Frage von Akahnor, 27

verständnis von urindogermanischem lautsystem?

Ich habe ein Verständnisproblem bei meinem Studium der Vergleichenden Sprach und Litaraturwissenschaften... Thema ist das Urindogermanische Lautsystem welchs ich nicht verstehe, wie es aufgebaut ist z.B.Lautgesetze ,Lautwandel :kentum, Satem bzw. diese k's und g's mit verschiedener Bedeutung. Falls jemand professinelle Ahnung hat auch gerne Studenten, wäre ich sehr dankbar für einen Tipp. grüsse

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Clarissant, 19

Ich verstehe deine Frage nicht ganz. 

Verstehst du nicht, was Kentum- und Satemsprachen sind? Es handelt sich einfach um eine Unterteilung bzw. zwei Gruppen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie. 

In der einen Gruppe wurden die palatalen Verschlusslaute des Indogermanischen velar (Kentum-Sprachen), in der anderen zu Sibilanten (Satem-Sprachen). 

Als Beispiel wird oft "hundert" genommen, daher auch die Namen "Kentum" und "Satem". "Hundert" hieß im Indogermanischen *k'mto (oder ähnliches). In Kentum-Sprachen wie Latein heißt es daher "centum", in Satem-Sprachen wie Sanskrit hingegen "sata(m)". 

Zu den Kentum-Sprachen gehören Sprachfamilien wie die germanische, romanische oder keltische. 

Zu den Satem-Sprachen gehören Sprachfamilien wie die baltische, slawische oder indoiranische. 

Diese Infos findest du notfalls aber auch auf Wikipedia. 

(Ich hoffe jetzt, ich habe nichts verwechselt, bzw. sonstige Fehler gemacht. Es ist schon spät. ;D) 

Kommentar von Spielwiesen ,

Das finde ich interessant. Nur müsste das Französisch, wenn es zu den Kentum Sprachen gehört, das Wort 'cent' ja mit k sprechen..... Lustige Vorstellung - auch in bezug auf unseren '€-Cent'

(Mein Romanistik-Studium liegt schon ein paar Jährchen zurück, daher will ich hier keine Behauptungen aufstellen....)

Kommentar von Clarissant ,

Das war tatsächlich auch mal so (in Latein). :) 

Die Kentum-/Satem-Unterteilung beschreibt einen Lautwandel, der vor mehreren tausend Jahren stattgefunden hat – bevor es überhaupt romanische Sprachen als Gruppe gegeben hat. Natürlich haben sich in all den Jahrhunderten noch ganz viele andere Laute gewandelt. 

Der Wandel vom lateinischen k zu z (und später im Französischen zu s) vor e und i fand, glaub ich, irgendwann zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert statt. Aber so genau weiß ich das nicht, das könnte ein Lateiner sicher genauer beantworten. :) 

Kommentar von kgunther ,

Mein Lateinlehrer machte sich über die Leute lustig, die das Anlaut-C als K aussprechen: "Käsar und Kikkero gingen ins Konkil. Käsar ging in Uniform, Kikkero in Kivil".

Aber: Spricht man Cäsar tatsächlich mit Anlaut K aus, dann wird aus CAESAR "KAESAR", KAISER! Also gab es diese Lautverschiebung, allerdings nicht in der Zeit von Caesar und Cicero. Sndern, wie Du anmerkst, in den darauf folgenden Jahrhunderten.

Kommentar von OlliBjoern ,

Ja, war ganz früher mal so. Heute noch heißt es im Walisischen "cant" (gesprochen "kant") für hundert. Keltische und Italische Sprachen waren ganz früher mal gemeinsam (und keltische Formen sind oft konservativer, wohingegen Latein über Altfranzösisch bis zum modernen Französisch etliche Lautwandel vollzogen hat, die Keltisch nicht (oder nicht so) mitgemacht hatte).

Kommentar von Ich00011 ,

Die Theorie mit Italisch und Keltisch ist nicht mehr anerkannt. (Übrigens sind Kentum- und Satemsprachen eine veraltete Bezeichnung, aber das ist ja egal)

Kommentar von Clarissant ,

Mir ist bewusst, dass es eine veraltete Theorie ist, aber die Frage war ja nach der Definition, nicht, wie aktuell diese Definition ist. :) 

Antwort
von OlliBjoern, 11

Die verschiedenen k und g: es gibt drei Reihen, einmal die "normalen" Laute, dann die "palatalen" und die "labiovelaren" Laute.

Nach meinem Verständnis :
palatal wäre z.B. etwas wie ein "kj" oder "ky"
labiovelar wäre z.B. wie "kw" oder "qu"

Diese labiovelaren Formen findet man z.B. im Latein "quod" "quasi" "quando" usw.

Auch Germanisch schien ähnliche Formen gehabt zu haben, man sieht das in so konservativen Sprachen wie z.B. Isländisch "hvað?" (was) (mit hörbarem "kv") (dagegen Schwedisch "vad?" kv > v ).

Germanisch, Latein usw. könnte man zu den "Kentumsprachen" rechnen (wobei diese Einteilung nicht mehr wirklich gemacht wird heutzutage). Sie haben die labiovelaren Laute weiterhin getrennt von den anderen k- Lauten bewahrt (diese gibt es auch, z.B. Latein "cum").

Bei den "Satemsprachen" blieben die palatalen Laute getrennt
(und die anderen beiden fielen zusammen). Ich habe gerade mal "was?" nachgeschaut auf Hindi: "kya?" क्या
Da sieht man schon so einen palatalen Laut.

Auch bei den Satemsprachen gibt es "normale" k, z.B. Litauisch "wo?" "kur?" oder "wann?" "kai?" (man vergleiche mit Latein, wo an der gleichen Stelle ein labiovelarer Laut ist: "quando?")

***

Natürlich gab es danach weitere Entwicklungen (z.B. kv > v im Germanischen). Eine davon ist der Wandel von manchen Plosiven zu Frikativen in den lateinbasierten Sprachen: "kentum" wurde zu "cento" (italienisch) oder "cent" (französisch) (kein k- ist mehr zu hören). Hierbei hängt es vom folgenden Vokal ab, ob dieser Shift stattfindet oder nicht (Latein "cum" > "con" (italienisch), hier bleibt das k- bei dem dunklen Vokal).

Nicht alle Sprachen haben diesen Shift mitgemacht: konservativere Formen gibt es im Walisischen "cant" (hundert) (mit k-) oder Griechischen "ekató" (hundert).

Kommentar von OlliBjoern ,

Russisch hat zahlreiche palatale Konsonanten, unter anderem auch das erwähnte "kj": ein Gebirge heißt

Горы Кюндюлюн

Gorej Kjundjuljun (mit gleich 3 palatalen Konsonanten)

Kommentar von OlliBjoern ,

Mir fiel noch ein: nordgermanische Sprachen (wie Schwedisch) schreiben oft "kj", jedoch ist die Aussprache ohne k-, sondern mit einem Frikativ:

Johan Kjeldahl heißt "Juhan Cheldal" (mit vorne gesprochenem "ch") 

Antwort
von MarioXXX, 12

https://www.amazon.de/s/ref=dp_byline_sr_book_1?ie=UTF8&text=Ernst+Kausen&am...

Ich habe alle drei Bücher von Ernst Kausen und bin schwer begeistert.  Das Buch ist absolut einzigartig, es gibt auch auf Englisch überhaupt kein Werk dieser Art. Die Preise bei diesen Bücher haben da echt verdient. Vielleicht hilfst dir das.

Urindoeuropäisch? Meinst du die umstrittene nostratische Hypothese?

https://en.wikipedia.org/wiki/Nostratic_languages#Phonology

Antwort
von LouPing, 17

Hey Akahnor

Ich stolpere über:

Urindogermanische Lautsystem 

Meinst du evtl. die Indo-European Studies? 

Wenn ja hilft Wiki übersichtlich weiter. 

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