Verständnisfrage zu Diabetes und Körpergewicht: Gewichtsabnahme bei hohem Zucker nicht möglich?

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6 Antworten

Kurz ne kleine Erkärung vorne weg: Du solltest nicht unterm GRUNDumsatz essen sondern unterm GESAMTumsatz und ÜBERN Grundumsatz ;) Der Grundumsatz ist ja das was du im Koma noch an Kalorien bräuchtest damit dein Körper überhaupt Lebensfähig ist ;) Das aber nur kurz vor weg.

Dann: Ja auch mit Diabetes kann man abnehmen und ja auch wenn der Zucker sehr hoch ist. Mein Vater ist seit gut 10 Jahren Diabetiker und nimmt trotzdem seit 2 Jahren kontinuierlich ab (zwar sehr langsam aber immerhin sind bis jetzt knapp 20kg runter, 20 weitere sollen noch folgen). Er geht auch alle 3 Monate zur Kontrolle zum Arzt um seine Blutwerte überprüfen zu lassen. Er liegt im moment so ungefähr bei den selben Werten wie du, nimmt aber auch Tabletten und ist wie gesagt beim Arzt in Behandlung.

Er hat für sich fest gestellt das ein Verzicht (und zwar komplett) auf Obst und Nudeln/Reis/Kartoffeln/Brot + regelmäßigem Sport (er ist Kraftfahrer und macht trotzdem jeden Abend/Morgen egal wo er ist seine knapp 30min Sport und sei es nur aufm Parkplatz und geht dazu jetzt seit 2 Wochen mit mir zusammen ins Fitness Studio wenn er zuhause ist) bei ihm am besten wirkt und nicht nur sein Gewicht sondern auch sein Zucker deutlich sinkt. Er isst allerdings trotzdem morgens noch sein Brot, dann allerdings Eiweißbrot (da nimmt er das von Aldi das hat nur 5g Kohlenhydrahte auf 100g was wirklich wenig ist) und davon isst er dann auch nur 1-2 Scheiben. Ansonsten ernährt er sich eben hauptsächlich von diversen Gemüse, Salaten, Suppen, Fleisch und Fisch. Für ihn ist das so überhaupt kein Problem. Selten isst er dann auch mal etwas mit mehr KHs (auf Geburtstagen z.B.) aber dann auch nur wenig davon. 

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Das ist nicht so einfach zu erklären.

Nicht die Menge der Glukose im Blut ist verantwortlich für Zu- oder Abnahme, sondern die Funktion der Bauchspeicheldrüse die Insulin produziert. Die Muskeln benötigen die durch die Verdauung in Glukose umgewandelten Kohlehydrate um "Leistung" zu erbringen. Ein Automotor funktioniert ohne Benzin auch nicht. Ohne Insulin können die Muskeln jedoch die Glukose nicht aufnehmen. Das Insulin ist praktisch der "Vergaser" für die Aufnahme der Glukose in die Muskeln.

Wird nun, zu wenig oder gar kein Insulin, produziert erhalten die Muskeln keinen "Treibstoff" und beginnen schlappzumachen. Die Folgen sind dann Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konditionsverlust, Sehstörungen, Gleichgewichstsstörungen um nur Einige zu nennen. Das ist dann der Zeitpunkt wo der Körper auf seine Reserven zurückgreift und seine Depots aufbraucht. Man kann nun also essen, sofern man überhaupt noch Appetit hat, wie man will, die dadurch produtzierte Glukose wird nicht mehr aufgenommen und man nimmt trotzdem ab.

Das klingt nut sehr traumhaft. Allerdings tritt nun aber noch ein anderer, leider wesentlich gefährlicherer, Effekt ein. Die Glukose löst sich ja nicht in Wohlgefallen auf sondern verbleibt im Blut. Der Körper versucht nun die Überschüssige Glukose über den Urin (kein Witz, der Urin schmeckt tatsächlich süß) auszuscheiden. Die Folgen sind der allseits bekannte starke Harndrang und daraus dann der sich resultierende nicht stillbare Durst. Das geschieht ungefähr bei einem ständigen Glukosegehalt ab 200 mg. Trotzdem kristallisiert sich der Zucker im Blut und löst nun verheerende, irreparable Folgen im Körper aus. Diese Zuckerkristalle verstopfen z. B. die feinsten Blutgefäße vornehmlich in den Augen und in den Nieren, Erblindung und Nierenversagen können die Folge sein. Auch größere Blutgefäße, vorehmlich in den Extremitäten, können in Mitleidenschaft gezogen werden. Die "Schaufensterkrankheit" ist eine der Folgen. Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen steigt stark. Auch die Nerven werden in mitleidenschaft gezogen (Diabetische Neuropathie).

Nun weißt Du warum Du noch nicht abnimmst, sei froh darum. Bei Deinen Werten und deinen erblichen Vorbelastungen, allerdings solltest Du ständig kontrollieren und auch mit Deinem Arzt in Verbindung bleiben.


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Kommentar von michi57319
21.01.2016, 20:59

Vielen Dank Artus für deine sehr ausführliche Antwort.

Ab morgen früh wird Tagebuch geführt, damit ich eine Gesprächsgrundlage für den Diabetologen habe.

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Hallo!

Du solltest unbedingt so schnell wie möglich zum Diabetologen gehen! Ein Wert von 200mg/dl liegt einiges über den Normalwerten und sollte unbedingt behandelt werden.

Deine Idee mit dem Tagebuch ist wirklich gut. Versuche das Ganze mal so:

** Uhrzeit der Messung mit Datum und Vermerkob nüchtern, vor oder nach einer Mahlzeit, sowie natürlich den Blutzuckerwert

** Dazu was du wann gegessen hast und Messung zwei Stunden nach einer Mahlzeit

Je genauer und länger du diese Aufzeichnungen machst, desto besser kann dfer Diabetologe Rückschlüsse ziehen, wo er eingreifen muss und welche Therapie geeignet ist.

Abnehmen ist eine gute Sache! Wenn du weniger Gewicht hast, braucht der Körper auch weniger Insulin für die selbe Mahlzeit. Das entlastet dann wieder die Bauchspeicheldrüse.

Weiters könntest du mit einer "Diät" beginnen:

** Isst fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.

** Versuche dich gesund und ausgewogen zu ernähren und iss weniger Kohlenhydrate.

** Lass alles Süße weg und süße mit Süßstoffen.

** Gut wäre eine kleine Portion Nudeln, Reis oder Kartoffeln, eine
große Portion Gemüse oder Salat und eine mittlere Portion Fleisch. Als
Zwischenmahlzeit rate ich zu Obst in kleinen Mengen (Achtung
Fruchtzucker), Milchprodukten oder rohes Gemüse.

** Trinken solltest du nur Wasser oder ungezuckertes oder du verlegst dich auf Zerogetränke.

Des weiteren solltest du dich viel bewegen und regelmäßig Sport betreiben, denn das senkt auch den Blutzucker.

So müsste dein Blutzucker ein wenig sinken und du wirst auch sicherlich ein wenig abnehmen, bis du zum  Diabetologen kommst! Vergiss nicht ihm zu sagen, dass du mit einer Diät begonnen hast. Mach dir eine Liste, was du ihn alles fragen willst und vergiss nicht nach einer Diabetikerschulung zu fragen!

Je mehr du über deine Erkrankung weißt, desto besser werden in Zukunft deine Blutzuckerwerte sein.

Diabetiker sind die Manager ihrer Krankheit und dazu gehört großes Wissen!

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter, wünsche dir baldige Besserung und allzeit gute Blutzuckerwerte!

Lg Lirin

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Kommentar von michi57319
21.01.2016, 23:37

Hallo Lirin :-) Schön, mal wieder von dir zu lesen!

Wenn ich mich streng low carb ernähre, hab ich einen Zucker von ungefähr 130-140, auch Stunden nach dem Essen.

Nimm es mir nicht übel, aber den Sinn von Zwischenmalzeiten hab ich nie erkannt und der Wert von 200 kam heute zustande. Ich hatte um 11 zwei Scheiben Brot und um 13 Uhr wieder Hunger. Ich hab noch mal zwei Scheiben gegessen. Um kurz vor drei war mir komisch und da hab ich diesen Wert erfasst. Zu viel des Guten.

Aber mit Eiweißdiät schieb ich Kohldampf ohne Ende. Ich finde dabei nichts, was mich wirklich satt macht, außer meinem Abendessen. Fleisch und Gemüse, mal mit, mal ohne Käse.

Ich schätze, ohne Doc und Ernährungsberatung wird's wohl nix mehr in meinem Alter :-( Gut zu wissen, daß ich ja grad erst den Zenit überschritten habe, wenn ich die mittlere Lebensdauer der weiblichen Familienmitglieder ausrechne *augenroll*

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Kommentar von Lirin
21.01.2016, 23:38

Ich hab gerade gelesen, dass du wenig Zeit für Sport hast. Das ist wirklich sehr schade, denn es würde dir sowohl beim Abnehmen als auch mit deinem beginnenden Diabetes helfen!

Versuche doch mal folgendes:

** verzichte so oft wie möglich auf den Aufzug, Stufen steigen ist gute Bewegung

** geh manche Strecken zu Fuß und lass mal das Auto stehen oder die Öffis

** vielleicht findest du noch die Zeit ein wenig Gymnastig zu machen, das geht ganz leicht zu Hause

Ver giss nicht, jede Bewegung ist gut!

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Es ist eher andersrum: Bei Typ 2 ist der Energiestoffwechsel gestört, deshalb werden Kohlenhydrate nicht richtig verheizt. Unter dem Strich bleibt daher der Blutzucker länger/stärker erhöht. Solange der Blutzucker erhöht ist "weigert" sich der Körper aber auch weitestgehend, Fett zu verheizen - das wird gespeichert. Es ist, als ob der "Ablauf" verstopf wäre: Die Kalorien werden nicht richtig genutzt, und hintenrum kriegt man so auch noch Hunger, isst also noch mehr.

Diabetes Typ 2 ist Insulinresistenz. Eine gestörte Insulinausschüttung ist sekundär - die Menge würde reichen, wenn die Insulinsensitivität denn normal wäre. Erhöhter Blutzucker schädigt letzen Endes aber auch die Bauchspeicheldrüse.

Mittlerweile geht man davon aus, dass Insulinresistenz durch chronische, systemische Entzündungen verursacht wird. Das heißeste Thema ist hierbei Endotoxin/Lipopolysaccharide (LPS): Das sind Bestandteile gramnegativer Bakterien im Darm (am bekanntesten wohl von E. Coli), die hochgradig entzündungsfördernd sind. Ist die Darmschleimhaut geschädigt und/oder die Darmflora gestört, dann gehen umso mehr dieser Toxine ins Blut über, führen zu o.g. systemischen Entzündungsreaktionen (letztlich eine subklinische Sepsis, d.h. Blutvergiftung!), stressen die Leber, verursachen somit Störungen der Gallensekretion, und verstärken so wiederum die Schädigung der Darmflora/-schleimhaut. Ein Teufelskreis.

Buchstäblich alle Interventionen gegen Diabetes Typ 2 setzen direkt oder indirekt bei diesen LPS bzw. der Entzündung an: Ernährungsumstellungen (Low Fat oder Low Carb, Kalorienrestriktion bis hin zum Fasten, antioxidantienreiche Ernährung, Verzicht auf raffinierte Kohlenhydrate/Fette, mehr Ballaststoffe, Probiotika, Präbiotika), Sport, letztlich sogar die Medikamente (Insulin z.B. hilft bei der Gewichtszunahme - durch mehr Körperfettanteil und erhöhte Blutfette werden die LPS verdünnt/gebunden; die Gewichtszunahme ist also im Grunde ein Kompensationsmechanismus!).

Zielführend sind natürlich nur solche Maßnahmen, die geeignet sind dauerhaft beibehalten zu werden. Gewichtszunahme (d.h. auch Insulinspritzen) sind logischerweise keine Dauerlösung. Gewichtsreduktion hilft aus dem selben Grund nur temporär - weil sie eine erneute Zunahme ermöglicht.

Man muss direkt bei der kausalen Entzündung ansetzen. D.h. der Darm muss saniert werden (Ernährungsumstellung), die Leber muss gestärkt werden, Nährstoffversorgung und Stressabbau müssen gesichert sein.

Zu deiner konkreten Frage: Ein Blutzucker von 206 ist zu hoch, das ist jenseits des normalen Bereichs. Die meisten Diabetologen kann man leider in der Pfeife rauchen (meine Meinung, sorry). Du hast mehr davon, wenn du dich selbst informierst...

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Die Werte sind schon behandlungsbedürftig mit Tabletten. Warte nicht länger, Ganz auf Kohlehydrate verzichten geht auch nicht. Sport wäre die einzige Möglichkeit, auch bei Diabetes abzunehmen.

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Kommentar von michi57319
21.01.2016, 20:56

Ganz verzichten geht ja nur, wenn man ausschließlich Fleisch isst. Tu ich echt gerne, aber nicht rund um die Uhr. Gemüse bringt ja schon eine ziemliche KH-Last mit, deshalb verzichte ich auf Kartoffeln, Reis, Nudeln und Brot. Auch wenn mir letzteres extrem schwer fällt.

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Was machst du denn an Sport um abzunehmen? Und wie lange ist eine Einheit?

Ausdauertraining ist unverzichtbar zum abnehmen. Wichtig dabei ist, dass dieses Training mindestens 40 Minuten andauern muss, damit auch das Fett als Energiereserve vom Körper genutzt wird. Das Training sollte außerdem bei einer Intensität von 50 - 60% abgehalten werden. Heißt Laufen, Radfahren, usw.. Zumba oder ähnlich schnelle Sportarten bringen nichts.

In welcher Form nimmst du das Eiweiß auf? Und nimmst du weiterhin Kohlenhydrate zu dir?

Der Körper braucht entweder Proteine und/oder Kohlenhydrate welche er in Energie umwandeln kann. Gibt man ihm beides Lagert er Kohlenhydrate an und wirft zuerst die Proteine wieder raus. Daher ist es wichtig, dass du darauf achten solltest nicht zu viele Kohlenhydrate zu dir zu nehmen. Aber bitte kaufe dir keine Proteinpulver! Dadurch setzt man nämlich auch an

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Kommentar von michi57319
21.01.2016, 20:54

Leider bin ich beruflich zu stark eingebunden, um Sport zu machen. Ich habe keine geregelten Arbeitszeiten. Doch, 1,5 Schichten täglich.

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