Frage von stmk0660, 72

Ventile schleifen statt Neue (Motor)?

Hallo alle zusammen!

Kurze Frage und zwar.. ich bin ein bisschen im Clinch mit einer Werkstatt, die behauptete meine Ventile mussten geschleift werden (nur die Ventile, jedoch alle - habe 8 Stk im Motor)!

Ab wann muss man Ventile schleifen und gehört da nicht normal noch mehr Arbeiten dazu wie zB: Ventilschaftdichtungen und schleifarbeiten am Kopf selbst oder so?

Mein Motor ist ein Mercedes 190 (BJ: 92) und hat 230.000 km gelaufen.. ein Kollege meinte ich hätte ganz bestimmt die Ventile schleifen MÜSSEN aber KÖNNEN (Werkstatt sprach von dringender Notwendigkeit)

Vielen Dank

Antwort
von IXXIac, 33

Hallo

von nix ne Ahnung aber dann noch Recht haben wollen

Ventile schleifen... oder einschleifen

wenn man einen gebrauchten Kopf "überholt", werden bei korrekter
Reperaturfolge die Ventile im Kopf demontiert und vermessen bzw bei über
200000km meist unbesehen erneuert.

Problem ist die Ventile verschleissen;

- am Schaft, werden also dünner und zwar meist im unteren Bereich wenn
das Ventil im Brennraum offen steht. Der Verschleiss in dem Bereich
sorgt für viele Probleme wie Ölverbrauch, Ölkohle im Motorraum, defekte
Ventilschaftdichtungen und Überhitzung mit Bruchgefahr des Ventiltellers

- das Ventilschaftende wird mit der Zeit aufgepilzt also durch die
Stauchung Dicker (daher kommt auch das "Ventilspiel"). Der M102 hat
hydraulischen Ventspielausgleich und ein Druckstück da ist der Effekt
bei 200000km noch reperabel (Müsste man jetzt sehen/messen)

- Der Ventiltellersitz verschleisst auch weil der Sitzring im Kopf noch härter
ist (Daher kommt auch Ventilspiel) Man kann jedoch die gebrauchten
Ventile säubern und schleifen dass heisst man muss zumindest die
Aufpilzung und denn Ventilsitz schleifen. Wenn man neue Ventilführungen
einzieht werden diese auf Mass duchgerieben (Toleranzfeld 2/1000tel).
Wenn man die alten Ventile mit aufgestauchten Ende durchschiebt dann
klemmt die Führung man kann dann das Ventil auf Mass schleifen oder man
unterkühlt das obere Ende mit Flüssig-Stickstoff damit es die neue
Führung nicht gleich "verschleisst".
Da kommen wir zum nächsten Problem, man muss die Ventile auf dem
Ventilsitz einschleifen dazu muss man die mehrmals Ein + Ausfädeln womit
man dann jedesmal wieder Kühlen müsste.

Heisst ums schleifen kommt man nicht rum oder man baut Pfusch
(verschleisst die neuen Ventilführungen)

Wenn der Ventilschaft Untermass hat ist das Ventil eigentlich offiziel
"Schrott" aber bei neuen Ventilführungen und poliertem Schaft mit nur
"etwas" Untermass (Die Ventilführungen kann man individuel aufgerieben
also statt auf 8mm zb auf 7,98mm) kann man da durchaus was tricksen
zumindest bei einem thermisch gesunden Daimler mit "Bauernmotor".

Also der Punkt ist bei einer Instandsetzung nach Vorschrift wären zumindest
die 4 Auslassventile oder gleich alle 8 erneuert worden. Das säubern,
durchmessen, schleifen und polieren von gebrauchten Ventilen "rechnet"
sich eigentlich nicht bei einem Stundensatz von 50€ oder mehr. Neue
M102/M103 8V Ventile kosten zwischen 20 und 40€ Stk. Und man hat dann
noch Garantie auf das Teil also kein Restrisiko durch Bruch dank
Vorschaden.

Viele Daimler Werkstätten haben auch keine Ventilschleifmaschine (mehr).
Ventile schleifen ist eigentlich keine Arbeit für Mechatroniker das
machen nur noch Motorbauer oder KFZ Mechaniker. Die typische
Mechatronikerwerkstatt baut maximal einen neuen Kopf oder einen im
Tausch drauf. Kopf überholen "rechnet" sich eigentlich nicht mehr in KFZ
Werkstätten.

Aber es gibt noch freie Werkstätten die einerseits das Know How und andererseits noch das Werkzeug haben und damit noch Reparieren oder Restaurieren können. Auch wenn es keine Teile mehr gibt oder deren Preise enorm steigen (zb Original 2,3 16V Cosworth Ventilsatz ist schon über 1200€)

Und auch neue Ventile muss man auch in denn Ventilsitze einschleifen (Diamant oder Korundschleifpaste).
Das dauert je nachdem wie gut der Ventilsitz ist nur eine paar Minuten oder
wenn das Tragbild nicht gut genug wird muss man denn Ventilsitz
nachschleifen.
Das ist auch der Punkt wo der Mechaniker nachprüft ob die Vorleistungen am Kopf korrekt gemacht wurden weil sich hier nur noch Toleranzen im
1/100tel korregieren lassen. Diese Arbeit wird meist mit
Druckverlustprüfung und auslitern des Brennraums kombiniert.

(Auf dem Stand sind auch Neue oder Tauschköpfe)

Als Werkstatt schreibt man eine Rechnung in der alle Arbeitsabläufe
aufgelistet werden die gemacht wurden weil man dafür in der Haftung ist
und auch für Arbeiten die man nicht gemacht hat aber hätte machen
müssen.

Dann kommen die Kunden und beschweren sich über Positionen die man "zuviel" gemacht hat (Stundenschinden) oder auch nicht gemacht hat (Pfusch) und ziehen auch oft damit vor Gericht (Dank an Advocard).

Als Werkstatt kann man nicht "pfuschen" oder zu viel "abkürzen" und muss
immer auf der sichern Seite bleiben auch wenn die Kunden dann
"abkotzen".

Es gibt folgende Wege;

- Kunde geht zum Innungsmeister oder vor Gericht mit einem Gutachter. Der Kunde hat dann die Lauferei und am Ende heisst es "Arte Legis" (nach Regeln des Gewerks) und damit muss er alle Kosten tragen.

- Kunde wollte das man Geld spart und man hat getrickst oder gepfuscht. Motor ist defekt und dann kommt die Gewährleistungskeule oder er zieht  vor Gericht. Dann darf man ablegen und hat mit Glück einen 50/50 Vergleich.
Selbst wenn man denn Kunden unterschreiben lässt das er denn Pfusch will und dafür das Risiko übernimmt gibt es Anwälte die das aushebeln und man
dann trotzdem Haften muss

In beiden Fällen wird der Ruf einer Werkstatt bombardiert aber im ersten
Fall heisst es das ist ein teuerer Laden (Apotheke) und Abzocker.
Ehrlich gesagt ist dass inzwischen Immer der Fall. Ich glaube wenn man
was verschenkt ist man für viele auch nochzu teuer.

Im zweiten Fall gibt es Problem und Schäden dann ist die Werkstatt sowieso auch Abzocker aber es gibt keinen Hinweiss drauf das
man eine Billigreperatur machte weil der Kunde das so wollte. Dann hat
man nach wenigen Monaten denn Ruf das man zwar billig ist aber pfuscht
und dann kommt nur der Kundenkreis der eh alles Billig haben will oder
die weniger seriösen Gebrauchtwagenhändler die immer billigst haben
wollen und einem bei jedem Problem in die Pfanne hauen.

Undim Gebrauchtwagen/Altwagen/Oldtimebereich hat man eh denn Effekt das man oft ein Problem lösst und dann für alles am Auto verantwortlich
gemacht wird und andererseits bei so alten Fahrzeugen eine korrekte
Reperatur gar nicht mehr umsetzbar (weil denn Zeitwert übersteigend) ist
und man grosse Riskien eingehen muss ohne dass die Kunden verstehen
oder einsehen wo die Probleme sind.
 

Kommentar von stmk0660 ,

Wissen Sie.. wenn ich die Ventile gesehen hätte und sie wirklich kaputt wären, dann habe ich auch kein Problem das beheben zu lassen .. aber mir nichts sagen, schön brav reparieren, in Rechnung stellen und dann so ne gewaltige Summe ist mehr als dreist.. man kann über alles mit mir reden.. Die Reparaturkosten waren ohnehin schon sehr hoch und dann noch ein Extraposten von knapp 400 EUR, ohne den Preis verhandeln zu können.. die Sache liegt beim Anwalt, habe einen Rechtsschutz und die Sache auch NICHT in Auftrag gegeben

Antwort
von kruszi, 47

Es gibt zu jedem Auto eine Wartungsanleitung (für Werkstätten). In denen ist ganz klar vorgeschrieben wie zu Messen ist und ab wann ein Ventil ersetzt / nachgearbeitet werden muss. Nach diesen Kriterien entscheidet eine Autowerkstatt. Wenn du es besser weisst, dann kannst du ja auch einfach nein sagen und so weiter fahren. Die Werkstatt wird das allerdings auf der "Rechnung" vermerken, dass die Ventile nachgeschliffen gehören. Ist irgendwie auch logisch - immerhin sind sie in gewissem Maße in der Haftung.

Kommentar von stmk0660 ,

Das Problem ist nur, sie haben es ohne meine Beauftragung gewechselt und behaupten nun im Nachhinein, dass dies notwendig gewesen sein (ohne absprache vorher / bestätigung / what ever) und das kostet mir € 390,00 mehr und überschreitet den schriftlichen Kostenvoranschlag um mehr als 88% (es war nur die ZKD zu wechseln).. Die müssten das dann ja wenigstens mit Fotos beweisen können oder?

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