Frage von Dximus, 46

Verschwindet das Stottern mit dem Stimmbruch?

Hallo, ich stottere nun seit 9 Jahren, indenen ich auch immer bei mehreren Logopäden war, doch keiner hat geholfen, vor wenigen Wochen habe ich mich nun von meinem letzten Logopäden verabschiedet, Grund war, dass das Stottern mit dem Stimmbruch aufhören solle, so nach Angaben meines Logopäden. Er meinte er könnte mir jetzt nicht mehr weitee helfen und ich solle einfach auf den Stimmbruch warten. Jetzt frag ich Sie, ob das korrekt ist, das es mit dem Stimmbruch aufhört. PS= ich bin 14 und komme nun LANGSAM in den Stimmbruch. MFG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von starkea, 10

Einen guten Rat kann ich Dir jetzt schon geben:

Suche Dir einen Kollegen, der von Stottern etwas versteht. Dass mit dem Stimmbruch ist natürlich Unsinn. Wenn Stottern mit dem Stimmbruch "weggehen" würde, gäbe es keine männlichen erwachsenen Stotterer, also Männer, die ihren Stimmbruch schon hinter sich haben. Seine Aussage, dass er Dir nicht mehr weiterhelfen könne, ist ja vielleicht richtig, aber nicht deswegen, weil Du Deinen Stimmbruch noch nicht hattest, sondern weil er nicht viel von Stottern versteht.

Aber vielleicht hast Du ihn auch missverstanden. Er meint vielleicht, dass mit dem Stimmbruch eine große Heilungswahrscheinlichkeit verbunden ist und dass, wenn die Heilung nicht eintritt, Du nochmal zu ihm kommen sollest, damit er dann mit Dir eine "richtige Therapie" machen kann. Auch diese Aussage ist falsch, aber klingt nicht ganz so unsinnig. Wie auch immer ...

Als ich so alt war wie Du, habe ich auch sehr stark gestottert. Ich hatte schon früh entdeckt, dass das Stottern vollkommen verschwindet, wenn man nur "ganz anders" spricht. Mit "ganz anders" meine ich, "ganz langsam" oder "jede Silbe auf den Schlag eines Taktes" oder "mit stark verstellter Stimme (ganz hoch oder ganz tief oder ganz gepresst oder ganz verhaucht)". Diesen Effekt nennt man "Verfremdungseffekt". Er ist bezüglich des Stotterns allen Fachleuten bekannt.

Ich wusste, dass mit dem Stimmbruch die Stimmhöhe (Frequenz) um etwa eine Oktave herunterrutscht. Ich habe also darauf spekuliert, dass der Stimmbruch diesen Verfremdungseffekt bewirkt. Das ist nicht der Fall gewesen. Ich wusste eben noch nicht, dass der Stimmbruch ein passiver Effekt ist, für den man ja nichts tun muss. Er kommt von selbst und man muss nichts dafür tun. Der Verfremdungseffekt aber ist ein aktiver Effekt. Er tritt nur ein, wenn man dafür etwas tut, nämlich ganz anders spricht, wie oben erläutert.

Ich musste lange auf den Stimmbruch warten. Noch mit 16 habe ich im Schulchor Sopran gesungen. Den Stimmbruch selbst habe ich gar nicht richtig bemerkt. Er fand während der Sommerferien statt zu einer Zeit, als ich sehr unglücklich war und aus gestimmten Gründen so gut wie gar nicht gesprochen (und auch nicht gesungen) habe.

Wenn Du noch weitere Hilfe brauchst, fang nochmal eine neue Therapie an, aber geh nicht zu irgendeinem Logopäden / irgendeiner Logopädin, sondern suche Dir eine, die richtig Ahnung hat. Wie kann man das rauskriegen? Ich empfehle folgende Faustregel: Gehe nur zu jemandem, der zwei Fragen mit einem klaren "Ja" beantworten kann: (1) Haben Sie besonderes Interesse an Stottern? und (2) Haben Sie Erfahrung in der Behandlung von Stottern?

Mit (1) meine ich nicht, dass man "Stottern ganz spannend" findet, das finden fast alle Kolleginnen, sondern dass man viel über Stottern gelesen hat, Kontakt hat mit der BVSS (Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe), Mitglied in der IVS ist (Interdisziplinäre Vereinigung der Stottertherapeuten). Bei (2) meine ich, dass es natürlich optimal wäre, wenn die Kollegin Dir den Kontakt zu einem früheren Patienten vermitteln könnte. Vielleicht kennt sie auch eine Übungsgruppe / Selbsthilfegruppe, in der ehemalige Patienten von ihr mitmachen, zu der Sie Dich schicken kann.

Eine Gruppentherapie, die ich sehr empfehlen kann, weil ich dort selbst als Therapeut (ich bin Logopäde, hochgradig auf Stottern spezialisiert) mitmache, wäre "Viermalfuenf". Danach kannst Du mit Google suchen.

Alles Gute wünsche ich Dir.

Kommentar von Dximus ,

Eine sehr gute Antwort! Danke dafür. Das mit dem Verfremdungseffekt finde ich z.B bei Vorträgen(Vor denen ich die größte und stärkste Angst hab) sehr komisch da ich ja nicht da vorne stehen kann und meine Stimme tiefer stellen kann bzw jede Silbe mit einem Takt aussprechen.

Antwort
von barbarinaholba, 17

Stottern kann man behandeln....wirklich!Nach deinem Stimmbruch muss es nicht unbedingt verschwinden. Bleib dran ....!Vllt ist es aber auch ein psychisches Problem....in der Medizin ist das bekannt ( keine Angst) ganz normal, dass manche Menschen auf Grund irgend eines Erlebnisses plötzlich mit dem Stottern anfangen. KINDHEIT IRGENDWAS...KEINE AHNUNG. Ich weiß nur, dass man sich auch selbst helfen kann ( bevor Arzttermin) Langsamer reden.....wirklich ganz langsam .....beim Bäcker z.Bsp. : i c h  h å t t e  g e r n e  e i n B r o t. ? WENN DU DAS GAAAAANZ LANGSAM SAGST UND HAST eErfolg damit.....dann kommt ein neuer Satz dazu....aber erst am naechsten Tag...( geh am besten zu einem Bäcker weiter weg..,, weil du ja extrem langsam sprechen musst.....) versuch das mal....und wenns klappt macht es unheimlich Glückliches Gefühl und so machst du weiter..bleib eisern..,, irgendwann, dauert etwas, schaffst dus...,,,und versuch nicht aufgeregt zu sein, machst vorher bisschen  Sport..,,, damit du ko bist und nicht so doll an stottern denken musst. L G. 


Antwort
von Testomatic, 22

Kann, muss aber nicht. Ein Arbeitskollege ist 43 und stotterte noch immer.

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