Frage von Heiko896, 38

Verliere ich langsam den Verstand?

Ich bin 19 und meinem letzten IQ-Test zufolge normal intelligent. Aber ich glaube irgendwie, dass mit mir seit längerem etwas nicht stimmt. Zur Zeit lebe ich von Hartz IV und bin obdachlos. Ich übernachte in einer Notunterkunft, die vom Staat finanziert wird. Tagsüber halte ich mich oft in Parks auf und spiele irgendwas auf meinem Handy. Ich habe keine Freunde und leide unter einer starken sozialen Phobie, aufgrund der ich mich momentan in einer Behandlung befinde.

Das Problem ist, dass ich glaube, ich verliere langsam den Verstand... Manchmal, wenn ich alleine im Park bin und mich langweile, fange ich an, Selbstgespräche zu führen und laut zu schreien, während ich dabei tanze und Grimassen schneide. Ich sage dann Dinge wie "Satan ist mein treuester Begleiter und ich bin sein ewiger Diener" oder gebe an, der Anti-Christ zu sein. Das mag zwar komisch klingen, doch ich kann es irgendwie nicht kontrollieren und je mehr ich versuche, es zu unterdrücken, desto mehr staut es sich weiter an, bis ich es dann nicht mehr aushalte und dem Blödsinn freien Lauf lasse. Einmal habe ich es sogar in einer öffentlichen Toilette gemacht, wo ich dann über Stunden lachend mit mir selbst redete. Wenn ich vor einem Spiegel stehe, fange ich an, Grimassen zu schneiden und lache... Die Sache ist, dass ich mich schon von klein auf so merkwürdig verhalten habe. Damals bin ich in der Wohnung rumgerannt und schrie aus dem Fenster. Ich bin auch ein sehr naiver Mensch und mache auch sonst Dinge, die normalerweise kein Erwachsener tut. Mir ist schon bewusst, dass das nicht normal ist, aber ich bin mir nicht sicher, ob dieses Verhalten einer Behandlung bedarf bzw. ob es überhaupt behandelbar ist. Was meint ihr dazu?

Antwort
von Tasha, 38

Wenn Du in Behandlung bist - was sagt Dein Therapeut dazu?

Mich erinnert das an eine Art Tourette. Es kann aber auch - besonders die Selbstgespräche - angestautes Kommunikationsbedürfnis sein, also dass Du mal mit jemandem reden musst und dann mit Dir selbst redest, weil keiner da ist.

Wirst Du in Richtung eigene Wohnung unterstützt? 

Kannst Du Dir tagsüber auch andere Beschäftigungen suchen, z.B. in einer Bücherei Zeitungen zu lesen oder so - so dass Du andere Anlaufpunkte als den Park hast?

Frage ansonsten mal Deinen Therapeuten, an wen (Neurologe, Psychiater etc.) Du Dich wegen einer Diagnose wenden könntest.

Und teste mal selbst aus, wann das Bedüfnis kommt, etwa, wenn Du lange keinen zum Reden hattest, oder Stress oder wenn Du über etwas nachdenken musst und es mit niemandem diskutieren kannst. 

Es kann allerdings inzwischen einfach verfestigte Gewohnheit sein.

Antwort
von MarkFragtNach, 21

Hallo Heiko896,

ich bin mir sicher, dass Du nicht Deinen Verstand verlierst, zum einen, gerade weil Du über Dein Verhalten reflektierst und Du Dir diese Frage stellst: Menschen, die Ihren Verstand verlieren, oder verloren haben, geht diese Fähigkeit ab.

Zum anderen: Ich kann mir kaum eine Lebenssituation vorstellen, die schlimmer und trauriger ist, als die, in der Du Dich momentan befindest und die Du in Deiner Beschreibung sehr eindrucksvoll schilderst (an dieser Stelle ein Kompliment an Dich, für Deinen Schreibstil und perfekte Rechtsschreibung, da können sich viele eine dicke Scheibe abschneiden, mein Tipp am Rand: fang an zu schreiben!  ;))

..will damit sagen: wenn Du nicht unter enormen psychischen Stress stehst, und es nicht allen Grund gibt, dass sich das immer wieder ein Ventil sucht und sich entlädt, dann weiß ich´s auch nicht..!

In Deinem Text habe ich gelesen, dass Du in Behandlung bist, wegen sozialer Phobien, wenn Du kannst und dem Therapeuten vertraust, würde ich mit ihm darüber sprechen.

Zu guter letzt möchte ich Dir Mut zusprechen, ich hatte selbst eine schwere Jugend mit kurzer Obdachlosigkeit, aber so heftig hat es mir das Schicksal dann doch nicht besorgt, daher wünsche ich Dir die Kraft diese dunkle Zeit durchzustehen, alles Gute für Dich!

Liebe Grüße!

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