Frage von IchDuundEr, 271

Verlangt der Islam wirklich die Errichtung eines islamischen Kalifats?

Verlangt der Islam (bzw. der Koran und die Sunna) wirklich die Schaffung eines Kalifats, oder ist das nur eine Erfindung bzw. Fehlinterpretation des IS?

Ich möchte mit dieser Frage nicht gegen Muslime hetzten, deshalb wünsche ich mir bitte sachliche Antworten, keine Beleidigungen oder sonstiges.

Danke

Antwort
von josef050153, 49

Das Problem ist, dass es 'den Islam' nicht gibt. Ich wiederhole mich hier in diesem Forum wahrscheinlich zum fünfzigsten mal damit, aber anscheinend sind viele Menschen nicht in der lage zu einer vernünftigen Internetrecherche. PISA lässt grüßen.

Es gibt mindestens acht verschiedene Rechtsschulen, die sich in manchen Fragen diametral widersprechen. Die Errichtung des Kalifats (wie immer es auch genannt wird) ist so eine Frage, in der sich die verschiedenen Koranauslegungen nicht einig sind. Manche verlangen es,manche nicht.

Kommentar von SinanT86 ,

Die unterschiedlichen Rechtsschulen unterscheiden sich nur in Randfragen und stehen nicht diametral zueinander. Und keine Rechtsschule spricht sich gegen die Errichtung eines Staates nach islamischem Recht aus. Ganz offensichtlich bist du zu einer vernünftigen Internetrecherche nicht in der Lage. PISA lässt grüßen (ganz abgesehen davon, dass sich De bei der letzten PISA Studie im vordersten Drittel befand, aber macht nichts ;-) )

Antwort
von 1988Ritter, 62

Ja.

Das ganze muss man nur logisch durchdenken.

Kalif kommt von Chalif was Nachfolger bedeutet. Mit Nachfolger ist die Nachfolge Mohammeds gemeint.

Das islamische Dogma strebt nach der Vormachtsstellung einer Weltreligon. Das besondere dabei ist, der Islam versteht sich nicht als reine Religion, sondern vielmehr als eine religöse Ideologie.

Die zu erreichende Weltreligion wird dadurch gesichert, das ein Kalif vorsteht.

Der Islam erwartet sich also als Weltreligion mit einem vorstehenden Kalifen.

Antwort
von Jogi57L, 99

Was würde die (religiöse) Logik dazu sagen ?

Wenn man als Muslim davon ausgeht, dass der Islam die einzige Wahrheit ist, und man sich an die nicht veränderbaren Worte Allahs halten muss....

.. kann/darf es denn dann überhaupt eine staatliche Lebensform geben, die sich parallel zu Allahs Regeln etabliert ?

Mir wurde schon von gut informierten Muslimen gesagt:

  1. wir halten uns nicht an von Menschen erfundene Regeln.. wie z.B. das GG, sondern nur an das, was Allah will
  2. nicht Menschen und deren Gesetze und Regeln bringen uns ins Paradies, sondern nur die Unterwerfung unter den Willen Allahs
  3. Wirklich leben können wir unsere Religion nur in einem islamischen Staat....aber Allah rechnet es uns auch sehr hoch an, wenn wir in einem nicht-islamischen Staat leben, und daran (friedlich) arbeiten, den Islam in jedem Land, jedem Staat und letztlich über die gesamte bewohnte Erde zu verbreiten
Kommentar von SinanT86 ,

Ich möchte zu Punkt 1) anmerken: Es stimmt, dass menschengemachte Gesetze für uns nicht gleichwertig sind wie göttliche Gesetze, ABER der Prophet (saw) hat dennoch gesagt, dass ein Muslim sich an die Gesetze seines Landes halten muss, solange diese ihn nicht dazu zwingen, eine Sünde zu begehen. Das gilt auch für das GG. 

Der Prophet (saw) hat gesagt: „Der Muslim muss dem Herrscher gehorchen, solange er nicht dazu aufgefordert wird, eine Sünde zu
begehen. Wenn er dazu aufgerufen wird, eine Sünde zu begehen, so gibt es keine Einhaltung und keinen Gehorsam. (Sahih al-Bukhari, Nr. 2796 )

Hier eine Fatwa:

http://www.ahlu-sunnah.de/attachments/368_Gesetze_befolgen_oder_nicht.pdf

Kommentar von Jogi57L ,

Danke für die Info SinanT86

....wir hatten es neulich in der Nachbarschaft, dass ein muslimischer Handwerker, sich weigerte einen Auftrag auszuführen, weil er sonst mit einer Frau alleine in der Wohnung gewesen wäre....und das wollte er nicht, weil die Religion es ihm verbietet.....

Soll sagen:

Solche "Grenzen" sind eben für viele westliche Menschen nicht nachvollziehbar... aber deuten schon stark darauf hin.. wie sehr die islamische Religion ins alltägliche Leben eingreifen kann

Kommentar von Chris10021999 ,

Wurde der gefeuert?

Kommentar von Jogi57L ,

Wurde der gefeuert?

Das weiß ich nicht... ich erfuhr es überhaupt nur, weil die Frau derart empört war, und es ALLEN erzählte, auch wenn man es eigentlich gar nicht so genau wissen wollte....

Ich kenne sie auch nicht so sehr... Es war so ein Gespräch beim Rewe... wo sie mich ansprach.. und sagte: "Stellen Sie sich mal vor.. was ich heute erlebt habe...."

Kommentar von marylinjackson ,

Wie immer gibt es eine islamische Auslegung für "Sünde" nach dem "göttlichen Gesetz", das dem menschengemachten Gesetz entgegen steht.

Fatwas haben mit Justiz nichts zu tun.

Antwort
von JoJoPiMa, 56

Hier sind bereits sehr gute und wahre Denkanstöße hinterlassen worden. Auch der Islam hat eine Prophezeiung für das Ende - und Voraussetzungen dafür. Sich damit ein wenig beschäftigen (einschließlich das Prinzip Dar al-Islam und Dar al-harb), und die Antwort kann nur ja lauten.

Antwort
von furkansel, 58

Nein, siehe hier: deutsch türkisches journal.

http://dtj-online.de/islam-frieden-terror-koran-islamischer-staat-47441

Antwort
von atzef, 106

Wie die Bibel für alle möglichen christlichen Glaubensrichtungen als Zitatesteinbruch beliebig interpretierbar ist, ist das sicher auch der Koran. Insofern wirst du immer auch eine Horde Islamophobiker finden, die die Koraninterpretation des IS wie dessen 5. Kolone als unantasbar und uninterppretierbar deklarieren. :-)

Kommentar von marylinjackson ,

"Horde Islamophobiker"?

Wie bezeichnest Du Fachleute wie Hamed Abdel-Samad, der den Koran nicht beliebig, sondern wissenschaftlich interpretiert?

Kommentar von atzef ,

Der segnet also mit seiner vermeintlich "wissenschaftlichen Autorität" die Koraninterpretation des IS als die einzig legitime ab und verurteilt auf dieser Grundlage pauschalisierend den Koran und den islam? Ja, dann gehört auch der zu der Horde von Islamophobikern, die ich erwähnt habe.

Kommentar von atzef ,

Ah, der ist das. Nun, das ist zunächst mal gar kein Wissenschaftler,
sondern ein Journalist. Der setzt Faschismus und Islam gleich, was unter wissenschaftlichen Kriterien völliger Nonsens ist. Tatsächlich ist das auch ein Islamophobiker. Kein Wunder, hat er sich doch von einem radikalislamistischen Fundamentalisten zu jemandem mit positivem Bezug zu Demokratie und Menschenrechten geläutert.

Ja, den halte ich auch für einen unnützen islamophoben Brunnenvergifter, nicht unsymphatisch wegen seiner Läuterung, aber eben auch völlig unnütz mit seinen kruden und pauschalierenden Thesen.

Antwort
von RicVirchow, 103

Ich habe den gesamten Koran gelesen und es wird nicht dazu aufgerufen. Solche Versuche gab es von den Propheten nicht ein mal und wenn von Propheten Menschen zum Islam aufgerufen wurden, dann nie mit Gewalt, wie es der IS tut. Prophet Mohammed hat Mekkah und Medinna von Feinden befreit und es verteidigt, aber er ist nicht zu anderen Ländern gegangen und hat sie, gewalttätig erobert, wie es von vielen Extremisten dargestellt wird.

Es gibt Milliarden Muslime auf der ganzen Welt und viele in Europa / Amerika und über 90% von ihnen leben in Frieden und versuchen sich zu integrieren und unternehmen nicht den Versuch den Staat zu stürzen. 

Nur weil es ein paar tausend Terroristen im IS versuchen, sagt das noch lange nichts über die Milliarden Muslime weltweit aus, denn der IS selbst tötet zu über 90% nur Muslime, also sind die Muslime die letzten, die hierfür schuldig gemacht werden sollten.

Antwort
von arevo, 94

Chalifa bedeutet erstmals ganz allgemein Nachfolger oder Stellvetretter.Der Islam verlangt es nicht, aber das machtpolitische Denken des Menschen.Speziell in einer Gesetzesreligion wie dem Islam.Als Kalifen bezeichnen sich auch die Oberhäupter des Sufi-Ordens und der Ahmadiyya

Es gibt im Koran zwei Suren, die sich einmal auf Adam ( 2,30-31 ) und einmal auf David ( 38,26 ) als  chalifa beziehen.

Vielleicht noch ein kurzer Hinweis.Es ist zu unterscheiden zwischen Stellverteter/Nachfolger Mohammeds oder Stellvetreter Allahs.

Entscheidend ist die Funktion des Kalifen, denn dann kannst Du auch die Bedeutung des Kalifentitel besser einordnen.


Antwort
von nowka20, 10

das verlangt nur der ultraorthodoxe islam

Antwort
von SoVain123, 110

Ich habe den Koran leider nicht gelesen und deshalb kenne ich die Antwort auch nicht. Aber ich glaube nicht, dass falls es einen Gott bzw. Allah gibt, dass er wollte das ein Kalifat auf diese Weise geschaffen wird. Alles auf dem Weg dort hin nieder zu machen und Frauen und Kinder zu köpfen.

Antwort
von Typausulm, 74

Ne. Der IS versteht das entweder falsch oder Missbrauch das um die Welt zu zerstören.

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