Frage von Ichthys1009, 102

Verbotene Bilder mit drei göttlichen Personen?

Im Christentum wurde das Bilderverbot aufgehoben, da Jesus als Mensch ein Bild von Gott gegeben hat.

Nach dem berühmten Bilderstreit wurde festgelegt, dass der Heilige Geist nur noch als Taube gemalt werden dürfe.

Dann gab es später noch ein Verbot, Gottvater zu malen. Daher gibt es viele Bilder, wo nur eine Wolke oder nur eine Hand zu sehen ist.

Meine Frage: Warum werden in den Kirchen dann dennoch soviele Bilder verwendet, wo trotzdem Gott als alter Mann dargestellt ist?

Antwort
von Chaoist, 55

Weil es eben eine Sache der Interpretation ist.

Selbst wenn jemand auf die Idee käme Gott als schwarze Frau darzustellen ( was nicht das erste Mal wäre ), wäre es nur ein Symbol für Gott, der selbst unfassbar und damit niemals korrekt darstellbar ist.

Die Menschen brauchen aber etwas, ein Bild, an dem sie sich geistig festhalten können. Es ist eben leichter an einen Vater zu glauben, als an den (all)einen, unfassbaren Gott.

Dass es Gott Vater ist und nicht Gott Mutter, liegt in der Zeit der Religionsstiftung begründet, in der die Frau in der Familie eindeutig nicht die oberste Autorität stellte.

Kommentar von Ichthys1009 ,

... für die einen ist es eine Hilfe - für die anderen jedoch eine Irritation. Heute gibt es genug Atheisten, die gerade wegen einer Gottesvorstellung vom "alten Mann auf einer Wolke" nicht mehr an einen "Gott" glauben wollen/ können.

Von daher wäre so eine Darstellung kontraproduktiv. Und es gab mal ein Dogma (oder was ähnliches), wo die Darstellung Gottvaters als alter Mann ausdrücklich verboten wurde. Ich weiß leider nicht mehr, wann das war.

Antwort
von Steffile, 48

Das Bilderverbot wurde in verschiedenen Zeiten und Orten einfach ganz verschieden gehandhabt. Rom war immer sehr kulturell und liberal, die Byzantiner und Protestanten wie Calvin und Zwingli verboten Bilder gleich ganz.

Kommentar von Ichthys1009 ,

... es gab aber verbindliche Dogmen, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt Gott-Vater nicht mehr gemalt werden durfe. Ich weiß leider nicht mehr, wann das war.

Kommentar von Steffile ,

Das war schon seit Zeiten des Alten Testaments so, Zweites Gebot und so.

Kommentar von wolfruprecht ,

... es gab aber verbindliche Dogmen,...

Die gab es nicht, jedenfalls ist mir nichts dergleichen bekannt. Auf einem sich als ökumenisch verstehenden Konzils (Synode von Hiereia) 754 sanktionierte die Abschaffung der Bilder. Bereits 787 wurde auf dem 7. Ökumensichen Konzil in Nizäa die Bilderverehrung nicht nur wiederhergestellt, sondern durch Jaiserin Irene und Patriarch Tarasios geradezu verbindlich gemacht. So viel nur zur Kirchengeschichte.

Kommentar von wolfruprecht ,

@Ichthys1009

Ein Dogma diesbezüglich gab es meines Wissens nie, kirchenrechtliche Bestimmungen aber sehr wahrscheinlich schon. Da musst du einfach googlen oder in der Fachlieratur nachlesen. Dogmen an sich gibt es nur sehr wenige. Auf die Schnelle fallen mir nur zwei Mariendogmen ein (1854 und 1950). Auch das Dogma, dass Maria Gottesgebärerin und nicht nur Christusgebärerin ist, ist im Grunde eine christologische Aussage und kein ein Dogma, das Maria selbst betrifft. Alle anderen Dogmen beziehen sich (fast?) alle auf das Wesen Gottes (Trinität, Christologie).

Antwort
von Klaraaha, 35

Es gibt ja das berühmte Bild von Michelangeloim Vatikan. Vermutlich gibt es deshalb ähnliche Darstellungen von Gott als alten Mann. Der Bilderstreit fand hauptsächlich in den orthodoxen Regionen statt, also den Ostkirchen. Die Westkirche hat sich meines Wissens da gar nicht so ernsthaft dran beteiligt.

Antwort
von NorwinSchneider, 26

Weil gerade Katholische Kirchen die Regeln aufstellen ohne einen guten Grund zu haben. 

Antwort
von stine2412, 33

Ichthys, es kommt zu diesen Irritationen, weil folgendes Gebot nicht beachtet wird:
„Gott ist ein GEIST, und die ihn anbeten, müssen ihn mit Geist und Wahrheit anbeten“ (JOHANNES 4:24).

Bilder zur Anbetung zu nutzen ist Götzendienst. Sogar Engel verwahrten sich
vor der Anbetung mit den Worten: "Tu das nicht!" Nur Satan, der Widersacher Gottes, ist auf Anbetung aus und wenn es nur durch Bildnisse oder Figuren ist. Denn Gottes Gebote gehen eindeutig gegen gemachte Bilder zur Anbetung:

Ich habe einmal in Spanien eine katholische Kirche besichtigt und eine Frau gesehen, die vor einer Marienfigur im Gebet weinte, während sie eine Hand auf die Figur legte. Diese Frau tat mir so leid -  erstens weil sie wirklich Kummer zu haben schien und zweitens, weil sie diesen Kummer nur einer Figur mitteilte und nicht dem "Hörer des Gebets".

Psalm115:4-8 =

Kommentar von stine2412 ,


4 Doch ihre Götzen aus Silber und Gold sind Machwerke von Menschenhänden.
5 Sie haben Münder, die nicht sprechen, Augen, die nichts sehen,
6 Ohren, die nichts hören, Nasen, die nichts riechen,
7 Hände, die nichts fühlen, Füße, die sich nicht bewegen, und aus ihren Kehlen kommt kein Laut.
8 Genauso sollen alle werden, die diese Götzen geschaffen haben, und alle, die sich auf Götzen verlassen!

Das war in meiner Antwort aus irgendeinem Grund nicht mitgegangen!



Kommentar von Steffile ,

Ist doch egal, ob man seinen Kummer einer symbolischen Figur oder einem abstrakten Gedankengebilde mitteilt.

Antwort
von quopiam, 6

Solche Bilder malen Künstler heute nur noch sehr, sehr selten. Die Kirchen früherer Zeit brauchten Bilder, weil nur wenige Menschen den Zugang zum Text der Bibel hatten. Sie konnten nicht lesen, sie konnten schon gar kein Latein und Bücher waren so teuer, daß sie nur für Reiche erschwinglich waren. Deshalb malte man Kirchen aus, damit die Gläubigen die Geschichten der Bibel sozusagen als Bilderbuch "nachlesen" konnten. Deshalb ist die Paradiesfrucht ein Apfel, Gott ein alter Mann, der Geist eine Taube und Maria am blauen Mantel erkennbar. Laurentius hat einen Rost dabei (er ist nicht zum Grillen unterwegs), Bartholomäus trägt seine Haut, Barbara einen Turm... und so fort. Kein Mensch hätte zu jenen Zeiten irgendwas mit modernen Symbolen anfangen können. Und kein Mensch betet die Bilder in einer Kirche an. Sie sind Botschaften, die an den anzubetenden Gott erinnern. Du betest ja auch nicht die Bilder Deiner Oma an, sondern sie erinnern Dich an sie - nur mal als Beispiel. Gruß, q.

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