Versicherung will Schaden nicht komplett regulieren - Was tun?

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10 Antworten

Hallo,

also grundsätzlich stellt das Verhalten Deiner Tante eine Verletzungshandlung dar, so dass es tatsächlich ausschließlich darauf ankommt, ob hier grobe Fahrlässigkeit (kann Leistungskürzungsrecht) oder einfache Fahrlässigkeit vorliegt. Die Beweislast für das Nichtvorliegen einer groben Fahrlässigkeit trägt der Versicherungsnehmer.

Das von Dir benannte Urteil des BGH wird nicht unbedingt weiter helfen, da dies einen Fall aus dem Jahr 2007 betrifft und damit das alte VVG zur Anwendung kam. Zudem ist es vom VI. Zivilsenat. Für Versicherungsrecht ist der IV. Zivilsenat zuständig. Darüber hinaus ging es hier um den Regress eines Versicherers gegen einen Mieter, nicht um einen Versicherungsanspruch eines VN gegen den VR. Ich habe jetzt nicht nach Vergleichsurteilen geguckt aber ich würde zunächst auch zu grober Fahrlässigkeit tendieren.

Hat Deine Tante eine RSV?

Viele Grüße

CR

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 10:57

Ok, danke für diese sachliche und kompetente Einschätzung.

Nein, eine RSV hat sie nicht.

Aber das wäre im Übrigen gleich eine weitere interessante Frage:

Was macht man, wenn man gegen die Versicherung klagen will, aber die RSV bei derselben Versicherung bestehen würde?

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Kommentar von CarolinaR
10.03.2016, 11:27

Sorry, ich muss was korrigieren. Im Deinem Fall greift § 81 VVG. Das heißt, der Versicherer trägt die Beweislast dafür, dass hier grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Das ist ein großer Unterschied. Deine Tante kann also sich also zunächst sehr wohl auf den Standpunkt stellen, dass hier nur leichte Fahrlässigkeit vorliegt. Insofern dürfte es sogar unerheblich sein, ob bei dem Fall das alte oder neue VVG Anwendung findet. Der Versicherer muss darlegen und beweisen.

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Es ist völlig korrekt, dass der Versicherer grobe Fahrlässigkeit annimmt, wenn die Tante Fett auf dem Herd erhitzt und dieses unbeaufsichtigt lässt. In Einzelfällen kann ein Gericht in Würdigung aller relevanten Umstände auch einmal auf ein Augenblicksversagen erkennen und die unterstellte grobe Fahrlässigkeit verneinen. In den weit allermeisten, ähnlich gelagerten Fällen wurde jedoch auch von Gerichten die grobe Fahrlässigkeit bejaht - es gibt dazu unzählige Urteile. In Eurem konkreten Fall könnte also nur eine durch Euch initiierte gerichtliche Prüfung eventuell zu einem für Euch günstigeren Ergebnis führen. Es müsste also gegen den Versicherer geklagt werden, was zu einem zusätzlichen Prozesskosten-Risiko führt: Im ungünstige Fall bliebe es möglicherweise bei der vom Versicherer angesetzten Quote, und Ihr hättet zusätzlich noch die Prozesskosten zu tragen. Viel Glück!

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 10:36

Ok, wenn das also in deinen Augen auch grobe Fahrlässigkeit ist, was würde dann deiner Meinung nach nur unter "einfache Fahrlässigkeit" fallen? Und was unter Augenblicksversagen?

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Die Auslegung der Versicherung ist in so einem Fall eindeutig grobe Fahrlässigkeit. Damit die Versicherung dennoch zahlt ist nur der Weg über einen Anwalt oder Gericht möglich. Die Aussicht auf Erfolg ist aber auch vor Gericht nicht besonders gut.

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 08:17

Aber warum nicht, wenn es doch einschlägige Gerichtsurteile dazu gibt?

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Kommentar von RudiRatlos67
10.03.2016, 08:21

weil die Rechtslage eindeutig ist. Vor Gericht kann höchstens erstritten werden, das eben keine grobe fahrlässigkeit vorliegt sondern eine versicherte Begebenheit

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Kommentar von RudiRatlos67
10.03.2016, 08:56

Das kann aber niemand hier bei GF beantworten, dazu wird nur ein Anwalt eine Einschätzung geben können. Ich kann nur sagen wie die Rechtslage aus Sicht der Versicherung ist. Es gilt aus Deiner Sicht zu beweisen dass keine grobe fahrlässigkeit vorliegt, bzw, das das Schadensereignis unvermeidbar war

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Für meine Begriffe liegt hier jedoch keine grobe, sondern nur einfache Fahrlässigkeit sowie ein Augenblicksversagen vor

Das ist eine unzulässige Interpretation des verlinkten BGH-Urteils. Auch hier wurde das objektive Verschulden klar bejaht, nur subjektive Milderungsgründe erkannt, die sich i. W. auf die Unerfahrenheit des Hausmanns stützten.

Was kann man hier also machen, damit die Versicherung den Schaden komplett übernimmt?

Klagen? Was vorschüssig zu leistende Gerichts- und (sofern beim Landgericht anhängig zwingend auch eigene) Anwaltskosten bedeutet. Und zwar in allen Instanzen, die die Beklagte mit bereits bezahlten Anwälten anruft, solange, bis dir dein Geld ausgeht :-O

G imager761

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 08:23

Naja, also bitte, das mit der Unerfahrenheit ist ja wohl wirklich lächerlich. Als ob das einem erwachsenen Menschen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte nicht immer klar sein müßte, daß stark erhitztes Fett irgendwann mal zu brennen anfangen kann. Dazu muß man wirklich kein perfekter Hausmann sein, um das zu wissen, sondern das sagt einem der gesunde Menschenverstand.

Wenn man damit vor Gericht durchkommt, dann auch mit allen anderen Argumenten.

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Und was sagt die Hausrat dazu? Kürzen die auch?

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 08:25

Ist beides dieselbe Versicherung und ja, da wird es dann vermutlich auch auf eine Kürzung hinauslaufen.

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Kommentar von schleudermaxe
10.03.2016, 13:52

Ich lese gerade Eigentümerin. Ist es eine Wohnung oder ein Haus?

Bei einer Wohnung regelt das Procedere ja die WEG, oder?

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In meiner Familie gab es kürzlich einen Brandschaden (Tante erhitzte
Fett auf Herdplatte, bekam einen Anruf und vergaß dann das Fett, wodurch
der Brand entstanden ist).

Fahrlässig. Und zwar ausgesprochen fahrlässig.

Nun will die Wohngebäudeversicherung nur 40% der Renovierungskosten
übernehmen, weil sie das Verhalten als grob fahrlässig einstuft.

Die Abgrenzung zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit ist stets nur im Einzelfall vorzunehmen. Zudem ist es reichlich sinnfrei, sich passende Urteile im Internet zu suchen, weil in D stets ausschließlich der Einzelfall gewürdigt wird. Und wenn Du schreibst:

" Auf jeden Fall war eine längere Abwesenheit gegeben (ca. 1 Stunde),
denn bei einer kürzeren Abwesenheit hätte sich auch nicht ein solches
Schadensbild ergeben. "

dann ist hier auch meiner Einschätzung nach die Leistungskürzung des VR korrekt. Wer mit Fett auf dem Herd ein Telefonat annimmt, und sich dann in nicht unerheblichem Umfang aus dem Raum begibt, handelt zweifellos grob fahrlässig.

Was kann man hier also machen, damit die Versicherung den Schaden komplett übernimmt?

Nichts. Eine Klage ist m.E. bei einer Abwesenheit von über einer Stunde sinnlos und kostet nur zusätzliches Geld. Der VN sollte dies zum Anlass nehmen, seine WGV dergestalt zu ändern, dass auch grobe Fahrlässigkeit inkludiert ist. Allerdings wird das nach dem vorliegenden Versicherungsfall weder einfach noch billig.

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Kommentar von Franz577
11.03.2016, 07:25

Ja, man könnte den Vertrag ändern. Aber mal ehrlich, wenn einem sowas im ganzen Leben noch nie passiert ist (und meine Tante ist auch schon etwas älter), warum sollte man dann davon ausgehen, daß einem sowas in absehbarer Zeit wieder passiert? Diese Geschichte war ihr eine große Lehre und das wird ihr ganz sicher nicht nochmal passieren.

Und andererseits kann man auch sagen, daß wenn man ein Leben lang in so eine Versicherung einbezahlt und sie noch nie gebraucht hat, dann könnte sie sich auch etwas kulanter zeigen, wenn dann doch einmal ein Schadensfall eintritt, der außerdem von den Kosten her wirklich noch überschaubar ist (wir reden hier nicht von hohen 5- oder gar 6-stelligen Summen).

Für meine Tante sind ein paartausend Euro viel Geld, für die Versicherung aber wäre es ein Klacks.

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Das Deine Tante überhaupt Geld zurück bekommt, hat Sie Glück. Alles stehen und liegen lassen wenn das Telefon klingelt? So schnell brennt kein Fett daß die Wohnung in Flammen steht. Da muß schon viel Zeit mit dem Telefonieren vergangen sein.

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 08:35

Klar war das ein längeres Gespräch, aber sowas fällt eben unter Augenblicksversagen.

Wie gesagt, wenn jemand den Schaden voll erstattet bekommt, weil er zum Fernsehen weggegangen ist (siehe Gerichtsurteil), warum dann nicht auch beim Telefonieren?


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@Franz577,

ein Tipp für die Zukunft - Schadensschilderungen immer genau schreiben.

 (Tante erhitzte Fett auf Herdplatte)

Wenn dies so tatsächlich stattgefunden hat, würde ich dies sogar als Vorsatz betrachten.

Oder fehlt bei deiner Schadensschilderung etwas wie z.B.:

Tante erhitzte Fett in einem Topf auf der Herdplatte ?

Ergänzend stellt sich mir natürlich noch die Frage, was wurde denn hinsichtlich der Schadensschilderung dem Versicherer mitgeteilt ?

 Nun will die Wohngebäudeversicherung nur 40% der Renovierungskosten übernehmen, weil sie das Verhalten als grob fahrlässig einstuft.

In der heutigen Zeit empfehle ich jedem Versicherungsnehmer nur noch Verträge bei der Wohngebäudeversicherung + Hausrat abzuschließen, wo die grobe Fahrlässigkeit mitversichert ist.

Denn dann würde es solche Probleme nicht geben.

Meist handelt es sich um Uralt-Verträge die der Versicherungsnehmer nicht ändern will, da er die Angst hat, dass der Versicherer ein paar Euro mehr verlangen könnte.

Gruß N.U.

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 14:45

Ja, natürlich war das Fett in einem Topf. Aber um zu verstehen, worum es geht, dürfte doch auch meine knappe Schilderung ausreichen.

Dem Versicherer bzw. Gutachter wurde es eben auch genau so mitgeteilt, daß die Küche bzw. der Herd wegen eines Telefonanrufs verlassen wurde und dann im Laufe des Telefongesprächs das Fett vergessen wurde. Auf jeden Fall war eine längere Abwesenheit gegeben (ca. 1 Stunde), denn bei einer kürzeren Abwesenheit hätte sich auch nicht ein solches Schadensbild ergeben.

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Da kann dir wohl nur ein Anwalt wirklich weiterhelfen!

Wenn du zunächst einen günstigen Rat haben möchtest, ist diese Seite ganz gut

http://www.frag-einen-anwalt.de/

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Lasst euch von einem Anwalt beraten.

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Kommentar von Franz577
10.03.2016, 07:51

Ok, und dann? Wenn es auf einen Rechtsstreit mit der Versicherung hinauslaufen sollte, wer erstattet dann die Kosten dafür?

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