Frage von Piratin2000, 19

Vergleichen und Verzweifeln?

Hi,

ich habe eine "schlechte Angewohnheit": Immer wenn ich was gut mache, sehe ich auf die anderen und sehe, dass die diesen Erfolg zehn mal besser hatten und so mache ich mich quasi schlecht. Wenn ich z B eine zwei schreibe, sehe ich dass x Leute eine eins haben und dann ist meine zwei irgendwie nichts mehr wert. Es ist demotivierend und schürt Hass auf die, die mir ihren Erfolg "unter die Nase reiben".

Wie kann ich mir das abgewöhnen? LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von HiFiech, 5

jup, kenn ich. Die heutige Gesellschaft fördert so ein Leistungsdenken und Neidischsein leider noch, obwohl einen das innerlich krank macht.

Bei der Arbeit heißt es: 90 % der Ziele schaffst du in 10 % der Zeit, und danach geht der Aufwand exponentiell hoch, d.h. die 100 % kannst Du mit der Zeit, die Du hast, gar nie erreichen.

Ne Kollegin von mir ist 1000-%ig, will meinen, selbst 98,7% sind ihr noch nicht genug. Und sie zieht da alle Gutwilligen und Helfer mit rein, die ihr in ihrer himmelschreienden Misere helfen wollen... energetisch ist das aber ein Fass ohne Boden, du steckst rein, rein, rein, rein. Und trotzdem bleibt es unvollständig

Dann gibt es noch einen weiteren Gedanken, der für Dich wichtig sein könnte. Da ist ein Teppichweber, der wundervolle Teppiche herstellt, aber in jeden einzelnen Teppich einen Fehler reinmacht. Als ihn mal einer fragt, warum er das tut, meint er, dass es ihm als Mensch nicht gegeben ist, fehlerfreie Teppiche zu weben, weil nur Gott perfekt ist. (die gleiche Geschichte gibt es auch mit Mandalas statt Teppichen).

In eigentlich allen Kulturen gibt es Geschichten und Erzählungen dieser Art, die einem eigentlich nur sagen wollen, dass man als Mensch Fehler machen darf und auch Fehler machen muss. 

Ich kenn das auch, dass ich meinen eigenen Erfolg schlecht mache und nicht genießen kann, mich dann schnell umgucke, wer das denn schöner oder toller oder bunter hinkriegt. Vielleicht will ich auf die Weise verhindern, dass ein anderer meinen Erfolg lächerlich macht, wenn ich mich gerade am meisten freue. Weil, wenn ich mich freue, bin ich verwundbar.

Wenn ich aber so denke, laufe ich immer mit der Messlatte rum, und alles im Leben muss klein zu machen und unter diese Messlatte zu knuten sein... total panne. Als ob wir alle Messlatten wären (stell dir das mal vor - manche sind auch Zollstöcke mit nem Knick, manche so Auf-Knopfdruck-zurückspul-Maßbänder... und die sitzen alle mit in deiner Klasse und haben vergessen, das sie eigentlich Menschen sein sollen... und der Englischlehrer hat ne Inch-Skala...).

Jetzt kommt der dritte Spruch: Der Kenner schweigt und genießt.

Wenn Du ne Zwei geschrieben hast, dann heißt das, Du hast eine gute Arbeit geschrieben. Nicht rumtrompeten sondern genießen - das ist ne gute Arbeit die Du geschrieben hast. Buntere, lautere, sehr-gutere andere? Das hat nix mit Dir zu tun und es färbt auch nicht auf Deine Note ab, die Noten Anderer zu wissen, genauso wenig wie du besser Gitarre spielen kannst, wenn neben dir an der Bushaltestelle ein Gitarrist steht (ausser, er bringt es Dir gerade bei).

Wenn Du irgend eine Stärke hast, etwas was Du super kannst und was nicht in Deiner Klasse vergleichbar ist (weil andere vielleicht so ein Hobby / so einen Stil gar nicht haben), dann halte Dich lieber da dran als an diesen Leistungs-Messlatten-Vergleichs-Zirkus. Ist auf Dauer fürs Selbstbewusstsein echt gesünder.

Bei mir war es Zeichnen (nicht gut, aber hartnäckig), was mir die nötige Ruhe vor den Anderen verschafft hat.

Ich drück Dir die Daumen!

Antwort
von the100skykru, 7

Setzte dir ein Ziel und mache dich von den anderen unabhängig, den Vergleich setzten macht irgendwie jeder oder?Ich würde das nicht eine schlechte Angewohnheit nennen aber vielleicht versuchst du einfach mal ein bisschen selbstzufriedener zu sein :)

Antwort
von PrinzEugen3, 7

Oh das ist eine gute Frage und eine schlechte Haltung dir gegenüber, es ist die mir ach so vertraute Haltung des Pessimisten, der es vielleicht anderen sich selbst jedoch nie recht machen kann. Folgerichtig wirst du keinen Erfolg selbst einen Nobelpreis nicht geniessen können, du must ja dir nur sagen, dass hätte ein anderer genauso gut oder besser und das noch in der Hälfte der Zeit machen können.

Offenkundig scheint dir das Leben (ich bin etwas auf der Kippe zwischen Optimismus und Pessimismus - mit leichtem Schlag ins Optimistische) als Pessimist nicht zuzusagen (alles schwarz alles grau - ungut).

Du must deine innere Messlatte senken. Ob deine Eltern dich zu Höchstleistungen gepuscht haben weiß ich nicht (solltest du aber mal reflektieren - schlechte Einflussquelle).

Das Über Ich nach Freud u.a. hat zwei Funktionen: ein innerer Moralist (gut schlecht was deine Umgebung  dir von Kinderbeinen, da man noch nicht unterscheiden konnte und den großen Erwachsenen blind glaubte)  und das andere ist das IDEAL ICH. Diese Überich Funktion hält Vorstellungen bereit was du gern sein möchtest - z. Teil Erwartungen , die du nicht erfüllen kannst). Läufst du übersteigerten Idealich Erwartungen (warum bin ich nicht die Superfrau / Bette Davis oder oder oder), dann liegen deine Ich Leistungen immer hinter deinen Erwartungen, ständig musst du von dir enttäuscht sein und lebst nur noch in der Erwartung in Zukunft mal irgendwann deine Erwartungen zu erfüllen.

Wir sind aber nur Menschen und keine Halbgötter.

Medizin: Kaufe das Buch von Paul Vaclavec: Anleitung zum Unglücklichsein, dann wirst du irgendwann erkennen, dass es manchmal schön ist wie es ist und manchmal ist die 1 die 1 und manchmal ist die 3 deine 1 und ob der andere faul und klug ist oder hier und da besser ist, soll dich nicht interessieren, er hat vielleicht ganz andere Päckchen zu tragen, die du nicht tragen möchtest.

Noten sind nicht das einzige im Leben, Noten machen nicht glücklich , ein Ziel kann man auch in Etappen gliedern, kleine Fortschritte sind besser als keiner.

Es gibt in der Schule superkluge Leute mit einser Schnitt, die unfähig sind in der Arbeitswelt zu bestehen.

Angenommen du hast in 5 Fächern 5 Dreien geschrieben, in der Parallelklasse gab es eine Schülerin die exakt die gleiche Arbeiten schrieb (3 x 1, 2 x 2,bei dem gleichen Lehrer, du beneidest sie um ihre guten Noten, du hast viel von ihr gehört , als du ihr begegnest stellst du fest, dass das gleichaltrige Mädchen bereits seit 5 Jahren im Rollstuhl sitzt, und er wird sie ihr Leben begleiten, möchtest du wirklich ihre Noten zum Preise ihres Rollstuhls haben, hast du dich gefragt wie es ihr geht nie gehen, tanzen , raufen springen zu können (zeige Milde ihr gegenüber und zeige sie dir gegenüber , auch du verdienst Milde - lerne nicht zu hart mit dir umzugehen.

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