Frage von Charlotteac, 79

Verhalten gegenüber Großbritannien ändern?

Ich befasse mich zur Zeit ziemlich viel mit dem Brexit, weil mich das Thema sehr interessiert. Und ich hätte da mal eine Frage an euch, um eure Meinung mal zu hören. Wenn die Eu wirklich das Verhalten gegenüber Großbritannien ändern wollen würde, was müsste dafür geschehen? Was müsste die Eu tun, damit Großbritannien in der Union bleibt und warum wäre es wichtig eurer Meinung nach?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 17

Wenn die Eu wirklich das Verhalten gegenüber Großbritannien ändern wollen würde, was müsste dafür geschehen?

Zu welchem Zweck bzw. mit welchem Ziel?

  • Die USA sind hinter den Kulissen eifrig bemüht, den Schaden, der für sie durch den Ausstieg Großbritanniens im Hinblick auf den Einfluss auf die EU entsteht, zu begrenzen.
  • Auch die "transatlantische Fraktion" in der EU bedauert den Ausstieg Großbritanniens erheblich und wünscht sich sehr, dass er nie abschließend kommen möge.
  • Und der "neoliberale Flügel" in der EU bedauert den Ausstieg Großbritanniens ebenfalls und ist nicht im Mindesten daran interessiert, die wechselseitig wohlwollende Haltung aufzugeben.

Im Grunde ist also niemand daran interessiert, dass sich das Verhalten zu Großbritannien wirklich ändert; ganz egal, wie ein Volk nun abstimmen möge oder nicht...

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Da du aber im Konjunktiv schreibst, gibt's auch eine konjunktive Antwort:

Man müsste nicht viel machen: Es würde reichen, die bestehenden Verträge zur Neuverhandlung auszuschreiben. Dann wäre alles weitere reine Verhandlungssache; und die EU befindet sich in der stärksten Position überhaupt; denn sie kann locker ohne Großbritannien, aber Großbritannien kann nicht ohne die EU.

Was müsste die Eu tun, damit Großbritannien in der Union bleibt 

Formal müsste sie sich über den Willen eines Volkes stellen und Frau May (aktuelle Premierministerin in Großbritannien) dazu überreden, den formalen Austrittsantrag einfach nicht zu stellen.

Informell bräuchte sie verschiedenen Amtsinhabern und anderen Schlüsselpersonen nur Zugeständnisse machen, die diese wiederum als "Seht her! Das ist besser als Austritt!" an die Briten verkaufen können, damit sie das Referendum "vergessen machen" könnten.

und warum wäre es wichtig eurer Meinung nach?

Warum wäre was wichtig? Der Austritt? Das Verbleiben in der EU?

Ich bin ein großer Fan der Demokratie. Auch, wenn sie manchmal - so wie in diesem Fall - versagt und Mist baut. Insofern wäre MIR sehr wichtig, dass das bisschen Demokratie, das man den Bevölkerungen der westlichen Staaten lässt, zur Geltung kommt.

Und in diesem Fall ist nun einmal für den "Brexit" gestimmt worden. Das mag mir passen oder nicht; das mag der britischen Bevölkerung passen oder nicht: Es ist eine durch ein legitimes demokratisches Mittel zustande gekommene Entscheidung des gesamten Volkes. 

Und als solche ist sie zu respektieren. Macht man das nicht, verliert auch der letzte Rest an Demokratie seinen Wert und verkommt zur Beliebigkeit.

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Das heißt nicht, dass Großbritannien nicht nach seinem (selbst gewünschten) Austritt einen erneuten Beitritts-Antrag stellen kann, wenn das britische Volk es wünscht; und das scheint, glaubt man verschiedenen Umfragen, durchaus der Fall zu sein.

Doch es ist auch dringend erforderlich, dass die Menschen lernen, verantwortungsvoll mit ihrer "demokratischen Macht" umzugehen. Und wenn sie sich dazu hinreißen lassen, sich missbrauchen zu lassen, dann müssen sie es auch ausbaden. Nur so lernt man es. 

Denn anderenfalls steht neben dem "Was kann ich schon tun? Meine Stimme zählt doch nicht." schon bald ein selbstverständliches "Ist doch egal, was wir wählen. Wenn uns das Ergebnis nicht passt, wählen wir eben noch einmal." ...

Antwort
von OlliBjoern, 7

Nach der erfolgten Abstimmung wird es wohl keinen Weg zurück geben, die Frage ist derzeit nur, wann und wie der Brexit vollzogen werden wird. Ich denke, derzeit laufen in GB die Vorbereitungen darauf, und man will sich wohl politisch sorgfältig darauf vorbereiten.

Erst danach (wenn der Brexit offiziell eingereicht worden ist) werden die Verhandlungen gestartet, und da möchten wohl beide Seiten ihre Position möglichst im Endergebnis repräsentiert sehen. Letztendlich werden aber wohl beide Seiten Abstriche machen müssen.

Antwort
von berkersheim, 20

Die Briten haben zwar für den Austritt aus der EU gestimmt, doch sieht es so aus, dass die Umsetzung noch auf sich warten lässt. Frau Premierminister May reist ja fleißig durch die Lande, um überall vorzufühlen, wie es künftig mit bilateralen Beziehungen aussehen könnte. Während Deutschland die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland zu erheblichem eigenen Nachteil durch Boykott schädigt, hat Frau May gerade eine Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und Russland eingeleitet. Frau Merkel hat ihr - wie man lesen und hören konnte - ebenfalls als einem großen Handelspartner weitgehendes Entgegenkommen signalisiert. Herr Holande will da nicht zurückstehen.

Dass Großbritannien die bürokratischen Beschränkungen (auch im Finanzwesen) der EU nicht mehr umsetzen wird, wird der Finanzindustrie dort nicht schaden. Der hessische Wirtschaftsgrüne putzt in London die Klinken, um viele Banker nach Frankfurt zu ziehen. Doch lassen die sich Zeit und warten ab, wie lange das EU-Bankensystem noch hält. Da kracht es doch erheblich im Gebälk und wenn da einige Banken zusammenkrachen sind die Briten außer Reichweite der brennend herabfallenden Balken. Um das besser beurteilen zu können, fehlen uns Normalbürgern die Informationen. Ob man die ganze Wahrheit bis 2017 (Bundestagswahlen, Präsidentenwahlen Frankreich) noch erfährt oder erst 2018, ist fraglich. Im Moment werden wir doch nur mit Halbwahrheiten gefüttert und man muss sich einen Datensammler anlegen, um alle verstreuten Informationen zusammenzubringen.

Über die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich hört man doch kaum was. Italien steht am Abgrund. Die Briten haben von den Griechen gelernt, dass man mit der EU pokern muss, dann gewinnt man immer. So zerstritten, wie die EU ist, sind sie immer die Verlierer. Im Moment stecken die Südländer wieder die Köpfe zusammen, um durchzusetzen, dass sie a) mehr Schulden machen können und b) Deutschland diese Schulden bezahlt. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Briten ihre Beiträge zur EU noch zahlen oder nur stornieren, in der Hoffnung, sie nie bezahlen zu müssen. Durch kurzfristige Spekulationsschwankungen würde ich mich jedenfalls nicht irritieren lassen, das kippt auch schnell um.

Antwort
von archibaldesel, 23

GB bleibt nicht in der EU, da gibt es nichts mehr zu machen. Es sei denn, sie zahlen ihre Schulden nicht, dann können sie nicht austreten.

Natürlich wird sich das Verhältnis ändern. Ansonsten würde die EU ja für Mitglieder keinerlei Vorteile bieten. Wer dabei ist, profitiert, wer draußen ist nicht.

Antwort
von schwarzwaldkarl, 30

Nun, Großbritannien hatte bereits einige Sonderrechte und sich eigentlich eindeutig (wenn auch knapp) für den Ausstieg aus der EU entschieden...

Jetzt sollen sie zuschauen, wie sie klar kommen und wenn sie es irgendwann bereuen sollten, dann gibt es für die Rückkehr von EU-Seite bestimmt keine Sonderrechte mehr für GB... 

Antwort
von MickyFinn, 23

Soweit ich weiß, wurden knapp 65 % aller Gesetze in GB durch die EU verordnet... ich finde, jedes EU-Land sollte schon mehr Eigenbestimmung im Land haben.

Warum die bleiben sollten? Hmm.. ich bin froh das sie raus sind. Sie werden ein Paradebeispiel dafür sein, wie ein Land ohne der Gemeinschaft sich finanziell in den nächsten Jahren stärken wird. Sie werden die Vorreiter weiterer Länder die aus der EU austreten.

Ich muss dennoch schmunzeln.. so viele ,,junge Briten" wollten das Brexit durch ihre Stimme unbedingt verhindern... witzig das so wenige zur Wahl gingen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende 

Kommentar von Agentpony ,

...ich finde, jedes EU-Land sollte schon mehr Eigenbestimmung im Land haben.

Die Eigenbestimmung findet in den auch mit UK-Gesandten besetzten EU-Gremien statt!  Eine gemeinschaftliche Gesetzesbasis ist der Sinn der EU...

Man muss doch jetzt nicht mehr den billigen Parolen der Brexitler nachrennen...

Kommentar von MickyFinn ,

Sehen wir mal... ich bin sicher, GB wird nur gestärkt aus dem EU-Austritt hervorgehen.

Antwort
von soissesPDF, 3

Nichts, die EU hat nichts zu melden, den Brexit vollziehen die Briten in nationaler Souveränität allein, genau darum geht es ihnen.
Die haben wahrlich ein Pfund auf ihrer Seite, die EU eher nichts.

Antwort
von JustNature, 29

Großbritannien ist nun der lachende Außenstehende, der nicht durch die dramatisch niedergehende EU mit runtergerissen wird.

GB braucht gar nichts außer ein bißchen Neid. Es könnte eine Rettungsinsel werden für betuchte Europaflüchtlinge.

Kommentar von archibaldesel ,

Bis jetzt haben sie nichts zum Lachen. Das GBP ist um mehr als 10% gefallen, die Inflation gestiegen, die Prognosen für das Wirtschaftswachstum teilweise kräftig zurückgenommen und mehrere Firmen planen den Firmensitz in die EU zu verlegen. Ich finde nicht, dass man die Briten dafür beneiden sollte. Aber wenn man auf Armut, Arbeitslosigkeit und ein schlechtes Gesundheitssystem steht, ist Großbritannien sicher das Ziel so mancher Träume.

Kommentar von JustNature ,

Die Dinge werden sich schnell drehen. Deutschland wird so kriminell wie El Salvador, Berlin wird Caracas.

Groß Britannien kann seine Dinge wieder selbst regeln so wie das Land es braucht und nicht Obermafioso Juncker.

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