Frage von blueesophie, 58

Verbal aggressiver Vater... (Danke fürs Durchlesen, langer Text :D). Bitte helft mir, ich bin echt verzweifelt?

Hallo, Ich brauche Hilfe (oder zumindest Trost...) von der Community. Ich, weiblich und 15 Jahre alt, habe einen Vater, der seit mehreren Jahren sehr aggressiv und ausfallend mir gegenüber ist. Ich bin mit einem älteren Bruder aufgewachsen. Dieser Bruder wurde von ihm seit frühester Kindheit richtiggehend systematisch fertiggemacht - als Fünfjähriger stundenlang angebrüllt, weil er 2+2 nicht rechnen konnte, mit vierzehn zum Rauchen angestiftet, etc. Mir gegenüber hat er sich bis zu meinem 10. Lebensjahr eigentlich "normal" verhalten. Dann allerdings hat er angefangen, sehr viel zu trinken, bis er dann vor einem halben Jahr mit schwerer Alkoholvergiftung, Bauchspeicheldrüsenentzündung und Leberzirrhose ins KH eingewiesen wurde. Drei Monate später hat er wieder angefangen, munter weiterzutrinken. Seitdem er im KH war, hat er kein Wort mit mir gesprochen. Er hat mich nicht für mein Einser-Zeugnis gelobt, er war bei keinem meiner Reitturniere dabei, er hat mir nicht mal zum Geburtstag gratuliert. Das hat mich eigentlich noch mehr fertig gemacht als das ständige Schreien, Brüllen und Saufen spätnachts. Die einzigen Gelegenheiten, bei denen er mit mir "spricht", finden spät am Abend statt, wenn er so lange brüllt und mich beschimpft, bis ich weine. Außerdem attackiert er wie verrückt verbal meine Mutter, lästert über sie, schimpft sie aus, nennt sie vor anderen geisteskrank, ist fürchterlich aggressiv. Meine Mutter ist eine wirklich liebevolle, fürsorgliche, einfühlsame und eigentlich perfekte Mutter. Ich habe sie wirklich lieb. Umso mehr kränkt es mich, wenn er sie so behandelt. Noch so eine Sache ist, dass er eigentlich alles in den Dreck zieht, was mir wichtig ist. Z.B. bin ich Vegetarierin, gebe Flüchtlingskindern gratis Nachhilfe, reite und liebe Tiere. Diese vier Dinge dann zieht er wahnsinnig in den Dreck, indem er in meiner Gegenwart Selbstgespräche darüber führt, wie lächerlich das alles ist und dass "Menschen wie ich keine Lebensberechtigung" haben. Ein anderes gutes Beispiel ist meine beste Freundin, die eine kopftuchtragende, vor zwei Jahren aus Afghanistan geflohene Muslimin ist. Er weigert sich, sie auch nur anzusehen, geschweige denn mit ihr zu sprechen oder ihr die Hand zu geben weil "sie das nicht wert ist" und "diese Menschen alle mit einer Waffe in der Hand in den Krieg geschickt gehören", was echt eine grauenhafte Einstellung ist. Was kann ich tun? Mein Vater hat mich nie geschlagen, auch meinen Bruder nicht. Seine Angriffe waren immer rein verbal (aber ebenso schmerzhaft). Dadurch kann ich ja nicht zum Jugendamt gehen. Meine Mutter liebt meinen Vater nicht (mehr), sie hasst ihn sogar fast so sehr wie ich es tue. Zusammen mit meinem Bruder träumen wir oft von einer Scheidung, bei der wir dann weit, weit weg ziehen, manchmal machen wir sogar konkrete Pläne, aber tief im Innern weiß ich doch, dass sie nie gehen wird. Kann mir jemand einen Tipp geben, was ich tun soll? Einfach mit ihm reden reicht leider nicht... Danke ❤

Antwort
von blueesophie, 9

Hallo zusammen!

Ich bin's, die Fragestellerin. Ich wollte mich mal für die vielen lieben Antworten bedanken und ein kleines Update geben. Vor über drei Monaten ist meine Mutter mit mir und meinem Bruder ausgezogen. Wir leben mittlerweile 500 km von meinem Vater entfernt, zu dem ich, zumindest vorübergehend, jeden Kontakt abgebrochen habe.

Seit wir gegangen sind, geht es mir viel, viel besser. Ich fühle mich selbstbewusster, fröhlicher und entspannter.

Gegegangen sind wir nachdem die Situation völlig eskaliert ist, bis zu einem Punkt, an dem wir Angst um unser Leben haben mussten. In meinem neuen Zuhause allerdings bin ich sicher.

Meinem Vater geht es leider nicht besser. Sein Alkoholismus hat sich von Tag zu Tag verschlimmert und tut es wohl noch weiterhin. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie lange er das noch durchhält, da er viele weitere, teilweise durch den jahrelangen exzessiven Alkoholkonsum bedingte Gesundheitsprobleme hat. Er weigert sich hartnäckig in Therapie, Reha oder auf Kur zu gehen.

An alle, die an ähnlichen Problemen leiden wie ich: Haltet durch! Ich dachte selber, meine Lage sei aussichtslos, aber nun, nur wenige Monate später, geht es mir so gut wie schon seit Jahren nicht mehr.

Antwort
von furbo, 19

Ich verstehe dich sehr gut. Dein Vater ist ein gewalttätiger Mensch. Er wird zwar nicht körperlich gewalttätig, sondern verbal. Ich weiss nicht, welche Arten der Gewalt schlimmer ist. Fest steht, dass beides, körperliche oder verbale Gewalt, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung negativ beeinflussen. 

Du solltest dich an das Jugendamt wenden und um Hilfe bitten, auch wenn du der Meinung bist, dass nur körperliche Gewalt diesen Schritt rechtfertigt. Sie wissen auch damit umzugehen. 

Ich vermute mal, dass der Alkohol deinen Vater negativ beeinflusst, vielleicht ist er sogar abhängig. Vom Alkohol wird er erst wegkommen, wenn er es selber will,  nicht weil seine Umwelt es will.

Ich wünsche dir alles Gute. 

Antwort
von Ille1811, 17

Hallo Sophie!

Auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst: Auch für dich und deine Mutter  gibt es Hilfe.

Schau für dich mal auf die Webseite www.nacoa.de. Dort gibt es Einzel- und Gruppenchats sowie eine Telefonnummer, bei der du anonym anrufen kannst.

Deiner Mutter zeig mal die Webseite Al-Anon.de oder das blog.al-anon.de.

Al-Anon ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Menschen, die unter den Folgen des Alkoholismus eines nahestehenden Menschen leiden.

Antwort
von Namido, 32

Warum solltest du nicht zum Jugendamt gehen können? Ja, er verursacht keine körperlichen Schäden, aber er schadet deinem psychischen Wohl, das genauso wichtig ist. 

Bitte suche dir Hilfe bei den entsprechenden Stellen. Mehr kann ich dir leider nicht raten. 

Antwort
von DonCredo, 22

Hi! Ja, Du solltest dringend Hilfe suchen - am Besten zusammen mit Deiner Mutter. Das was der macht ist genauso schlimm wie schlagen und wenn Du da nichts dagegen unternimmst, könntest Du später echt persönlich Probleme bekommen. Ich finde auch , dass Du durchaus zum Jugendamt gehen könntest. Natürlich muss man sich im Klaren sein, dass sich dann was tun wird - entweder wird Dein Vater ins Achtung gestellt, genauso kann es vielleicht sein, dass Du woanders wohnen sollst. Aber es kann ja zunächst nichts schaden, mal die Möglichkeiten auszuloten. Viel Glück Euch. Gruss

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