Frage von Gast9, 107

Verpflichtung einer Beziehung?

Hallo, ich bin 16 und bin in therapeutisch-klinischer Behandlung.

Ich habe Depressionen bekommen durch meine Freundin. Ich habe mich verpflichtet gefühlt sie zu lieben, da schon das gemeinsame Leben geplant war und sie Sex und einen Kuss haben wollte, wenn ich ihr versprechen kann sie zu heiraten. Ich war auf einmal bedrückt und bekam ernste psychische Schäden, wie Depressionen, Zwangsstörung und Angstzustände. Bei ihr habe ich mich damals normal gefühlt. Aber sobald ich Zuhause war, musste ich viel Weinen und konnte nicht aufhören zu denken. Ich habe sie unendlich sehr geliebt und hoffe immer noch ganz tief unter meiner Depression, dass das Schicksal sie und mich zusammenhält.

Das ist nun 6 Monate her und wir sind immer noch zusammen.

Nun, hat das gleiche meine Freundin erwischt, nachdem ich sie meinen Eltern vorgestellt habe. Genau das gleiche Szenario. Sie fühlt sich stark bedrückt und hat Angst. Bei ihr ist das ebenfalls so, dass sie sich bei mir wie immer fühlt, aber sobald sie Zuhause ist, sie nicht mehr aufhören kann nachzudenken.

Habt ihr sowas schon mal erlebt? Habt ihr Tipps?

Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Danke.

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Antwort
von Kendall, 27

Hallo Gast 9,

ich habe mir erlaubt, einige Deiner vorherigen Fragen zu überfliegen. Als völlig Außenstehender möchte ich Dir erstmal meine Einschätzungen mitteilen:

- in einem anderen Fragethread schriebst Du, dass Deine Freundin Dir das Versprechen abnehmen wollte, eine "ewige Verbindung" mit Dir zu führen. Ein solches Versprechen kann man weder geben noch verlangen. Es zu verlangen, ist höchst unanständig. Davon abgesehen, kann niemand dieses Versprechen geben. Menschen ändern sich, Dinge ändern sich - und es zeugt nicht von Liebe, jemanden auf ein solches Versprechen festzunageln, wenn der Andere damit unglücklich ist. Das beste und lebensbejahendste Credo wäre: Sei so lange mit mir zusammen, wie Du Dich dabei gut fühlst. Liebe mich um Deinerselbst willen, nicht für mich. Jemanden nur für ihn selbst zu lieben und eine Beziehung mit ihm zu führen, wäre auch in hohem Maße unehrlich.

- Du bist 16 Jahre alt und lebst, im Zusammenhang mit diesem "Versprechen", wie ein Vierzigjähriger, der einen Haufen von Verpflichtungen um sich herum angesammelt hat und aufgrund einer abzuzahlenden Hypothek das Gefühl hat, nicht mehr aus seiner Ehe herauszukommen. Für den Vierzigjährigen ist das schon nicht gut, für Dich ist es umso schwieriger, weil es in Deinem Alter (mit all den Problemen der Pubertät) noch schwieriger ist, das richtig einzuordnen.

- Man kann ein Leben nicht planen. Schon gar kein gemeinsames. Kennst Du den guten alten jüdischen Witz - "wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von Deinen Plänen"? Da steckt ein gutes Stück Wahrheit drin. Gleichzeitig beraubst Du Dich selbst der Spontaneität, dem Ausprobieren von Dingen, auch, aber nicht nur in sexuellen Dingen. Dieses starre Fixieren auf eine Person, einen Entwurf von Deiner Existenz, der vielleicht nur eine kleine Facette von Dir ausmacht, macht auf Dauer nicht glücklich. Und ich glaube, dass das zumindest ein Teilgrund dafür ist, dass Du jetzt diese Symptome entwickelst.

- Interessanterweise finden recht häufig Männer um die 40, die in der oben genannten Situation sind, heraus, dass sie doch eigentlich (auch) auf Männer stehen. Manche führen danach sogar ein komplett schwules Leben. Du hast mehrere Threads erstellt, in denen Du nach Deiner Sexualität gefragt hast und Dir sehr unsicher warst. Das allein zeigt auch schon, dass irgendetwas in Dir ausbrechen will aus dieser Verpflichtung, die im Prinzip nur in Deinem Kopf existiert.
Mach' Dir nicht so viele Gedanken darüber, wie Du Deine Sexualität einordnest. Die wenigsten bisexuellen Menschen stehen gleichermaßen auf Männer und Frauen. Viele fühlen sich von einem der beiden Geschlechter mehr angezogen oder können sich nur mit einem von beiden eine richtige Beziehung vorstellen.
Du brauchst dem Kind keinen Namen zu geben, das nicht einordnen - Du stehst auf das, worauf Du stehst. Und das ist gut und richtig. Begriffe wie "schwul" oder "hetero" mögen Kategorien sein, aber die sind nicht entscheidend. Fürchte Dich nicht vor dem, was für Dich ein Quell der Freude sein kann.

Du hast in Deinem zweiten Satz etwas ganz Entscheidendes gesagt und die Lösung Deines Problems vorweggenommen: "Ich habe Depressionen bekommen DURCH meine Freundin".
Um das nochmal zu bekräftigen: Du bist niemandem gegenüber dazu verpflichtet, mit ihm eine Beziehung zu führen. Schon gar nicht für immer. Du bist frei. Aber Du machst Dich zu einem Sklaven, mit all den Problemen, die damit in Verbindung stehen. Du bekommst Gedanken und Empfindungen, die ein Mann in seiner Midlifecrisis erfährt. Aber Du bist jünger, vor Dir liegt ein weites Spektrum an Möglichkeiten und Du weisst jetzt selbst noch nicht ganz, was Du sexuell magst. All das wirst Du im Laufe der kommenden Jahre herausfinden. Aber wenn Du Dich auf einen so unmöglichen Pakt einlässt, dann beraubst Du Dich selbst Deiner Erfahrungen in jungen Jahren.
Ich sehe das alles nicht sehr dramatisch, auch wenn es für Dich dramatisch ist. Es wird so oder so eine Zeit kommen, in der dieser Pakt bricht und Du Dich selbst weiter erforschen wirst können. Ich hoffe für Dich, dass das sehr bald der Fall sein wird und Du den Mut hast, Dich daraus zu lösen.


Kommentar von Gast9 ,

Meine Freundin ist aber auch in dieser Situation, heißt dass, das sie auch homosexuell sein wird? Bzw erfahren wird, dass sie ebenfalls auf Frauen steht? Ich glaube eher nicht. Meine homosexuellen Fragen und Ängste sind dadurch entstanden, dass ich mich nach dem ganzen Schmerz gefragt habe, ob ich es einfach nicht mehr mit Frauen kann. Dann kamen die Ängste und das weitere. Jedoch muss ich dir in einem gewissen Punkt zustimmen. Seitdem diese Depression angefangen hat, haben sich auch manche homosexuelle Anzeichen gezeigt. Ich fand auf einmal Männer hübsch. Mehr jedoch nicht. Ich habe auch extreme Lust zu rauchen, aber habe Angst, dass ich Kettenraucher werde. Ich habe auch extreme Lust zu trinken, habe aber Angst Alkoholiker zu werden. Die Lust nach diesen Sachen ist groß. Aber ich will das eigentlich nicht. Ich will nicht rauchen, nicht trinken und auch keine Beziehung mit einem Jungen.

Antwort
von grossbaer, 24

Ich finde das wir hier die falschen Ansprechpartner für dein Problem sind. Du bist in therapeutisch-klinischer Behandlung und du solltest solche Sachen mit deinem Therapeuten klären.

Aber ich will deine Frage nicht komplett unbeantwortet lassen. Du schreibst in einem Kommentar das du meinst eine Stimme wolle dir diese Beziehung ausreden. Kann es nicht sein, das dies keine fremde, sondern deine eigene Stimme ist? Das du dir selbst im Grunde sagen willst, das diese Beziehung nicht gut für dich ist? Denk mal darüber nach.

Auf alle Fälle sollte sich deine Freundin auch in Therapie begeben, wenn sie jetzt ebenfalls psychische Probleme hat. Und du solltest zu deinem Therapeuten gehen und weiterhin an dir und deinen Probleme arbeiten.

Ich wünsche dir alles Gute.

Kommentar von Gast9 ,

Danke. Ja meine Freundin holt sich auch therapeutische Behandlung. Ich und sie versuchen daran zu arbeiten.

Antwort
von georgiaaa, 42

Worüber denkt ihr denn dann nach?

Kommentar von Gast9 ,

Es fühlt sich an, als würde eine Stimme versuchen die Liebe zu der Person auszutreiben. Es fühlt sich so an als würde eine stimme jemanden etwas einreden wollen.

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