Frage von SchokoKucken, 56

Verlustangst und formen davon?

Moin, zuerst möchte ich erwähnen das meine Therapeutin fest davon überzeugt ist das ich an Verlustangst leide. Da ich kein Uhrvertrauen habe. Meine Frage ist also, gibt es verschiedene Formen von Verlustangst?

Das ganze fühlt sich für mich verdammt krankhaft und ständig an, das ich bezweifle das meine Therapeutin recht damit hat das das weg zu bekommen sei. Geschweige den nur eine Phase ist.

Zu dem kommen bei mir deppresive tendenzen hinzu.

Gibt es da etwas genaueres das mir jemand sagen kann, etwas wie eine weitere definion oder änliches?

-Grüße

Antwort
von Nashota, 53

Wenn das Wort "Verlustangst" fällt, wird meist in Richtung Familie/Eltern gesucht. Deshalb auch das Wort "Urvertrauen".

Gibt es da einen Zusammenhang bei dir?

Erweiterte Formen betreffen meist eigene Beziehungen und Freundschaften. Also alle zwischenmenschlichen Bereiche, wo man einem anderen Menschen vertrauen muss, um eine Basis zu haben.

Kommentar von SchokoKucken ,

Ja, da gibt es mehr als nur einen Zusammenhang.

Ich wurde als Kind in der Verwandschaft herumgereicht, war also eigentlich nieh bei meiner leiblichen Mutter.

Zudem lebte ich seit dem ich 2 bin in einer Pflegefamilie.

Ich kam damit immer zurecht, nur Bindungen... vor allem ängere machten mir Probleme.

Wesewegen ich mich zurückzog.

Das war die Kurzversion des vermutlichen uhrsprungs meiner Probleme.

Ich habe auch Probleme bei der Festen Beziehung mit meiner Freundin.

Kommentar von Nashota ,

Nun, dann sage ich mal aus meiner Erfahrungswelt heraus, dass das Eingehen engerer Bindungen immer mit der Angst verbunden sind, dass diese für einen wichtige Person mal nicht mehr da ist.

Deshalb hauen Menschen mit Verlustängsten immer wieder die Handbremse rein und den Rückwärtsgang ein. Was beim Gegenüber wiederum Fragen nach dem Warum auslösen, wenn er ein Mensch ist, der nichts Böses im Sinn hat und auch nicht tut.

Ich sage immer, dass man nicht mehr tun kann, als beide Hände offen nach vorn zu halten, um Vertrauen zu vermitteln. Der Mensch mit dem Misstrauen ist aber Derjenige, der diese offenen Hände sehen wollen muss.

Deine Kindheit und dein Aufwachsen allgemein haben sowohl Spuren, als auch Narben auf deiner Seele hinterlassen.

Es ist deshalb wichtig, dass du über deine Gedanken und Gefühle offen sprichst, um dir selbst den Weg zu ebnen, der momentan voller Löcher ist.

Und du musst in kleinen, aber stetigen Schritten versuchen, keine Kopien der Menschen aus deiner Vergangenheit auf die Menschen in der Gegenwart zu ziehen.

Deine Freundin zum Beispiel kann nichts für deine Vergangenheit. Gib ihr also die Möglichkeit, dir zu zeigen, dass du ihr vertrauen kannst.

Sieh in ihr nicht eine Gewitterwolke, die dich gleich durchnässt, wenn sie in deiner Nähe ist, sondern den Regenbogen, der ausdrückt, dass alles gut wird, wenn man den Dingen Zeit gibt.

Kommentar von SchokoKucken ,

Das hat mich wirklich moteviert.

Damit hast du geschaft was meine Therapeutin nicht schaft, motivation.

Wie dem auch sei, all das ist mir natürlich bewusst und trotzdem fühle ich diese negativen dinge.

Auch wen mein Verstand etwas anderes sagt.

Danke-

Kommentar von Nashota ,

Weißt du, wer ehrliches Vertrauen schenkt? Tiere. Sie fühlen auch oft, wenn es Menschen nicht gut geht.

Vielleicht ist es auch eine Idee, wenn du dich um ein Tier kümmerst. Es muss ja kein eigenes sein. Im Tierheim freut sich auch jeder über Zuwendung.

Und was das Vertrauen zu Menschen angeht, hilft es auch, sie in der ersten Zeit zu beobachten. Man kann Zeit miteinander verbringen, ohne gleich seinen inneren Kreis zu öffnen. Finde in Ruhe heraus, ob Taten und Verhalten zu den gesprochenen Worten passen, die Derjenige sagt. Wo sie zusammenpassen, darfst du auch vertrauen.

Was aber auch wichtig ist: Man muss realisieren, dass das Leben wie eine Fahrt mit dem Bus ist. Menschen steigen ein, Menschen steigen aber auch aus. Was bedeutet, in dein Leben werden auch immer wieder neue Menschen kommen und gehen. Das ist der Lauf der Zeit.

Versuche, die Zeit, die du mit Menschen gemeinsam verbringst, intensiv und nicht nur für andere, sondern auch für dich erfüllend zu gestalten.

Und nicht zu allen Menschen muss man ganz tiefe Bindungen eingehen. Wenn zwei Menschen das Wort "Gegenseitigkeit" kennen, können auch lockere Kontakte gut für die Seele sein. Hauptsache, es wird keiner ausgenutzt oder benutzt.

Strecke auch deine Hände offen nach vorn aus, damit die anderen sehen, dass du dich ihnen nicht verschließt. Denn auch Vertrauen ist eine Sache von Gegenseitigkeit.

Kommentar von SchokoKucken ,

Nun ja, diese enge Bindung habe ich nur bei einer Person zu gelassen.

Bei meiner Freundin, ich wohne mit ihr zusammen.

Das problem ist schlecht weg das ich nicht mit diesem Gedanken zurecht komme das auch wir nicht für immer sind.

Sie ist quasi alles worum sich meine Welt aufbaut.

Wen sie mit mir plötzlich schluss machen würde, könnte defenitiv eine affekthandlung suizid sein.

Kommentar von Nashota ,

Solche Gedanken solltest du bitte aus deinem Kopf verbannen. Weil du damit auch bei deiner Freundin Druck aufbaust. Sie möchte auch sie selbst sein (dürfen).

Was bedeutet, dass dazu auch mal schlechte Laune gehört oder dass sie auch mal etwas ohne dich machen möchte, ohne dass du daraus sofort die falschen Schlüsse ziehst.

Versuche deine Beziehung nicht als starren Käfig zu sehen, sondern als einen Ort, wo es auch möglich ist, die Wege rechts und links zu erforschen. Und das kann man auch mal für sich alleine tun. Deshalb entfernt man sich nicht voneinander. Im Gegenteil, es kann oft neue Impulse liefern, an denen man wächst und sich auch immer wieder neu entdecken kann.

Sperre sie nicht ein, sperre dich nicht ein.

Um mal ein Bild zum Vergleich zu bringen: Das Laufen an der langen Longe ist für Pferde freier, als wenn man sie immer nur am kurzen Zügel hält. Und mal richtig frei herumzutoben ist für sie auch mal wichtig, damit sie auch noch fühlen, mal nur das tun zu können, wonach ihnen der Sinn steht.

Wenn man ihnen das alles zugesteht, kommen sie auch auf Zuruf zu einem hergelaufen. Weil sie Vertrauen haben, dass man ihre Bedürfnisse kennt und ihnen entspricht.

Kommentar von SchokoKucken ,

Das ist mir durchaus bewusst.

Doch trotz alldem fühle ich so.

Ich weiß das es schwachsinn ist, aber das hilft mir nicht.

Kommentar von Nashota ,

Was dir bewusst ist, kannst du auch tun und umsetzen.

Alles andere wäre wie, "Ich weiß, dass die Herdplatte heiß ist, aber ich fasse trotzdem drauf."

Gib dir Mühe. Sonst bist du der treibende Keil, der dich von deiner Freundin trennt.

Wenn sie für dich da ist, nimm es an. Und du gib ihr das, was sie braucht. Nur so funktioniert es. 

Kommentar von SchokoKucken ,

Das ist die frage, ob das so ist.

Oder ob das eher Zwangsverhalten ist.

So wie: "Ich weiß das die Herdplatte heiß ist, aber meine Hand ist daran gekettet."

Immerhin kämpfe ich schon ewig mit diesem problem.

Kommentar von Nashota ,

Man kann und sollte sich seinen Zwangsgedanken stellen und an ihnen arbeiten. Sich ihnen zu ergeben und sagen, "Es ist schon immer so, ich kann es nicht ändern." ist Davonrennen.

Ich hatte vor vielen Jahren eine schwere Depression und darin schlimme Phobien entwickelt, die mich auch an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Ich hatte die Wahl zwischen springen und mich dagegen auflehnen.

Da ich zu dem Zeitpunkt junge Mutter war, hab ich mich fürs Kämpfen entschieden. Aber nicht nur für meine kleine Tochter, sondern in erster Linie für mich. Weil ich mich nicht mehr meinen Ängsten und der Macht, die ich anderen Menschen über mich gegeben hatte, ergeben wollte.

Es waren absolut schwere Zeiten und Momente, um das durchzustehen. Es flossen viele Tränen dabei. Aber ich habe es geschafft, mich von Arzschlöchern zu trennen und meine schlimmen Ängste zu überwinden.

Das bedeutet zwar nicht, absolut frei von dunklen Gedanken zu sein. Ich habe immer wieder Tiefphasen, wenn eine Situation auf eine meiner Erfahrungen passt.

Aber ich habe gelernt, den Mund aufzumachen und zu sagen, was MIR wichtig ist. Und wenn ich etwas nicht will, sage ich heute auch ganz klar "Nein!, keine Lust."

Wenn man will, kann man gewisse Dinge in seinem Leben ändern. Dass das oft schwer ist, weiß ich wie gesagt auch reichlich eigener Erfahrung.

Aber ehe man sich von seiner Angst die Luft abdrücken lässt, sollte man ihr doch besser ganz direkt in die Augen sehen und ganz klar sagen: "Es reicht! Bis hierher und nicht weiter!"

Du kennst die Worte

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Diese Worte sagen die Wahrheit.

Kommentar von SchokoKucken ,

Wohl war, nun ich werde mich von meiner Therapeutin verabschieden.

Ich werd es versuchen, danke für deine Zeit und Worte.

Fluoxetin und meine Willensstärke wird mir schon helfen...

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