltest du auch mal darüber nachdenken, ob andere Leute wirklich so viel über dich nachdenken.

Dir ist wahrscheinlich bewusst, dass ein solch extremes Ausmass dieses Problemes unter Umständen professionelle Hilfe braucht. Ich finde es aber super, dass du dir der Probleme bewusst bist und dich damit auseinandersetzt.

Schreib mich ruhig an wenn was ist. =)

Kommentar von Implord ,

Vertrauen bedeutet... Ich weiß nicht. Ich meine nicht, dass sie Person immer alles perfekt einhält, oder immer da ist oder so... Aber wenn es mir schlechtgeht und wenn die Welt um mich herum zerbricht, dann brauche ich etwas, woran ich mich festhalten kann. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass es jemanden geben wird, der zu mir hält, wenn es drauf ankommt, ein Anker, sozusagen, der mich festhält.

Ich denke sehr viel darüber nach, wie andere über mich denken. Leider schätze ich mich selbst offenbar recht gering ein, denn ich komme immer zum Schluss, dass ich selbst Probleme hätte, mich nicht zu hassen, würde ich mir begegnen.

Und ich bin in psychologischer Behandlung, habe mir also schon besagte Hilfe geholt.

Kommentar von Chronocide ,

Super, dass du dir bereits helfen lässt. Ist ja auch keine Schande! Jedenfalls verstehe ich dein Bedürfnis danach jemanden zu haben, du musst einfach aufpassen, dass das nicht eine Abhängigkeit wird. Du kannst und darfst in solchen Momenten auch nicht alles auf den anderen schieben - denn genau solche Belastungen sind meistens nicht ganz einfach für deine Umwelt. Da sein ist eine Sache, aber mit den Situationen kann keiner für dich klar kommen. 

Was natürlich auch noch wichtig ist, ist, dass so eine enge Bindung, so ein Vertrauen und ein "da sein" nicht von heute auf morgen kommt. Auch sind Leute die wirklich da sind im Leben selten genug, die meistens haben Glück wenn sie ein oder zwei Leute haben die wirklich da sind wenn es hart auf hart kommt.

Kommentar von Implord ,

Ich werde an diese Ratschläge denken. Und mir Glück wünschen. Ich meine, man kann ja nicht immer enttäuscht werden, oder?

Antwort
von Bambi201264, 18

Nein, das kannst Du nicht.

Du kannst ein gewisses Grundvertrauen vorspiegeln, aber ob Du jemandem vertrauen kannst oder nicht, ist eine sehr individuelle Geschichte.

Aber vielleicht sollte gerade ich nicht versuchen, Dir einen Rat zu geben, da ich selbst auch kaum jemandem vertraue. Ich habe zwar jede Menge Bekannte (Frauen und Männer) und komme mit den meisten Kollegen gut aus, aber Freunde habe ich nicht. Auch ich wurde sehr oft bitter enttäuscht, irgendwann lässt man es dann.

Das empfinde ich allerdings nicht als Problem, und Du solltest das auch nicht tun :)

Kommentar von Implord ,

Als mir mein Psychologe Tee angeboten hat, war ich überzeugt, er will mich vergiften. Ich empfinde das als Problem.

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