Frage von anonymos987654, 51

Verkehrte Welt bei Beziehungen mit Sie und du?

Im Englischen muss man sich nicht entscheiden, ob man du oder Sie sagen will. Im Deutschen dagegen ist es oft lästig und zuweilen peinlich, wenn man sich für oder gegen eine bestimmte Anrede entscheiden muss oder wenn man gar durch Gruppendruck dazu gedrängt wird.

Ich habe es schon immer gehasst, wenn ich Leute aus der Generation meiner Eltern duzen sollte, vor allem Jugendarbeiter, die das so einforderten.

Zur Zeit ist es aber wie verkehrte Welt: Leute, denen ich meine persönlichen Dinge anvertraue, soll ich siezen. Und Leute, die nur zufällig im selben Verein mit mir sind, und mit denen überhaupt kein persönliches Gespräch zustande kommt, soll ich duzen.

Würdet ihr dem Gruppendruck nachgeben und auch die Älteren in einem Verein duzen?

Antwort
von Hasenmann81, 15

Ich habe mich über diese Sache auch mal mit einem Engländer unterhalten. Er meinte, dass es zwar nur das "you" gäbe, aber man aufgrund von Satzbau bzw. Formulierung der Sätze sehr wohl erkennen könne, ob man jemanden duzt oder siezt. Ich hatte zwar sehr viel Spaß an englisch in der Schule, aber so richtig erschloss sich mir nie, woran man dies nun erkennt. Er meinte aber, dass es im englischen in dieser Hinsicht auch ganz bestimmte Regeln gibt. 

Das Problem, was ich derzeit erkenne ist, dass vieles der englischen Sprache angepasst wird. So meint man das "you" durch ein ständiges Duzen übernehmen zu können, vornehmlich im Dienstleistungsbereich. Dahinter steckt natürlich auch Kalkül der Dienstleistungsunternehmen: Wir sind doch alle Freund und wir wollen nur Dein Bestes. *blabla*

Es ist immer noch eine Sache von Respekt, nicht jeden zu duzen bzw. nicht von jedem geduzt zu werden. Wenn Du die Leute aus Deinem Verein, die Du so gar nicht kennst, nicht duzen möchtest, musst Du das auch nicht. Sei aber nicht überrascht, wenn diese pikiert reagieren, sollten sie Dich duzen, Du aber von ihnen verlangst Dich zu siezen. Wenn Du sie mit "Sie" ansprichst, und sie Dir dann direkt das "Du" anbieten, wo liegt dann das Problem, sie zu duzen? Das Du bedeutet ja nicht gleich, dass ihr "Best Buddies" seid.

Ich für meinen Teil werde bei der Arbeit oder eben auch im Verein ungern gesiezt. Vor allem von Jüngeren oder Gleichaltrigen. Ich sehe mich selbst nie so sehr als Autoritätsperson, dass ich das Sie von einem Arbeitskollegen einfordern würde. Allerdings bin ich auch kein Partner der Kanzlei. Die fänden es auf jeden Fall nicht sonderlich spaßig, wenn ich im Büro herumlaufe und die duze ;)

Antwort
von mychrissie, 7

Es scheint so, dass es im Englischen kein Problem ist, ob man sich für "Du" oder "Sie" entscheiden muss.

Es schein aber wie gesagt nur so, es gibt eine Menge von Unterschieden im Kontext; Betonung, Kombination mit dem Vornamen und andere sprachliche Feinheiten, die ein Engländer oder Amerikaner sehr wohl anzuwenden und heraus zu hören weiß, die uns aber gar nicht auffallen, weil wir keine native speaker sind.

Aber dein Problem kenne ich auch, die Freundin meines Sohnes fällt auch immer wieder ins "Sie" zurück, obwohl ich ihr schon x-mal das "Du" angeboten habe. Ich weiß natürlich nicht, ob das nur "Ehrerbietung" zu tun hat, vielleicht geht das "Du" gegenüber Älteren in ihrem Kulturraum ja auch gar nicht, sie ist nämlich Griechin.


Antwort
von CounterMonkey, 20

Mir ist das eigentlich latte. Wenn ich Leute zuerst anspreche sieze ich grundsätzlich. Wenn Leute mich ansprechen sieze ich wenn sie siezen, und duze wenn sie mich duzen.

Da ich einen abartig langen Nachnamen habe, mit dem sich die meisten nicht blamieren wollen, bin ich aber eh recht schnell mit jedem per Du :D

Antwort
von Dxmklvw, 33

Das Problem verschwindet nahezu, wenn man sich daran gewöhnt, nur solche Personen zu duzen oder ihnen das du anzubieten, die man wirklich hoch achtet, denen man voll vertraut, die man mag und die einen ebenfalls mögen.

Wird das berücksichtigt, dann erwischt sich aber vermutlich so manch einer bei der Überlegung, ob er/sie den eigenen Partner/die eigene Partnerin vielleicht besser mit sie anreden sollte.

Doch egal wie, man hat es ja selbst in der Hand, was für einen persönlich das du oder das sie bedeuten soll. Man muß sich nur entscheiden, auch möglichst konsequent dazu zu stehen.

Einem Gruppendruck nachzugeben halte ich für einen Kardinalfehler, weil man dadurch das Leben der Gruppe lebt und nicht mehr sein eigenes.

Kommentar von Dahika ,

das war oder ist in franz. Adelsfamilien immer noch üblich, dass Ehemann und Ehefrau sich siezen. Und die Kinder die Eltern. Charles de Gaulle hat seine Frau immer gesietzt.

Kommentar von Dxmklvw ,

Andere Länder, andere Sitten. Bei der Frage geht es offensichtlich um Gepflogenheiten in Deutschland.

Antwort
von Dahika, 19

Diese Frage betrifft mich nicht mehr, da ich aus dem Alter raus bin. Aber spätestens ab 18 würde ich jeden duzen, der mich duzt.

Dass in Vereinen, Reitställen jeder geduzt wird, empfinde ich als normal. Das macht mir auch nichts aus. Auf Arbeitsstellen finde ich das oft nicht passend.

Antwort
von Virginia47, 6

Verein ist kompliziert. Wenn es so üblich ist, wirst du dich wohl fügen müssen.

Ich bin glücklicheerweise in einem Alter, in dem ich mir aussuchen kann, wer mich duzen darf und wer nicht. Und mein alter sieht man mir auch an.

Trotzdem war es befremdlich, als ich zu einer neuen Friseuse kam und die mich einfach duzte. Ich war so perplex, dass ich sie trotzdem mit Sie angeredet habe.

Wenn Azubis zu mir sagen, dass ich du sagen darf, mache ich das widerstrebend. Biete ihnen aber im Gegenstück nicht das Du an.

Antwort
von Jens25, 36

Klar euch verbindet der Verein. Das war und ist immer Tradition, warum auch nicht. Ich finde es unkomplizierter jemanden zu dutzen.

Kommentar von Dahika ,

Ich bin Mitglied eines Reitvereins, wo sich sehr, sehr viele Leute nicht grün sind und sich, wenn sie ehrlich sind, gegenseitig das Schwarze unterm Fingernagel nicht gönnen. Und trotdem wird sich geduzt. Manche Damen in dem Stall würde ich gerne siezen. Aber es käme komisch rüber, wenn ich damit anfangen würde. Auf der anderen Seite wäre es ehrlich.

Kommentar von Jens25 ,

Ja wie gesagt DAS ist Tradition, Verein kommt von Vereinigung. Ein Verbund von Leuten die fest zusammen stehen.

Antwort
von Treueste, 28

Das ist mal eine gute Frage.

Ich persönlich hasse diese Duzerei, besonders bei Diensteleistern, wie Friseuren, wenn mich so ein jungsches Ding fragt: "Wie soll ich Dir denn die Haare schneiden"?

Ich persönlich sieze jeden, auch Jugendliche, die mir fremd sind. Die Reaktion ist oft sehr erstaunlich.

Im Verein ist es etwas anders, aber auch hier habe ich die Mitglieder erst gesiezt.

Aber vielleicht sind wir altmodisch :-)

Kommentar von Hasenmann81 ,

Dann bin ich auch altmodisch. Ich finde es auch immer wieder befremdlich, wenn mich im Burger-Restaurant oder im Mobilfunk-Shop immer jemand "was kann ich Dir bringen" oder "was kann ich für Dich tun" fragt. 

Unterbewusst denke ich immer, "wir kennen uns gar nicht, warum duzt er/sie mich?".

Kommentar von Treueste ,

Das ist mir sogar in einem guten Restaurant passiert...

Die jüngste Kundin, die bei mir Möbel gekauft hat und die ich bewusst gesiezt habe, war 12 Jahre alt :-)  Sie war ausgeprochen höflich zu mir, so dass ich mich dazu spontan entschieden habe. Die Mutter erzählte mir später, dass ihre Tochter sehr stolz war.....

Antwort
von Pfadfinder17, 25

In Skandinavien ist das du ganz normal auch wenn es im Schwedischen die sie-Form (hon, henne) gibt. Die Leute dort sind einfach freizügiger und unkomplizierter.L.G.

Kommentar von Dahika ,

Stimmt, die Schweden duzen fast jeden. Nur Königs nicht. Ich habe die Bücher von Mankell gelesen und im dt. Vorwort stand, dass man in der Übersetzung die Sie-Form benutzt hätte, um die dt. Leser nicht zu verwirren. Im Original wird jeder geduzt. Nur halt Königs nicht.

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