Frage von Angsthase523, 88

Verlustängste nach todesfall?

Hallo, vor 8 Tagen habe ich meinen Papa unerwartet und ganz plötzlich verloren und mache mir nun andauernd extreme Sorgen um meine Mutter. Ist das normal? Wie verarbeitet man sowas?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Angsthase523,

Schau mal bitte hier:
Mutter Tod

Antwort
von nachdenklich30, 41

Hallo angsthase523,

zunächst einmal: das ist ein heftiges Ereignis, auf das Du völlig normal reagierst. Zu einem Psychologen musst Du deswegen jetzt nicht.

Wenn Du auf Deine Mutter achtest und für sie da bist, ist das gut.

Du solltest aber nicht zu viel drüber spekulieren, wie sie drauf sein könnte, sondern lieber gut fühlen, wie Du Dich fühlst und was Du brauchst. Je mehr Du bei Dir selbst bist, desto besser kannst Du Deiner Mutter helfen.

Der Papa hinterlässt eine Riesenlücke, die niemals ganz gefüllt werden kann. Ihr werdet mit jedem Tag mehr lernen, mit dieser Lücke umzugehen. Und ihr werdet ganz unterschiedlich damit umgehen. Und das ist gut so.

Ihr dürft ganz unterschiedliche Gefühle haben: Trauer (ein anderes Wort für Liebe), vielleicht auch Wut darüber, das es so plötzlich war. Und ihr dürfte viele gute Erinnerungen haben: Was alles schön war mit diesem Papa.

Und jede Träne, die ihr dann weint, verbindet Euch noch mal mit diesem Papa.

Wenn man seine Tränen hasst, wird es ganz schwer in der Trauer. Wenn man seine Tränen '"für den besten Papa der Welt" lieben lernt, können sie eine große Hilfe sein, mit der Trauer leben zu lernen.

Und ihr müsst nicht den ganzen Tag trauern. Ihr dürft zwischendrin auch einfach mal fröhlich sein, die Sonne scheinen sehen und etwas machen, was Euch gut tut.

Erstens würde Euer Papa das wollen. Zweitens hält das kein Mensch aus, immer nur in Trauer zu versinken. Und drittens ist die Trauer ein positives Gefühl für einen Menschen, den man geliebt hat oder für den man etwas empfindet. Für dieses Gefühl braucht man auch Kraft. Und darum muss man immer wieder auch einmal auftanken.

Also kannst Du für Dich überlegen: Was würde Dir jetzt gut tun, damit Du auftanken kannst? Was hat Dir sonst immer gut getan?

Und Deine Mutter kann das für sich überlegen. Und ihr könnt es für Euch beide auch gemeinsam überlegen...

Längerfristig kann es helfen, in einer Trauergruppe oder zu einer Trauerberatung zu gehen. Gibt es fast überall. Einfach mal googlen.

Dietrich Bonhoeffer hat einmal darauf hingewiesen, wie wertvoll Eure Erinnerungen sein können. Und er meinte, dass man sehre wertvolle Dinge durchaus auch in einem Tresor aufbewahrt und nur zu besonderen Anlässen hervor holt. Wichtig daran ist jedenfalls, dass man nicht immer "durchtrauern" muss.  

Nur zur Sicherheit: Gibt es einen konkrten Anlass, sich um die Mutter Gedanken zu machen, etwa hat sie etwa Suizidgedanken geäußert? Dann würde ich das auch noch nicht zu dramatisch sehen zu diesemZeitpunkt jedenfalls Alles, was die Mutter aktiviert, wo sie selbständig Entscheidungen treffen kann oder in sie eingebunden ist, wo sie etwas tun kann, ist für sie eine Hilfe. Wenn sie etwas für Dich tun kann, ist es für sie eine Hilfe, wenn Du diese Hilfe annimmst.

Du bist für sie da. Sie darf für Dich da sein.   

Wenn Du deswegen ein Gespräch führen möchtest, sind die gut auswgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge http://telefonseelsorge.de/ sicher eine gute Adresse. Sie kennen sich oft auch regional etwas aus, an wen man sich ggf. wenden kann.

Im Extremfall allerdingst würde ich über den Notruf 112 um Hilfe bitten. Die wissen entweder die Nummer von einem Kriseninterventionsdienst vor Ort für solche Extremsituationen. Oder sie schicken einen erfahrenen Notarzt/eine erfahrene Notärztin, die die Situation überblickt.

Aber ich rechne eigentlich nicht damit, dass es bei Euch so weit kommt.

Alles Gute!

Kommentar von Angsthase523 ,

Dankeschön für deine liebe und ausführliche Antwort!

Kommentar von nachdenklich30 ,

Gerne geschehen!

Antwort
von lolimov, 36

Gerade Todesfälle die plötzlich kommen kann man schwer verarbeiten. Man hätte der Person gerne noch einmal was gesagt. 

Begib dich zu einem Psychologen und rede ausführlich darüber. Auch welche Gefühle du deinem Vater gegenüber hattest.

Das wird dir helfen denke ich.

Du hast sicher auch Ängste, weil das Leben so vergänglich ist und deine Mutter genau so schnell weg sein kann. Das ist dir halt bewusst geworden. 

Du brauchst eine Person, die dir zuhört und mit dir über diese Tatsachen spricht, denke ich.

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