Frage von eDream, 83

Versuchen männliche Tiere in der Paarungszeit ständig und ohne Unterlass, sich zu paaren?

Und wenn ja... werden die Weibchen dadurch nicht unter extremen, schädlichen Stress gesetzt?

Expertenantwort
von VanyVeggie, Community-Experte für Tiere, 51

Hallo, 

das kommt auf´s Tier an. In der Natur haben die Tiere die Möglichkeit sich Distanz zu verschaffen und wegzulaufen, wenn sie zu stark gestresst werden. 

Deswegen sollte man bei manchen Tieren in Heimtierhaltung pro Männchen 3-4 Weibchen halten, weil eines alleine sonst zu sehr gestresst wäre. 

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

Kommentar von eDream ,

Hallo,
Und wenn sie weglaufen, werden sie von den Männchen nicht verfolgt? Diese sind doch schließlich sozusagen im "Paarungsrausch".

Viele Grüße!

eDream

Kommentar von VanyVeggie ,

Kommt immer drauf an. Manchmal ja und manchmal nein. Es kann einem Weibchen gelingen zu fliehen, es kann aber regelrecht "vergewaltigt" werden. 

Kommentar von Deamonia ,

jepp, wie es z.B. bei Delfinen der Fall ist. 

Expertenantwort
von Buckykater, Community-Experte für Tiere, 14

In der Paarungszeit haben die Männchen oft mehr Stress als die Weibchen. Sie müssen um sie Kämpfen und sie auch zusammenhalten. Hirsche zb kämpfen während der Brunft ständig prüfen welche Hirschkühe bereit sind und müssen diese auch noch zusammenhalten.  Die fressen noch nicht mal und nehmen erheblich ab. Bei einigen Affen die Makaken oder Rhesusaffen paaren sich die Weibchen oft heimlich mit Männchen die nicht die Anführer der Gruppe sind. Vor allem weil jedes dieser Männchen Anführer werden könnte und dann die Babys der Vorgängers töten würde. Wenn sich das Weibchen aber auch vorher mit den neuen Anführer gepaart hat lässt er das Baby in Ruhe weil es auch seines sein könnte. Männliche Löwen müssen sich ihre Führung in einem Rudel hart erkämpfen und können diese Führung selten länger als 2 oder 3 Jahre halten. Auch Flußpferdbullen kämpfen oft bis zum Tod um einen Harem Kühe. Die Paarungszeit bedeutet zwar auch für die Weibchen Stress wenn sie von den Männchen verfolgt werden ist aber auch für die Männchen sehr anstrengend. Bei Enten kann er vorkommen daß mehrer Erpel so lange auf eine Ente steigen oder versuchen sich zu paaren bis diese stirbt.  Auch bei Fröschen und Kröten kann das vorkommen.

Kommentar von eDream ,

Vielen Dank für die interessante Antwort! Den Stress der Männchen hab ich bisher wirklich kaum bedacht, sondern mich mehr auf die "gejagten" Weibchen konzentriert. Um nochmal auf diese zurückzukommen, würdest du sagen, sie werden in der Paarungszeit extrem belästigt (also an "hitzigen" Tagen wirklich insgesamt stundenlang) oder hält es sich doch in Grenzen?

Antwort
von Dackodil, 31

Ja, manche weibliche Ente hat das schon mit dem Leben bezahlt, wenn mehrere Erpel sie bei Paarungsversuchen unter Wasser gedrückt und dabei ertränkt haben.

Antwort
von friesennarr, 18

Nö - es sind eigendlich die Männchen, die sich selbst in einen enormen Stress begeben.

Kommentar von eDream ,

Natürlich haben die Männchen wohl auch sehr viel Stress aufgrund von Kämpfen mit Konkurrenten etc.
Aber ich stelle mir den Stress der Weibchen dennoch schlimmer vor, weil hitzige Weibchen in größeren Sozialverbänden doch bestimmt (insgesamt) Stunden am Tag von vielen Männchen "belästigt" werden ... oder?

Kommentar von friesennarr ,

Normalerweise suchen die Weibchen aus welches Männchen sie dulden. Durchaus kommt nicht automatisch jedes Männchen zum zug. Je nach dem wie viel Freiraum die Tiere haben, können sie sich aus dem Weg gehen.

Antwort
von voayager, 36

Oftmals isses so, wie du es annimmst. Es gibt allerdings auch einige wenige Tierarten, wo die weiblichen Tiere ununterbrochen paarungswillig sind und recht offensiv den Geschlechtsakt einfordern, so z.B. beim Rotwild. Die Hirschkuh ist für ihre Triebhaftigkeit bekannt. In der Jägersprache wird sie Stück genannt. Daher rührt dann auch, die zumindest frühere Bezeichnung "Stückchen" für jene Frauen, die gehäuft und ohne langes Fackeln mit nem Mann in den Kahn stiegen bzw. steigen.

Kommentar von eDream ,

Vielen Dank! Aber wenn weibliche Tiere ständig "belästigt" werden, verbrauchen sie in der Paarungszeit dann nicht extrem viel Zeit und Energie für die Flucht vor Männchen, die sie dann nicht mehr in überlebenswichtige Dinge wie die Nahrungssuche investieren können?

Kommentar von voayager ,

nicht unbedingt, es gibt zahlreiche Säugetierarten, wo die männlichen Tiere weggebissen oder weggetreten werden, wenn sie anfangen aufdringlich zu werden. Das ist eher der Fall als die Flucht. Jene, die flüchten werden meist dann in Ruhe gelassen. Stressiger ist da schon der gehäufte Geschlechtsverkehr, der viel Energie kostet, so z.B. bei den Hirschen, die in der Paarungszeit kaum fressen und dann abmagern.

Kommentar von eDream ,

Oh, also werden die Männchen eher abgewehrt. Müssen die Weibchen denn praktisch im Minutentakt aufdringliche Männchen abwehren oder stelle ich mir das krasser vor, als es ist? Und werden auch nicht "hitzige" Weibchen "belästigt"?

Kommentar von voayager ,

Das geht zwar mal eine Weile belästigend zu, doch dann kehrt meist Ruhe ein, da sich die Männchen dann anderen Weibchen zuwenden. Dabei werden jene favorisiert, die paarungsbereit sind. Dies wird durch Geruchsproben ermittelt. Es ist nämlich so, dass der Urin paarungsbereiter Weibchen anders riecht als jene, die es nicht sind. Mit einem Wort die weibl. Tiere, die nicht paarungsbereit sind, werden bei den meisten Tierarten auch in Ruhe gelassen.

Kommentar von eDream ,

Ich habe es mir immer so vorgestellt, dass jedes Weibchen (insgesamt gesehen) Stunden am Tag von vielen Männchen verfolgt und belästigt wird, und dass die Paarungszeit für die Weibchen der meisten Tierarten der pure "Horror" ist. Das ist also eindeutig nicht der Fall?

Kommentar von voayager ,

das gibt es bei einigen wenigen Tierarten auch, iss aber nicht die Regel

Kommentar von eDream ,

Danke für die informativen Antworten! Darf ich fragen, woher du so viel über das Leben der Wildtiere weißt? :) Und beziehen sich deine Antworten nur auf Säuger oder auch auf Vögel und Kaltblüter?

Kommentar von voayager ,

Ich habe eine Jagdausbildung erworben, daher kenne ich mich ganz gut über Säugetiere aus. Autodidaktisch lernte ich noch dazu.

Über das Liebesleben der Wechselblüter bin ich nicht informiert, daher halte ich mich dsbzgl. auch bedeckt. Mein Wissen über Vögel ist begrenzt, doch so Manches ist mir auch da bekannt.

Kommentar von eDream ,

Ah, okay! :) Darf ich zu guter Letzt noch fragen, ob sich deine Antworten auf die Beobachtung bestimmter Tierarten beziehen? Oder hast du bereits das Paarungsverhalten vieler verschiedener Säugetiere beobachtet? :)

Kommentar von voayager ,

Nur wenige Beobachtungen, mehr Infos darüber. Und noch was zu all dem: bei den meisten Säugetierarten finden ja bekanntlich vor der Paarung erst einmal heftige Rivalenkämpfe statt. Der Sieger ist oftmals Derjenige, der dann allein zum Zug kommt. Manchmal gelingt es bei einigen Tierarten den Verlierern heimlich auch mal sich zu paaren, doch das ist dann eher selten und dem Zufall geschuldet. Die Bedrängnis durch etliche Männchen hält sich folglich stark in Grenzen, so was findet man eher bei Lurchen sowie Reptilien vor.

Kommentar von voayager ,

Ich habe da nur wenige Tierarten beobachtet, vielmehr Infos erhalten.

Und noch was: bei etlichen Säugetierarten gehen Kämpfe der Männchen voraus, erst danach paart sich der Sieger, der so auch dafür sorgt, dass Rivalen nicht zum Zug kommen. Selten gelingt es dann den Verliern sich heimlich zu paaren.

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