Frage von immermehr231, 33

Verstummen gegenüber Familie.?

Hallo, ich bin ein eher verschlossener und teilweise mutistischer Typ. Ich kann nur offen reden wenn ich alleine mit meiner Mutter bin. Ansonsten werde ich sehr still, denn reden wird sehr ansträngend. Meine Mutter hat ein besonders gutes Verhältnis zu meinem 8 Jahre älteren Bruder, der schon immer sehr um ihre Zuneigung bemüht war. Ich fürchte mich vor ihm und verkrampfe in seiner Anwesenheit, außerdem wird mein Kopf durchwühlt -> ich kann nicht mehr richtig denken. Ich vermute er könnte einen der wichtigsten Gründe für meinen so späten Mutismus (mit 10 Jahren) sein. (Mein Vater ist für die Frage unbedeutend) Wenn ich dann mit ihnen an einem Tisch sitze spricht meine Mutter mich irgendwann an was ich nicht mitkriege da meine Gedanken woanders sind. Schon bald bin ich Zentrum der Aufmerksamkeit, weil ich ja so Respektlos und undankbar bin. Ich rede ja nicht mit meinen Eltern.. Meine Mutter macht mit... Früher bin ich in Selbstmord-Fantasien geflohen welche ich immer schön fand, weil sie mir eine Art Hoffnung geben und ich mir nach dem Motto >ich bringe mich nicht um, dafür Ritze ich mich aber< mein Blut genießen konnte ohne ein schlechtes gewissen zu haben. Das hat jedoch aufgehört und ich fantasiere stattdessen wie ich meine Familie auslösche und das ist nicht mehr schön...

Jetzt frage ich mich wie ich solchen Situationen aus dem Weg gehen kann, wenn mein Bruder das nächste mal zu Besuch da ist.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tasha, 33

Wenn Du weißt, dass Du von Mutismus betroffen bist, hast Du dann einen Therapeuten? Kannst Du mit dem reden (per Mail etc.), so dass er Dir schrittweise die Angst vor Deinem Bruder nehmen kann?

Kannst Du Deinen Eltern schriftlich erklären, was mit Dir in so einer Situation passiert - wie Du es ja hier auch geschafft hast?

Eventuell jeden Tag ein bisschen an so einem Text arbeiten, bis Du ihn abgeben kannst?

Meinst Du nicht, dass Du herausfinden solltest, warum Du Angst vor Deinem Bruder hast? Das geht ggf. mit therapeutischer Hilfe oder evtl. auch mit Hypnose etc. - man muss aber dafür aktiv werden und sich irgendwo melden (Hausarzt) und sich jemandem gegenüber öffnen (Therapeut, ggf. auch schriftlich).


Schreibe doch mal ein Kärtchen: Ich bin nicht respektlos, sondern habe gerade so große Angst, dass ich nicht reden kann. Und zeige das in entsprechenden Situationen oder lege es auf den Tisch. Oder sage es Deiner Mutter und vereinbare ein anderes Zeichen dafür.

Kommentar von Tasha ,

PS

Mein Bruder hatte Downsyndrom, und wenn ihm etwas Schlimmes passiert war - ungerechte Behandlung oder jemand hatte ihn geärgert - konnte er das von sich aus gar nicht sagen. Man musste ihn dann bis zu einer halben Stunde Stück für Stück ausfragen, etwa "ist heute etwas passiert? War es auf der Arbeit? Hatte es etwas mit dem Gruppenleiter zu tun? Mit den Kollegen? Mit einem Jungen oder einem Mädchen? War es in der Pause? Was hat X gesagt? Was hast du getan? Hast du das deshalb getan?" usw. Anfangs war das nervenaufreibend, aber nachdem man wusste, was Sache ist - und das er immer erst später darüber reden konnte, also nicht sagen "ich will nicht zur Arbeit, weil mich jemand schlägt", konnte man besser damit umgehen. Jeder war darauf eingestellt, den Fragemarathon zu absolvieren und sich dann ggf. mit Betreuern etc. in Verbindung zu setzen, um sein Verhalten zu erklären.

Deine Familie könnte auch lernen, erst mal mit Dir in entsprechender Weise umzugehen - aber langfristig solltest Du auch Kommunizieren lernen, denn irgendwann bist Du in einer Umgebung, die nichts von dem Mutismus weißt, und musst irgendwie kommunizieren.

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