Frage von mrhoga, 48

Vermieter bestätigt Mangel fordert aber Mietminderung zurück?

Hallo,

wir haben seit einiger Zeit Wasserflecken an der Decke unseres kleineren WCs und dem davorliegenden Flur, teilweise bereits dunkel verfärbt. Dieses haben wir dem Vermieter am 20. März angezeigt. Nachdem der Hausmeister uns einreden wollte, dass das an schlechter Lüftung läge haben wir uns an die Verwaltung gewandt und um Behebung gebeten. Nach einiger Zeit des Nichtstuns seitens des Vermieters und ständiger Anrufe wurde dann doch irgendwann festgestellt, dass die Duschwanne im darüber liegendem WC nicht dicht ist, das Wasser also von den Nachbarn über uns kam. Der Vermieter hatte nun die Abdichtung der Dusche veranlasst und uns mitgeteilt, dass Malerarbeiten in unserer Wohnung erst erfolgen könnten, wenn die Decke abgetrocknet sei. Da war es mittlerweile Mitte/Ende April.

Da die Nachbarn nun im größeren Badezimmer duschen mussten, fing es in unserem größeren Badezimmer nun an, aus dem Anschluß der Deckenlampe zu tropfen, sobald die Nachbarn in der Badewanne duschten. Das führte mehrfach dazu, dass beim Betätigen des Lichts die FI-Sicherung raussprang, das Bad also nur noch im Dunkel benutzt werden konnte, ganz zu schweigen davon, dass wir nun regelmäßig mit einem Eimer im Bad hantieren mussten und regelmäßig Pfützen im Bad hatten.Auch das haben wir der Verwaltung mitgeteilt, die auch einen Klempner zu den Nachbarn beordert haben, der allerdings mangels Spezialausrüstung nichts finden konnten.

Nach etlichen Telefonaten und Vertröstungen seitens des Vermieters haben wir zu Anfang Mai dem Vermieter per Einschreiben eine Mietminderung von 15% bekannt gemacht und die Mai-Miete entsprechend gekürzt.Nun, Ende Mai, haben wir ein Schreiben vom Vermieter erhalten, in dem er die Mängel schriftlich bestätigt und mitteilt, dass die Badewanne und Dusche der Nachbarn nun abgedichtet sind, sich die Trocknungsarbeiten in der Nachbarwohnung aber noch etwas hinziehen und erst anschließend die Wasserflecken in unserer Wohnung durch einen Maler behoben werden können.

Und nun der eigentliche Punkt:

Der Vermieter äußert in seinem Schreiben Verständnis dafür, dass wir die Miete mindern möchten, will aber die Höhe von 15% nicht akzeptieren. Er fordert uns darüber hinaus auf, den Fehlbetrag zeitnah zurück zu überweisen um dann, nach Abschluss aller Arbeiten die Höhe der Minderung und den Zeitraum der Minderung festzulegen!

Ich würde dabei ungern unsere Position aufgeben, würde aber natürlich, da das Tropfen durch die Decke ja nun beseitigt ist, die Minderung mit 5-7% fortsetzen, bis auch die Malerarbeiten bei uns durchgeführt wurden und der Mangel endgültig beseitigt ist.

Wie sollten wir uns dabei verhalten?

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Miete, 10

Der Vermieter äußert in seinem Schreiben Verständnis dafür, dass wir die Miete mindern möchten, will aber die Höhe von 15% nicht akzeptieren.

Ein höflicher Vermieter.

Er fordert uns darüber hinaus auf, den Fehlbetrag zeitnah zurück zu überweisen um dann, nach Abschluss aller Arbeiten die Höhe der Minderung und den Zeitraum der Minderung festzulegen!

Ein guter Vorschlag den man annehmen kann. Man kann z.B. die Nachzahlung unter Vorbehalt zahlen.

Kompromiss:

Dem Vermieter würde ich schreiben, das Dein Anwalt die Höhe festgelegt hat aber Du bereit bist eine Mietminderung in Höhe von 10 % festzulegen und den Differenzbetrag zurück zahlst.


LG

johnnymcmuff


Antwort
von bwhoch2, 15

Es handelt sich hier um einen Versicherungsschaden. Gewiss hat der Vermieter eine Wohngebäudeversicherung, die auch für Leitungswasserschäden eintritt. Damit sind auch Mietausfälle versichert.

Er soll die Sache der Versicherung melden und diese wird dann auch mitteilen, wieviel sie als Mietminderung zugesteht. Möglicherweise mehr, als ihr veranschlagt. Möglicherweise auch weniger. Das müßt ihr natürlich dann nicht so ohne weiteres hin nehmen. Man kann durchaus auch verhandeln, bzw. ggf. über einen eigenen Rechtsanwalt versuchen, etwas mehr raus zu schlagen.

Jedenfalls hat es keinen Sinn, jetzt mit dem Vermieter irgend etwas zu vereinbaren. Er soll den Ausfall einfach mal der Versicherung melden. Dann ergibt sich alles weitere.

Er wird darüber hinaus alle Kosten erstattet bekommen für die Schadensbeseitigung und die Reparatur der defekten Leitungen.

Antwort
von schelm1, 10

Das läuft dann auf ein Gerichtsverfarhen hinaus, in dem ein Richter urteilt, was an Kürzung gerechtferetigt gewesen wäre und danach auch eine Regelung der Verfahrenskosten und evtl. Rückerstattugnsansprüche festlegt.

Während der Vermieter finanziell aus dem Vollen Ihrer Kaltmiete schöpfen darf, müssen Sie sich zusätzlich zur Miete auf unwägbare Kosten einstellen, wenn Sie die Kürzung nicht erstatten.

Auf hoher See und vor Gericht sind bekanntlich alles in Gottes Hand!

Viel Spaß beim Prozess!

Antwort
von albatros, 23

Die berechtigte Minderung kann sofort ab Beginn der Mangelhaftigkeit vorgenommen werden oder nach Abschluss der Arbeiten zu deren Beseitigung, also quasi der Mangel nicht mehr besteht. Das natürlich nur für den Zeitraum der Mangelhaftigkeit. Wenn also der gesamte Mai betroffen sein sollte, ist der Abzug für Mai gerechtfertigt. Es wäre dann die Restzeit zu berechnen, bis alles, incl. Malerarbeiten, erledigt ist.

Kommentar von mrhoga ,

Heißt das denn, dass ich den Minderungsbetrag erst einmal zurück überweisen sollte und mich nach Abschluß aller Arbeiten mit dem Vermieter über die Höhe streiten muss? 
Ich sehe das nämlich eigentlich auch so wie albatros, nämlich dass wir erst sehr geduldig und dann mit 15% recht kulant waren ...

Kommentar von albatros ,

Kannst du, musst du aber nicht. Wie geschrieben, bei weiterer Mangelhaftigkeit über Ende Mai hinaus, zunächst nicht mindern (JUNI also voll, aber unter Vorbehalt zahlen). Abschließende Berechnung je nach Ausmaß nach Abschluss aller Arbeiten vornehmen. Da kann dann Abschnittsweise die Quote errechnet werden, je nach dem wie groß die Beeinträchtigung zeitlich abgegrenzt noch vorhanden war.

Antwort
von althaus, 25

Jeder Mietminderungsfall ist individuell zu behandeln. Wieviel Mietminderung und aus welchem grund berechtigt ist, kann Dir nur ein Fachmann beantworten. Daher rate ich Dir Mitglied beim Mieterbund zu werden, kostet um die 60€/Jahr, dafür hast Du einen Anwalt der Dir bei Rat und Tat zur Seite steht und Dir weiterhelfen kann. In der Art, daß Du dann im Recht bist und der Vermieter nichts dagegen tun kann. Deine 15% sind völlig aus der Luft gegriffen, daher kann ich die Reaktion der Vermieters verstehen. In der Regel müßte man die 15% mit Beispielen begründen, was Du nicht kannst, aber der Mieterbund schon. Also ab zum Mieterbund, das erspart Dir so mache unnötige Diskussionen mit dem Vermieter. 

Kommentar von albatros ,

Bei Kurzschluss, finsterem Bad  und tropfender Decke sind 15% gewiss nicht zu viel gemindert, eher zu wenig.

Kommentar von mrhoga ,

Hallo, danke erstmal für die Antwort.
Was ich vergessen habe zu erwähnen ist, dass die 15 % eine Empfehlung eines Anwalts sind, mit dem ich vor der Mietminderung den Fall telefonisch erörtert hatte. Dementsprechend sind die 15% Minderung nicht völlig aus der Luft gegriffen. 
Zum Mieterbund gibt es sicher verschiedene Meinungen - dass man zumindest beim Hamburger erstmal für 2 Jahre á ~70 € Vorkasse leisten soll hat die durch dritte geäußerte Zweifel an deren Seriosität bei mir nicht unbedingt geringer werden lassen.

Kommentar von althaus ,

Bei uns in Mannheim kostet der Mieterbund 60€/Jahr und man bekommt eine Soforthilfe ohne Wartezeit. 

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