Frage von Baummaennlein, 48

Versagen in der gymnasialen Oberstufe?

Ich mache mir in letztet Zeit zunehmend Gedanken darum, dass ich in der Oberstufe womöglich nicht mitkommen würde und das Abi dann letzendlich in den Sand setze. Ich bin jetzt 16 Jahre alt und komme von der 10. in die 11. Klasse, hab dank G8 also noch 2 Jahre vor mir. Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass ich nie gelernt habe zu lernen. Das klingt vielleicht ein bisschen merkwürdig, aber die Sache ist die, dass ich seit dem ca. fünften Schuljahr schon keine Hausaufgaben mache. Das klingt jetz lustig, ich bin aber selber immer mehr oder weniger gut damit durchgekommen, solange die Lehrer nicht am Tisch jede Hausaufgabe kontrolliert haben, und selbst dann meistens noch irgendwie... Auch kann ich mich nicht erinnern, jemals für eine Klausur gelernt zu haben, ich habe höchstens mal für 15 min ein Blick ins Buch geworfen. Das habe ich bis zur 9. Klasse so gemacht, in der 10., die ja eigentlich auch schon zur Oberstufe gehört, habe ich aber wirklich gar nichts mehr gemacht, hauptsächlich Belletristik gelesen und ab und zu einen Wortbeitrag abgegeben. Man sollte meinen dass meine Noten ziemlich schlecht sind, jedoch war mein letzter Zeugnisschnitt 2,0, trotz einer fünf in Mathe. Und da fangen die Probleme an, denn mein Prinzip aus dem zehren von Allgemeinbildung und ansonsten totaler Ignoranz funktioniert nicht, wenn ich mich nicht abseits vom Schulstoff dafür begeistern kann ebenjene Allgemeinbildung aufzubauen. Da Mathe zudem aufeinander aufbaut und zum Teil wohl auch weil ich mit dem Lehrer nicht klar kam, stand dort ebendiese fünf. Ich hatte ein ähnliches Problem in Französisch, bin das aber durch plumpe Abwahl losgeworden. Abseits der Schule habe ich bislang vorallem PC gespielt, habe aber auch Freunde und andere Hobbys, habe halt viel Zeit... Das Motivationsproblem lässt sich auch durch Eltern nicht lösen, erstens ist das Verhältnis nicht das beste, und zweitens kann ich mir nicht vorstellen das von dieser Seite Druck kommt "er hat doch nen guten Schnitt". Ich habe mir vorgenommen jeden Tag mindestens 30 min. mich mit der Schule zu beschäftigen, sobald es wieder losgeht, bin mir aber relativ sicher dass das nichts wird, ich bin überragend schlecht darin, Vorsätze zu brechen. Hättet ihr irgendeine Idee was zu tun ist? Zum Beispiel Vorschläge wie ich mich besser motivieren kann?

Danke im Vorraus, LG Baummaennlein

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kuhlmann26, 20

Das Problem ist, dass das, was Du erreichen "willst", für Dich völlig bedeutungslos ist. Ich betone: FÜR DICH! Klingt im ersten Moment etwas seltsam, denn vermutlich erwiderst Du: "Aber ich will doch das Abi."

Die wenigsten Leute WOLLEN das Abitur. Sie glauben es zu brauchen, weil man ihnen das eingeredet hat. Sehr viele Schulabgänger haben das Abitur und wissen nicht, was sie beruflich tun wollen. Wenn man aber DAS nicht weiß, wie soll das dann mit der Motivation funktionieren und wozu dann das Abitur?

Wir können uns immer motivieren, wenn es um unsere Interessen und Bedürfnisse geht. Lernen in der Schule funktioniert aber nicht Interessen gesteuert. Es wird von einem Leerplan gesteuert, wie ich ihn gerne nenne.

Immer dann, wenn man tun kann, was man (wirklich) will, hat man keine Probleme mit der Motivation und erreicht seine Ziele. Diese Möglichkeit hast Du aber während der Schulzeit nicht. Hier bestimmen andere darüber, was Du einen großen Teil des Tages tun musst.

Mag sein, dass Du Hobbys hast. Aber erwächst aus ihnen das Bedürfnis mehr daraus zu machen? Sind sie so interessant, dass ein Beruf daraus werden könnte? Wenn dem so ist, müsstest Du Dich den ganzen Tag damit beschäftigen können, so Du willst. Aus dieser Methode erwächst übrigens Allgemeinbildung. Nicht daraus, dass Du den lieben langen Tag tust, was andere Leute Dir vorgeben.

Ein reales Beispiel, wie Lernen aufgrund von Motivation gelingt und ohne das es eines Zwangs bedarf: Dan, ein Schüler an der Sudbury Valley School (USA) hatte das Bedürfnis zu angeln. Weil es dort keine Lehrpläne oder andere Vorschriften gibt, was die Schüler wann zu lernen haben, konnte er angeln, jeden Tag; und zwar fünf Jahre lang. Es war seine Hauptbeschäftigung in der Schule; das ganze Jahr über. Der Einzige, der ein wenig besorgt war, war der Vater, der deshalb jedes Jahr zum Schulanfang ein Gespräch mit der Schulleitung führte, um seine Zweifel zu äußern.

Mit 15 Jahren hat Dan von einem auf den anderen Tag mit dem Angeln aufgehört und sein Interesse an Computern entdeckt. Er hat als Servicemitarbeiter für eine Firma gearbeitet und mit 17 Jahre, gemeinsam mit zwei Kumpels seine eigene Firma gegründet. Er musste sich nie mit Dingen beschäftigen, die in irgendeinem Lehrplan standen. Ein Jahr später hat er diese Schule verlassen und studierte am  Colleg Informatik studiert. Nebenbei arbeitete er bei der Firma Honeywell.

Ich könnte eine weitere Geschichte beschreiben, in der ein Siebzehnjähriger  in der Pathologie eines Krankenhauses selbstständig, aber natürlich unter Anleitung, eine Leiche seziert hat und später genau das geworden ist, was er schon als kleiner Junge werden wollte, Bestatter nämlich.

Was ich aber sagen will: Du kannst Dich nicht wirklich für etwas motivieren, was nicht Deinen Interessen entspricht. Erst musst Du wissen, was DU wirklich willst, dann kommt die Motivation von allein.

Gruß Matti

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Ich habe noch einen Beitrag über die Schule gefunden, in der die oben genannten Beispiele mit dem Angeln und der Pathologie stattgefunden haben.

Vordergründig geht es zwar um eine Lehrerin, die beschreibt, was sie in der Schule NICHT macht (nämlich Schülern vorzuschreiben, was sie zu tun haben), aber sie bringt weitere Beispiele, wie an der Subury Valley School (SVS) gelernt wird.

Und das die Schüler in diesen Beispielen lange Zeit etwas völlig anderes machen, als das was ihren Interessen entspricht, aber trotzdem ihre Ziele erreichen, zeigt nur, dass Lernen etwas völlig anderes ist, als das was man in unseren Schule darunter versteht.

Du lernst nicht, sondern Du wirst belehrt.

http://sudbury-berlin.de/sudbury-schulkonzept/texte/die-kunst-nichts-zu-tun/

Ich danke Dir für den Stern.

Gruß Matti

Antwort
von quentlo, 24

Da ist ein eiserner Willen nötig. Auch wenn das nicht so leicht ist; du musst daran denken, dass du es in zwei Jahren leichter haben wirst, deine Zukunft zu planen, wenn du dich hinsetzt und dein Zeug lernst. Ich habe bis zur Neunten auch wenig gelernt, da es mit diesem System ganz gut geklappt hat, habe aber ab der Zehnten angezogen. Und es hat geklappt. Das Ganze hängt einzig und allein von dir ab.

Antwort
von sirahHD, 20

Du allein kannst dich nur motivieren. Mit 30 Minuten pro Tag kommst du kurz vor den Abiprüfungen leider nicht hin.

Abitur ist einfach eine Fleißsache. Es hat nur bedingt mit Intelligenz zu tun, sondern einfach damit, dass man ordentlich arbeitet.

Motivation allein sollte sein, dass du dir damit einen viel weitere Bildungsmöglichkeit bildest.
Entweder strengst du dich jetzt 2 Jahre an und hast die Möglichkeit, höhere Bildung zu erlangen oder du gibst dich damit ab, dass du eine Ausbildung machst.

Also ich würde mir 2 Jahre nochmals hinsetzen und dann noch paar Jahre studieren, damit man später eher einen guten Job nachsehen kann.

Freunde, zocken ect. Kannst du auch in der Oberstufe. Bloß vom prüfungen, musst dich richtig hinsetzen und lernen.

Wie gesagt, es ist deine Entscheidung. Entweder jetzt was machen und später ein gutes Leben führen oder jetzt Spaß haben und es, wahrscheinlich, später bereuen.

Kommentar von Baummaennlein ,

Danke für die Umfassende Antwort! 

Antwort
von FragNichtSo, 21

Erinnert mich an mich früher. Hatte auch nie Lust zu lernen, aber habs irgendwie trotzdem hinbekommen xD. Hab mich zusammengerafft und das letzte Jahr Gas gegeben, auch wenn es keinen Spaß gemacht hat. Musst halt so denken: 1 Jahr lernen = du hast es später einfacher einen Studiums- bzw. Ausbildungsplatz zu finden.

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