Frage von Fragen9899, 18

Versteht jemand diesen Absatz?

In diesem Artikel: http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/63025/der-devisenmarkt?p=all , wird über das Leistungsbilanzdefizit der USA berichtet. Ich verstehe die unteren Absätze nicht. Besonders dieser Satz wirft Fragen auf: "Sie erhalten das wirtschaftliche Gleichgewicht dadurch, dass sie Dollar drucken und große Summen Geld aus Asien, speziell aus China, anziehen." (der Satz bezieht sich auf das leistungsbilanzdefizit) kann mir das jemand erklären ? Danke im voraus

Antwort
von Dryadravisher, 18

Dadurch dass die USA mehr importieren als exportieren, schulden sie anderen Ländern Geld. Dieses Geld wird gedruckt.

Angenommen die USA verkaufen Waren im Wert von 10 Mrd Dollar an China und kaufen Waren aus China im Wert von 25 Mrd Dollar. Dann haben die USA ein Leistungsbilanzdefizit von 15 Mrd Dollar und müssten 15 Mrd Dollar gegen Yuan tauschen, um die Schulden zu bezahlen. Wenn die USA längere Zeit große Mengen Dollar verkaufen müssen, um die Schulden zu bezahlen, entstände ein höheres Angebot an Dollar und eine höhere Nachfrage nach Yuan. Gemäß den Prinzipien von Angebot und Nachfrage würde der Wert des Dollar sinken und der des Yuan steigen. Die USA müssten also immer mehr Dollar drucken, um die Schulden bezahlen zu können. Dadurch entsteht die Gefahr einer importierten Inflation. Zudem könnten sich die Konsumenten keine chinesischen Produkte mehr leisten, da der Wechselkurs zu ungünstig ist.

Indem die USA asiatische Investoren anlocken, schaffen sie eine Nachfrage nach Dollars und ein Angebot von Yuan und anderen Währungen. Wenn asiatische Länder Dollar kaufen, bekommen die USA Devisen, die sie dann mit den eigenen Schulden gegenüber Asien verrechnen können.

Antwort
von berkersheim, 16

Was heißt Leistungsbilanzdefizit auf der Finanzierungsseite? Die USA geben mehr Dollar nach Asien (als Gegenwert zu den eingekauften Waren) als sie durch eigene Exporte dorthin einnehmen. Es entsteht also ein Überhang an Dollar in Asien. Wenn nun die USA in Asien Kredite anbieten, Schuldverschreibungen und Staatstitel, die mehr Zinsen bieten als Anlagen dort, dann legen die Asiaten die mehr eingenommenen Dollar in den USA an und die Dollar fließen zurück. Das funktioniert nur so lange, wie die Finanzanlagen von den Asiaten nicht weiterverkauft sondern als Wertanlage gehortet werden.

Kommentar von Fragen9899 ,

Ja. aber genau das geschieht doch? Die Chinesen legen doch ihre ganzen Dollars in Staatstitel an (Staatsanleihen). Aber das Geld, das in Anleihen angelegt wird kommt nur der Regierung bzw. Staat zu Gute und nicht den "Privat-leuten", die doch eigentlich das Defizit verursacht haben... Wo ist mein Denkfehler ?

Kommentar von berkersheim ,

@Fragen9899

Nun diese Vorgänge kehren sich gerade um. China brauchte die hohen Reserven in US-Dollar, um eine Absicherung für die eigene überbewertete Währung zu haben. Nun haben sie mehrfach abgewertet und können Reserven abstoßen, indem sie damit an den Finanz- und Währungsmärkten eingreifen. Die USA müssen den Leitzins nicht erhöhen und höhere Zinsen als Anreiz initiieren, weil das Vertrauen in chinesische Finanztitel durch die unsichere Wirtschaftsentwicklung geschwunden ist. Das stabilisiert die Niedrigzinspolitik der EZB, die bei höheren US-Leitzinsen in arge Nöte gekommen wäre. Die zugänglichen Informationen zeigen nur: China wackelt, Brasilien wackelt, Argentinien sowieso und die asiatischen Tiger incl. Indien beißen auch nicht mehr richtig. In den USA kommt die Wirtschaft nicht in Tritt und in Europa wird, was die Schuldensituation angeht, gemogelt und gelogen, dass sich die Balken biegen. Das ganze ist also eine sehr labile Konstruktion und Anlass für einen prall gefüllten Reisekalender der Kanzlerin.

Antwort
von FrageSchlumpf, 15

Ich hab es nur überflogen und bin entsetzt. So eine renomierte Stelle ( und so wichtige für die Bildung ) schreibt zum Teil so einen Müll.

"Und die dritte Frage, die sich jeder Devisenhändler stellt, ist natürlich, ob es nicht lukrativer ist, statt in Anleihen in Aktien zu investieren."  Man oh man. Devisenhändlern geht es nur um die Wechselkursentwicklung und nicht um die Frage Aktien vs. Anleihen.

Um auf deine Frage zurück zu kommen, halte ich es für unverantwortlich bei vorhandenen Leistungsbilanzungleichgewichten in der Größenordnung der USA noch von "wirtschaftlichem Gleichgewicht" zu sprechen. Nichts drückt das Ungleichgewicht treffender aus als das Leistungsbilanzungleichgewicht ( alleine schon aus dem Wort kann man erkennen das was nicht stimmt ).

Das zur Deckung des Defizites - hier wiederhole ich mich gerne - Geld aus den Überschussländern in die USA "fließt" im Sinne des Aufbau von Verbindlichkeiten der USA gegen den Rest der Welt, ist nicht neu und richtig.

Diese Dollar müssen und werden aber nicht "gedruckt" ( sowieso ist Geld drucken eine total irreführende Redewendung und sollte in Unterrichtsmaterial nicht verwendet werden ).

Kommentar von Fragen9899 ,

Danke. "Geld aus den Überschussländern in die USA "fließt" im Sinne des Aufbau von Verbindlichkeiten der USA gegen den Rest der Welt, ist nicht neu und richtig". Wie genau fließt das Geld der überschussländer in die USA ?! Wenn das in Form von Staatsanleihen geschihet bekommt das Geld doch nur der Staat und nicht die Wirtschaftsteilnehmer der USA. Und das Geld wird nicht gedruckt, sondern elektronisch geschaffen doer ?

Kommentar von FrageSchlumpf ,

Also mit dem Geld drucken ;-) ist wie gesagt so ne Sache. Der Ami kauft in Japan einen Trick ( oder einen Sony ), Buchung per Forderung an Ami gg. Verbindlichkeiten gg. Schlitzauge in der amerikanischen Bank, wenn in USD fakturiert wird bzw. per Forderungen gegen Ami ( in Yen ) gg. Verbindlichkeiten gg. Sony bei der japanischen Bank wenn in Yen fakturiert wird. Durch diesen "Vorgang" wird natürlich die Bilanzssumme verlängert, was im Prinzip eine Geldschöpfung darstellt, sie ist aber nicht mit der Geldschöpfung zu vergleichen, die zur Inflation führt.

Und in diesem Moment fließt ja schon das Geld nach USA , entweder als Kredit in JPY oder als Einlage in USD. Oder würdest Du sagen, dass wenn eine amerikanische Bank Verbindlichkeiten gegenüber einem Ausländer aufbaut, kein Geld ins Land fließt ?

Ab da geht es nur noch darum, wer und wie. Sony muss ja seine Löhne für die Jungs die das Gerät gebaut haben ( in Japan ) in Yen bezahlen. Also wird er z.B. die USD verkaufen. Und dann kann es natürlich sein, dass die USD bei der Bank of Japan landen ( im Rahmen der Wechselkursmanipulation ) und die davon Staatsanleihen kauft. Aber das ist ja nur das Endprodukt.

Geld fließt im Moment des Imports ins Land . "Bekommen" tut es niemand, genauso wie beim Export Geld rausfließt , das niemand fehtl, weil ja die Luftforderung besteht.

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