Frage von ParagrafenGold, 1.305

Versuchter Totschlag. Wo ist er gesetzlich definiert?

Schon unzählige Male wurden Menschen in Deutschland wegen versuchten Totschlags verurteilt. Der Totschlag selbst ist in § 212 StGB definiert.

Nur steht da nichts von "Der Versuch ist strafbar", wie es zum Beispiel in § 224 StGB ( gefährliche Körperverletzung ) und zahlreichen anderen § des StGB vermerkt ist.

Wie also begründet sich die Legalität des versuchten Totschlags im Sinne des Strafgesetzbuchs? Er ist in keinem Gesetz verankert. Warum dürfen dann Menschen wegen versuchten Totschlags verurteilt werden?

Und wo ist der Unterschied eines versuchten Totschlags zu einem minder schweren Totschlag nach § 213 StGB, wenn man aus § 213 StGB zitiert: "...oder liegt sonst ein minder schwerer Fall vor..." ?

Wo ist also hier der Unterschied zwischen versuchten Totschlag und einem Totschlag in einem sonstigen minder schweren Fall?

Der § 213 StGB stellt laut Wikipedia nur eine Strafzumessungsregel in Bezug zu § 212 StGB dar. Warum ist der § 213 StGB dann nicht als Beispiel in § 212a StGB verankert? Das ergäbe doch viel mehr Sinn.

Und wenn man diese Strafzumessungsregelung nach § 213 StGB in Verbindung mit § 212 StGB richtig interpretiert, so dürfte es nur Totschlag und Totschlag in einem minder schweren Fall, aber keinen versuchten Totschlag geben.

Wo ist die Rechtsgrundlage für den versuchten Totschlag? Meiner Meinung nach sind alle Verurteilungen wegen versuchten Totschlag, mangels gesetzlicher Grundlage, rechtswidrig und können nach § 359, Satz 5 StPO angefochten werden.

Wie seht ihr das?

Antwort
von Dommie1306, 868

Hallo,

interessante Frage die du stellst, um diese zu beantworten muss man sich das StGB genauer anschauen.

Wie du richtig schreibst, gibt es z.b. die versuchte gefährliche Körperverletzung, dies ist im Absatz 2 geregelt.

Was unterscheidet nun aber den Totschlag von der gefährlichen Körperverletzung? Der Totschlag ist ein Verbrechen, das heißt das Mindeststrafmaß beträgt mindestens ein Jahr.

Somit ist deine Aussage

Wie also begründet sich die Legalität des versuchten Totschlags? Er ist in keinem Gesetz verankert. Warum dürfen dann Menschen wegen versuchtenTotschlags verurteilt werden?

Wie also begründet sich die Legalität des versuchten Totschlags? Er ist in keinem Gesetz verankert. Warum dürfen dann Menschen wegen versuchtenTotschlags verurteilt werden?

falsch, da im StGB folgendes steht.

§ 23
Strafbarkeit des Versuchs

(1) Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt.

Wie du siehst, ist ein Versuch eines Verbrechens somit IMMER strafbar, egal ob es explizit erwähnt wird oder nicht.

Der von dir zitierte §213 ist der klassische "Handlung im Affekt" Paragraph. Im Endeffekt wurde dieser geschaffen, um eine "Kurzschlusshandlung" weniger hart zu sanktionieren, als einen geplanten Totschlag (wobei das dann schon fast wieder Mord ist, aber das ist eine andere Geschichte)

Wieso der nicht 212a heißt? Nun, die ganzen "a", "b" etc. Paragraphen haben nicht unbedingt was mit der Zugehörigekeit zu tun, sondern wann es dem Gesetzgeber eingefallen ist, diesen Paragraph hinzuzufügen. Ein Beispiel: §303 ist die Sachbeschädigung... diese gab es schon länger. Werden nun aber z.B. Daten verändert ist ist das ja keine klassische Sachbeschädigung... aber irgendwie schon... daher §303a - Datenveränderung. Dieser wurde also erst nachträglich eingefügt.

§ 213 StGB - Minder schwerer Fall des Totschlags war aber von Anfang an "eingeplant", also die Möglichkeit der Affekthandlung wurde von Anfang an in Betracht gezogen, daher hat dieser Paragraph damals eine eigene Nummer bekommen...

Hoffe ich hab jetzt alle Fragen erwischt, wenn noch Unklarheiten sind, frag einfach per Kommentar nach:) 

Kommentar von ParagrafenGold ,

Was unterscheidet nun aber den Totschlag von der gefährlichen Körperverletzung?

Das war nicht gefragt.

Kommentar von Dommie1306 ,

Da weiß ich. Doch gehst du darauf ein, dass bei der gef. KV ein Versuch direkt im Gesetzestext angeführt ist, beim Totschlag nicht. Also muss es offensichtlich einen Unterschied zwischen diesen beiden Tatbeständen geben, wenn es auch einen "versuchten Totschlag" gibt. Und genau den hab ich dir beschrieben

Kommentar von ParagrafenGold ,

Ja, du hast recht. Entschuldige.

Kommentar von Dommie1306 ,

Passiert;)

Alles geklärt oder brauchst du noch was?

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 415

Menschen dürfen in Deutschland wegen versuchtem Totschlags verurteilt werden, weil der Versuch eines Verbrechens immer strafbar ist (§ 23 StGB).

Sollte dieses

Meiner Meinung nach sind alle Verurteilungen wegen versuchten Totschlag, mangels gesetzlicher Grundlage, rechtswidrig und können nach § 359, Satz 5 StPO angefochten werden.

den Tatsachen entsprechen, so dürfte es weder eine strafbare versuchte Vergewaltigung, Mord, Meineid, Raub...usw. geben. Denn in keinem der Strafparagraphen wird explizit der Versuch unter Strafe gestellt.

Dein Denkansatz hat also einen gravierenden Fehler.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Weil ich nicht an den § 23 StGB dachte. Deswegen. Und weil ich fälschlicherweise davon ausging, dass alle Körperverletzungen Verbrechen sind.

Du hast also recht.

Antwort
von Miramar1234, 586

Versuchter Totschlag,da muß eine erkennbare Tötungsabsicht bestanden haben .Dies kann sich nach den Umständen ,mit einem Werkzeug,einer Waffe etc.ergeben,wie auch schwere und harte Tritte und Schläge.(Inkaufnahme des Todes,nicht zwingend Tötungsabsicht)Entweder hat das Opfer sich gewehrt,der Täter hat dann abgelassen,oder aus einem anderen Grund wurde von der Tat zurückgetreten,bevor der "Erfolg",also der Tod,eines Menschen eingetreten ist.Wenn kurz danach die Rettung eingeleitet wird,kann es ein minder schwerer Fall sein.Auch dann,wenn ein einzelner Schlag zum Tod führt,oder es einen Kampf gab,den das Opfer angefangen hat.Die Abgrenzungen sind in der Tat schwammig.Auch dann wenn die Mordmerkmale nicht nachgewiesen werden können,ist es immer ein Totschlag,bzw.ein versuchter Totschlag,anstelle versuchtem Mord.(jäh zum Zorne gereizt,nicht geplante Tat.z.B.)Ein minder schwerer Fall kann auch nach Notwehrüberschreitung oder Putativnotwehr in Frage kommen.Auch hier sind die Abgrenzungen schwierig bis schwammig.Beste Grüße

Kommentar von ParagrafenGold ,

Ist ja eine gute Antwort. Dennoch ist im StGB nichts von versuchten Totschlag zu lesen.

In den Körperverletzungs §§ 223 und 224 StGB steht jeweils:  "Der Versuch ist strafbar."

Im Totschlag § 212 StGB steht dies gerade nicht.

Kommentar von Miramar1234 ,

Ich verstehe was Du meinst,ich denke es ist eine Krücke der Anklage.Wenn ich auf Tötungsdelikt anklagen will,schwere,gefährliche etc.Körperverletzung und versuchter Totschlag haben irgendwie Gemeinsamkeiten.)

Kommentar von ParagrafenGold ,

§ 23 StGB ist hier die Lösung. 

Antwort
von Ronox, 211

Ganz einfach: der Versuch eines Verbrechens ist immer strafbar, wie im § 23 I StGB nachzulesen ist. Und der Totschlag ist ein Verbrechen, § 12 I StGB.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Na endlich mal was hilfreiches!

Das erklärt jetzt alles. Hiermit wurde meine Frage komplett beantwortet. Jedoch wurde diese zurecht gestellt.

Denn:  Warum steht trotz § 23 StGB die Strafbarkeit des Versuches in den §§ 223 und 224 StGb ausdrücklich nochmal geschrieben da, während sie im § 212 StGB gänzlich fehlt?

Kommentar von furbo ,

weil der § 23 Abs. 1 StGB auch sagt:

"...der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt."

Und zu welcher Kategorie gehören Straftaten nach den §§ 223 und 224 StGB?

Kommentar von Ronox ,

Weil die (einfache) Körperverletzung ein Vergehen ist ("bis zu fünf Jahren"). Ein Verbrechen hat eine Strafandrohung von mindestens einem Jahr.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Ok. Ich dachte bisher alle Körperverletzungen wären Verbrechen.

Antwort
von Borowiecki, 364

Habe etwa vor paar Monaten auch eine solche Frage . Versuchte tot Schlag gibt es nicht , so haben mir viele geantwortet . Es gibt's versuchte Mord . Ich habe selber ein Fall - eine Person hat mir ein Fahrzeug verkauft der nich Verkehrs sicher war und konnte bei fahren ein Unfall verursachen wo ich auch meine Leben verlieren kann . Die Person war bewusst der Zustand das Fahrzeug und das ich nächste Tag 1000 km Strecke fahren muss . Der Verkäufer hat zugesichert das dass Fahrzeug voll fahrbereit und sicher ist . Unter welche Paragraf würdest du das einordnen ????

Kommentar von pilot350 ,

Betrug

Kommentar von ParagrafenGold ,

Im Mord § 211 StGB ist auch nirgends etwas von einem Versuch zu lesen!

Spontan würde mir jetzt die schwere Körperverletzung nach § 226, Satz 2 StGB oder fahrlässige Körperverletzung nach § 229 StGB einfallen.

Von vorsätzlicher Körperverletzung kann ich im StGB nichts lesen.

Kommentar von Dommie1306 ,

Totschlag = Verbrechen => Bei Verbrechen ist der Versuch immer Strafbar (§23 StGB)

Kommentar von Dommie1306 ,

Auch Mord ist ein Verbrechen und daher ist der Versuch immer strafbar... das hab ich versucht dir in meinem Beitrag zu erklären, aber deine Antwort war "das war nicht die Frage"...

Kommentar von ParagrafenGold ,

Ja Dommie, ist ok. Du hast recht.

Ich ging fälschlicherweise davon aus, dass alle Körperverletzungen Verbrechen sind.

Kommentar von Dommie1306 ,

Aja, unter der Annahme wirds natürlich kompliziert:)

Kommentar von ParagrafenGold ,

Das ist das StGB im allgemeinen aber so oder so.  ;)

Kommentar von Borowiecki ,

Ich habe Anzeige erstattet wegen Betrug leider wurde es nich anerkannt als betrug durch denn Staatsanwalt

Antwort
von newcomer, 313

nun er unterscheidet sich von schwerer schwerster Körperverletzung ( dan andern nur körperlich zu schaden ) und versuchter Totschlag sprich jemanden mit Absicht zu verletzen um seinen Tod herbei zu führen. Man könnte auch versuchter Mord dazu sagen. Klar soll der Täter bestraft werden denn auch hier gilt die abschreckende Wirkung der Verurteilung.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Frage gelesen und verstanden?! Ich wollte wissen, wo versuchter Totschlag gesetzlich definiert ist!

Kommentar von newcomer ,

2. Subjektiver Tatbestand

Der Totschlag setzt voraus, dass der Täter
vorsätzlich gehandelt haben muss. Dabei genügt bedingter Vorsatz. Ist
dies fraglich, kann aus der Kenntnis der Gefährlichkeit einer Handlung
grundsätzlich
nicht auf eine billigende Inkaufnahme des Tötungserfolges geschlossen
werden. Vielmehr bedarf es einer umfassenden Würdigung der objektiven
und vor allem subjektiven Umstände der Tat und des Täters. Allerdings
wenn die Tat als besonders gefährlich anzusehen ist, kann dies als
Indizwirkung für das billigende Inkaufnehmen des Tötungserfolges sein.

Kommentar von ParagrafenGold ,

2 Links in einem Beitrag? Seit wann geht das denn?

Kommentar von newcomer ,

wieder was gelernt, ne ? Die Betreiber haben einiges verbessert.

https://www.gutefrage.net/neu

Kommentar von ParagrafenGold ,

Einige Änderungen sind mir bewusst. Nur das die meisten mit der neuen Fragestellung nicht klar kommen! ( "Details hinzufügen" )

Und das man auf einmal nicht mehr einfach so in Antworten Links einfügen kann. Früher konnte das jeder machen.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Auf beiden Seiten steht nichts zum versuchten Totschlag, geschweige denn dessen gesetzlicher Definition!

Kommentar von newcomer ,

http://www.juraforum.de/lexikon/toetungsdelikt


Mord oder Totschlag


Des Totschlags macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen
tötet, ohne eines der in § 211 Abs. 2 StGB genannten Mordmerkmale zu
erfüllen. Auf einen möglicherweise vorliegenden Affekt kommt es indes nicht an. So ist nicht jede Tötung im Affekt ein Totschlag und nicht jede Tötung ohne Affekt ein Mord. Die Abgrenzung zwischen Mord
und Totschlag erfolgt ausschließlich über die Mordmerkmale, deren
Problematik nicht zu unterschätzen ist. Über die dringende Notwendigkeit
einer Neustrukturierung der Tötungsdelikte herrscht daher in der
Wissenschaft seit Jahrzehnten Konsens. Die Mordmerkmale sind kaum
geeignet, einen Tatbestand hinreichend abzugrenzen, und daher mit dem Bestimmtheitsgrundsatz des Art. 103 Abs. 2 GG
unvereinbar (vgl. Weber (1999): 160 f.). Es war aber auch nicht das
rechtspolitische Anliegen des nationalsozialistischen Gesetzgebers, der
die noch heute geltende Tatbestandsregelung im Jahre 1941 einführte, dem
Tatrichter mit den wachsweichen Mordmerkmalen ein handfestes Instrument
für die Subsumption eines Tötungsdelikts unter die Tatbestände Mord und
Totschlag zur Verfügung
zu stellen. Durch die aus ihrer Subjektivität resultierende
Interpretationsoffenheit der Mordmerkmale stellt der Gesetzgeber die
Verurteilung eines Täters als Mörder oder Totschläger im Wesentlichen in
die Willkür der Gerichte.


Kommentar von ParagrafenGold ,

§ 23 StGB wäre die einzig hilfreiche Antwort gewesen!

Antwort
von Steffile, 251

Versuchter Totschlag ist wie versuchter Mord, bloss ohne die Merkmale die Mord definieren. Mal so ganz unjuristisch definiert.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Ich möchte wissen, wo versuchter Totschlag gesetzlich definiert ist?! Nicht was der Unterschied zwischen Mord und Totschlag ist!

Kommentar von pilot350 ,

Rechtsanwalt.de

Kommentar von Steffile ,

§§212  I, 22, 23 I 

Kommentar von ParagrafenGold ,

Steffile:  Was soll das sein? Rechtsliteratur?! Es muss gesetzlich verankert ein!

Kommentar von ParagrafenGold ,

Hab jetzt verstanden was du meinst. Ist ok.

Kommentar von furbo ,

Gut geschrieben. Mord ist qualifizierter Totschlag. Eigentlich hätte Mord in der Systematik nach dem Totschlag aufgeführt werden müssen.

Antwort
von vierfarbeimer, 245

So eine Definition wie du dir sie vorstellst, könnte schnell nach hinten losgehen, wenn man z.B. tabellarisch fest hält, was einen Totschlag markiert bzw. ihn von der schw. Körperverletzung abgrenzt. So etwas würde potentiellen Straftätern Raum zur Spekulation bieten und strafbaren Handlungen Vorschub leisten. Dass man mit Gesetzes Entwürfen immer wieder an Grenzen stößt scheint unvermeidlich, wie man es auch z.B. an der aktuellen Regelung zum Genuss von Cannabis sieht. Der Besitz von Cannabis ist verboten. Der Genuss jedoch nicht.

Wo ist die Rechtsgrundlage für den versuchten Totschlag?

Das kann nicht dein Ernst sein! Lies § 2 im GG.

Kommentar von ParagrafenGold ,

Gott im Himmel! Lies die Frage richtig und vorher am besten mal die Antworten!

Ich meinte wo die Rechtsgrundlage im StGB ist?! Sie ist im § 23 StGB .

Kommentar von vierfarbeimer ,

Recht so. Gott im Himmel! Rechtsverdreher auf Erden!

Antwort
von derfiesefriese, 22

Mit meinem bescheidenen Halbwissen würde ich mit der Definition von Totschlag bzw. Mord den versuchten Totschlag so definieren:

Totschlag ist eine vollendete Tat

(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein

somit wäre für mich ein versuchter Totschlag eine Körperverletzung (ob einfach oder schwer, sei mal dahin gestellt), bei der der Tod des Opfers billigend in Kauf genommen wird.Somit würde meiner Meinung nach § 227 StGB Geltung finden müssen

§ 227 Körperverletzung mit Todesfolge


(1) Verursacht der
Täter durch die Körperverletzung (§§ 223 bis 226a) den Tod der
verletzten Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei
Jahren.(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

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