Frage von frauschmidt123, 79

Vermieter schiebt sämtliche Renovierungen auf uns. Gilt der Mietvertrag so überhaupt?

Im Mietvertrag steht folgender Satz 'der Mieter verpflichtet sich, folgende Arbeiten in einem Zeitraum von 3 Monaten zu erledigen: Haus renovieren '(Handschriftlich eingefügt).

Uns wurde bei Mietvertragsunterzeichnung zugesichert, die Materialkosten würde der Vermieter zahlen und es war nur die Rede von Fenster streichen (von innen), tapezieren und streichen, Treppe lackieren (also nur das Geländer!). Er meinte er würde das nur so allgemein gehalten schreiben falls wir uns nachträglich auf was weiteres einigen. Den Lack wollte er zahlen, dass hat er mehrfach gesagt.

Nun haben wir gekündigt weil wir umziehen müssen und wir sollen nun das komplette Haus renovieren! Sollen überall neue Leisten anbringen (es waren nachweislich schon bei Einzug keine vorhanden), sollen die Türen abschleifen und neu lackieren (alte Kasettentüren, total kaputt und schon mit 10 Schichten Lack überpinselt), sollen die kompletten Treppen abschleifen und neu lackieren (2 Stockwerke), sollen den alten vermurksten Dielenboden aufarbeiten, sollen ein Zimmer neu tapezieren in welchem ein Wasserschaden war bzw. dauerhaft ist(hatten bei Einzug neu tapeziert, musste alles runter wegen dem Wasserschaden an mehreren Wänden, Wände sind von außen marode und undicht, Vermieter macht nichts dagegen), sollen den Küchenboden ersetzen (40 Jahre alter Linoleumboden der bei Einzug schon nachweislich aussah wie sau), sollen alles an Material da lassen was WIR gekauft haben (Rigipsplatten, Fliesen, Putz, Styroporstuckleisten für die Decke).

Wir weigern uns das alles zu machen! Der Vermieter will keinen Cent zahlen und als Grund nennt er die teure Reparatur eines Balkens (er war gerissen und uns ist das bei Einzug aufgefallen als wir alte Tapete entfernt haben, es herrschte Einsturzgefahr!). Als könnten wir etwas dafür wenn seine alte Bude kaputte Balken hat...

Wir sollen also die ganze Bude renovieren und dafür auch komplett aufkommen. Und das innerhalb von zwei Monaten bis unsere Kündigungsfrist endet.

Wir haben hier seit wir hier wohnen sehr viel Geld, Arbeit und Zeit investiert. Haben Wochen damit verbracht Wände neu zu verputzen, Schutt raus zu schaffen, das Bad zu renovieren, Decken neu zu verkleiden etc.

Natürlich haben wir Bilder von vor dem Einzug und auch einige Zeugen die beim Einzug und bei Renovierungen geholfen haben. Alle können bestätigen wieviel Geld und Arbeit wir hier bereits investiert haben.

Unsere Nachbarin (selbst Vermieterin mehrerer Wohnungen) sagt, dass unsere Vermieter sowas schon länger machen und dass das nicht rechtens wäre. So eine Formulierung wäre im Mietvertrag gar nicht zulässig weil es A eine starre Frist ist und B den Mieter stark benachteiligt.

Kennst sich hier einer damit aus? Wie ist die rechtliche Lage?

Wir waren vor zwei Jahren leider gezwungen hier einzuziehen.. Alte Wohnung zu teuer, arbeitslos geworden, negative Schufa. Es war das einzige was wir bekommen konnten :(

Antwort
von michi57319, 30

Da geht der Vermieter aber kräftig baden!

Bei Einzug war die Wohnung / das Haus ja schon nicht Mietstandard. Für diesen hat der Vermieter zu sorgen, nicht der Mieter und abwälzen kann ein Vermieter die Instandhaltung auch ganz und gar nicht.

Ich würde gar nichts machen. Außer möglichen Schreiben fristgerecht zu widersprechen, sofern es da überhaupt einen Sachgrund zu gibt.

Abwarten. Der Vermieter hat ja auch keine Kohle, wie es scheint, also lasst ihn doch den ersten Schritt zum Anwalt machen.

Ich wette, das verläuft im Sande!

Sollte er dennoch klagen, steht euch die kostenlose Rechtsberatung durch einen Rechtspfleger bei Gericht zur Verfügung.


Expertenantwort
von Gerhart, Community-Experte für Mietrecht, 20

Du hast als Mieter soviel falsch gemacht, dass es sich kaum noch lohnt, hier alles Aufzuzählen. Wichtiger ist, wie die Forderungen des Vermieters nun schadlos eliminiert werden können.

Alles, was nicht im Mietvertrag steht, ist zu bestreiten. Mit dem Rechtsanwalt zu drohen bringt überhaupt keine Punkte. Der Vermieter ist so maßlos und von seinem Vorgehen überzeugt, dass er wohl unbelehrbar ist.

Empfehlung: Selbst Forderungen über 3000€ an den Vermieter stellen mit Materialaufstellung und Arbeitsstundennachweis und einen Rechtsbeistand konsultieren> Beratungsschein vom AG besorgen. Im Klagefall des Vermieters Prozesskostenhilfe beantragen. Sollten die Forderungen nach Meinung eines RA durchsetzbar sein, dann selbst auf Schadensersatz klagen. Doch Vorsicht, RA haben ein €-Zeichen auf der Brille.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 21

Gab es denn bei Mietbeginn als Ausgleich für die Arbeiten einen Mietnachlass für einen bestimmten Zeitraum? Wenn nicht, gilt, dass die Wohnung/das Haus  da unrenoviert übergeben, auch nur unrenoviert zurück zu geben ist..

Im Übrigen liegt hier eine unangemessene Benachteiligung des Mieters vor. Auch deshalb ist diese Klausel unwirksam.

Kommentar von frauschmidt123 ,

Es wurden uns nur eine halbe Kaltmiete erlassen, also 175€. Wir haben bisher nur für Material aber rund 2000€ investiert und das ohne die unzähligen Arbeitsstunden dazu zu zählen. 

Zwei Räume waren für uns die ersten 6 Monate nicht mal nutzbar da der Vermieter eine versprochene und vor Einzug zugesicherte Renovierung immer wieder verschoben hat (Deckenbalken waren vom Schwamm zerfressen und mussten getauscht werden). Haben in der Zeit aber volle Miete gezahlt da er bei Mietminderung mit Kündigung gedroht hat.

Kommentar von albatros ,

Diesen Betrag kann man vergessen, er ist kein angemessener Ausgleich. Demzufolge Rückgabe unrenoviert. Ansonsten schließe ich mich der Antwort von Gerhart an.

Antwort
von Mellekin, 38

Seit ihr im Mieterschutzbund? Wenn nicht wendet euch mal auf jedenfall an den. Oder droht mit nem Anwalt. Das was der da macht ist nuch Rechtens. Hatten so nen ähnlichen Pflegefall auch als Vermieter. Furchtbar solche Leute.

Kommentar von frauschmidt123 ,

Mieterschutzbund ist momentan leider zu teuer. Der Umzug wird für uns schon kaum zu stemmen. 

Der MSB kostet ja Aufnahmegebühr+ Jahresbeitrag.

Mit Anwalt werden wir so oder so drohen wenn der Vermieter uns weiter bedrängt. 

Antwort
von beangato, 45

Lass Dich mal in der Verbraucherzentrale beraten.

Ich denke nicht, dass es sich der Vermieter so einfach machen kann.

Kommentar von albatros ,

VZ dürfen keine Mieterberatung machen.

Kommentar von beangato ,

Doch, sie dürfen.

Ich bin wo, wo 1/4jährlich Vorträge zu verschiedenen Themen gemacht werden. Da war u. a. auch mal die Leiterin unserer Verbraucherzentrale da und gab uns einen Einblick in die Tätigkeiten. Mietrecht gehört dazu.

Da hast Du auch einen Beweis:

http://www.verbraucherzentrale.nrw/mietrechtsberatung

Dass das möglich ist, weiß nur fast niemand.

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