Frage von Irinya, 41

Verkehrsrechtschutz: Was mache ich nach einem Unfall, wo ich die Schuld in die Schuhe geschoben bekomme, obwohl der Hergang ein anderer war?

Ich sollte angeblich die Vorfahrt missachtet haben, aber ich kollidierte mit einem Auto ca 50 mtr. entfernt von der Vorfahrtstraßen einbiegung, als ich leicht ausholte, den Blinker auf links und ich in der Einfahrt ders Parplatzes fahren wollte, fuhr auf einmal ein BMW neben mir her (Überholmanöver) und ich schrammte ihn in der Fahrerseite.

Das wollte ich dem Polizisten erklären. Aber er ging nicht darauf ein sondern glaubte nur dem Pärchen, wo die Frau die Zeugin war.

Plötzlich winkte mich ein Mann zu ihm herüber und erklärte mir, dass er den Unfall von seinem Fenster aus beobachtet hätte und ich auf keinem Fall die Schuldige wäre...

Das sagte ich dem Polzisten, dass er dieses beobachtet hätte, aber er meinte, dass sein Fenster zu weit weg sein würde. Dabei meinte er, der Zeuge, dass er so einem Rundblick hätte, wie über einem Fussballfeld.

Dieser Polizist ging nicht darauf ein.

Ich fahre 37 Jahre lang unfallfrei. Darauf sagte der Polizist mir, dass ich da wohl sehr große "Glück" gehabt hätte und ich wohl nicht sehr viel gefahren sei. Dabei hatte ich immer ein eigenes Fahrzeug... Ich fand das anmassend und unverschämt. Dann maßregelte er mich wo ich stand usw...

Er war einwandfrei auf die Seite des Gegners!

Die Straße ist übrigends einspurig und eine 30iger Zone.

Der Zeuge sah, dass er mit höherer Geschwindigkeit heranfuhr, was ich auch so empfand, als der Wagen plötzlich neben mir war, ehe das ich mich versah... Aber ich bekam übehaupt kein Gehör und ich hatte das Gefühl, das ich nicht für voll genommen wurde.

So nach dem Motto: Frau am Steuer...

Ich soll jetzt 125 Euro Srafe bezahlen und bekomme meinen ersten Punkt in Flensburg. abgesehen von dem Schaden über meine Versicherung! Ich begreife die Welt nicht mehr...

Gott sei Dank hatte ich soweit alles fotografiert, vorallem in welcher Höhe sich der Unfall abgespielt hat...

Was soll ich da machen? Ich bin nicht REchtschutzversichert, weil ich sehr wenig Geld habe....

Antwort
von TheGrow, 9

Hallo Irinya,

was die Schuldfrage angeht, so  hast Du auch die Schuld an dem Unfall, wenn sich der Unfall so wie von Dir angeführt ereignet hat, denn die Straßenverkehrsordnung sagt folgendes:

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§ 9 StVO - Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren

(1) Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen. Wer nach rechts abbiegen will, hat sein Fahrzeug möglichst weit rechts, wer nach links abbiegen will, bis zur Mitte, auf Fahrbahnen für eine Richtung möglichst weit links, einzuordnen, und zwar rechtzeitig. Wer nach links abbiegen will, darf sich auf längs verlegten Schienen nur einordnen, wenn kein Schienenfahrzeug behindert wird. Vor dem Einordnen und nochmals vor dem Abbiegen ist auf den nachfolgenden Verkehr zu achten; vor dem Abbiegen ist es dann nicht nötig, wenn eine Gefährdung nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist.

(2) Wer mit dem Fahrrad nach links abbiegen will, braucht sich nicht einzuordnen, wenn die Fahrbahn hinter der Kreuzung oder Einmündung vom rechten Fahrbahnrand aus überquert werden soll. Beim Überqueren ist der Fahrzeugverkehr aus beiden Richtungen zu beachten. Wer über eine Radverkehrsführung abbiegt, muss dieser im Kreuzungs- oder Einmündungsbereich folgen.

(3) Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahrzeuge, Fahrräder mit Hilfsmotor und Fahrräder auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. Dies gilt auch gegenüber Linienomnibussen und sonstigen Fahrzeugen, die gekennzeichnete Sonderfahrstreifen benutzen. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen; wenn nötig, ist zu warten.

(4) Wer nach links abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge, die ihrerseits nach rechts abbiegen wollen, durchfahren lassen. Einander entgegenkommende Fahrzeuge, die jeweils nach links abbiegen wollen, müssen voreinander abbiegen, es sei denn, die Verkehrslage oder die Gestaltung der Kreuzung erfordern, erst dann abzubiegen, wenn die Fahrzeuge aneinander vorbeigefahren sind.

(5) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich beim Abbiegen in ein Grundstück, beim Wenden und beim Rückwärtsfahren darüber hinaus so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss man sich einweisen lassen

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Offensichtlich hast Du gegen die von mir fett angeführten Sätze des § 9 der StVO verstoßen, sonst währe es nicht zum Unfall gekommen.

Dennoch würde ich Deiner Versicherung mitteilen, dass sich der Unfall anders als vom Polizisten aufgenommen wurde zugetragen hat.

Anhand der Fotos und der Schäden am Fahrzeug lässt sich ja meist der Unfallhergang rekonstruieren. Auch würde ich Deiner Versicherung den Zeugen benennen.

Stellt sich heraus, dass der Unfallgegner falsche Angaben zum Unfallhergang gemacht hat, ist unter Umständen Deine Versicherung von der Zahlungspflicht befreit.

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Was das Bußgeld angeht.

Bevor der Bußgeldbescheid erlassen wird, erhältst Du ja einen Anhörungsbogen.

In diesem kreuzt Du an, dass Du den Verstoß der Vorfahrtsverletzung bestreitest.

Dann führst Du an, was Du hier bereits angeführt hast und belegst Deine Einlassung mit Fotos und gibst den Namen des Zeugen an, der Deine Version bestätigt.

Für den Verstoß gegen den § 9 StVO musst Du dann nur noch mit folgendem Bußgeldbescheid rechnen:

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Tatbestandsnummer: 109114

Tatvorwurf: Sie bogen nach links/rechts *) ab, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Es kam zum Unfall.

Ordnungswidrigkeit gem. § 9 Abs. 1, § 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 35.2 BKat; § 19 OWiG

Verwarnungsgeld: 35,00 Euro

Punkte: Nein

Fahrverbot: Nein

Eintrag als A oder B - Verstoß: Nein

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Das ist das was Du tun kannst, wenn Du keinen Rechtsanwalt einschalten willst.

Ansonsten mein Rat, nimm erst einmal Kontakt mit einem Rechtsanwalt auf und klär erst mal, was dieser für seine Tätigkeit nimmt. Für ein erstes Beratungsgespräch dürften die Kosten noch recht gering ausfallen.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort
von 19Michael69, 3

Hallo Irinya,

eine echte Einschätzung kann von uns hier sicher sehr schlecht vorgenommen werden.

Das kommt wirklich darauf an, ob du das Abbiegen rechtzeitig angezeigt und ordnungsgemäß durchgeführt hast und ob der Unfallgegner wirklich zu schnell war und hätte erkennen können / müssen, dass du abbiegen willst.

Wenn du überhaupt eine Chance haben willst, dann wird das wahrscheinlich nur mit einem Anwalt für Verkehrsrecht gehen.

Alleine fällst du ziemlich sicher hinten runter, selbst mit dem Zeugen.

Solltest du dir also ganz sicher sein, dass dich nicht (alleine) die Schuld trifft und dir der Zeuge auch weiterhin so mit seiner Aussage zur Verfügung steht, dann solltest du dir einen Anwalt nehmen.

Aber darauf achten, dass das wenn du verlierst, sehr viel teurer werden kann. Lohnt sich wohl nur, wenn du eine Rechtsschutzversicherung hast.

Auch solltest du das Ganze gegenüber deiner Versicherung und unter Angabe des Zeugen so schildern.

Viele Grüße

Michael


Antwort
von TorDerSchatten, 18

Du hast nicht auf den nachfolgenden Verkehr geachtet und wahrscheinlich keinen Schulterblick, als du nach "links ausgeholt hast".

Den Schaden zahlt doch deine Haftpflichtversicherung, und nach so vielen schadensfreien Jahren wird die Versicherung ja nicht exorbitant steigen. Der Polizist wird nicht ohne Grund so entschieden haben.

Antwort
von Repwf, 23

Bist du vielleicht m Adac oder so? Die bieten auch Beistand für Mitglieder an!

Alleine im Verkehrsfragen recht zu bekommen ist leider sehr schwer 

Antwort
von Kallahariiiiii, 23

Wenn du dir wirklich 100%ig sicher bist, kannst du sicher Einspruch einlegen und das ganze etwas größer ausrollen, mit professionellem Gutachter usw. 

Aber Achtung: wenn du das dann verlierst Wirds richtig teuer.

Antwort
von Grautvornix, 14

Da kann die nur ein Rechtsanwalt helfen, wenn du nicht genug Geld hast, dann kannst du Prozesskostenhilfe beantragen.

Der Polizist soll die Fakten aufnehmen, und keine Einschätzung deiner Fahrkünste vornehmen.

Auch steht es ihm nicht zu, einfach zu behaupten das der Zeuge am Fenster viel zu weit weg war.

Was sowie so Blödsinn ist, mit der Entfernung wächst auch der Überblick über das Gesamtgeschehen.

Stehe ich mit der Nase direkt davor, kann ich u. U. nur sehen was passiert ist, aber nicht, was dazu geführt hat.

Ich hoffe du hast den Namen des Zeugen der es vom Fenster aus gesehen hat.

Antwort
von Kout78, 20

Das würde auch mit einem Rechtsanwalt nicht viel helfen. Was steht im Polizeibericht?
Hast du ein Verwahrnungsgeld bezahlt?

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